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Mein Kaiserschnitt und ich (2): Was bedeutet Geburt für mich?

Ein Beitrag von NadineGluckymom

Die zwei wundervollen Geburten die ich erleben durfte, waren die Geburten meiner beiden Kinder. Beide Kinder wurden per Kaiserschnitt entbunden. Kind Nr. 1 war ein ziemlich schneller Sofort-Kaiserschnitt und Kind Nr. 2 wurde vorsichtshalber per geplanten Kaiserschnitt geboren. Aber mal der Reihe nach:

Ich hatte eine anstrengende Schwangerschaft mit frühzeitigen Wehen und ständiger Übelkeit. Am Morgen des errechneten Termins hatten wir einen Kontrolltermin beim Frauenarzt. Die ganze Nacht war schlecht, ich war zigmal zur Toilette gerannt. Mir war schlecht. Geschlafen hatte ich kaum. Ich war einfach nur fertig und bereit endlich mein Baby zu bekommen.  Der Frauenarzt aber meinte ich hätte keine Wehen. Alles gut, bis in 3 Tagen. Er machte noch Scherze, ich konnte irgendwie nicht drüber lachen.

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Von Rabeneltern und Nestwärme

Ein Gastbeitrag von Myrto

Mutter sein ist eine andauernde Entwicklung. So viele Vorstellungen und Vorsätze ich vorher hatte, so viele habe ich umgeworfen und angepasst. Auf meinem Weg sehe ich mich regelmäßig mit den Meinungen meiner Mitmenschen konfrontiert.

Es fing schon in der Schwangerschaft an: „Du musst mehr essen, du bekommst Zwillinge!“ Ich aß ausreichend und so ausgewogen ich konnte, aber nicht absichtlich mehr. Ich vertraute meiner Hebamme, die selbst Zwillinge hat und die mich kompetent begleitete.

Im ersten Lebensjahr sorgten wir dafür, die Kinder nicht zu überreizen. Wir reisten wenig, waren abends immer zu Hause und bei Familienfeiern brachten wir die Kinder nach einer Stunde aus dem Raum. Auch heute noch achten wir darauf, ihnen nicht zu viel zuzumuten. „Ihr habt eure Kinder überbeschützt, sie sind nichts gewohnt.“ oder: „Das sollten sie aber schon aushalten/mitmachen können!“, bekamen wir zu hören.

Jedes Kind ist anders. Unsere gehören zur eher feinfühligen Sorte. Klar bin ich stolz auf sie. Aber warum soll ich sie von Treffen zu Treffen schleppen und von Schoß auf Schoß setzen, damit andere ihre Neugier stillen können, wenn sie sich anschließend abends in den Schlaf schreien, weil ihnen alles zu viel war?

Ein weiteres Beispiel, das mich sprachlos ließ, ist als mich eine gute Freundin mit ansonsten sehr ähnlichen Ansichten rügte, weil ich es nicht über die Lippen bekomme, über mich in der dritten Person („Mama kommt schon!“) zu sprechen: „Das ist nicht gut für Kinder, sie verstehen das nicht, es bringt sie nur durcheinander.“

Auch ich habe gelesen, dass Kinder das Verständnis für Ich und Du erst entwickeln müssen. Abgesehen davon, dass mir Authentizität wichtig ist, halte ich es für ebenso verwirrend, nach einer bestimmten Zeit plötzlich anders mit den Kindern zu reden. Bisher funktioniert unsere Kommunikation ganz gut und ich sehe, dass sie mich verstehen.

Auch das Thema Beikost ist ein anscheinend schwieriges. Als die Kinder 6,5 Monate waren, fingen wir langsam mit der Beikost an. Wir haben ihnen Fingerfood statt Brei gegeben, Lebensmittel und Konsistenzen ausprobieren lassen und sind dabei keinem bestimmten Konzept gefolgt.

„Sie werden sich am Essen verschlucken, das ist gefährlich und verantwortungslos!“ oder: „Was sagt der Arzt dazu?“, hörten wir mehr als einmal. Es dauerte, bis die erste Stillmahlzeit ersetzt war, dafür blieb unseren Kindern ihre Autonomie und wir sparten uns das Pürieren. Ernsthaft verschluckt haben sie sich nie. Wir waren stark beeindruckt davon, was sie ohne Zähne alles klein bekamen!

Indirekter Vorwurf: Rabenmutter!

Das sind nur einige Beispiele. Alle haben in meiner Auffassung Folgendes gemeinsam:

  1. Sie werfen mir vor, nicht gut/richtig für meine Kinder zu sorgen, dass ich meine Aufgabe nicht gut (genug) mache.
  2. Sie implizieren, dass ich ungenügend informiert bin oder dass es mir schlichtweg egal ist.
  3. Die Sprecher scheinen genau zu wissen, wie ich meine Kinder erziehe, und sie alle, ob kinderlos oder selbst Eltern, wissen scheinbar besser als ich, was gut für meine Kinder ist.
  4. Und diese armen Kinder müssen dringendst gerettet werden. Oder mir armen Mutter die Augen geöffnet. Jedenfalls gibt es da wohl Handlungsbedarf.

Oder doch Übermutter?

Soweit es mir in der Umsetzung möglich ist, ziehe ich meine Kinder bedürfnisorientiert groß. Dabei versuche ich, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und sie gleichwürdig zu behandeln. Ich informiere mich über verschiedene Ansätze und Möglichkeiten. Es ist für mich nicht unbedingt das richtig, „was man halt so tut“, sondern was mich überzeugt und für uns funktioniert. Gerne entscheide ich mich für den kinderfreundlichen, anstatt für den erwachsenenfreundlichen, oft bequemeren Weg.

Das hört sich wahrscheinlich übertrieben an. Das Beste für meine Kinder zu wollen, sie zu beschützen, dabei keine unnötigen Kompromisse einzugehen, über alles nachzudenken – das klingt eher nach einer Glucke. Gleichzeitig bekomme ich wie oben ausgeführt immer wieder gezeigt, dass ich es irgendwie doch nicht so gut mache. Dann bin ich wohl eine Rabenübermutter.

Weniger Senf, bitte!

Wir Menschen neigen dazu, unseren Senf ungefragt abzugeben. Das halten wir dann für Tipps, Ratschläge, Hilfe – schließlich ist es gut gemeint. Oft sind es uns nahestehende Personen, die sich einmischen, das macht es besonders unangenehm. Ungefragt ist in vielen Fällen gleichzusetzen mit ungebeten, das ist dann eher übergriffig und damit ist niemandem geholfen.

Insbesondere das Thema Erziehung ist ein sehr emotionales. Hier ist meiner Meinung nach große Vorsicht geboten. Wörter wie müssen, sollen, gut/falsch halte ich für gefährlich. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, Prinzipien, Wünsche und Bedürfnisse. Auch wenn sich diese nicht mit den eigenen decken – reinreden, korrigieren, ermahnen hat wenig Effekt.

Ich möchte für meine Familie selbst entscheiden dürfen, was gut für uns ist. Solange wir niemandem damit weh tun, sehe ich keinen Grund, es nicht so zu handhaben. Die Wünsche und Vorstellungen anderer zu meiner Schwangerschaft, zu meiner Familie, zu meiner Art der Er-/Beziehung haben etwas mit ihnen und nicht mit mir zu tun.

Mehr Ohren und Vertrauen stattdessen

Ich höre mir gern andere Möglichkeiten an und ich bin durchaus auch dankbar für Erfahrungswerte. Was ich in manchen Momenten aber am meisten brauche, ist eine verständnisvolle Schulter zum Anlehnen. Ein offenes Ohr. Zuhören kann so viel wertvoller sein als Ratschläge. Ich habe mal gelesen, dass wir in Gesprächen viel mehr damit beschäftigt sind, was wir dem anderen antworten werden, als damit, aktiv zuzuhören. Beobachtet euch mal dabei. Seid ihr mit eurer Aufmerksamkeit bei eurem Gesprächspartner oder bei euren eigenen Gedanken? Probiert doch mal aus, nicht zu unterbrechen, nicht zu antworten, einfach ausreden zu lassen und zuzuhören. Das ist ganz schön ungewohnt. Ich tu mich selbst schwer damit, aber ich übe fleißig.

Was ich mir außerdem wünsche, ist mehr Vertrauen. Wenn jemand etwas anders tut als ich, bedeutet das nicht automatisch Kritik an meiner Art und Weise. Dann kann ich erstmal fragen, warum die Person es so tut.

Und überhaupt: Wann ist es wirklich notwendig, aktiv einzugreifen? Niemand möchte das Gefühl bekommen, Rabeneltern zu sein. Ihr findet doch selbst auch, dass eure Entscheidungen und Methoden „die richtigen“ sind und dass ihr gute Eltern seid?

 

Myrto lebt mit Freund und Doppelpack in Berlin. Sie kennt sich aus mit Tandem-, Einschlaf- und Langzeittragen und -stillen und sympathisiert mit alternativen Er-/Beziehungsmethoden. Ihre stetig wachsende Begeisterung fürs Tragen gibt sie durch ihre Trageberatung Bindungsweisen weiter.

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Rabenmutter @ work – Wenn das Kind krank ist

Ein Gastbeitrag von Ina

Heute ist wieder einer dieser Tage: auf der Arbeit ist viel zu tun und dann kränkelt auch noch mein Kind. Ich selbst war gerade erst krank und mein Arbeitgeber denkt sowieso schon, ich wäre immer nur krank. Nun ist mein Sohnemann 3 ½ und wird nicht gerne fremdbetreut. Und „nicht gerne“ ist eine Untertreibung. Das klappt nur in der KiTa. Oma und Opa haben keine Chance. Was mache ich jetzt bloß? Die ersten Rabenmutter-Gedanken wirbeln durch meinen Kopf.

Schicke ich ihn in den Kindergarten, oder bleiben wir zu Hause. Wenn ich zu Hause bleibe, falle ich negativ mit meiner Abwesenheit auf. Wenn es ihm in der Kita immer schlechter geht, werde ich aber sowieso angerufen. Vielleicht wird dann aber gesehen, dass ich wenigstens versucht habe, zu arbeiten. Wie ich es mache, es wird sowieso falsch sein. Oder?!

In die KiTa oder nicht?

Ich fühle noch einmal seine Stirn. Leicht warm. Er hustet. Ich mache noch schnell eine warme Milch mit Honig und gebe hinterher einen Hustensaft. Ich bringe ihn zur KiTa und hoffe, dass keiner seinen warmen Körper bemerkt. Er ist ja zum Glück gut drauf. „Wird schon gut gehen“, hoffe ich.

Auf dem Weg zur Arbeit quälen mich dann doch noch die Rabenmutter-Gedanken: „Was, wenn er hohes Fieber kriegt? Wenn er wirklich krank ist? Wenn die Erzieherinnen merken, dass ich ihn in diesem Zustand abgegeben habe?“ Ich fühle mich schlecht – mega schlecht. Am liebsten möchte ich losheulen. Mein armer, kleiner, hilfloser Sohn. Was tue ich ihm nur an? „Ich bin so eine schlechte Mutter“, sage ich zu mir. „Das mir die Arbeit wichtiger ist, als mein kleiner, süßer Schatz?!“

Ich fühle mich wie die schlimmste Rabenmutter der Welt. Leider kann ich das nicht ändern. Ich darf meinen Job nicht verlieren. Ich trage damit so viel Verantwortung! Schlecht gelaunt und nervös ziehe ich meinen Arbeitstag durch. Immer wieder schiele ich auf mein Handy, ob nicht doch noch ein Anruf aus dem Kindergarten kommt. Aber der befürchtete Anruf bleibt aus.

Alles gut gegangen, aber das schlechte Gewissen bleibt

Erleichtert fahre ich meinen Sonnenschein abholen. Es geht ihm gut. Seine Körpertemperatur ist auch wieder normal; und ein wenig Husten macht ja nichts aus. Weg sind diese Rabenmutter-Gefühle. Es geht uns gut und wir verbringen einen „ich mach alles, was du willst“-Tag; denn ein wenig schlechtes Gewissen ist dann doch noch da.

Im Bett wälze ich mich hin und her. Diese Rabenmutter-Gedanken zermürben mich noch eine Runde: „Was mache ich beim nächsten Mal? Muss ich mich wirklich wie eine Rabenmutter fühlen, weil ich zur Arbeit muss? Oder fühle ich mich so, weil die Gesellschaft das so will?“ Grübelnd schlafe ich ein.

Ich werde mich mit diesen Rabenmutter-Problemen unbedingt noch einmal auseinander setzen müssen…

Spätestens, wenn mein Sohnemann wieder kränkelt und mich zu einer Entscheidung zwingt.

 

 

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Ra̱·ben·mut·ter – Substantiv [die]

Ein Gastbeitrag von Natalia

Ra̱·ben·mut·ter – Substantiv [die]

abwertend

  1. eine Mutter, die sich nicht gut um ihre Kinder kümmert.

Liebe Frauen, sobald ihr die zwei blassen Streifen auf dem Schwangerschaftstest gesehen habt und euch hoffentlich ganz laut gefreut habt, müsst ihr eines wissen, ab sofort gibt es eine neue Gefahr! Sie lauert überall und in jeder Person die euch begegnet!

Sei es Frau, oder Mann, jeder wird euch immer auf die Finger schauen, euch mit Argusaugen beobachten, ob ihr auch alles richtig macht! Wehe, aber wenn nicht! “RABENMUTTER!” So werdet ihr es hinter eurem Rücken hören, oder noch schlimmer, direkt ins Gesicht gesagt bekommen! Denn jeder weiß es besser als ihr, was für eure Kinder am besten ist, jeder!!!

Hier einige Beispiele:

  1. Du hast es versäumt, bereits drei Monate vor der Schwangerschaft, Folsäure zu nehmen! Herzlichen Glückwunsch, du bist bereits vor der Geburt deines Kindes eine Rabenmutter!
  2. Du isst in der Schwangerschaft auch mal Fast Food, weil es dich fast magisch anzieht? Dann bist du auch eine Rabenmutter!
  3. Dein Baby soll die Flasche bekommen? Tja, leg dir schon mal ein paar gute Begründungen zurecht, die du dann in den Babykursen runter zählen kannst, liebe Rabenmutter!
  4. Du schaffst es nicht frisch für das Baby zu kochen und kaufst Gläschenkost? Hmm, manche würden sagen: Du bist eine Rabenmutter!
  5. Du gehst mit deinen Freundinnen mal aus und lässt das Kind mit dem Papa? Auch hier finden sich Menschen, die dich als Rabenmutter bezeichnen würden. (Schwiegermonster zum Beispiel!)

Beispiel gefällig?

Ein Beispiel hab ich auch aus meinem eigenen Leben: Ich war mit einem satten und frisch gewickelten Baby unterwegs, das aber schrie, weil es müde war und leider irgendwie nicht in den Schlaf finden konnte. Ich lief unsere Straße entlang und sang dem Baby leise ein Lied vor.

Ein älterer Herr wurde aber sehr wütend und schrie, ich soll dem armen Baby doch mal endlich die Brust geben, es sei ja nicht auszuhalten, das arme Kind hat so einen Hunger! So eine Rabenmutter, sagt er noch zu mir! Ich habe damals diesem Mann dafür gedankt, dass er sich Sorgen macht und ihm versichert, das Baby hatte gerade noch vor 15 Minuten gegessen gehabt. (Naja eigentlich habe ich ihn in guter alter berliner Manier zum Teufel geschickt, Frechheit sowas!)

Man kann es nie allen Recht machen

Also, wie gesagt, die Gefahr als Rabenmutter zu gelten, sie ist einfach überall, auch wenn du alles richtig machst. Du wirst es nie allen Recht machen können.

Dabei kann man eigentlich beruhigt sein, denn “Rabenmutter” ist nur ein Synonym für schlechte Mütter. Raben an sich, sind sehr gute Vogelmütter, sie kümmern sich sehr intensiv und vorbildlich um ihre Brut! Sind treue Partner und sehr intelligent!

Nun, daher sollten wir Mamas eigentlich, wenn wir das Wort Rabenmutter in unsere Richtung hören, stolz sagen: “Danke für das Kompliment!”

 

Natalia von SimplyLovelyChaos gibt auf ihrem Blog liebevolle Einblicke in ihr Leben mit ihren drei Kindern – sie selbst beschreibt sich als Vollzeitmama mit Herz und Seele. Doch nicht nur Mama-Geschichten findet ihr bei Natalia, auch Rezepte, Bastel-Projekte und Buchempfehlungen für Kinder und Erwachsene!

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Lasst uns alle Rabeneltern sein!

Ein Gastbeitrag von Inge

Ich möchte mit diesem Gastbeitrag Eltern Mut machen, gut auf sich zu achten und das zu tun was sie zufrieden macht. Ich erzähle von meinen persönlichen Erfahrungen und aus meiner Praxis.

Nach Wikipedia ist das Wort Rabeneltern eine deutsche Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort Eltern herabwürdigt, die ihre Kinder aus Sicht des Sprechers vernachlässigen. Der Begriff wird besonders für berufstätige Menschen verwendet, die sich angeblich ungenügend um ihre Kinder kümmern.

Wie so oft sieht die Realität anders aus: Junge Raben verlassen das Nest zwar aus eigenem Antrieb bevor sie fliegen können, werden aber weiterhin von ihren Eltern beschützt und gefüttert. Rabeneltern vernachlässigen ihre Jungen also keineswegs.

Wann werdet Ihr Rabeneltern genannt oder fühlt Euch so?

Meine Erfahrung ist, dass ich dann kritisiert werde, wenn ich selbst unsicher bin. Diese Unsicherheit strahle ich aus und lade damit sozusagen Kritik ein: Die Außenwelt spiegelt so meine innere Unsicherheit wider.

Ich ruhe dann nicht in mir selbst. Vielleicht bin ich müde und kaputt weil die Nacht schlecht war. Oder ich meine eine lange Liste an Aufgaben ausgerechnet heute abarbeiten zu müssen wo es mir nicht gut geht.

Trenne Dich von Idealbildern

Ich hatte früher sehr rigide Idealbilder vom Mutter sein, Ehefrau sein, berufstätig sein, Freundin sein, Tochter sein, etc.. Viele davon habe ich über Bord geworfen: Denn den Idealbildern und Werten zu entsprechen, die wir vielleicht schon unser ganzes Leben mit uns herumtragen und die uns nicht mehr entsprechen verursacht viel unnötigen Druck.

Seit ich diesen Idealbildern den Rücken gekehrt habe, gehe lockerer mit mir und meiner Familie um. Ich versuche im Alltag offener für neue Wege zu sein, die ich früher nicht wahrgenommen habe. Mir ist nach und nach bewusst geworden wie sehr ich mich selbst begrenzt habe.

So habe ich herausgefunden was mir entspricht. Das sind interessante Erkenntnisse: Es liegt mir mehrere Standbeine zu haben: Heilpraktikerin mit eigener Praxis zu sein, 3 Kinder und ein erfülltes Familienleben zu haben und mich auch noch freiwillig in unserer Erstaufnahmeeinrichtung als Deutschlehrerin zu engagieren. Mein persönliches Wellnessprogramm ist Isländisch lernen.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden und feststellen was ihm entspricht. Das macht es einfacher seinen Alltag nach seinen Vorlieben zu gestalten und stressfreier machen. Wie überall im Leben gilt es auch hier die Balance zu wahren und sich immer wieder neu zu kalibrieren. Meine Erfahrung zeigt: Ist mein Alltag gut auf mich zugeschnitten, bin ich in meinem Flow und damit sehr effizient. Das macht mich zufrieden.

Mach das was Dich glücklich macht

Kannst Du auch mit Kindern den Weg gehen, der Dich erfüllt und glücklich macht? Natürlich. Wir sagen unseren Kindern doch auch, dass sie alles werden können was sie wollen. Ich finde das Gleiche gilt genauso für uns selbst.

Um herauszubekommen was Dich wirklich glücklich und zufrieden macht, musst Du Dich gut kennen. Dann bekommst Du heraus, was Du wirklich willst.

Hilfreich ist es, eine Bestandsaufnahme Deiner jetzigen Situation zu machen. Wie viel von dem was Dich glücklich macht, hast Du jetzt schon in Deinem Leben? Die Kinder, der Partner, die Wohnung… Für uns ist das alles so selbstverständlich, dass wir es oft nicht genügend würdigen. Ich versuche mir jeden Tag klar zu machen, wie viel von dem was ich liebe ich bereits lebe und wie viele Menschen, die mir gut tun, um mich sind.

Auf die Frage: „Willst Du das?“ reagieren wir oft automatisch. Unser Verstand führt uns da gerne an der Nase herum. Um herauszufinden, was uns wirklich glücklich oder unglücklich macht, sind unsere Gefühle wichtige Hinweise.

Gebt Euch nicht mit der schnellen Antwort eurer Gedanken zufrieden sondern stellt Euch bewusst vor, etwas nicht mehr zu tun und achtet dabei auf Eure Gefühle. So kannst Du beliebige Teile Deines Alltags unter die Lupe nehmen. Um also herauszubekommen, ob Du mit etwas wirklich zufrieden bist, stell Dir vor, wie es wäre, ohne dieses etwas zu sein: Das kann Deine Arbeitsstelle, die Kinderbetreuung, diese oder jener Freund sein. Wenn Du negative Gefühle wahrnimmst, merke Dir genau wo diese auftauchen und gehe diesen nach.

Auf diese Weise kannst Du Dich bewusst für oder gegen etwas entscheiden und das dann auch authentisch und nachhaltig ausstrahlen.

Wenn Du weißt was Du willst strahlst Du das aus

Meine Kinder haben mir die wichtigsten Lektionen zum Thema Ausstrahlung beigebracht. Mein mittleres Kind wollte weder Brei noch anderes in ausreichendem Maße essen, so dass sich das Abstillen hinzog. Nach 15 Monaten konnte und wollte ich nicht mehr. Ich besprach mit meinem Mann, dass das Stillen nun endgültig vorbei war. Wir scheinen das sehr klar ausgestrahlt zu haben, denn innerhalb von 2 Wochen wollte dieses Kind nicht mehr gestillt werden! Ich war sehr überrascht, hatte ich doch mit viel mehr Problemen gerechnet.

Diese Erkenntnis lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Hier ein Beispiel aus meiner Praxis:

Eine Klientin war unglücklich damit, sich als Lehrerin von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Sie fragte mich, was sie tun sollte um einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Ich habe sie gefragt, ob sie wirklich liebt, was sie macht. Um da ganz sicher zu gehen sollte sie sich vor ihre Klasse stellen und sich ausmalen wie es für sie wäre nicht mehr zu unterrichten. Dabei sollte sie genau auf ihre Gefühle achten.

Nach diesem Test war sie ganz sicher, dass sie dort weiter unterrichten wollte. Ich riet ihr diese Sicherheit bewusst jeden Tag auszustrahlen: „Ich will hier bleiben“. Neun Monate danach bekam sie eine Festanstellung.

Du hast Priorität

Hast Du das gefunden was Du machen möchtest gilt es als nächstes die Art und Weise festzulegen, wie Du Deine Aufgabe ausfüllen möchtest. Spätestens wenn Chaos droht, bist Du gezwungen Prioritäten zu setzen.

Du solltest dabei immer die oberste Priorität haben! Ich möchte Die das sehr ans Herz legen. Nicht Deine Kinder oder Ehepartner sind die Hauptpersonen in Deinem Leben sondern Du. Du gibst Dir damit die Macht über Dein Leben. Du sitzt dann selbst am Steuer Deines Lebensautos und bist nicht nur Beifahrer.

Ich habe lange gebraucht bis ich gelernt habe, dass ich an erster Stelle stehen muss. Denn nur dann habe ich genug Kraft um auch meiner Familie gerecht zu werden. Wenn ich zu oft über meine Grenzen gehe, werde ich krank oder lande im Burn out und kann für niemanden mehr da sein.

Ich versuche daher immer weniger Kompromisse zu machen und gehe dafür Kooperationen ein. Das bedeutet keineswegs, dass ich egoistisch geworden bin. Ich bin mir nur bewusster warum ich etwas tue und was das für mich bedeutet. Ich engagiere mich immer noch freiwillig und tue viel für andere. Ich weiß aber genau, dass ich das tue weil es mich zufrieden macht. Ich versuche auch hier auf meine Grenzen zu achten und lerne immer wieder dazu.

Kurze individuelle Auszeiten von Familie und Beruf sollten Bestandteil jeden Alltags sein. Der Papa, der nach dem Fußballspiel locker und voller Energie ist, kann viel mehr Trotzgeheule und anstrengende Kunden ertragen als der gestresste. Das gilt natürlich genauso für die Mama, die sich eine halbe Stunde Auszeit mit einem Kaffee genehmigt hat.

Schaffe Dir ein positives unterstützendes Umfeld

Wir Eltern, egal ob berufstätig oder nicht brauchen ein gutes Umfeld. Wenn Ihr Euch jetzt in Eurem Alltag umseht, werdet Ihr hoffentlich schon viel Positives in dieser Hinsicht finden:

Die Tagesmütter, Kindergartenerzieher und Lehrer, die mit Euch an einem Strang ziehen und sich mit Euch über die Entwicklung Eurer Kinder freuen. Oder die Freunde, die auch mal kurzfristig für Euch da sind.

Das Umfeld ist das Netz das uns alle trägt und uns hilft, das zu machen was uns erfüllt. Hier erschaffen wir Kooperationen und keine faulen Kompromisse.

Die Kinderbetreuung hat sich in den letzten Jahren zum Glück in Deutschland sehr verbessert. In unserer Grundschule gibt es jetzt Mittagessen und Hortbetreuung. Mein Jüngster besucht an 3 Tagen in der Woche den Hort. Das genieße ich sehr. Ich würde meine Arbeit wahrscheinlich auch ohne Hortunterstützung schaffen. Das würde aber auf Kosten meiner Energie und meines persönlichen Freiraums gehen. Bin ich deswegen eine Rabenmutter? Gerne!

Mein Fazit

Wenn Du künftig mit dem Begriff Rabenmutter oder -vater belegt wirst, dann finde heraus welchen Anteil Du selbst in diesem Moment daran hast. Warst Du unsicher und wenn ja warum? Oder hattest Du das Pech gerade da zu sein als jemand Dampf ablassen wollte? Meine Erfahrung zeigt: Je mehr Du weißt was Du willst und dazu stehst, desto weniger wirst Du unaufgeforderte externe Kritik hören.

Wenn Du Dich sicher fühlst, dann nimmst Du auch vieles von außen nicht mehr so persönlich. Mir fällt es zum Glück leicht solche Erlebnisse zu vergessen. Sie tropfen an mir ab und damit verschwindet interessanterweise auch die Erinnerung. Ich empfehle Euch daher, Euch eine unsichtbare Haut mit einem Lotuseffekt zuzulegen: Lasst das Gesagte ohne Rückstände einfach abtropfen.

Ich finde wir brauchen viel mehr Rabeneltern die ihren Kindern vormachen, wie sie ein erfülltes zufriedenes Leben führen können. Lasst uns alle Rabeneltern sein!

Zur Person:

Ich bin 51 Jahre alt verheiratet, Mutter von drei Kindern (7, 12, und 16), habe BWL studiert und 9 Jahre im Controlling und in der Unternehmensberatung gearbeitet.

Durch die Asthmaerkrankung meiner ältesten Tochter habe ich mich mit alternativen Heilmethoden beschäftigt und eine Ausbildung zur Heilerin gemacht. Seit 2011 bin ich als Heilpraktikerin in meiner eigenen Praxis tätig.

Mein Schwerpunkt liegt im Bereich Hilfe zur Selbsthilfe. Ich helfe meinen Klienten ihren eigenen Weg zu gehen und das zu tun was sie lieben. Denn das macht nachhaltig zufrieden.

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Ja, ich bin eine Rabenmutter – und das ist auch gut so

Gastbeitrag von NadineGluckymom

Was ist eine Gluckymom? Na, ganz einfach: Lucky-Mom + Glucken-Mom = gluckymom. So einfach ist die Gleichung. Nadine hat einen ganz wundervollen Mama-Blog, den ich sehr gerne lese. Als ich zum „Rabenmutter-Monat“ nach Gastbeiträgen fragte, war sie eine der ersten, die mir einen Artikel schickte.

Und hier ist er nun:

Was ist eigentlich eine Rabenmutter?

Als erstes frage ich Wikipedia um Rat  (ich frage eigentlich immer Wikipedia): Rabenmutter ist eine deutsche Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort (Dysphemismus) eine Mutter herabwürdigt, die ihre Kinder aus Sicht des Sprechers vernachlässigt. Der Begriff wird insbesondere für berufstätige Frauen verwendet, die sich angeblich ungenügend um ihre Kinder kümmern.

Ganz schön doof, für Mütter die arbeiten gehen müssen, um über die Runden zu kommen. Da kommt zum ganzen Stress auch noch der Stempel „Rabenmutter“ hinzu. Na prima.

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Rabenmutter – oder Mama mit Weitblick?

Ein Gastbeitrag von Angelika

Unser 10 jähriger Sohn hatte Bauchschmerzen. Ein halbes Jahr lang ständig und immer dann, wenn die Schule begann. Manchmal auch Kopfschmerzen.

Wir sprachen mit ihm, beobachteten, ließen ihn ärztlich untersuchen. Er blühte auf, wenn Ferien oder Wochenende waren und spätestens Montagmorgen ging es dann wieder los.

Nein, er selbst konnte das nicht direkt in Bezug zur Schule bringen, aber ich. Und dazu, dass er von Ungerechtigkeiten erzählte und, dass er nicht verstehen würde, warum Lehrer Schüler zu etwas drängen würden, was sie definitiv nicht könnten oder wollten.

Unser Sohn war immer einer der Besten, wir haben quasi nie unterstützen oder begleiten müssen, wenn es um schulische Inhalte ging. Leistungsdruck war nicht sein Problem. Aber er machte sich Gedanken darüber, warum er eigentlich Sachen lernen musste, die ihn so gar nicht interessierten und die doch auch nichts nützen würden?

Regelschule? Nicht für uns.

Ich sah, dass diese Schule das Gegenteil für ihn bedeutete, als das, was ich Menschen vermittele.

Ich bin Glückscoach. Ich trainiere Menschen darin, wieder ihren eigenen Glücksgefühlen zu folgen.

Und als ich erkannte, dass meinem Sohn dies in der Regelschule überhaupt nicht mehr möglich war, fing ich an, nach einer anderen Schulform zu suchen.

Wir fanden eine freie demokratische Schule.

Die Schüler müssen dort nichts. Überhaupt nichts. Es gibt nicht nur keine Noten oder Zeugnisse, sondern auch keine Lehrer (stattdessen Mitarbeiter), keine Klassen (altersübergreifend von der ersten bis zehnten „Klasse“), keine Dokumentation darüber, was die Kinder machen und „Unterricht“ (heißt dort Lernvereinbarungen) gibt es nur auf Wunsch.

Die Schule ist gemütlich, gut ausgestattet, jeder kann jede Art von Unterricht beantragen (auch mit Externen oder Online-Kursen) und auch Ausflüge können die Kinder selbst vorschlagen.

Jeder entscheidet selbst, woran er teilnehmen möchte und was ihn gerade interessiert. Kinder können von anderen Kinder lernen oder eben einfach „sein“. Spielen, Spaß haben, kochen, basteln, toben, am Computer spielen, nähen, schreiben…

Es gibt Regeln fürs Miteinander und da wird streng drauf geachtet. Niemand darf jemand anderen abwerten, niemand darf sich anmaßen zu denken, er wüsste, was für den anderen richtig sei.

Erziehen? Nein. Beziehung? Ja.

Unser Sohn? Hat sich schnell eingelebt und entspannt. Endlich innerlich entspannt. Er geht jetzt wieder gern zur Schule.

Wir? Haben im Rekordtempo dazu gelernt. Denn diese Schule bedeutet auch: zu Hause werden ähnliche Regeln gelebt.

Erziehen? Nein. Beziehung? Ja.

Tja. Und nun kommen wir zu dem Thema des Artikels… denn eine Mutter, die ihr Kind auf eine Schule gehen lässt, an der es nicht automatisch einen Abschluss macht und bei der überhaupt nicht klar ist, was oder wieviel es jemals lernt… ich formuliere es mal vorsichtig: ich falle aus dem Rahmen.

Ich habe Vertrauen in mein Kind, ebenso wie in jedes andere Lebewesen, dass das, was es freiwillig macht, das Passende für es sein wird. Denn es entwickelt gar nicht erst das Gefühl, das seine eigene Meinung nichts wert sei. Es muss nicht anderen Lebensformen und Werten entsprechen. Es verliert nicht seine Integrität. Es kann jetzt und zukünftig authentisch handeln und selbst über seine Zeit und Aufmerksamkeit entscheiden.

Wäre ich eine Glucke, könnte ich mit meinem Kind keine lebendige Beziehung eingehen, denn ich sehe es nicht mal, wenn es unter mir verschwindet und in meiner begrenzenden Welt brütet.

Daher mag ich eine Rabenmutter sein und ich sage: ich bin es gern. Raben stehen für Klugheit und Weitsicht. Ich lasse mein Kind frei und schaue von weit oben, ob die Bedingungen stimmen, gebe Hinweise auf weit entfernte Gefahren, damit es bei Bedarf seinen Weg anpassen kann.

Ich bin ratgebende Begleiterin. Seinen Glücksweg findet mein Kind ganz allein.

Angelika Norden ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne (10 und 4 Jahre). Sie ist Glücks-Coach bei GLÜCKsLEBEN – Glücksinspirationen und ihren Blog findet ihr dort.

 

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In Seenot – wie ich mein Kind und mich vor dem Ertrinken bewahrte

Ein Gastbeitrag von Sonja

Beim Kinder-Notfallkurs einer größeren Krankenkasse (nicht zu verwechseln mit einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind) habe ich gelernt, dass das Beste und Wichtigste für Eltern in Notfallsituationen ist, die Ruhe zu bewahren. Egal ob Sturz, Verbrennung oder ein anderweitiger medizinischer Notfall: Das Kind wird in dieser Situation Angst genug haben. Die Aufgabe des Erwachsenen – und da ist es natürlich egal, ob Mama, Papa, Oma, Opa oder Ersthelfer – ist es, zu beruhigen, Ruhe und Zuversicht auszustrahlen und so dem Kind zu zeigen: Ich bin da. Alles wird gut.

Wie wichtig es sein kann, die Ruhe zu bewahren und das Kind nicht durch die eigene Panik zu gefährden, zeigt unser Gastbeitrag von Sonja, 53 Jahre alt, Mutter zweier Kinder, aus Berlin. Auch ihre Tochter kommt zu Wort und erzählt den Vorfall aus ihrer Sicht.

 

Wir waren damals mit meinen Eltern im Urlaub auf Mallorca. Meine Tochter war 7 oder 8 Jahre alt, das ich weiß nicht mehr so genau.

Bisher kannte ich nur das Mittelmeer an der Costa Dorada (Nordspanien) und der Adria-Küste. Wenn dort ein bisschen mehr Wellengang ist, ist das nicht gefährlich, macht nur mehr Spaß. Als es also eines Tages richtig schöne Wellen gab, ging ich mit meiner Tochter ins Wasser. Sie konnte zwar schon schwimmen, aber das Meer ist schon etwas anderes als ein ruhiger Pool und sie trug immer Schwimmflügel, wenn wir hineingingen.

Gefährliche Unterströmung

Wir paddelten also so ein bisschen im Wasser herum, als ich plötzlich merkte, dass wir ziemlich abgetrieben waren. Wir befanden uns viel weiter draußen, als ich gedacht hatte. Für mich hatte es sich angefühlt, als blieben wir auf der Stelle. Leider bin ich sehr kurzsichtig und ohne meine Brille kann ich Entfernungen nicht richtig abschätzen, daher bemerkte ich es nicht sofort.

Die Wellen waren inzwischen auch unbemerkt höher geworden, es fiel mir Beides im gleichen Moment auf. Also dachte ich: „Jetzt machen wir uns mal lieber auf den Weg zurück!“ und stellte dann fest, dass das nicht ging. Trotz Schwimmbewegungen blieben wir im besten Fall auf der Stelle. Mir war klar, dass wir immer weiter hinausgezogen werden würden. Die Wellen klatschten meiner Tochter mittlerweile munter ins Gesicht und ich hoffte, dass sie keine Angst bekäme. Ich selbst spürte Panik in mir aufsteigen und überlegte, wann wohl der richtige Moment sei, um Hilfe zu rufen. Noch ein bisschen weiter draußen und man müsste schon ganz schön schreien, bis man überhaupt gehört würde, schließlich ist es am Strand auch nicht leise. Würde ich um Hilfe schreien, würde natürlich auch meinem Kind klar, dass das hier kein Spaß mehr war. Also versuchte ich, Ruhe zu bewahren.

Das rettende Seil

Trotz meiner aufkeimenden Panik bekam ich mit, dass die Wellenströmung nach links ging, wo vor uns der abgesperrte Bereich für die Bananen und Boote lag, was ich sofort als meine Chance begriff. Wenn ich dort hingelangen könnte und das Seil zu fassen bekäme, könnten wir uns daran entlang bis zum Strand ziehen.

Wir waren allerdings schon ein gutes Stück dahinter – also wirklich schon ein ziemliches Stück vom Strand entfernt. Ich sah meine Chance: Ich sagte meiner Tochter, dass Sie immer mit der nächsten Welle einen kräftigen Schwimmzug machen sollte und gab ihr jedes Mal dabei einen unterstützenden kräftigen Stoß. Während des Rücksoges machte ich so kräftige Schwimmzüge, wie ich konnte und schubste mein Kind immer weiter vor mir her. Die Wellen klatschten über ihrem Kopf zusammen und ich danke Gott, dass sie immer noch keine Angst bekam, im Gegenteil, sie arbeitete gut mit!

Als ich merkte, dass es funktionierte und wir tatsächlich der Absperrung näher kamen, wurde ich ruhiger. Zum Glück bin ich eine gute Schwimmerin und die Angst verlieh mir zusätzlich Kraft. Endlich bekamen wir das Seil zu fassen und zogen uns daran entlang bis zum Strand, was wegen der Unterströmung immer noch schwer und anstrengend war. Stehen konnte man ja noch nicht.

Wäre das Seil nicht gewesen, hätte ich um Hilfe schreien müssen, denn wir hätten es vermutlich nicht allein geschafft, zum Strand zurück zu kommen! Ob uns überhaupt jemand über die Entfernung gehört hätte? An einem Strand ist es nicht gerade leise. Rettungsschwimmer, die die Menschen im Meer beobachteten, gab es nicht.

Nicht alle hatten so viel Glück wie wir

Wie ich am nächsten Tag erfuhr, sind im Nachbarort etwa zur gleichen Zeit fünf Menschen ertrunken: Eine ganze Familie! Die Erste war in Not geraten und hatte um Hilfe geschrien. Dann war einer nach dem anderen ins Wasser gegangen, um zu helfen, doch sie hatten keine Chance. Durch die Unterströmung wurden sie alle immer weiter hinausgezogen. Auch dort gab es keine professionellen Rettungsschwimmer.

Ein Einheimischer erzählte uns später, man hätte eine Menschenkette bis zum Strand bilden müssen, sonst habe man keine Chance! Somit war meine Entscheidung, mich am Seil der Absperrung entlangzuziehen, die einzig richtige und Gott sei Dank hatte es funktioniert!

Ich war körperlich und mental so fertig, nachdem ich wieder an Land war, dass ich am ganzen Leib zitterte und meinen Eltern gar nichts von meiner Not erzählte. Sie hätten sonst auch nur noch Angst um uns gehabt in dem Urlaub!

Mein Herz klopft heute noch wie verrückt, wenn ich daran denke und es bleibt ein gruseliges Gefühl, dem Tod wahrscheinlich nur so eben von der Schippe gesprungen zu sein. Ich bin erleichtert und voller Dankbarkeit, dass wir einen so guten Schutzengel hatten!

Keine Rettungsschwimmer, keine Fahnen

Kurze Zeit später wurde dieses Thema und die Zustände an den mallorquinischen Stränden im Fernsehen thematisiert. Es existierten tatsächlich an den meisten Stränden keine Bademeister oder Rettungsschwimmer, keine Rettungsboote, keine Rettungsringe. So wie auch an unserem Strand.In Sa Coma, dem Nachbarort, in dem die Familie ertrank, hatte angeblich die rote Fahne geweht, die besagt, man dürfe nicht ins Wasser gehen.

Zu dem Zeitpunkt, als ich mit meiner Tochter an unserem Strand ins Wasser ging, wehte allerdings keine Fahne – weder eine rote noch sonst eine.

Seitdem habe ich einen gehörigen Respekt vor dem Meer.. Ich bin verdammt froh, dass ich in der Lage war, klar nachzudenken und cool zu bleiben. Meine Tochter sagt bis heute, sie habe nichts davon mitbekommen, dass wir in einer gefährlichen Situation waren. Sie hatte in keinem Moment das Gefühl, dass wir in Gefahr waren, hatte das Ganze aber am Ende auch schon nicht mehr lustig gefunden.

Ruhe rettet Leben

Wäre ich in Panik geraten und hätte nicht mehr nachdenken können, wäre auch mein Kind in Panik geraten.

Körperliche Gegenwehr zusammen mit dem Sog hätte ich körperlich nicht bewältigen können! So schlimm dieses Ereignis für mich noch heute ist – es macht mich natürlich auch ein wenig stolz, dass ich einen kühlen Kopf bewahrt habe und so in der Lage war, unser beider Leben zu retten!“

So hat Sonjas Tochter das Ganze erlebt:

Dieser Urlaub ist mir nicht mehr oder weniger in Erinnerung geblieben als alle anderen Urlaube mit meiner Familie in der Kindheit.

Meine Mutter hat manchmal von diesem Erlebnis erzählt und immer wenn sie das tat, habe ich versucht mehr Erinnerungen abzurufen, aber es ist nie mehr geworden als ein paar Fetzen mit denen ich keine besonders tiefen Emotionen verbinde.

Meine Erinnerungen beginnen mit Wellen auf denen ich gleite. Es ist ein schönes Gefühl. Vor mir sehe ich meine Mutter. Sie hält mich an den Händen und wenn eine Welle kommt gleiten wir beide mit einem „Huiii…“ darüber. Dann schwappt mir eine Welle ins Gesicht. Es entsteht eine kleine Erinnerungslücke und dann ist das Wasser überall um mich.

Es tut mir nicht weh in den Augen, aber es schmeckt salzig in meinem Mund und obwohl ich es nicht schlucken will, muss ich es doch um weiter atmen zu können. Ich hänge in unruhigem Wasser, meine Arme werden von Schwimmflügeln gehalten. Es macht keinen Spaß mehr und ich verstehe nicht, warum ich vorher über den Wellen bleiben konnte, aber jetzt nicht mehr.

Vor mir im Wasser sehe ich wieder meine Mutter, den Blick nicht auf mich, sondern hinter mich gerichtet. Sie wirkt konzentriert. Ich weiß, dass sie auch nicht mehr im Wasser bleiben möchte und dass wir jetzt zurückkehren werden. Eine Weile schwimmen wir Richtung Strand und jede Welle schwappt mir über den Kopf, aber dann ist da plötzlich ein Seil neben uns und meine Mutter sagt ich sollte mich daran entlang ziehen. Das tue ich, aber es ist viel anstrengender als die Schwimmbewegungen im Wasser. Ich muss mich sehr festhalten, weil ich ständig nach hinten gezogen werde. Mama schubst mich immer wenn eine Welle über meinen Kopf schwappt, damit ich mit einem Arm nachgreifen kann.

Wieder entsteht eine Erinnerungslücke und wir sind am Strand. Mama hält mich an der Hand und läuft zielstrebig über den warmen Sand. Mir ist kalt und schlecht. Noch während meine Mutter mich über den Strand zieht muss ich mich übergeben. Es brennt in meinem Hals und hinterlässt einen bitter-salzigen Geschmack im Mund.

Angst spielt in meinen Erinnerungen keine Rolle. Das schlimmste Erlebnis in meiner Erinnerung ist, dass ich mich am Strand übergeben habe. Wenn ich heute im Meer schwimme, habe ich nicht mehr oder weniger Respekt davor, wie alle anderen auch.