Vier Taler für den Weihnachtsmarkt

Eine Idee für mehr kindliche Selbstbestimmung.

Am Wochenende waren die Paten meiner Kinder zu Besuch. Fast alle, Lockes Patenonkel ist vor ein paar Tagen selbst Vater geworden und war deshalb in eigener Familienzeit. Lockes Patentante ist Erzieherin, sie hat immer tolle Ideen und gibt mir oft interessante Impulse, ohne sich einzumischen. Vieles von ihr kann ich in meinen eigenen Erziehungsstil einbauen. So auch die Taler-Idee.

Was deines ist, musst du nicht teilen

Meine Söhne müssen beispielsweise nicht alles teilen. Es gibt eine große Menge „gemeinsamer Spielzeuge“ – unrechtmäßigerweise haben wir Locke bei vielem enteignet.

Die riesige Menge an Duplo zum Beispiel, die muss er mit seinem Bruder teilen, denn die Wohnung ist nicht so groß, dass wir die Bausteine containerweise horten können.

Aber Geschenke, die es nun, wo beide älter sind, gibt, müssen nicht mehr geteilt werden. Wenn einer der beiden entscheidet, dass der andere damit spielen darf, ist das natürlich schön und gern gesehen. Will aber einer sein Spielzeug nicht abgeben, ist das auch in Ordnung, auch wenn es regelmäßig zu kleinen Wut-Dramen führt. Denn eines ist klar: Kein Spielzeug ist interessanter als das, was der Bruder gerade in der Hand hat.

Die Sache klingt selbstverständlich, ich musste aber erst darauf gestoßen werden – vieles schleift sich einfach so ein. Ich überdenke meinen Erziehungsstil fast täglich und passe hier und da an, im Großen und Ganzen bleibe ich aber meiner Linie treu.

Weihnachtsmarkt & Co. mit Kindern

Nun erzählte mir Lockes Patentante, wie sie mit den Kindern ihres Mannes auf einem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt waren. Wunderschön, diese Events – aber auch wirklich teuer. Die Kinder sind Zwillinge – aber beide sehr unterschiedlich. Während der eine eher überlegt ist, ist der andere impulsiv. Der eine weiß, was er will – der andere will das, was der Bruder will, aber nur, weil der es gerade will. So weit, so normal für Geschwister.

Die Kinder sind so alt wie Locke und nun in einem Alter, in dem sie lernen müssen, dass sie nicht immer alles bekommen können, auf so einem Weihnachtsmarkt (gilt auch für Jahrmärkte, Kirmes oder sonstige Veranstaltungen). Bei zwei – oder mehr – Kindern ufert das ja gern mal aus – dieses Karussell, jenes Fahrgeschäft, diese Losbude, Entenangeln, Dosenwerfen und was es alles gibt.

Geld ist für die Kleinen noch eine zu abstrakte Idee. Das all dies nicht gratis ist, verstehen sie, aber dass sie dies dürfen und das andere nicht, weil es zu viel Geld kostet, ist noch schwierig.

Vier Taler für die Kleinen

Lockes Patentante und ihr Mann hatten nun eine tolle Idee: Vier goldene Taler. Die Kinder bekamen jeder vier Goldstücke (es waren 20 Cent-Münzen), die sie dem Papa geben mussten, wenn sie Süßigkeiten kaufen oder eine besondere Attraktion besuchen wollten. Das normale Essen und Trinken war davon natürlich ausgenommen.

Ich finde diesen Tipp grandios.

Natürlich kann jede Familie es der Situation und dem persönlichen Budget angleichen. Ob zwei, drei oder vier Taler pro Kind: Das Kind lernt, dass nicht alles geht und hat trotzdem Spaß – und eine eigene Verantwortung. Irgendwann gewöhnen sich die lieben Kleinen an das System und der Weihnachtsmarkt- oder Kirmesbesuch wird (hoffentlich) monetär erträglich und um die eine oder andere Diskussion ärmer, dazu lernt das Kind noch eine wertvolle Lektion. Win-win? Bestimmt!

Wie hat es geklappt?

Während einer der Zwillinge das System sofort verstanden und angewendet hatte, hatte der andere seine Taler „verpulvert“ und dann neidisch auf seinen Bruder geschaut. Das gab natürlich Wut und Drama – aber, da bin ich mir sicher, auf lange Sicht ist das System unschlagbar und nachhaltig.

„Da hieß es dann einfach konsequent bleiben“, lachte Lockes Patentante. „Das fiel uns natürlich schon schwer, aber musste ja sein, denn sonst wäre die Taler-Aktion ja überflüssig gewesen.“

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Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

„Sommer 2015. Tausende verängstigte und erschöpfte Menschen erreichen die Insel Lesbos nach einer schwierigen und gefährlichen Reise, auf der Suche nach einem sicheren Leben für sich und ihre Kinder. Erschütternde Bilder und Erlebnisse, die alle, die das sehen und miterleben tief berühren. Wir wollen helfen.“ (D. Vloumidi)

Dies sind die Worte von Daphne Vloumidi. Daphne half dabei, provisorische Camps zu errichten und den Menschen zu helfen, die da angekommen waren und Schutz suchten, auf ihrer Insel Lesbos. Schutz brauchten. Ehrenamtlich setzt sie sich bis heute für Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern ein.

Ein Flüchtling sein

Ich wünsche niemandem, dass er flüchten muss. Vor Krieg, vor Hunger und Elend. Sein Zuhause zu verlassen, entwurzelt zu sein und dann nicht einmal zu wissen, wohin, keinen Plan zu haben und immer, immer, immer besorgt zu sein, um die Sicherheit der Kinder – das ist das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Auch ich würde alle Hürden nehmen, allen Gefahren ins Auge sehen, wenn ich nur meine Kinder sicher wüsste. Ich hoffe, ich muss es niemals selbst erfahren.

Mein eigener Großvater war ein Flüchtling. 1945 flüchtete er aus Ostpreußen über das Haff, die Kurische Nehrung. Es muss schrecklich gewesen sein. Bitterkalt, die Angst im Gepäck. Doch es geht hier nicht um meinen Opa.

Willkommen in der Hölle

Die Bilder aus Griechenland waren schrecklich. „Willkommen in der Hölle“ titelte die tagesschau.

In ein fremdes Land zu kommen – nicht nur für ein paar wonnige Urlaubstage – ist immer eine Herausforderung, für jeden. Ich selbst habe ein halbes Jahr in Australien gewohnt. Ein Land, dessen Sprache ich gut beherrsche und dessen Kultur der unsrigen sehr ähnlich ist. Und auch dort gab es Missverständnisse und kulturelle Besonderheiten, die ich erst verstehen musste. Allerdings mit einem warmen Bett und einer hübschen Wohnung im Rücken.

Man stelle sich nun vor, man kommt in ein Land mit nicht mehr als den Kleidern am Leib, kennt weder Kultur noch Sprache – ja, nicht einmal das Alphabet! Man weiß nicht, wer Freund ist und wer Feind, denn man versteht die anderen Menschen nicht. Man ist müde, erschöpft und hat vor allem eines: Angst.

Aus dem Dreck

Dass es unter den Angehörigen verschiedener Kulturen zu Missverständnissen, Reibereien und Problemen kommt, ist wahrlich kein Wunder. Trotzdem muss man helfen.

Daphne Vloumidi fand in einem der Flüchtlingslager einen kleinen Stoffelefanten, der voller Dreck und ganz vergessen in der Ecke lag. Sie nahm ihn mit – und schrieb eine Geschichte. Für die Kinder in den Flüchtlingslagern und für die, die ein Zuhause haben.

Es ist die Geschichte von Quilombo.

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

Quilombo steht auf einmal da, als die Großmama nach Lesbos kommt, um dort Urlaub zu machen. Woher er kommt? Aus Asien oder Afrika? Mit dem Schiff oder mit dem Lastwagen? Keine Ahnung und es ist auch überhaupt nicht wichtig.

Quilombo, ein sehr kleiner Elefant, ist sehr schmutzig. Also nimmt ihn Großmama mit in ihr Hotelzimmer, um ihn zu baden und ihm einen warmen Platz zum Schlafen zu geben. Doch der kleine Elefant hat ganz eigene Vorstellungen davon, was er will. Wie das oft ist, wenn zwei unterschiedliche Menschen – oder Kulturen – aufeinander treffen.

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant möchte nämlich gar nicht baden. Auch der Föhn macht ihm Angst, denn er kennt ihn nicht. Und dann will er etwas, was er nicht bekommen kann – ein Kompromiss muss her. Und wird er da gerade unverschämt und stibitzt Kekse?

Quilombo verhält sich nicht ganz so, wie Großmama es erwartete hat – aber am Ende, als der kleine Elefant sauber und satt ist, ist die Elefanten-Hilfsaktion zwar ganz anders gelaufen, als geplant, aber doch sind alle zufrieden und glücklich.

Odysseas – Hilfe für Migranten

Daphne Vloumidi betreibt auf der griechischen Insel Lesbos ein Familienhotel, in dem Besucher aus aller Welt willkommen sind. Zusammen mit Freunden aus Deutschland gründete sie die gemeinnützige Organisation Odysseas, die sich um Bildungsprogramme für Migranten kümmert und schwerpunktmäßig Hilfestellung für minderjährige Flüchtlinge leistet.

Das Buch vom kleinen Elefanten gibt es HIER.

Das Bilderbuch „Quilombo, der kleine, schmutzige Elefan“ von Daphne Vloumidi wurde illustriert von Anna Georgiadou und ins Deutsche übertragen von Birgit Saure. Es kostet 11,45 € (inkl. Versandkosten innerhalb Deutschlands). Der Erlös unterstützt Daphne und ihre Arbeit.

Ihr könnt ein Buch gewinnen!

Beantwortet uns unter diesem Artikel, auf dem Blog, Facebook oder Twitter einfach die Frage, warum ihr Quilombo kennenlernen möchtet!

 

Die Teilnahmebedingungen:

Teilnehmen darf jeder.

Das Gewinnspiel beginnt am Donnerstag, dem 07.12.2017 mit Veröffentlichung dieses Beitrags und endet am Sonntag, dem 10.12.2017 um 23:00 Uhr. Der/Die Gewinner/in wird am  11.12.2017 ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Deine Adresse geben wir selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Es gelten unsere Datenschutzbestimmungen.

Den/die Gewinner/in benachrichtigen wir per E-Mail oder PN. Meldest du dich innerhalb von 7 Tagen nicht bei uns zurück, losen wir erneut aus!

Das Buch kommt per Post, alle weiteren Informationen senden wir per E-Mail.

Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert. Facebook steht nicht als Ansprechpartner für dieses Gewinnspiel zur Verfügung. Wir behalten uns vor, das Gewinnspiel jederzeit zu ändern, anzupassen oder zu beenden, wenn uns dieses notwendig erscheint.

Unsere Familienplanung ist abgeschlossen – wirklich?

Warum wir zu viert bleiben

Ich wollte immer zwei Kinder haben – ich habe zwei Kinder. Wir sind glücklich zu viert. Eigentlich könnte ich hier nun aufhören zu schreiben.

Immer wieder werde ich gefragt, ob wir noch ein Kind möchten – unsere Antwort ist immer dieselbe: „Nein, wir sind komplett!“ Auch die Antwort der Anderen ist meist gleich: „Ach, abwarten, das kommt noch!

Nun, das nervt. Ich finde es nicht schlimm, denn Dinge wieder und wieder zu wiederholen, bin ich inzwischen von meinen Kindern gewohnt. Es nervt, weil es immer dieselben Leute sind, die fragen und wir ihnen immer wieder die Hintergründe erklärt haben – es ist wirklich sehr leicht zu verstehen.

Zwei sind einfach genug

Ich habe gar kein Problem damit, diese Information preiszugeben, denn wir haben sie reiflich überlegt. Rückgängig machen kann ich meine Entscheidung nicht – und möchte es auch gar nicht.

Mein Mann wollte immer ein Kind. Ich wollte immer zwei. Nun sind wir zu viert und sind nicht nur zufrieden damit, wir haben auch alle Hände voll zu tun. „Wie machen das Leute mit drei und mehr Kindern?“ frage ich mich immer wieder. Ist es ab dem zweiten egal – weil eh alles ein großes Tohuwabohu ist?

Bei uns gibt es dermaßen viel Krümel und Chaos, da käme es auf etwas mehr auch nicht mehr an. Und trotzdem: Mir reichen die beiden wirklich. Denn Kinder geben nicht nur Liebe und machen Arbeit (eine Höllenarbeit!), sie sind auch Verantwortung.

Kinder sind Verantwortung

Interessanterweise, wenn wir von unserem Plan berichten, uns in ein oder zwei Jahren einen Hund anzuschaffen, sagen die Leute „Ooooh! Das überlegt euch gut. Ein Hund ist eine große Verantwortung!Echt jetzt?! Erstens: Wir hatten bereits Hunde, mein Mann und auch ich. Und zweitens: Wir haben zwei Kinder, was sind die? Accessoires?

Wie dem auch sei: Zwei Kinder reichen. Ich habe alle Hände voll zu tun, diese beiden im Auge zu behalten und aufzupassen, dass ihnen nichts passiert. Dass am Abend des Tages, wenn sie in ihren Betten liegen, noch alle zehn Finger und zehn Zehen dran sind, nichts gebrochen ist und beide noch atmen. An manchen Tagen ist das tatsächlich mein einziges Ziel.

Aufstand der Hormone

Zu viert sind wir komplett - Baby

Kuscheln mit Herzis Schwester.

Manchmal halte ich ein Neugeborenes im Arm und rieche den zarten Säuglings-Geruch (der, wenn die Windel leer ist). Ich kuschle gern mit meiner Herznichte „Baby“, der Schwester von Herzi, und wenn ich sie auf dem Arm hab, gebe ich sie auch nur ungern wieder ab.

Klar, in solchen Momenten gibt es in meinem Körper einen wahren Hormon-Aufstand: Ich bin überzeugt, dass die mächtigen kleinen Botenstoffe mit winzigen Schildern aufmarschieren, auf denen steht „Baby her, ist nicht schwer!“ oder „Beine breit, es ist soweit!“. Dazu rufen sie Parolen Pro-Nocheinkind und ziehen enttäuscht wieder ab, wenn ihnen einfällt: Es geht nicht mehr!

Ich kann keine Kinder mehr bekommen

Denn: Es ist nicht nur so, dass ich keine Kinder mehr will. Ich kann auch gar keine mehr bekommen.
Bei Zwockels Geburt habe ich mich sterilisieren lassen.

35 schient ein gutes Alter dafür zu sein, kein Arzt diskutierte mit mir, es war ein Kaiserschnitt und sie waren ja eh gerade dort unten zugange. 200 Euro kostete mich der Spaß.

Diese Überlegung war keine, die wir nur aus dem Bauch heraus getroffen haben. Auch die Frage, warum ICH das tun MUSSTE und nicht der MANN diese „Zügel in die Hand“ genommen hat, stellte man mir schon oft. Aber es ist alles sehr einfach, sehr schlicht, reiflich überlegt – und gar nicht traurig. Ich brauche kein Mitleid, kein „Tut mir leid“ und erst recht kein „Ob du das irgendwann bereust…“

Meine Gründe

Ich, Tanja Chaos, wollte immer nur zwei Kinder. Zwei, nicht drei und nicht vier. Ich möchte nicht mehr verhüten, die Pille hatte unerfreuliche Nebenwirkungen, die Spirale war gut, aber nicht günstig. Auf hormonfreies Verhüten verlasse ich mich nicht, denn ich bin viel zu verpeilt, um sowas durchzuziehen.

Sollten – was hoffentlich niemals geschieht – mein Mann und ich uns einmal trennen, hätten unsere Söhne, die beide absolute Papakinder sind – ebenso aber an mir hängen, mit dieser Trennung schwer zu kämpfen. Es würde hart, für uns alle.

Sollte es irgendwann einmal passieren, würde ich alle Energie darauf verwenden müssen, sie aufzufangen und mich um sie zu kümmern. Ein weiteres Kind, von einem anderen Mann womöglich, wäre nicht das, was ich ihnen zumuten möchte.

Mein Leben, meine Entscheidung

Bevor nun jemand schreit: Ich kritisiere hier nicht die Frauen, die ihr Leben so leben. Wer viele Kinder möchte, wer mit dem neuen Mann ein Kind möchte – bitte. Ich mache hier keine Werbung für Sterilisationen. Jede Frau muss das selbst entscheiden, jede muss ihren Lebensentwurf leben.

Ich bewundere die Bloggerin Constance Hall, die frei und wild mit einer bunten Patchwork-Familie und riesiger Kinderschar in Australien lebt. Ich finde sie wirklich wahnsinnig toll. Aber ich bin nicht Constance Hall. Ich bin ich und, das gebe ich zu, eigentlich ziemlich langweilig, vielleicht sogar spießig.

Ich habe diese Entscheidung getroffen und sie bisher nicht bereut. Ich habe sie reiflich überlegt, mir lange Gedanken darum gemacht, abgewägt und viel mit meinem Mann gesprochen. Das ist keine Entscheidung, die man leichtfertig trifft.

Die Macht der Hormone

Natürlich, die Hormone haben eine große Macht und wenn ich meine 2 Monate alte Herznichte im Arm halte, werde ich manchmal schon etwas wehmütig. Dann zieht‘s im Uterus und meine Eierstöcke fragen vorsichtshalber nochmal nach, ob es denn nun WIRKLICH nicht mehr geht.

Und wenn meine Söhne vor mir stehen und feierlich vortragen, dass sie sich ein Schwesterchen wünschen, dann wird mir schon ein wenig weh ums Herz. Doch wir bleiben zu viert.

Aber ich bin mit meiner Entscheidung im Reinen.

Unser nächstes Familienmitglied wird eine nasse Nase und vier Pfoten haben.Ist ne große Verantwortung – ich weiß! 😉

Mutternervenvernichtungs-Methoden: Wie man Mama in den Wahnsinn treibt

Erwähnte ich, dass ich gleich wahnsinnig werde?

Also, wahrscheinlich nicht wirklich. Aber es fühlt sich schon so an.

Natürlich liebe ich meine Söhne und es sind halt Kinder und noch klein und so. Aber manchmal… Ich schwöre euch, manchmal, liebe Krümler und Krümlerinnen, Chaotinnen und Chaoten, manchmal wünsche ich mich auf die Großbaustelle zurück.

Dort, zwischen Baggern und Lastwagen, zwischen Gehämmer, Gebohre und Geschrei, zwischen all den lauten Männern, den vielen wirklich lauten Baustellenfahrzeugen, den Presslufthämmern, den platzenden Reifen an der benachbarten LKW-Tankstelle (Jede Woche! Jede Woche wieder!), dort zwischen dem Gebimmel, Gehupe, Geklingel, Geklopfe und Gepiepe… Ja, dort war es, verglichen mit unserer derzeitigen Wohnsituation wie im f*cking Wellness-Retreat!

Ich schwöre, ich übertreibe nicht. Oder nur ein kleines Bisschen.

Die Situation: Lagerkoller

Locke war zu Beginn der Woche im Krankenhaus. Was nur ein ambulanter Routine-Eingriff werden sollte, bescherte uns einen zweitägigen Krankenhaus-Aufenthalt. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Er wurde am Bauch(nabel) operiert und soll sich nun schonen. Tobeverbot. Das kommt natürlich super an bei einem Vierjährigen, der noch dazu einen sehr quirligen kleinen Bruder hat. Tobeverbot kommt für Zwockel gar nicht in die Tüte. Nach seiner OP im letzten Jahr – da war er erst eins – mussten wir ihn in einen Laufstall sperren, den er uns dann zerlegt hat vor lauter Energie.

Nein, Tobeverbote sind hier wirklich schwer einzuhalten. Es ist ein wenig, als seien die Kinder kleine Wasserflaschen auf zwei Beinen, die man kräftig geschüttelt hat und die nun stark unter Druck stehen. Die Energie will raus! Nur wohin?

Sie. Machen. Mich. Wahnsinnig.

Mutternervenvernichtungs-Methoden und dann auch noch Regen

Tobeverbot – und dann regnets auch noch…

Nun habe ich also zwei kleine Männlein um mich herum. Ich arbeite im Homeoffice und eigentlich läuft das gut. Der eine ist eh schon aufgedreht und lebhaft, hat sich aber normalerweise damit arrangiert, dass die Mama vormittags zwar da ist, aber eben am Computer sitzt.

Normalerweise. Denn nun ist ja der Bruder, der sonst im Kindergarten weilt, zuhause. Also: Lebhaftigkeit auf Level 200 hochgedreht. Der kleine Mr. Tausendvolt flippt aus vor Freude! Und dreht so seinen Bruder mit auf. Dem ist eigentlich gar nicht so nach Ausgelassenheit zumute, denn er wurde operiert und ist noch nicht so ganz auf dem Damm. Aber auch er wird seine Energie nicht los und noch dazu vom kleinen Bruder an- und aufgestachelt, das ganz paart sich dann mit einer gewissen Nöligkeit.

Das Paradies. Ich sag’s euch!

Drei Mutternervenvernichtungs-Methoden

Mit nur drei ausgeklügelten Mutternervenvernichtungs-Methoden treiben sie mich in den Wahnsinn, oder versuchen es zumindest eifrig:

Erstens: Stete Wiederholung höhlt den Nerv

„Darf ich heute Abend ein Sänswisch (Sandwich) essen?“ – „Ja.“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Ja!“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Jahaaa.“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Ja doch!“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Jaaahaaa!“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Grmpffffssssmsss…“

Ist aber tageszeitunabhängig.

„Mama. Wann kommt Papa?“ – „Ungefähr in einer Stunde.“
„Wann kommt Papa?“ – „Ungefähr in einer Stunde.“
„WANN. KOMMT. PAPA?“ – „In ungefähr 59 Minuten.“
„Mammmaaaaaa? Wann kommt denn Papa?“ – „In 59 Minuten.“
„Du Mama? Wann kommt denn der Papa?“ – „In 59 Minuten!“
„Das hast du aber vorhin schon gesagt!“ – „Die Minute ist auch noch nicht vorbei!“
„Wann kommt Papa?“– „In 58 Minuten.“
„Ha!“

Die wiedergegebenen Dialoge sind natürlich gekürzt! Bitte ein beliebiges Thema einsetzen. „Wann gibt es Abendbrot?“ oder „Wann ist Freitag?“, zum Beispiel.

Stellt euch dazu den Zwockel im Hintergrund vor, der konstant wahlweise

  • schreisingt,
  • spaßkreischt,
  • Mama, Mama, Mama, Mama, Mama, Mama ruft oder
  • mit einem beliebigen Spielzeug auf ein beliebiges Möbel kloppt.
Zweitens: Hü-und-Hott, Hott-und-Hü

„Mama! Heute Abend möchte ich Nudeln.“ Freut sich über wenig Arbeit.
„Mama? Bekomm ich heute Abend Kartoffeln?“ – „Du wollteste doch Nudeln?“

„Nee, jetzt will ich Kartoffeln.“ Bittet den Mann, Kartoffeln auf dem Heimweg mitzubringen.
„Mama? Wann gibt’s die Nudeln?“ – „Du wolltest doch Kartoffeln?“
„Jetzt will ich Nudeln.“

Freut sich, fragt aber nochmal kurz vorm Essen nach.

„Wirklich Nudeln?“
„Jaaaaa! Nudeln! Nudeln!“
Kocht Nudeln, deckt den Tisch.
„ICH ESS DAS NICHT! ICH WOLLTE KARTOFFELN!!!!!!!! WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!“

Oder:

„Kann ich ein Hörspiel hören?“ – „Klar, Rabe Socke?“
Zwockel im Hintergrund mit 100 Dezibel: „Rabe! Rabe! Rabe! Rabe!“
„Ja!“

Macht Rabe Socke an. Geschrei, Gekreisch, Gebrüll, als würde das Kind lebendig gehäutet.

„Was ist los?“
„ICH WOLLTE NICHT RABE SOCKE HÖREN!!!!!“
– „Ich hab dich doch gefragt!“

„Ich will die Piratengeschichten!“
– „Okay!“
Zwockel im Hintergrund mit 100 Dezibel: „Rabe! Rabe! Rabe! Rabe!“

Nach zwei Minuten: Gebrüll, als würde das Kind mit glühendem Eisen gefoltert.

„WAS ist los?“
„ICH WILL DOCH RABE SOCKE HÖREN!!!!!“
Zwockel – brüllt jetzt auch – „Pirat! Pirat! Pirat! Pirat! Pirat! Pirat!“

Ich beschließe, dass die Herren nun erst die Piratengeschichten und dann Rabe Socke hören dürfen. Geschrei. Die Kinder rufen Amnesty International wegen Verletzung ihrer Menschenrechte an. Ich werde nominiert zur SMdU, der Schlechtesten Mutter des Universums.

Drittens: Der Spielzeug*-Wäsche*-Tsunami

Den Vormittag geschafft und wider Erwarten doch noch produktiv gewesen, geht es nun auf den Nachmittag zu. An dem habe ich mehr Zeit für die Jungs. Draußen regnet es, der geplante Spaziergang ist also abgesagt. Nun kommen wir zur Paradedisziplin der Mutternervenvernichtungs-Methoden.

Natürlich muss ich nun auch was im Haushalt tun. Die Spülmaschine räumt sich nicht von alleine aus, die Wäsche will zusammengelegt werden und die Staubmäuse und Krümel gejagt. Die Arbeitsplatte und der Tisch im Wohnzimmer kleben schon wieder, die Fenster sehen verboten aus. Das Bad muss dringend mal geputzt werden, die Windelbeutel weisen mit dezentem Geruch darauf hin, dass sie in die Mülltonne möchten und Abendessen will auch noch gekocht werden.

Klingt, als könnte mir zwischendurch langweilig werden? Aber nicht doch. Kaum ist der Tisch abgewischt, kramt Zwockel von irgendwoher einen Lutscher raus, den die Kinder sich teilen. Natürlich fassen sie ihn nicht am Stil an, ach woher! In Nullkommanix klebt wieder alles, jetzt auch im Flur.

Die Wäsche zusammengelegt. Nicht gerad mein Lieblings-Hobby… Alles liegt in ordentlichen Stapeln auf dem großen Bett. Der Postbote klingelt an der Tür. Ein Paket angenommen, ein kurzes Pläuschchen. Ich komme zurück ins Schlafzimmer. Auf dem Bett hüpfen die Kinder (trotz des Tobeverbots!) die Wäsche liegt in nicht mehr so ordentlichen Stapeln neben dem Bett.

Mutternervenvernichtungs-Methoden: Spielzeugtsunami

In Nullkommanix ist alles wieder chaotisch.

Eine halbe Stunde später ist die Wäsche – ich war diesmal schlauer – direkt einsortiert. Ich begebe mich ins Wohnzimmer und räume das Spielzeug vom Boden in die Kiste, denn hier soll der Lotte, der Saugroboter (God bless the Saugroboter!), sein Werk verrichten.

Im Kinderzimmer ist es verdächtig still. Ich gehe vorsichtshalber mal gucken: Die geliebten Söhne haben sämtliche Wäschestücke aus dem Schrank gekramt und sie in der Mitte des Zimmers in einen „tollen Tobeberg“ (Tobeverbot, herrgott nochmal!) verwandelt.

Nach einem klitzekleinen Wutanfall lege ich die Sachen zum dritten Mal zusammen und räume sie zum zweiten Mal in die Schränke. Als ich ins Wohnzimmer komme, ist der Inhalt der Spielzeugkiste bereits überall verteilt, der Saugroboter blinkt und hustet, weil er sich an einem kleinen Spielzeugteil verschluckt hat…

Ich weine leise und biete den Kindern an, ihnen etwas vorzulesen. Wir kommen genau eine Seite weit, da kreischt es „Dürfen wir fernsehen?“

Ich gebe auf.

Feuerwehrmann Sam ist unser Mann!

 

*bitte beliebige, soeben auf- oder weggeräumte Gegenstände einfügen
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Quak! Gestatten? Ich bin ein Froschkuchen.

Grüner Marzipan-Marmorkuchen für den Kindergeburtstag

Ich liebe es, zu backen.

Das weiß fast jeder. Ich backe noch viel lieber, als ich die Kuchen und Torten esse. Im Moment leidet meine Backkunst ein wenig, weil ich so viel um die Ohren habe. Aber als ich Zwockels Geburtstagstorte gebacken hatte, war ich voll im Backfieber.

Zwockels Torte.

Ich habe spontan noch einen zweiten Kuchen gemacht, den ich schon immer ausprobieren wollte – einen Froschkuchen.

Das Originalrezept ist zwar ein blauer Kuchen mit Weingummi-Haien, da letztere aber offenbar schwer zu besorgen sind, bin ich auf Frösche umgestiegen, denn ein Froschkuchen kommt bei Kindern bestimmt genauso gut an.

Natürlich könnt ihr Farbe und Verzierung frei wählen – wie wäre es mit einem rosa Schweinekuchen oder einem schwarz-gelben Bienenkuchen? Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Rezept für eine Kastenform

250 g Marzipanrohmasse
200 g Butter
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
2 Eier
5 Tropfen Backöl Bittermandel
250 g Mehl
100 g Speisestärke
1 TL Backpulver
2-3 EL Milch
grüne Lebensmittelfarbe

Für den Guss

100 g weiße Kuvertüre
8 – 10 grüne Candy Melts (z.B. von Wilton)
etwas Kokosfett
Weingummi-Frösche

Zubereitung

Die Marzipanrohmasse mit dem Zucker, Vanillezucker und der Butter geschmeidig rühren. Das kann etwas dauern, es sollten möglichst keine Stückchen mehr drin sein. Die Eier hinzugeben. Das Mehl und mit der Stärke und dem Backpulver verrühren und zu der Teigmasse sieben. Bittermandelöl und Milch dazugeben und gut verquirlen.

Dann wird der Teig in zwei Teile geteilt und ein Teil wird eingefärbt, hier: Grün! Die beiden Teige in eine gefettete Kastenform geben und mit einer Gabel marmorieren. Im vorgeheizten Backofen bei 150 – 175 Grad ungefähr 55 bis 60 Minuten backen. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Für den Guss die Candy Melts in der Mikrowelle anschmelzen. Die weiße Schokolade mit einem Klecks Kokosfett im Wasserbad schmelzen und die Candy Melts hinzugeben, gut verrühren. Auf den Kuchen auftragen und beliebig viele Weingummifrösche daraufsetzen.

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Viel Spaß und guten Appetit!!!

„Alles Routine!?“ Locke im Krankenhaus

Was die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe damit zu tun hat.

Am Montag letzter Woche mussten wir mit unserem Locke in die Kinderklinik. Sein Nabelgranulom musste operiert werden, da es sich entgegen aller Voraussagen, nicht schließen wollte.

Es war eine Routine-Operation, der ich fast schon entgegenfieberte. Viereinhalb Jahre hatte uns das blöde kleine Granulom begleitet und ich hatte die Nase voll davon: Es verursachte dem Kind zwar keine Schmerzen, dafür blutete und nässte es regelmäßig und wo etwas rauskommt, kann auch etwas hineingeraten. Endlich eine – wenn auch recht kleine – Sorge weniger.

Alles nur ein Klacks!

„Solche OPs machen wir hier täglich mehrmals!“ beruhigten mich die Ärzte im Vorgespräch. Alles Routine, ein Mini-Eingriff. Nur eine Kleinigkeit! Die Ärzte sind super, sie wissen, was sie tun! beruhigte ich mein banges Mama-Herz.

Ich denke einerseits immer, dass es Familien gibt, die durchaus schlimmere Eingriffe überstehen müssen. Familien, die nicht sicher sind, ob alles gut geht, die mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Verglichen damit komme ich mir doof vor, wenn mir vor Routineoperationen angst und bange wird.

Aber Komplikationen kann es immer geben – jeder Eingriff birgt ein Risiko. Es sind schließlich meine Kinder.

Die Notfall-Übernachtungstasche kommt mit

Etwa eine Stunde war für die OP angesetzt, danach wieder heim – so war der Plan. Da ich aber meistens einen Plan B in der Tasche habe oder zumindest immer damit rechne, dass Plan A nicht klappt, hörte ich auf mein Bauchgefühl und packte eine Krankenhaus-Übernachtungstasche.

„Die Tasche bleibt im Kofferraum. Wenn wir aus irgendeinem Grunde da bleiben müssen, sind wir vorbereitet und müssen nicht erst hin- und herfahren. Wenn wir sie nicht brauchen, packen wir sie halt wieder aus“, erklärte ich dem Ehemann.

Oberarzt in Sorge

Und was soll ich sagen, das good old Bauchgefühl lag schon wieder richtig. Die OP dauerte etwas länger als geplant – nach exakt 60 Minuten wurde ich nervös, bekam schwitzige Hände und starrte nur noch auf das OP-Telefon, das wir mit uns herumtrugen.

Krankenhaus - wieder am Monitor

Locke wurde wieder an denMonitor angeschlossen.

Nach anderthalb Stunden klingelt es endlich. Im Aufwachraum lag unser kleiner, großer Junge und schlief tief und fest. Die OP war gut verlaufen, es war wider Erwarten nicht nur ein Granulom, sondern ein Urachus gewesen. Der Gang von Blase zu Nabenschnur hatte sich im Embryonalstadium nicht so zurückgebildet, wie es hätte ein sollen. Immer noch Routine.

Als Locke aufgewacht war, durfte er trinken und essen. Doch er klagte über Schmerzen. Das Bäuchlein war geschwollen und die Wunde blutete stark, der Verband war schnell durch.

Was wir für normal nach einer OP hielten, beunruhigte die Schwester so sehr, dass sie Locke wieder an den Monitor im Aufwachraum anschloss. Der Oberarzt wurde gerufen und Locke war in der Zwischenzeit weiß wie das Laken unter ihm geworden. Nun machten wir uns auch Sorgen. Mein Junge war schlapp, bleich und hatte Schmerzen. Der erfahrene Oberarzt war besorgt, das sah man ihm an.

Good, old Bauchgefühl

Locke bekam eine Extradosis Schmerzmittel und man holte ein Ultraschallgerät. In seinem Bauchraum hatte sich Blut angesammelt, das dort nicht hingehörte. Der Oberarzt hatte inzwischen den Chefarzt hinzugezogen, der auch nicht ganz so entspannt wirkte, wie wir ihn kennengelernt hatten. Wir mussten über Nacht bleiben, am Ende wurden sogar zwei Nächte daraus.

Unter normalen Umständen wäre ich, obwohl man ja beruhigend auf das Kind wirken soll, panisch gewesen – so wie damals, im Rettungswagen.

Doch ich war erstaunlich ruhig. Ich hörte auf mein Bauchgefühl. Es wird alles gut, sagte es. Hätte ich mein Kopfkino zugelassen und mich darin verlaufen, wäre ich sicherlich in Panik geraten. Doch vor kurzem beschloss ich, mehr auf meinen Bauch zu hören. Und das war gut.

Langeweile im Krankenhaus - wir puzzlen

Puzzle gegen die Langeweile.

Langeweile im Krankenhaus!

Locke war schon bald wieder fit – so fit, wie man nach einer Bauch-OP nunmal ist. Stand er auf, lief er die ersten Meter wie ein sehr kleiner, sehr alter Mann. Doch tapfer bahnte er sich seinen Weg und wollte sogar ganz allein zur Toilette. Das Schlimmste für mein quirliges Kerlchen war: Die Langeweile!

Wir spielten „Ich sehe was, was du nicht siehst“, wir spielten Memory, bauten mit Autos eine Rennstrecke in seinem Bett, wir puzzelten, wir lasen Piratengeschichten, Rittergeschichten, Feuerwehrgeschichten, wir hörten sein Lieblingshörspiel, wir gingen spazieren, wir kuschelten und telefonierten mit Oma und Opa, wir malten – auf Zaubertafel und mit Buntstiften.

Wir erfanden sogar ein neues Spiel: Locke malte etwas auf die Zaubertafel und Mama dachte sich dazu eine Geschichte aus. Stehgreif-Storytelling, quasi (auf dem Bild unten seht ihr, die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe, die im Meer lebt und den Meeresboden aufräumt).

Was sich nach tagesfüllenden Aktionen anhört, deckte nicht mal die Hälfte des Tages ab, nur wenige Stunden waren vergangen.

aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe im Krankenhaus

Die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe.

Es waren einmal Feuerwehrmann Sam und das Leben

So ein Tag im Krankenhaus ist verflucht lang. Mein Retter war schließlich das Tablet. Darauf waren einige kindgerechte Filme und Serien. Er schaute – na was wohl?! – Feuerwehrmann Sam in der Endlosschleife und „Es war einmal das Leben“.

Die Krankenschwestern kannten die Zeichentrickserie (von 1983) übrigens, so wie ich, noch von früher und waren ganz begeistert, dass es sie noch gibt. Locke fragte nach Fresszellen und Blutplättchen und erhielt versierte Antworten. Wir haben also auch noch was gelernt!

Ihr lieben Leser und Leserinnen. Unsere Erfahrung zeigt, dass auch die kleinste Routine-OP Risiken birgt. Es hätte schief gehen können – woran es lag, vermag ich nicht zu sagen. Aber es kann immer etwas passieren, das nicht sein sollte und schon ein kleiner Fehler kann fatale Auswirkungen haben. Wenn ihr mit euren Mäusen ins Krankenhaus müsst – und sei es nur ein minikleiner 08/15-Eingriff – dann ist es völlig okay, wenn ihr besorgt seid oder Angst habt. Dennoch: Vertraut den Ärzten, die wissen, was sie tun.

Alle Familien in allen Krankenhäusern – ob Routine- oder ganz spezielle OP, ob Kleinig- oder Großigkeit – fühlt euch gedrückt!

Feuerwehrmann Sam rettet den Zirkus am Locke-Tag

Ein ganz besonderes Event.

Leuchtende Augen, rote Bäckchen und ein rundum glückliches Kind. Das war die Bilanz unseres Ausflugs in die Kinder-Musical-Welt. Und wohin ging es? Ins walisische Pontypandy! Naja, nicht ganz, es ging eigentlich nach Dortmund.

Feuerwehrmann Sam kommt

In der Westfalenhalle lief „Feuerwehrmann Sam rettet den Zirkus“. Als ich das Plakat entdeckt hatte, gab es keine Frage: Ein Top-Event für einen Locke-Tag. Wir buchten die Karten und fielen fast vom Sofa: Fast 100 Euro für drei Personen…

Alter Waliser – und jeder erhält noch einen goldenen Feuerwehrmann Sam in Lebensgröße dazu, oder wie?

Ach, was tut man nicht alles für die Kinder?! Obwohl es im Moment eigentlich nicht drin ist, beschlossen wir, trotzdem hinzugehen. Und wir haben es nicht bereut, obwohl es einen kleinen Wermutstropfen gab – aber dazu später mehr.

Feuerwehrmann Sam rettet den Zirkus

Worum ging es nun?

Der von uns allen heißgeliebte (ähem…) Norman Price hat Langeweile: Alle Freunde sind im Urlaub und er ist allein in Pontypandy zurückgeblieben. Zu Feuerwehrmann Sams Sorge, stellt er mal wieder allerlei Unfug an.

Da kommt ein Zirkus in die Stadt und gleichzeitig findet der Tag der offenen Tür in der Feuerwache statt. Klar, dass da allerlei schief geht. Ein Tiger entkommt, das Zirkuszelt geht in Flammen auf und Norman hat irgendwie wieder mal überall seine Finger im Spiel.

Am Ende wird natürlich alles gut – auf der Bühne jedenfalls!

Leuchtende Kinderaugen und Mamas Rührungstränen

Feuerwehrmann Sam in klein

Feuerwehrmann Locke bereit zum Dienst!

Tollpatsch Elvis sorgt für viele Lacher und bei fröhlicher Musik tanzen auch die kleinen Fans in den Reihen und vor der Bühne. Das Bühnenbild ist schlicht, aber wandelbar und die Kinder erkennen sofort das Kabeljau Café und die Feuerwache.

Vor ausverkauftem Haus sieht man rundherum faszinierte kleine Feuerwehrfans – fast alle sind verkleidet. Entweder als Mini-Sam, ausgerüstet mit Feuerlöscher und Rettungsschere oder als „herkömmlicher“ Brandbekämpfer – alle wimmeln aufgeregt durcheinander.

Und sie sind so süß! Der kleine Paul hinter mir brüllt so laut, dass mir fast die Ohren abfallen, während Jeremy vor Aufregung sein Popcorn umwirft. Die Kinder gehen voll auf und machen mit, mit uns Eltern ist der Herr Zirkusdirektor Perfektini noch nicht ganz zufrieden. Wir müssen halt noch üben!

Alle wollen zur Feuerwehr – wirklich alle?

„Wollt ihr denn alle zur Feuerwehr?“, ruft Sam beim „Kinderkadetten“-Song.

„Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa!“, brüllen hunderte von Kinderstimmchen unisono zurück.

Bis auf Locke.

Der ruft laut „NEIN! ICH WERDE DOCH EIN PAPA!“

Und während er fasziniert dem Geschehen auf der Bühne folgt, nach Sam ruft und klatscht, kämpfe ich immer wieder mit den Tränen (ja, ich weiß, ich bin ein Weichkeks). Denn diese unbändige Freude in den Kinderaugen, die roten Bäckchen, das atemlose Mitsingen und –klatschen ist so schön mit anzusehen, dass es mir völlig egal ist, dass ich den nervigen Sam eigentlich gar nicht mehr sehen kann.

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Das war es (nicht ganz) wert

Dennoch war der Preis happig. Gut, wir hatten Plätze in der 3. Reihe, es geht natürlich auch günstiger. Aber man will ja, dass das Kind gut sehen kann.

Ganz ohne Enttäuschung geht es aber leider nicht, denn auf der Homepage des Veranstalters versprach man uns „Nach der Show kommen Feuerwehrmann Sam und einige seiner Freunde ins Foyer des Theaters für ein Meet and Greet.“

Das hatte ich Locke natürlich freudestrahlend berichtet (Anfängerfehler!) und er wollte seinem großen Idol Sam unbedingt seine Rettungsschere zeigen. Ein Foto mit Sam oder Penny wünschte er sich auch sehnlichst. Ich hätte ihm das nicht verraten sollen – denn obwohl wir 15 Minuten im Foyer herumstanden, war von Sam & Co. weit und breit keine Spur. Schade.

Feuerwehrmann Sam ist unser Mann

Das soll aber der einzige Kritikpunkt bleiben.

Locke steckte es tapfer weg, auch wenn man ihm die Enttäuschung ansah.

„Nicht wahr, Mama, das war blöd, dass Sam nicht nochmal rausgekommen ist“, sagte mein kleiner Mann. Und dann plapperte er auch schon wieder munter drauf los und erzählte uns, als wären wir nicht auch dabei gewesen, die ganze Geschichte nach.

Feuerwehrmann Sam mag für Eltern etwas nervig sein, wie alles, was die lieben Kleinen gern ununterbrochen gucken möchten. Aber wenn schon, dann doch eine Serie zur Brandschutzerziehung! Bei Locke klappt das wunderbar, er ist voll sensibilisiert für die Gefahren von Feuer und weiß auch schon, wie man einen Fettbrand löscht. Feuerwehrmann Sam ist sein Mann, sein Held, sein Idol!

Und am Ende war es dann ein sehr schöner Locke-Tag.

Zwockel war währenddessen übrigens sicher und glücklich bei Oma und Opa untergebracht.

 

Wie das Leben als Feuerwehrmann so ist, hat uns übrigens Matthias erzählt. Unseren Beitrag mit einem echten Feuerwehrmann aus Leidenschaft lest ihr HIER.

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Krümels Rundblick (10) – Empfehlungen

Sharing is Caring.

Wie ihr wisst, lesen wir hier alle viel und ich bin immer auf der Suche nach interessanten Artikeln und Leseempfehlungen für euch. Auch in diesem Monat bin ich fündig geworden:

Wir starten mit etwas Lustigem. Könnt ihr auch nicht ohne Kaffee? Ich sag euch, die Zombies würden mich morgens für ihren Anführer halten, wenn sie mich direkt nach dem Aufstehen sähen. Ich liebe Kaffee und halte ihn, als Mutter zweier Kleinkinder, für so überlebenswichtig, dass es ihn für Eltern gratis geben sollte. Roksana von Lottes Motterleben findet das auch – und hat darüber gebloggt.

The Walking Mom – die Kaffeeverschwörung

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Ein Artikel, der mit aus der Seele spricht und den ich für sehr wichtig halte, ist dieser hier von Vierpluseins. Elternbashing ist ja immer in Mode und wenn man sich gerade nicht über Mütter, die nicht stillen aufregt, oder über diverse Erziehungsstile – dann über Helikoptereltern. Ich sag’s euch: Ich hasse dieses Wort. Sicher, übertreiben ist nie gut – aber viele besorgte Eltern werden zu Helikoptereltern abgestempelt, die diesen Titel gar nicht verdienen. Denn seit wann ist es schlimm, sich um sein Kind zu sorgen? Das ist unser Job.

Wir waren auch Helikopter-Eltern

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Was für die Linie und die Seele hab ich bei Mama Mia für euch gefunden, nachgebacken und für wunderbar befunden: Diese Cookies haben es definitiv auf meine Lieblings-Liste geschafft. Ich liebe Cookies und werde euch demnächst auch mal mein absolutes Lieblings-Rezept vorstellen.

Saftige Schoko-Cookies mit Mandeln

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Möchte hier jemand einen Kindergeburtstag vergeigen? Dann lest ihr am besten mal bei Großköpfe nach, wie man das macht. Wahrhaftig, das passiert auch erfahrenen Eltern. Warum ihr immer einen Plan B in der Tasche haben solltet und was sich gut dafür eignet, lest ihr hier:

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Zum Schluss mal eine Leseempfehlung zu einem ganz anderen Thema – nun ist genug mit Kinderkram und Elternthemen. Wer sich mal richtig entspannen will oder sich Inspiration für den nächsten Urlaub holen möchte, wer auf wunderschöne Fotos steht und gerne einfach mal in schönen Bildern schwelgt, dem sei dieser Reiseblog ans Herz gelegt. Die Roadies, das sind Julia, Mike und Hund Pan. Ich habe Julia bei einem Seminar kennengelernt und wir sind in Kontakt geblieben – was soll ich sagen? Ich bin ein Fan ihrer Fotos! Ihr könnt ihnen auch auf Facebook und Instagram folgen.

Die Roadies

Die Roadies Leseempfehlungen

Die Roadies: Julia, Mike und Pan (Foto: J. Neubauer)

Der Tag, an dem ich es bereute, Kinder zu haben

Ich liebe meine Kinder. Ich kann mir mein Leben, bei all dem Schlafmangel und Stress, ohne nicht mehr vorstellen. Selbst in der härtesten Zeit, als ich auf dem Zahnfleisch ging und beinahe die absolute Katastrophe eingetreten wäre, hätte ich die Zeit nicht zurückdrehen wollen.

Doch einen Moment gab es, da habe ich mir gewünscht, ich hätte sie nie bekommen. Ich wünschte sogar, sie wären nie geboren worden, hätten nie existiert.

Ein Tag im November

Es war der 13. November 2015. Der Zwockel war gerade erst ein paar Tage alt. Locke lag schon im Bett und ich erholte mich noch vom Kaiserschnitt und versuchte, das Wochenbett zu genießen. Das ist immer so eine Sache. Nicht umsonst raten Hebammen und Ärzte dazu, das Wochenbett einzuhalten – aber es gibt ja trotzdem viel zu tun, alles natürlich im Schongang. Aber einfach nur Nichtstun liegt einfach nicht in meiner Natur.

An diesem Abend lag ich erschöpft und glücklich auf der Couch. Der Zwockel trank zufrieden an meiner Brust. Locke schlummerte bereits und auch mir wurden die Augenlider schwer. Dabei hatte ich mich den ganzen Tag auf das Fußballspiel gefreut. Ich schaue gerne Fußball, bin aber normalerweise kein großer Fan der Nationalmannschaft.

Das Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland wollte ich mir trotzdem ansehen. Kurz nach Anpfiff fielen mir die Augen zu. Der Zwockel schlummerte bereits selig an meiner Brust. Noch während ich in den Schlaf hinüberglitt, hörte ich einen Knall aus dem Stadion in Paris.

„Böller. Selbst bei einem Freundschaftsspiel. Was für Chaoten!“ dachte ich noch. Und schlief ein.

Keine Böller, sondern Bomben

Als ich aufwachte, war alles anders. Die Stimmung war seltsam – obwohl nur wir drei im Raum waren, schien die Luft anders, schwer irgendwie. Ich öffnete die Augen und sah meinen Mann an. Der guckte konzentriert und sehr besorgt. Da wusste ich, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Dann hörte ich auf das, was der Kommentator sagte. Und war mit einem Schlag hellwach. Das schlaftrunkene Gefühl, das man nach dem Aufwachen hat, war wie weggeblasen.

„Was ist passiert?“, fragte ich.

Anschläge. In Paris. Hast du es knallen hören? Ich dachte, es sind Böller, aber es waren Bomben.“, sagte der Mann erschüttert.

Mein Körper reagierte, wie er in einem solchen Fall meistens reagiert – mit einer astreinen Panikattacke. Ich begann zu schwitzen, mir wurde augenblicklich übel. Ich begann zu zittern und hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen.

Ich legte das Baby in sein Bett und schloss mich im Badezimmer ein. Atmen, atmen, atmen. Ich beruhigte mich ein wenig. Ich ging zurück zu meinem Mann und las die Geschehnisse auf dem Smartphone nach. Atemlos verfolgten wir die Berichterstattung. Die Tränen liefen mir über die Wangen.

Es tut mir leid!

Ich ging in Lockes Zimmer und setzte mich neben sein Bett. Atmete seinen Geruch ein. Lauschte seinen tiefen Atemzügen. Und zum ersten Mal, seitdem er da war, wünschte ich, ich hätte ihn nie geboren. „In was für eine Welt habe ich dich gebracht? Es tut mir so leid!“, flüsterte ich ihm zu.

Und meinte jedes Wort. In meiner grenzenlosen Angst und Panik, die ich in dieser Nacht verspürte, wünschte ich mir von ganzem Herzen, ich könne in der Zeit zurückreisen und mein damaliges Ich warnen, bloß niemals Kinder zu bekommen.

Kurz danach wollte Zwockel wieder an die Brust – wenn ich gekonnt hätte, ich hätte ihn mir sofort zurück in den Bauch gesteckt. Er kam mir danach so viel winziger vor. Zerbrechlich. Schutzlos.

Ich kann euch nicht beschützen

Das Gefühl, hilflos mit ansehen zu müssen, was mit der Welt passiert und meine Babies im Ernstfall nicht beschützen zu können, die schreckliche Ohnmacht angesichts des Terrors, der jederzeit und überall zuschlagen kann – hat diesen furchtbaren Gedanken tatsächlich in mir keimen lassen.

Gottseidank kann ich es im Alltag verdrängen. Ich liebe meine Kinder und so anstrengend sie auch sind, ich möchte sie keine Minute lang missen. Sie sind mein Lebenssinn. Meine Sonnenscheinchen. Sie schicken mich durch harte Prüfungen, ich zweifle jeden Tag, ob ich eine gute Mutter bin. Dann liegen sie abends nach dem Vorlesen in meinen Armen und schmiegen sich an mich – es gibt kein schöneres Gefühl. Hätte ich keine Kinder, wäre ich kreuzunglücklich. Außer in den Momenten, in denen der Terror zuschlägt.

Ich denke an die Zeit, wenn ich mal nicht mehr bin. Was, wenn die Welt dann ein dunkler, gefährlicher Ort voller Angst und Krieg ist? Ich erinnere mich, wie meine Oma, die im Krieg aufwuchs, immer wieder sagte „Kind, ich hoffe so sehr, dass du so etwas niemals erleben musst!“. Was, wenn ich meine Kinder in eine solche Welt gebracht habe? Voller Hass, Gewalt, Krieg und Angst?

Jedes Mal, wenn der Terror zuschlägt.

Dann wünsche ich mir, ich hätte ihnen diese Welt erspart.

Kinder all you need is love

All you need is love – klingt manchmal wie blanker Hohn…

Diesen Beitrag zu veröffentlichen ist mir schwer gefallen. Die Anschläge jähren sich morgen zum zweiten Mal. Auch der Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin ist im nächsten Monat ein Jahr her. Je suis Charlie. Madrid, Paris, Berlin, Manchester, Nizza, Brüssel, London… Das ist alles so verdammt nah. Und nun denke ich „Wird es immer wieder passieren? Müssen wir uns daran gewöhnen?“ Das kann und will ich nicht. Ich hoffe, dass ich meine Kinder zu guten, zu gütigen, Menschen erziehe – und ich hoffe, dass auch ihr alle da draußen es tut. Damit das Böse nicht gewinnt, wenn wir mal nicht mehr sind.

(Beistell-) Bettgeschichten

Sind wir gestört?

Das Baby im Schlafzimmer, ganz nah bei den Eltern, direkt griffbereit zum Stillen und Kuscheln. So soll es laut Experten im ersten Jahr sein. Na gut, zumindest im Elternschlafzimmer soll das Kind sein – es darf natürlich auch ein ganz normales Kinderbett, eine Wiege oder ein Stubenwagen sein. Das Beistellbett ist ein gemütlicher Luxus. Luxus? Ja, denn günstig sind die Betten nicht. Ich weiß das, wir hatten zwei.

Kein Kissen, keine Decke, kein Nestchen. Auf dem Rücken muss das Kind liegen, im Schlafsack. Soweit die Theorie. Doch wie so oft, kam es bei uns anders.

Mama liebt das Beistellbett

Ich habe das Beistellbett geliebt. Die ersten sechs Wochen kuschelte ich mit Locke zum Einschlafen, er schlief auf Mamas Brust im Wohnzimmer ein. Wenn ich ins Bett ging, nahm ich ihn mit ins Schlafzimmer, legte ihn ins Beistellbett und kuschelte mich auf seiner Augenhöhe in mein Kissen. Er fühlte sich wohl und schlief wie ein Weltmeister.

Bis er etwa sechs Monate alt war. Auf einmal war das Kind nachts sehr unruhig, wachte ständig auf, knütterte – man merkte, dass er nicht mehr ganz so glücklich war. Er holte den fehlenden Schlaf oft am Tage nach, aber man merkte, dass ihn irgendetwas störte – er war nicht mehr so ausgeglichen, wie wir ihn kannten. „Eine Phase“, sagten alle.

Gestört!

Eines Nachts lag ich wach. Links lag Locke im Beistellbett, rechts der Ehemann. Und dann fiel es mir auf: Jedes Mal, wenn der Mann sich umdrehte (mit der Grazie eines Blauwals), wurde das Kind wach. Hustete einer von uns – Locke wachte auf. Schon ein Schniefen reichte aus, um den kleinen Mann zu stören. Immer, wenn einer von uns ein Geräusch, und war es noch so leise, von sich gab, weckten wir das Baby damit auf. Wir störten unser Kind beim Schlafen!

Kein Wunder, dass er nicht mehr der entspannte Babymann war, den wir kennengelernt hatten.

Was tun? „Bringen wir ihn in sein eigenes Zimmer„, schlug der Mann vor. „Aaaaber…“, ich zählte alles auf, was ich gelesen hatte. Die Kinder sollen doch das ganze erste Jahr bei dem Eltern im Zimmer schlafen. „Probiert es doch einfach aus“, riet auch meine Hebamme.

Im eigenen Bett, im eigenen Zimmer

Und das taten wir. Wir steckten mächtig Kritik ein („Muss ja jeder selber wissen, wenn er das Leben seines Kindes gefährdet, ne?!“ ätzte beispielsweise die Frau, die den Rückbildungskurs leitete), aber wir versuchten es. In den ersten zwei Nächten hing ich am (neuen) Videofon. Man sah das Kind atmen und hörte jeden Pups. Ich schlief so gut wie gar nicht – im Gegensatz zu meinem Sohn: Locke war wieder ganz er selbst und schlief und schlief und schlief.

Friedlich und ungestört ratzte er die Nächte durch (bis auf eine Stillmalzeit um Punkt zwei Uhr nachts). Es funktionierte! Seitdem hat er – bis heute – nur noch selten Phasen, in denen er sich des Nachts stören lässt – normalerweise schläft Locke nämlich wie ein kleiner Stein.

Eigenes Bett statt Beistellbett.

Alles anders bei Zwockel

Für den Zwockel mussten wir uns ein neues Beistellbett kaufen, denn wir hatten uns in der Zwischenzeit ein Boxspringbett gekauft, das alte Beistellbett passte nicht mehr.

Als Zwockel nach Hause kam, wollte alles so machen, wie bei Locke. Denkste!

Auf Mamas Brust einschlafen? Nö! Vielleicht AN der Brust, aber nicht darauf. Die ersten Wochen stillte ich ununterbrochen. Mit Kind an der Brust war für mich an Schlaf nicht zu denken. Doch kaum lag der Kleine im Beistellbett, ging seine Sirene an.

Auf dem Rücken schlafen ging gar nicht, den größten Erfolg hatten wir, wenn er auf dem Bauch lag. „Das ist bei manchen Kindern so“, sagte die Hebamme. Doch das Einschlafen klappte auch so nicht wirklich.

Da man das Kind ja nicht schreien lassen soll, legten wir uns schichtweise zur Einschlafbegleitung daneben – und Zwockel schrie und schrie und schrie. Bis ich ihn eines Abends allein lassen musste, da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte. Kaum war ich aus dem Zimmer gegangen – keine 3 Minuten später – schlief das Kind. Dies wiederholte sich am nächsten Abend: Gingen wir aus dem Zimmer, schlief das Kind kurz darauf.

Andere Leute im Zimmer? Zwockels Paaartytime!

Wenn wir aber ins Bett kamen, wurde der kleine Mann aber wieder wach – egal, wie leise wir waren.

Im Beitrag „Schlafgeschichten“ erwähnte ich bereits, dass Zwockel in nächtlicher Gesellschaft eher so das Partytier ist. Er wachte alle 30 Minuten auf, schrie, wollte an die Brust – am liebsten die ganze Nacht.

Wir probierten alles: Osteopath (der Blockaden löste), Beistellbett-Seitenwechsel, neuer Schlafsack, gar kein Schlafsack, Pucksack – nur eines klappte: Eines Abends zog ich völlig erschöpft auf die Couch um und das Kind schlief ganze 90 Minuten am Stück.

„Vielleicht riecht er deine Milch“, vermutete die Hebamme.

Was auch immer, nach drei Monaten gingen der Mann und ich auf dem Zahnfleisch. Das sollte sich bei mir zwar nicht wirklich bessern, bis es beinahe zur Katastrophe kam, aber man merkte auch dem Kind an, dass ihm die unruhigen Nächte zusetzten.

Besser Couch als Beistellbett

Sind meine Kinder nicht gemacht fürs Beistellbett?

„Was ist, wenn unsere Kinder einfach nicht beistellbettkompatibel sind?“ fragte der Ehemann. „Oder elternzimmerinkompatibel? Was, wenn es Kinder gibt, für die das einfach nichts ist?“

Und so zog auch der Zwockel ins Kinderzimmer um. Mit bereits drei Monaten. Seine Schlafsituation besserte sich augenblicklich – vom 30-Minuten-Rhythmus erhöhte er nun dauerhaft auf 90-Minuten-Schläfchen – für ihn schien das ausreichend. Dass Locke auch in dem Zimmer schlief, störte ihn nicht und auch Locke schlief tief und fest durch jede Schreiattacke hindurch.

Rabenmamas schlechtes Gewissen

Mein schlechtes Gewissen, das mich jeweils bis zum ersten Lebensjahr begleitet hatte, weil ich mich nicht an die schlauen Ratgeber gehalten habe, werde ich allerdings nie vergessen. Ich fühlte mich wie eine Versagermama, weil meine Kinder nicht das tun wollten, was im Buch – in allen meinen Babyratgebern – stand.

Lag es am Kaiserschnitt? Hatten wir eine Bindungsstörung? War ich gestört? Waren meine Kinder gestört? Muss ich mich schon um einen guten Therapeuten kümmern? Wochenlang quälte ich mich mit Theorien, befragte Dr. Google und las in Elternforen, dass ich wohl die Schlimmste aller Rabenmütter sei… die, die ihre Babys im eigenen Zimmer schlafen lässt.

Habe ich es richtig gemacht? Ich denke ja. Man muss wohl einfach sehen, was für das Kind passt und sich dann einmal mehr aufs Bauchgefühl verlassen. Das, wohlgemerkt, war mit der Entscheidung für das eigene Bett der Kinder völlig d’accord. Nur mein Kopf, der machte sich Sorgen, denn in den Büchern und im Internet stand ja… ach.

Ein Beistellbett, die räumliche (!) Nähe zu den Eltern, ist vielleicht einfach nicht immer für jedes Kind das Beste.