Bye, bye Nucki – Abschied vom Schnuller

Verschiedene Methoden und eine überraschende Erkenntnis

„Wenn er ihn sich nicht selbst abgewöhnt, dann erst, wenn der Kinderarzt sagt, dass es sein muss!“, sagte ich bestimmt zum Ehemann. Vorausgegangen war dem eine Diskussion bei Verwandten, warum denn Locke (damals erst anderthalb) unbedingt einen Schnuller haben müsse. Die seien schlecht und kein Kind brauche sowas.

Mein Kind – meine Entscheidung, thank you very much.

Gefahren von Schnullern

Natürlich haben Schnuller Nachteile. Sie können die Aussprache behindern und einenoffenen Biss verursachen. Außerdem wurde eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte wie Magen-Darm-Erkrankungen beobachtet – letzteres können wir absolut nicht bestätigen! In drei Jahren drei solche Infekte, nicht schön, aber damit lässt es sich leben.

Wir haben unsere „Nuckis“ niemals in etwas Süßes getaucht und immer regelmäßig ausgetauscht: Sobald das Silikon sich verfärbte oder unangenehm roch und sich dieses auch durch auskochen bzw. sterilisieren nicht änderte, wurde der Schnuller ausgetauscht.

Nuckis nur zum Schlafen

Mein Sohn brauchte seine Schnuller meist nur zum Schlafen und wenn er krank war. Und in Lebenskrisen. Ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass er nicht nonstop nur mit Schnuller herumläuft. Aber wenn ich merkte, dass er sich unwohl fühlte, durfte er ihn gerne haben.

Das war zum Beispiel der Fall, wenn wir irgendwo hin fuhren, wo es für ihn ungewohnt und neu war, oder wenn Besuch kam, den er nicht kannte. Auch die ersten Tage im Urlaub, wenn er sich erst eingewöhnen musste, waren für ihn aufregend und stressig.

Ja, mein Kind hatte dann Stress. Und ich bin der Meinung, dass ein Kind – besonders ein Kleinkind – noch keinen Stress haben muss, solange man es verhindern kann. Wenn der Schnuller dabei hilft, dann sei es so.

Schnuller-Rückfall bei Kindergartenbeginn

Der Schnuller half ihm, sich zu beruhigen und zu entspannen. Locke ist generell eigentlich ein entspanntes Kind, er ist nur nicht so scharf auf neue Situationen.

Als er in den Kindergarten kam, hatten wir beispielsweise einen kleinen Rückfall. Hatten wir ihm den „Nucki für zwischendurch“ abgewöhnt, musste er doch nach dem Kindergartenbesuch wieder schnell in den Mund. Er hatte mich jedoch überrascht, indem er seit seinem ersten Tag im Kindergarten seinen Schnuller in den Rucksack gepackt hatte, bevor er in die Gruppe ging. Der Sauger musste zwar mit, aber nur als Backup im Rucksack.

Aber wenn ich ihn dann abholte, musste er sofort her. Das war die ersten Wochen so und das habe ich ihm auch zugestanden. Locke geht gern in den Kindergarten und hat noch nie Abschieds-Theater gemacht, ganz business-like stiefelt er zu seinen Freunden, vom ersten Tag an. Aber danach, brauchte er dann wohl doch etwas zur Beruhigung. Und das war okay.

Methoden zur Schnullerentwöhnung

„Erst wenn der Kinderarzt sagt, der Schnuller muss weg, kommt er auch weg.“, hatten wir also beschlossen. Und dann war es soweit! Der Arzt stellte einen ganz leichten offenen Biss fest und riet dazu, den Schnuller bald abzuschaffen. Der Ehemann und ich diskutierten einige Abende lang über die für uns beste Methode zur Schnullerentwöhnung:

1.) Kalter Entzug. Schnuller weg, keine Diskussionen. Aus die Maus, weg ist das Ding.

2.) Ein Loch reinpieken. Dann kann man nicht mehr daran saugen, das Ganze macht keinen Spaß mehr und das Kind gibt irgendwann freiwillig auf.

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3.) Ein Datum setzen, an dem die Schnullerfee kommt, und ein Geschenk an seine Stelle legt. Oder an dem wir den Schnuller vergraben. Oder wir ihn, ganz wie ein echter Müllmann das so machen würde, in die gelbe Tonne werfen.

4.) Den Schnullerbaum besuchen. Eine tolle Erfindung aus Dänemark. Ein Schnullerbaum ist ein Baum, z.B. im Dortmunder Westfalenpark, der im Rahmen eines Familienfestes mit Schnullern behängt wird. Die Kinder tauschen den Schnuller bei der Zahnfee gegen ein kleines Geschenk ein. Diese Bäume gibt es auch in anderen Städten, z.B. Münster oder in Hamm, Bielefeld, Aachen und Gelsenkirchen.

5.) Dem Kind die Sachlage erklären, bis es versteht und einwilligt den Schnuller abzugeben.

6.) Warten, bis er von selbst aufgibt und schonmal eine gute Zahnzusatzversicherung suchen. Ähm, Scherz.

Und dann war alles ganz einfach

Wie es oft so ist, machen sich Eltern viele Gedanken und am Ende ist es dann ganz einfach. Meinen Cousinen wurde früher immer erzählt, die Vögel hätten die Schnuller geholt. Das fand ich ehrlich gesagt total blöd, denn ohne jegliche Erklärung wurde der schwarze Peter irgendwelchen „Dritten“ zugeschoben.

Wir entschieden uns für eine Variante von Nummer 3 gemischt mit Nummer 5. Der kleine Bruder wurde bei den Großeltern untergebracht, damit Mama und Sohn die Zeit für einen Vormittag bei Toys’R’Us hatten.

Die Schnuller geben wir dem Storch!

„Du darfst dir EIN Spielzeug aussuchen. Im Gegenzug gibst du alle deine Schnuller ab.“, schlug ich dem Kind vor und er willigte sofort ein. „Willst du die Schnuller in den Müll werfen?“

„Nein“, überraschte er mich abermals. „Die holt dann der Storch.“ Also doch wieder die Vögel…
Wer auch immer ihm das erzählt hat (ich habe da die Kindergarten-Community in Verdacht), es funktionierte. Ich willigte ein und wir fuhren ins Spielzeugparadies. Unsere Familie bekam Zuwachs in Form eines (irre nervigen) Feuerwehrmann-Sam-Feuerwehrautos. Wieder zuhause angekommen konnte er es kaum erwarten, dem Storch seine Dose mit den Schnullern rauszustellen. „Tschüss, Nuckis!“, rief er. Und das war’s. So einfach war das!

Natürlich ging ich noch einmal raus, entsorgte die Schnuller und legte einen kleinen Brief vom „Storch Georch“ (familieninternes Fabeltier) neben drei Bonbons in die Dose. Als wir nachschauten, ob der Storch schon da war, war die Freude groß! Keine Träne wurde den Nuckis nachgeweint, der Storch wurde für nen echt duften Typen befunden und das Kind war selig.

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Wem fiel der Abschied schwer? Der Mama!

Und dafür die langen Abende, die vielen Sorgen und Gedanken, die ich mir gemacht hatte.

Interessanterweise war MIR beim Entsorgen der Schnuller zum Heulen zumute. Warum? Keine Ahnung. Seit drei Jahren begleiteten uns diese kleinen, beruhigenden Freunde bereits und wenn er schlafend, am Nucki zuppelnd wie Maggi Simpson, neben mir lag, sah es doch immer so süß aus.

Ja, ich hatte wohl wahrhaftig den größeren Trennungsschmerz zu verkraften. Gerade habe ich gelesen, dass der Schnullerabschied den Übergang vom Kleinkind zum Kind markiert und vielleicht ist es ja das.

Ach, sie werden ja so schnell groß!

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10 Dinge, die wir ohne Kinder nie zuhause hätten…

Eine Blogparade von Glucke und so.

Ich liebe Blogparaden! Die machen mir richtig Spaß – und ich finde immer wieder überraschend, was mir zu ein paar Stichworten so alles einfällt. Hier sind sie also, die 10 Dinge, die wir ohne Kinder ganz bestimmt niemals nie nicht hätten:

 

Nummer 1: Nasensauger

Bevor ich Kinder hatte, wusste ich nicht einmal, dass es sowas gibt oder dass man das braucht. Aber ich bin froh, ihn zu haben, auch wenn meine Söhne eher minderbegeistert davon sind.

 

Nummer 2: Mülltonnen in allen Größen

Mein großer Sohn liebt Müllmänner und –tonnen. Die großen Exemplare haben wir in einem kleinen niederländischen Laden gefunden und sie mussten natürlich sofort mit, die kleinen waren Teil des Geschenkes, das Locke zur Geburt des kleinen Bruders bekam.

 

Nummer 3: Kreidemalstifte für die Fenster

Meine Mama hat früher immer mit mir zusammen die Fensterscheiben bemalt – mit Fingerfarben. Ich habe Kreidefarben ausprobiert und fand die auch ganz toll. Fingerfarben gibt es, wenn die Kinder etwas älter sind und richtig mitmalen wollen.

 

Nummer 4: Lustiges Badewannenspielzeug

Ich hätte nie gedacht, dass die Auswahl von Badewannenspielzeug so kompliziert ist: Die meisten Gummispritztierchen schimmeln nämlich von innen und sind deshalb bei uns nicht mehr willkommen. Aber es gibt ja noch das Bärchen im Boot!

 

Nummer 5: Ein extra Balkongeländer

Eigentlich ist die Mauer hoch genug. Aber sicher ist sicher, dachten wir uns und haben sicherheitshalber mal das Geländer erhöht. Natürlich achten wir darauf, dass die Jungs nicht allein auf dem Balkon sind.

 

Nummer 6: Einen Backofenschutz

Für Locke war das nie nötig, der unerschrockene Zwockel ist eine andere Sache. Wenn der leckere Kartoffelgesichter im Backofen sieht, will er da dran und nichts ist vor ihm sicher. Also musste ein Extra-Riegel her.

 

Nummer 7: Ein singendes Töpfchen

Aus der Reihe „Was es alles gibt“. Es sollte ein Anreiz sein, die Kinder zum Gang aufs Töpfchen zu motivieren. Leider haben sie herausgefunden, wie man auch ohne sein Geschäftchen die Musik auslösen kann… Seufz.

 

Nummer 8: Ein vom Papa gebautes Müllauto-Bett

Der kleine Müllmann… Ich erwähnte es bereits: Mein Sohn liebt die Müllabfuhr! Und nachdem wir schon Tonnen haben, musste auch ein Bett, ääääh… Auto her. Da hat der Papa kurzerhand das Kinderbett ein bisschen umgestaltet!

 

 

Nummer 9: Eine echte Blinkleuchte

Die hat der Papa von der Arbeit mitgebracht und repariert. Nun ziert sie hier das Spielzeugregal, wenn das Kind wieder einmal mit seinem Müllauto(-bett) unterwegs ist. Brummbrumm!

 

Nummer 10: Eine Helmsammlung

Nicht nur Müllmänner, auch Feuerwehrmänner und Bauarbeiter sind hier sehr „in“. Also haben wir eine ganz schöne Helm-Sammlung, die stetig wächst…

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In Seenot – wie ich mein Kind und mich vor dem Ertrinken bewahrte

Ein Gastbeitrag von Sonja

Beim Kinder-Notfallkurs einer größeren Krankenkasse (nicht zu verwechseln mit einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind) habe ich gelernt, dass das Beste und Wichtigste für Eltern in Notfallsituationen ist, die Ruhe zu bewahren. Egal ob Sturz, Verbrennung oder ein anderweitiger medizinischer Notfall: Das Kind wird in dieser Situation Angst genug haben. Die Aufgabe des Erwachsenen – und da ist es natürlich egal, ob Mama, Papa, Oma, Opa oder Ersthelfer – ist es, zu beruhigen, Ruhe und Zuversicht auszustrahlen und so dem Kind zu zeigen: Ich bin da. Alles wird gut.

Wie wichtig es sein kann, die Ruhe zu bewahren und das Kind nicht durch die eigene Panik zu gefährden, zeigt unser Gastbeitrag von Sonja, 53 Jahre alt, Mutter zweier Kinder, aus Berlin. Auch ihre Tochter kommt zu Wort und erzählt den Vorfall aus ihrer Sicht.

 

Wir waren damals mit meinen Eltern im Urlaub auf Mallorca. Meine Tochter war 7 oder 8 Jahre alt, das ich weiß nicht mehr so genau.

Bisher kannte ich nur das Mittelmeer an der Costa Dorada (Nordspanien) und der Adria-Küste. Wenn dort ein bisschen mehr Wellengang ist, ist das nicht gefährlich, macht nur mehr Spaß. Als es also eines Tages richtig schöne Wellen gab, ging ich mit meiner Tochter ins Wasser. Sie konnte zwar schon schwimmen, aber das Meer ist schon etwas anderes als ein ruhiger Pool und sie trug immer Schwimmflügel, wenn wir hineingingen.

Gefährliche Unterströmung

Wir paddelten also so ein bisschen im Wasser herum, als ich plötzlich merkte, dass wir ziemlich abgetrieben waren. Wir befanden uns viel weiter draußen, als ich gedacht hatte. Für mich hatte es sich angefühlt, als blieben wir auf der Stelle. Leider bin ich sehr kurzsichtig und ohne meine Brille kann ich Entfernungen nicht richtig abschätzen, daher bemerkte ich es nicht sofort.

Die Wellen waren inzwischen auch unbemerkt höher geworden, es fiel mir Beides im gleichen Moment auf. Also dachte ich: „Jetzt machen wir uns mal lieber auf den Weg zurück!“ und stellte dann fest, dass das nicht ging. Trotz Schwimmbewegungen blieben wir im besten Fall auf der Stelle. Mir war klar, dass wir immer weiter hinausgezogen werden würden. Die Wellen klatschten meiner Tochter mittlerweile munter ins Gesicht und ich hoffte, dass sie keine Angst bekäme. Ich selbst spürte Panik in mir aufsteigen und überlegte, wann wohl der richtige Moment sei, um Hilfe zu rufen. Noch ein bisschen weiter draußen und man müsste schon ganz schön schreien, bis man überhaupt gehört würde, schließlich ist es am Strand auch nicht leise. Würde ich um Hilfe schreien, würde natürlich auch meinem Kind klar, dass das hier kein Spaß mehr war. Also versuchte ich, Ruhe zu bewahren.

Das rettende Seil

Trotz meiner aufkeimenden Panik bekam ich mit, dass die Wellenströmung nach links ging, wo vor uns der abgesperrte Bereich für die Bananen und Boote lag, was ich sofort als meine Chance begriff. Wenn ich dort hingelangen könnte und das Seil zu fassen bekäme, könnten wir uns daran entlang bis zum Strand ziehen.

Wir waren allerdings schon ein gutes Stück dahinter – also wirklich schon ein ziemliches Stück vom Strand entfernt. Ich sah meine Chance: Ich sagte meiner Tochter, dass Sie immer mit der nächsten Welle einen kräftigen Schwimmzug machen sollte und gab ihr jedes Mal dabei einen unterstützenden kräftigen Stoß. Während des Rücksoges machte ich so kräftige Schwimmzüge, wie ich konnte und schubste mein Kind immer weiter vor mir her. Die Wellen klatschten über ihrem Kopf zusammen und ich danke Gott, dass sie immer noch keine Angst bekam, im Gegenteil, sie arbeitete gut mit!

Als ich merkte, dass es funktionierte und wir tatsächlich der Absperrung näher kamen, wurde ich ruhiger. Zum Glück bin ich eine gute Schwimmerin und die Angst verlieh mir zusätzlich Kraft. Endlich bekamen wir das Seil zu fassen und zogen uns daran entlang bis zum Strand, was wegen der Unterströmung immer noch schwer und anstrengend war. Stehen konnte man ja noch nicht.

Wäre das Seil nicht gewesen, hätte ich um Hilfe schreien müssen, denn wir hätten es vermutlich nicht allein geschafft, zum Strand zurück zu kommen! Ob uns überhaupt jemand über die Entfernung gehört hätte? An einem Strand ist es nicht gerade leise. Rettungsschwimmer, die die Menschen im Meer beobachteten, gab es nicht.

Nicht alle hatten so viel Glück wie wir

Wie ich am nächsten Tag erfuhr, sind im Nachbarort etwa zur gleichen Zeit fünf Menschen ertrunken: Eine ganze Familie! Die Erste war in Not geraten und hatte um Hilfe geschrien. Dann war einer nach dem anderen ins Wasser gegangen, um zu helfen, doch sie hatten keine Chance. Durch die Unterströmung wurden sie alle immer weiter hinausgezogen. Auch dort gab es keine professionellen Rettungsschwimmer.

Ein Einheimischer erzählte uns später, man hätte eine Menschenkette bis zum Strand bilden müssen, sonst habe man keine Chance! Somit war meine Entscheidung, mich am Seil der Absperrung entlangzuziehen, die einzig richtige und Gott sei Dank hatte es funktioniert!

Ich war körperlich und mental so fertig, nachdem ich wieder an Land war, dass ich am ganzen Leib zitterte und meinen Eltern gar nichts von meiner Not erzählte. Sie hätten sonst auch nur noch Angst um uns gehabt in dem Urlaub!

Mein Herz klopft heute noch wie verrückt, wenn ich daran denke und es bleibt ein gruseliges Gefühl, dem Tod wahrscheinlich nur so eben von der Schippe gesprungen zu sein. Ich bin erleichtert und voller Dankbarkeit, dass wir einen so guten Schutzengel hatten!

Keine Rettungsschwimmer, keine Fahnen

Kurze Zeit später wurde dieses Thema und die Zustände an den mallorquinischen Stränden im Fernsehen thematisiert. Es existierten tatsächlich an den meisten Stränden keine Bademeister oder Rettungsschwimmer, keine Rettungsboote, keine Rettungsringe. So wie auch an unserem Strand.In Sa Coma, dem Nachbarort, in dem die Familie ertrank, hatte angeblich die rote Fahne geweht, die besagt, man dürfe nicht ins Wasser gehen.

Zu dem Zeitpunkt, als ich mit meiner Tochter an unserem Strand ins Wasser ging, wehte allerdings keine Fahne – weder eine rote noch sonst eine.

Seitdem habe ich einen gehörigen Respekt vor dem Meer.. Ich bin verdammt froh, dass ich in der Lage war, klar nachzudenken und cool zu bleiben. Meine Tochter sagt bis heute, sie habe nichts davon mitbekommen, dass wir in einer gefährlichen Situation waren. Sie hatte in keinem Moment das Gefühl, dass wir in Gefahr waren, hatte das Ganze aber am Ende auch schon nicht mehr lustig gefunden.

Ruhe rettet Leben

Wäre ich in Panik geraten und hätte nicht mehr nachdenken können, wäre auch mein Kind in Panik geraten.

Körperliche Gegenwehr zusammen mit dem Sog hätte ich körperlich nicht bewältigen können! So schlimm dieses Ereignis für mich noch heute ist – es macht mich natürlich auch ein wenig stolz, dass ich einen kühlen Kopf bewahrt habe und so in der Lage war, unser beider Leben zu retten!“

So hat Sonjas Tochter das Ganze erlebt:

Dieser Urlaub ist mir nicht mehr oder weniger in Erinnerung geblieben als alle anderen Urlaube mit meiner Familie in der Kindheit.

Meine Mutter hat manchmal von diesem Erlebnis erzählt und immer wenn sie das tat, habe ich versucht mehr Erinnerungen abzurufen, aber es ist nie mehr geworden als ein paar Fetzen mit denen ich keine besonders tiefen Emotionen verbinde.

Meine Erinnerungen beginnen mit Wellen auf denen ich gleite. Es ist ein schönes Gefühl. Vor mir sehe ich meine Mutter. Sie hält mich an den Händen und wenn eine Welle kommt gleiten wir beide mit einem „Huiii…“ darüber. Dann schwappt mir eine Welle ins Gesicht. Es entsteht eine kleine Erinnerungslücke und dann ist das Wasser überall um mich.

Es tut mir nicht weh in den Augen, aber es schmeckt salzig in meinem Mund und obwohl ich es nicht schlucken will, muss ich es doch um weiter atmen zu können. Ich hänge in unruhigem Wasser, meine Arme werden von Schwimmflügeln gehalten. Es macht keinen Spaß mehr und ich verstehe nicht, warum ich vorher über den Wellen bleiben konnte, aber jetzt nicht mehr.

Vor mir im Wasser sehe ich wieder meine Mutter, den Blick nicht auf mich, sondern hinter mich gerichtet. Sie wirkt konzentriert. Ich weiß, dass sie auch nicht mehr im Wasser bleiben möchte und dass wir jetzt zurückkehren werden. Eine Weile schwimmen wir Richtung Strand und jede Welle schwappt mir über den Kopf, aber dann ist da plötzlich ein Seil neben uns und meine Mutter sagt ich sollte mich daran entlang ziehen. Das tue ich, aber es ist viel anstrengender als die Schwimmbewegungen im Wasser. Ich muss mich sehr festhalten, weil ich ständig nach hinten gezogen werde. Mama schubst mich immer wenn eine Welle über meinen Kopf schwappt, damit ich mit einem Arm nachgreifen kann.

Wieder entsteht eine Erinnerungslücke und wir sind am Strand. Mama hält mich an der Hand und läuft zielstrebig über den warmen Sand. Mir ist kalt und schlecht. Noch während meine Mutter mich über den Strand zieht muss ich mich übergeben. Es brennt in meinem Hals und hinterlässt einen bitter-salzigen Geschmack im Mund.

Angst spielt in meinen Erinnerungen keine Rolle. Das schlimmste Erlebnis in meiner Erinnerung ist, dass ich mich am Strand übergeben habe. Wenn ich heute im Meer schwimme, habe ich nicht mehr oder weniger Respekt davor, wie alle anderen auch.

Pamela Anderson hat mein Leben verbessert…

Wie ich (fast) neidfrei lebe

Neid – das ist etwas Negatives. Wirklich?

Das muss gar nicht so sein, denn Neid kann auch konstruktiv sein, wenn er beispielsweise als Motivation genommen wird, um – sagen wir – auch einmal so ein tolles Auto zu fahren, wie der Nachbar.

Aber Neid wird hauptsächlich mit Missgunst gleichgesetzt, dem Nicht-Gönnen-Können. Manchmal wird dem Beneideten nicht nur nicht gegönnt, sondern man wünscht ihm vor lauter Neid auch noch gleich die Pest an den Hals. In ganz schlimmen Fällen zieht das auch noch Hass und üble Nachrede, das auf-Teufel-komm-raus schlecht machen des anderen nach sich.

Pamela hat mir den Tag versaut

Ich bin nun ein ehrlicher Mensch, auch und vor allem mir selbst gegenüber. Gut, ich bin enorm selbstkritisch und hinterfrage oft, ob mein Verhalten angemessen und richtig war und was ich hätte besser machen können.

Und eines schönen Tages sah ich im Fernsehen eine Wiederholung von Baywatch. Ich sah Pamela Anderson und die Nuss versaute mir den Tag: War ich gerade eben noch in fröhlich-guter Laune gewesen, hing nun eine schwarze Wolke über mir, ich hatte einen unbequemen Knoten im Bauch und fühlte mich ganz einfach doof.

Ich sah an mir herunter und sah meinen gar nicht flachen Bauch, meine viel zu kurzen Beine, die auch noch krumm sind – für einen Dackel aber astrein geeignet wären. Ich schaute im Spiegel meine halbgewellten Haare an, die immer so lagen, wie sie es nicht sollten und die in gähnendlangweiligem Straßenköterbraun (meine Friseurin nennt es euphemistisch dunkelblond) von meinem Kopf herabhingen. Ich betrachtete voller Abscheu meine seltsame Nase und mein spitzes Kinn. Meine Augen mochte ich auch nicht und das Muttermal an meiner Augenbraue und meine kurzen Stummelfinger, und meine Stimme, und meinen zu dicken Hintern und, und, und…

„Alles kacke, deine Elli“, sagte meine Oma immer.

Solche Brüste will ich auch!

Und dann – auf einmal und einfach so, sah ich mir selbst ins Gesicht und sagte „Ich bin neidisch. Ich bin neidisch auf Pamela Anderson.“ Und allein dieses Eingeständnis, tat mir gut. So. Nun hatte das doofe Gefühl, das mir den Tag versaut hatte, einen Namen.

Und worauf war ich neidisch? Ja logisch: Auf ihren Körper. Die tollen Brüste, die straffe Haut, das schöne Gesicht und die wunderschönen langen Haare. Das wollte ich auch. Und berühmt sein! Und so viel Geld haben! Und all die Männer, die ihr zu Füßen lagen!

Stopp. Hatte sie nicht gerade die x-te Trennung hinter sich? Wie konnte das sein? Müsste nicht jeder Mann glücklich sein, wenn er so eine Frau hatte? Und die Berühmtheit… Erst gestern war noch ein Foto von ihr – ungeschminkt und in Schlabberhose – um die Welt gegangen, was alle Zeitungen hämisch kommentierten. Würde ich das wollen? Haustür auf – Blitzlichtgewitter, egal, ob mir danach war oder nicht? Die Brüste, das ist ja kein Geheimnis, sind falsch. Das mag ja jede Frau für sich entscheiden, aber ist es nicht blöde, wenn die ganze Welt das weiß? Na gut, ich könnte mir ja auch solche Hupen kaufen – aber will ich das wirklich? Und die Figur. Na, die kommt auch nicht von ungefähr. Genetisch hat sich sicherlich bessere Voraussetzungen als ich, einen flachen Bauch und laaaange Beine zu haben. Aber ich wette, sie folgt einem strengen Diät- und Sportprogramm. Hätte ich darauf Lust? Jeden Tag Sport zu machen und dann nur ein Salatblatt zu futtern?

Und je mehr ich überlegte, dass ich eigentlich gar nicht bereit war, mein Leben in Richtung Pamela zu verändern, desto entspannter wurde ich.

Ja, sie sieht toll aus aber wäre es mir den Preis wert, den sie dafür zahlt? Will ich wirklich ein Leben wie das ihre haben? Jedes Detail in der Presse breittreten lassen – von Beziehungsdetails bis hin zur Krankenakte? Diät und Sport? Paparazzi überall?

Ganz klare Antwort: Nö.

Neid? Nein danke, ich werd doch immer seekrank.

Und von nun an begann ich, wann immer ich dieses komische Gefühl bekam, mit meinem persönlichen 3-Punkte-Programm:

  1. Identifizieren: Bin ich da gerade etwa neidisch?
  2. Analysieren: Warum? Worauf bin ich neidisch?
  3. Evaluieren: Bewerten – ist es mir wirklich so wichtig, dass ich es, mit allen Konsequenzen, die dazugehören, haben will?

Und in den allermeisten Fällen stehe ich am Ende da und kann ganz ehrlich sagen: Nein, ich will das eigentlich gar nicht.

Das Segelboot und den jährlichen Karibik-Urlaub, den sich Freunde von uns leisten können an sich möchte ich vielleicht schon, aber wenn der Preis dafür ist, dass mein Mann ständig beruflich unterwegs ist und wir uns selten sehen – dann nicht. Außerdem werde ich immer seekrank und würde wahrscheinlich die meiste Zeit über der Reling hängen. Macht auch einen schlanken Fuß, aber muss nicht sein.

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Allein die Identifizierung und Analyse des Gefühls als „Neid“ hilft schon, dass es einem besser geht. Das funktioniert wirklich!

Neid ist eine Todsünde

Neid zählte im Altertum zu den sieben Todsünden. Wollust und Völlerei machen wenigstens Spaß – aber Neid? Niemand möchte gerne als neidvolle Person gesehen werden. „Na, neidisch?“ oder „Ach komm, du bist doch nur neidisch!“ beantwortet man deshalb immer schnell mit „Neiiiiin, ich bin doch nicht neidisch, aber…“ und dann folgt irgendeine fadenscheinige Erklärung.

Was ist nun so schlimm daran zu sagen: „Ja. Ich bin neidisch. Punkt.“ Das muss ja nicht gleich heißen, dass man auch missgünstig ist. Denn wenn man sich bewusst macht – und nach ein bisschen Training geht das ganz automatisch – das es eigentlich ganz gut so ist, dass man das, was der andere hat, nicht auch besitzt, dann beginnt man ganz automatisch, zu gönnen.

Will man das nun aber unbedingt auch haben, dann liegt es an einem selbst, sich anzustrengen um das zu erreichen. „Neid ist ein Geschenk“, sagt dazu Christian Bremer, Autor des Buches Gelassenheit gewinnt. Christian hat diesen Artikel vorab gelesen und stimmt mir zu. „Neid ist zwar durchaus ein eher unangenehmes Gefühl, aber daraus können wir auch viel über uns lernen.“ Und ja, das können wir! Nämlich: Wer bin ich und was will ich wirklich?

Ja, so eine Segeljacht wäre super. Aber dafür 24/7 zu arbeiten, tagelang unterwegs zu sein, ein Meeting nach dem nächsten und die Familie nur am Wochenende für ein paar Stunden zu sehen? Muss jeder selbst wissen – das ist der Preis!

Im schlimmsten Fall macht Neid sogar krank. Man beginnt, sich minderwertig zu fühlen, empfindet Hass auf den anderen und für sich selbst Traurigkeit und Mitleid. Und wofür? Für etwas, das man im Gesamtpaket ja doch gar nicht will. Neid fühlt sich nicht gut an. Und warum an etwas festhalten, was nicht glücklich macht?

Ich habe auch Dinge, auf die andere neidisch sind

Warum konzentrieren wir uns nicht mal weg vom „Haben wollen“ und „Sein wollen“ hin zum „Stolz auf das sein, was wir haben und können“? Jeder hat nämlich etwas, worum ihn ein anderer beneidet.

Ich kann beispielsweise nicht gut rechnen. Wie viele Jahre habe ich mich minderwertig gefühlt und mich geschämt, weil ich, was Zahlen angeht, einfach eine echte Graupe bin und ohne Taschenrechner schon bei den simpelsten Aufgaben aufgeschmissen. Und dann hat mir vor kurzem ein Rechenkünstler gesagt, er sei wahnsinnig neidisch auf meine Kreativität. Er würde auch so gern mal so mit Worten umgehen können, wie ich das kann.

Machen Facebook, Instragram & Co unglücklich?

Eine Studie hat herausgefunden, dass Facebook, Instragram & Co. die Menschen unglücklich machen. Als ich das las, war ich erstaunt, denn mich macht Facebook nicht traurig – im Gegenteil: Ich genieße es, zu lesen, was meine Freunde, die teilweise in allen Ecken und Winkeln dieser Erde zu finden sind, erleben.

Eure Facebook-Freundin hat das perfekte Leben? Die Instagram-Fotos sind wie vom Profi und auf den Selfies sieht sie wie ein Model aus? Na, vielleicht war das aber auch das 8.000 Selfie, und alle anderen waren scheußlich. Und selbst wenn sie wunderschön ist und ein Jetset-Leben führt, krümel- und chaosfrei in einer Villa in Südfrankreich – wer sagt euch denn, dass sie nicht am Ende des Tages auf dem Sofa sitzt, in Schlabberpulli und Pantoffeln und sich fragt, wie ihr Leben mit Mann und Kindern aussähe.

Das habe ich gut gemacht

Denkt immer daran, wenn ihr mal wieder Neid verspürt: Es ist nur die eine Seite der Medaille. Dann schaut auf eure Medaillen, in Form eurer Kinder, eures Talents, eures beruflichen Erfolges und klopft euch auf die Schulter und sagt: „Ich hab das auch gut gemacht!“

Und schon lebt es sich viel gelassener…

Keine Angst, ich mutiere jetzt nicht zum Selbsthilfe-Guru. Ich wollte euch nur daran teilhaben lassen, wie man mit einem ganz kleinen Kniff ein bisschen glücklicher wird. Zumindest hat es bei mir geklappt – probiert es doch mal aus.

Weitere Tipps – vom Profi – zum Umgang mit dem Neid findet ihr hier.

Liebe Herz-Schwester

Ein Brief an meine beste Freundin

  1. Juni 1981

„Heute haben wir R. und das neue Baby besucht. Tanja war begeistert und fand die kleine M. total spannend. Sie haben sich angelächelt.“

So steht es im Babytagebuch, das meine Mutter damals für mich geführt hat. Knapp 14 Tage war sie da alt, die Person, die bis heute eine der wichtigsten in meinem Leben ist. Meine beste Freundin.

Seit ihrer Jugend befreundet, hatten unsere Väter den Kontakt aufrechterhalten. Man heiratete, man zog um, bekam Kinder, aber man blieb befreundet. Bis weit in die 90er Jahre traf man sich einmal im Monat zum Kegeln. Meine Beste und ich besuchten dieselbe Krabbelgruppe, denselben Kindergarten. Unsere Garderobenschildchen waren direkt nebeneinander. Wir gingen zur selben Grundschule – danach trennten sich unsere Wege, aber nach wie vor blieben wir in engstem Kontakt.

Weißt du noch?

Wir wohnten nur wenige Straßen voneinander entfernt. Oftmals telefonierten wir, kaum dass die Schule aus war stundenlang, obwohl wir uns nur eine Stunde später eh treffen wollten. Kaum war die eine wieder daheim, klingelte das Telefon erneut und wir alberten wieder herum, bis es unseren Eltern zu bunt wurde.

Wir tranken Multivitamintablette aus goldenem, silbernem oder bronzenem Becher – die stehen bis heute bei mir im Schrank und wenn du zum Frühstück kommst, machen wir das noch immer, obwohl wir diese Vitamin-Brause gar nicht mehr mögen.

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Unsere Becher – das Alter sieht man ihnen an…

Von den bunten Schleifchennudeln mit Sahnesoße, die meine Mama immer gemacht hat, schwärmst du bis heute und schwörst, dass es bei uns die oberallerleckerste Mortadella gab! Wenn es etwas zu trinken gab, musste in beiden Gläsern exakt gleich viel drin sein, sonst hast du dich beschwert. Und wehe jemand anderes trank aus deinem Becherchen. Da konntest du dich in Sekundenschnelle in eine Furie verwandeln!

Bei euch gab es immer Toast mit Butter und Zuckerstreuseln – mmmmh, so schmeckt Kindheit für mich. Erst viel später hast du mir mal gesagt, dass es das gab, weil kein Geld für was Gescheites zu essen da war… Für mich war es immer ein besonderes Essen!

Kindheitsanekdoten

Wir tobten durch den Matsch, galoppierten auf imaginären Pferden durch den Garten, sprangen durch Bachläufe an den Schiefen Bäumen, kletterten auf diese und wieder herunter, picknickten am Bröhl, fuhren Rad und gingen schwimmen – was man eben so macht als Kind. Wir spielten mit Barbie und hörten Regina Regenbogen rauf und runter, später Die drei ???. Wir bauten Buden – draußen wie drinnen und nahmen uns auf Kassette auf – quatschten stundenlang das Band zu, war es voll, wieder von vorn. Auf einer Kassette rülpsten wir wie die Kutscher und lachten uns schlapp, bis uns die Tränen kamen! Gibt es diese Kassette wohl noch?

Und weißt du noch, die Sache mit dem Film? Wir waren elf oder zwölf und liebten Jumping Jack Flash mit Whoopie Goldberg, obwohl wir ihn nicht wirklich verstanden. Wir fanden einfach Whoopie so toll. In der Videothek haben wir ihn uns immer wieder ausgeliehen. Einmal, deine kleinen Cousinen waren auch dabei, fing der Film ganz anders an als gewöhnlich. Da waren nackige Leute und die machten seltsame Dinge.

„Was macht die Frau da? Ist das da…?“ Und auf einmal verstanden wir! Dein Sprung über den Couchtisch war olympiaverdächtig! Du sprangst zum Videorekorder, um den versehentlich in die Hülle geratenen Pornofilm auszumachen, bevor die kleinen Cousinen etwas mitbekamen. War wohl nix mit unserem Filmnachmittag – aber vergessen werden wir das nie.

Oder als euer Schäferhund, Der Große Bello, ins Wohnzimmer spaziert kam, uns erwartungsvoll ansah, rülpste, dass die Wände wackelten und wieder herausging? Was haben wir gelacht – bis uns die Tränen die Wangen herunterkullerten!

Herz-Schwestern

Der erste Kuss, die erste große Liebe, die ersten Erfahrungen, all das wurde kichernd geteilt. Wir mochten dieselben Serien und Filme und quatschten stundenlang. Die eine übernachtete bei der anderen.

Wir waren wie Schwestern und im Herzen sind wir’s noch immer! Und seltsamerweise hielt man uns auch immer für Schwestern, obwohl wir doch ganz unterschiedlich aussehen. Ständig wurden wir darauf angesprochen „Also, dass ihr zwei Schwestern seid, das sieht man aber!“

Wir konnten die Sätze der anderen beenden und am selbst am Telefon Gedanken lesen – können wir noch. Wir sehen uns noch immer nur an und wissen, was die andere denkt – auch wenn es Dinge gab, über die wir nie geredet haben als Kinder und Jugendliche. Weil wir sie selbst nicht verstanden. Und auch, weil die Probleme zuhause irgendwie nicht wichtig waren, wenn wir draußen waren. All das Ernste, all das Unschöne, all die Sorgen – wenn wir zusammen waren, verpufften sie einfach. In unserer gemeinsamen Welt gab es nur Lachen und Toben. Wir lebten im Moment, wie Kinder das wohl tun.

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Karneval 1984 oder 1985

Auseinandergelebt und doch immer nah

Im Studium lebten wir uns auseinander, das Berufsleben tat sein Übriges: Der Kontakt wurde seltener. Manchmal sahen wir uns monatelang nicht. Trotzdem warst du niemals weg. Unsere Freundschaft hat jede Pause überlebt! Auch die langen. Meine Trauzeugin warst du, bei unserer Mini-Hochzeit. Ich war so aufgeregt und du warst da, am wichtigsten Tag meines Lebens und hast mich beruhigt. So ein schöner Tag!

Auch du hast im allerkleinsten Kreis geheiratet und ich war nicht eine Sekunde böse oder enttäuscht, dass ich nicht dabei war. Ich kannte deine Gründe und alles, was für mich zählte war, dass du deinen Tag so erleben konntest, wie es für dich – für euch – passte!

Gemeinsame Dickbauchzeit

Als ich dann Mama wurde – wie hast du dich gefreut! Aber da drifteten unsere Realitäten noch weiter auseinander. Kontakt über WhatsApp, am Telefon – gelegentlich. Du warst müde vom Alltag und ich vom Leben mit Kind. Und trotzdem hast du uns besucht, sooft du konntest. Und dann kam der Anruf, als du mir sagtest, dass du schwanger bist – ich weine noch immer vor Freude, wenn ich daran denke! Und weißt du noch? Just an dem Tag war mir aufgefallen, dass auch ich überfällig war.

Zusammen durch die Dickbauchzeit – mein Zweites, dein Erstes, unsere Patenkinder. Mein Patenmädchen, meine Herz-Nichte, ist dir so unfassbar gut gelungen! Sie sieht zwar aus wie ihr Papa (ohne den Bart), aber sie ist genauso verfressen wie du und offensichtlich auch mit dem berühmten Extra-Magen für Nachtisch ausgestattet!

„Ich bin sooo satt! Ich kann nie wieder essen!“

„Ich hab noch Eis.“

„Das ist okay, das kommt in den anderen Magen!“

Wie ein Gummiband

Unsere Leben waren ganz eng und dann haben wir uns manchmal so lang nicht gesehen oder gesprochen. Aber immer, wenn wir dann Zeit für einander hatten, war es sofort wieder wie früher. Und wir sind noch genauso albern. Manchmal reicht ein Blick und wir prusten los, ohne dass die Anderen es verstehen. Erklären können wir es auch nicht.

Unsere Freundschaft ist wie ein Gummiband, das man gaaaaaanz lang ziehen kann und das dann wieder zusammenschnackt. Du bist aus meinem Leben nicht wegzudenken! Bald wohnen wir wieder näher beieinander und dann werden wir die alten Traditionen wieder aufleben lassen. Ich freu mich so! Ob unsere Kinder auch einmal Freunde werden? Ich wünsch es mir!

Ich hab’s am Lachs gemerkt

Unlängst war ich bei dir zum Frühstück, ich hatte mich spontan eingeladen. „Ich bringe die Brötchen mit, sonst noch was? Lachs vielleicht?“ – „Nein danke, für mich bitte nicht. Ist zur Zeit nicht so mein Fall“, kam deine Antwort per WhatsApp.

Bei jedem anderen wäre das nur ein ganz normaler Satz gewesen. Aber bei dir, da wusste ich es einfach: Ich werde wieder Herz-Tante!

Ich hab dich lieb.

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Na, Püppi? Bist du selbstgemacht?

DIY-Tipp: Gewinne einen Puppenkurs von Fadenkorb.ch

AKTUALISIERUNG:

Die Gewinnerin des Puppenkurses ist die liebe BEATRICE aus der Schweiz. Das Materialpaket war aber bereits bei uns in Deutschland. Der Rückversand in die Schweiz – zu teuer. Also hat Fabienne von Fadenkorb.ch ein zweites Paket gesponsert und wir haben unter allen Teilnehmerinnen unser Materialpaket (ohne Puppenkurs!) im Wert von 38 SFR verlost. Gewonnen hat dieses die BIANCA!

Dieser Beitrag enthält Werbung!

Könnt ihr nähen? Ihr Glücklichen! Also, ich bin da ja völlig unbegabt, obwohl man sich wirklich viel Mühe mit mir gegeben hat. Wir hatten in der Schule sogar mal für ein Jahr einen Handarbeits-Kurs, an dem auch die Jungs teilnehmen mussten. Damals fand ich das erst doof, dann hatte ich Spaß, auch wenn der Topflappen, den ich häkeln sollte bis heute unvollendet auf dem Dachboden schlummert.

Du lernst für’s Leben, nicht für die Schule

Rückblickend finde ich das Spitze! Wir bekamen zum Beispiel verschiedene Materialien – Stoffe, Knöpfe, Reißverschlüsse – und sollten daraus ein Bild auf ein Stück Jute nähen. Daraus wurden lustige Fantasietiere – Sinn der Übung ganz klar: Lernen, wie man einen Knopf annäht, wie man Stoffe zusammennäht und auch, wie man Löcher stopft. Also mal richtig was für‘s Leben!

Zum Kummer meiner Mutter, die sehr gerne näht, bin ich da gänzlich unbegabt. Ich kann so einen Knopf annähen, ja. Aber sonst sind Handarbeiten sind generell nicht meins, siehe Topflappenschicksal. Manchmal habe ich schon Lust, aber allein das Einspannen des Fadens in die Nähmaschine finde ich bereits dermaßen kompliziert, dass ich lieber einem Oktopus bei starkem Seegang Augentropfen verabreichen würde.

Darf ich euch eine echte Puppenmacherin vorstellen?

Fabienne hingegen, die ich euch schon kurz im Artikel Hustensaft selbstgemacht vorgestellt hatte, ist eine wahre Künstlerin! Sie ist Mutter zweier Kinder, war einmal Kindergärtnerin und ist nun Puppenmacherin. Fabienne lebt mit ihrer Familie in einem idyllischen, kleinen Bergdorf in der Schweiz auf einem Bio-Bauernhof mit Walliser Schwarznasenschafen – und alles rund um die Wolle ist ihre Leidenschaft. Diese hat sie zum Beruf gemacht und was sie kann, könnt ihr auch – Fabienne hilft euch dabei!

Auf ihrer Seite Fadenkorb.ch gibt sie Puppenkurse – und nicht nur das! Auch Anleitungen für Plüschschafe und viel Zubehör, wie Wickeltaschen und Puppenkleidung, könnt ihr hier finden.

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Fabienne Truffer Puppenmacherin von Fadenkorb.ch

Ich habe Fabienne über Facebook auf einer Seite für selbständige Mütter kennengelernt. Ihre selbstgemachten Schäfchen-Spieluhren hatten es mir sofort angetan, denn Locke stand zu der Zeit voll auf Schafe! Sein „Bim-Mäh“ hängt bis heute am Bett und darf nur ausnahmsweise an den kleinen Bruder ausgeliehen werden.

Großer Puppenkurs online

Fabienne kommt, wie bereits erwähnt, aus der Schweiz – doch keine Sorge, für einen Puppenkurs müsst ihr weder zu den Eidgenossen reisen, noch Schwyzerdütsch lernen: Fadenkorb.ch bietet online einen großen Puppenkurs mit drei verschiedenen Bausteinen an, den auch wir Deutschen verstehen:

  1. Im Puppenkurs erhaltet ihr versandkostenfrei die Schnittmuster für eure Puppen. Im Preis enthalten ist ein E-Book für Puppenzubehör (Wickelutensilien und Puppentrage), eine Menge Bonusmaterial (Tipps und Tricks, weitere Schnittmuster für Kleidung) und es gibt neben der Facebook-Community einen Live-Stream – hier werden eure Fragen beantwortet und ihr bekommt noch weitere Ratschläge. Einmal angemeldet, habt ihr auf ewig Zugriff und bekommt alle Updates – ohne Abo versteht sich!
  2. Zweiter Baustein ist das Materialpaket – so erhaltet ihr von Fabienne alles, was ihr braucht: Gaze, Wollstoff aus der Schweiz, Sternlifaden, reißfeste Fäden, echte Walliser Mohairwolle für die Haare der Puppen und hofeigene Bio-Schafwolle zum Stopfen.Natürlich könnt ihr euch das Material auch selbst besorgen – vielleicht habt ihr es sogar noch zuhause. So ist es jedoch bequemer – die Versandkosten in die EU sind recht hoch, bitte sprecht Fabienne für günstigere Möglichkeiten an.
  3. Baustein Nummer Drei des großen Puppenkurses ist das Premium-Angebot: Damit erhaltet ihr Zugriff auf sämtliche Schnittmuster – nicht nur für Puppenkleidung, auch für die Deko-, Erstlings- und Kasperle-Puppen. Hier ist auch das „Große E-Book“ dabei, in dem ihr Anleitungen für Fabiennes Puppen-Arzttasche findet.

Ihr könnt alle drei Bausteine beliebig kombinieren, entscheidet ihr euch für alle drei, gibt es natürlich einen Sonderpreis! Alles, was ihr selbst mitbringen solltet, sind Grundkenntnisse im Handnähen, Nähen und Häkeln, Kenntnisse zum Download der Dateien und natürlich Spaß an der Sache!

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Fadenkorb.ch

 

 

Viele kleinere Kurse zur Auswahl

In weiteren buchbaren Kursen lernt ihr, wie man Dekopuppen herstellt, es gibt einen Mini-Erstlingskurs mit Püppchen für die ganz Kleinen und zusätzlich bietet Fabienne euch einen Kasperli-Figuren-Kurs sowie einen Gliederpuppenkurs an. Bei jedem dieser Kurse gibt es ähnliche Bausteine wie beim großen Puppenkurs, die ihr kombinieren könnt.

Alle Kurse hängen zusammen: So beinhaltet der Mini-Erstlingskurs auch Informationen zur Herstellung der Dekopuppen. Beim Kasperli-Kurs lernt ihr außerdem die Erstlinge und Dekopuppen herzustellen und wenn ihr euch für den Gliederpuppenkurs entscheidet, sind alle vier oben beschriebenen Kurse dabei!

Gratis-Kurs zum Ausprobieren

Ihr seht: Es lohnt sich!

Ob Waldorf-Puppen, Schlüsselkinder, Deko-Puppen, Trostzwerge, Engelchen, Schneemänner – Fadenkorb.ch bietet euch eine riesige Auswahl! Fabienne veröffentlicht jedoch auch immer wieder Gratis-Anleitungen:

Wer sich noch nicht so recht an die Püppchen herantraut, kann auch erst einmal Fabiennes Gratis-Püppchenkurs besuchen, bei dem die Grundlagen anhand des kleinen „Florino“ vermittelt werden. Aktuell gibt es auf ihrer Homepage zusätzlich ein kostenloses Plüschschaf-Tutorial.

Die Preise auf der Homepage sind in Schweizer Franken angegeben, hier könnt ihr sie in Euro umrechnen.

In jedem zweiten Monat (also immer am 1. Februar, April, Juni, August, Oktober und Dezember) startet ein neuer Puppenkurs. Ihr könnt euch bis zum 20. des Vormonats anmelden und bequem per Vorauskasse oder Paypal zahlen.

Wie lerne ich was im Puppenkurs?

Fabienne bringt euch Schritt für Schritt, in den Modulen 1 bis 6 bei, wie so ein Püppchen gebastelt wird: Zuerst gibt es das Schnittmuster, dann lernt ihr, Kopf und Körper zu formen und diese zusammenzunähen. Dann folgen Details zu Gesicht, Haaren und Kleidern und im Bonusteil lernt ihr sogar, wie ein Bauchnabel oder die Puppenknie gestaltet werden. Im Fortgeschrittenen-Teil gibt es neue Herausforderungen für die erfahrenen Puppenmacher/innen unter euch.

Habt ihr einen Kurs gekauft, erhaltet ihr eine E-Mail, die euch durch das weitere Vorgehen leitet: Welches Material ihr benötigt (falls ihr nicht das Materialpaket mitbestellt habt) und wie ihr euch auf der Homepage registriert. Am 1. des Kursmonats werdet ihr freigeschaltet und so gelangt ihr zu den Kursseiten und den oben beschriebenen Modulen. Kein Stress, keine Zielvorgaben: Jeder kann in dem Tempo arbeiten, wie es der Alltag zulässt. Zusätzlich gibt es eine Facebook-Gruppe, in der ihr Antworten auf eure Fragen bekommt, diese ist allerdings geheim.

Unser Geschenk für euch: Ein Mini-Erstlings-Kurs

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Fadenkorb.ch

 

Ihr könnt einen Puppenkurs gewinnen! Wir verlosen einen Erstlings-Kurs im Wert von rund 120 Euro (128 SFR) inklusive Materialpaket! Einfach unter diesem Blog-Eintrag oder unter dem entsprechenden Facebook-Artikel einen Kommentar hinterlassen und schon seid ihr bei der Verlosung dabei! Gerne dürft ihr auch allen nähbegeisterten Freunden, Bekannten und Verwandten davon erzählen und diesen Beitrag empfehlen, liken und teilen – das ist aber kein Muss!

 

Die Teilnahmebedingungen:

Teilnehmen darf jeder.

Das Gewinnspiel beginnt am Sonntag, dem 05.03.2017 mit Veröffentlichung dieses Beitrags und endet am Freitag, dem 10.03.2017 um 23:00 Uhr. Der/Die Gewinner/in wird am 11.03.2017 ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Deine Adresse geben wir selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Es gelten unsere Datenschutzbestimmungen.

Den/die Gewinner/in benachrichtigen wir per E-Mail oder PN. Meldest du dich innerhalb von 7 Tagen nicht bei uns zurück, losen wir erneut aus!

Das Material-Paket kommt per Post, alle weiteren Informationen sendet dir Fabienne per E-Mail.

Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert. Facebook steht nicht als Ansprechpartner für dieses Gewinnspiel zur Verfügung.

Wir behalten uns vor, das Gewinnspiel jederzeit zu ändern, anzupassen oder zu beenden, wenn uns dieses notwendig erscheint.

10 Fragen an Krümel und Chaos

Der Liebster Award

Wir danken Anja von Luna Sonne für die Nominierung zum Liebster Award. Wir haben gern mitgemacht und ihre Fragen beantwortet! Leider wollte niemand anderes mitmachen, bei diesem kettenbriefähnlichen Award, die Fragen finden wir trotzdem gut…

Hier findet ihr Anjas Beitrag zum Liebster Award.

Luna Sonnes Fragen an uns:

  1. Was erwartete den Leser auf deinem Blog?

Bei Krümel und Chaos erwarten die Leser echte und ehrliche Geschichten aus dem Alltag, unsere Gedanken zu mehr oder weniger aktuellen Themen, Rezepte und Buchempfehlungen. Hier gibt es keine hochtrabenden Erziehungstipps, keine unrealistischen Basteltipps, keine Hochglanz-Bilder einer schicken Vorzeige-Wohnung: Hier spielt das Leben mit Kindern genau so, wie es ist.

Ganz besonders wichtig ist uns unsere Kategorie „Chaos auch bei…“ in der wir Menschen von nebenan vorstellen möchten. In Interviews lernen wir diese Menschen kennen und erzählen dann auf dem Blog ihre Geschichte – ob das nun die Mutter mit dem behinderten Kind ist, die Alleinerziehende, die aus ihrem Alltag erzählt oder die Eltern, die Pflege-, Adoptiv- und leibliche Kinder hat und mit dieser Patchwork-Familie durch den alltäglichen Sturm segelt – wir finden: Jeder hat eine interessante Story zu erzählen und kann so anderen Menschen im besten Falle Kraft und Mut geben – oder sie einfach nur unterhalten.

  1. Stell dir vor, es gibt die gute Fee doch und du hättest drei Wünsche frei ohne irgendwelche Haken, wie würden diese lauten?

Unser erster Wunsch ist ganz klar: Wir möchten, dass unsere Kinder immer glücklich sind! Daran gibt es nichts zu rütteln. Alles, was wir im Leben tun – auch dieser Blog – ist Teil von etwas Größerem, das am Ende darauf ausgelegt ist, dass unsere Kinder davon einmal profitieren, dass es ihnen gut geht und sie ein glückliches Leben führen.

Wir wünschen uns – heute mehr denn je – eine sichere Welt für unsere Kinder. „Weltfrieden“ klingt platt und ihr rollt jetzt alle mit den Augen, aber wir sagen das nicht nur dahin. Die derzeitige Weltlage macht uns Sorgen und wir wünschen uns, dass wir unsere Kinder guten Gewissens in die Welt lassen können, in die wir sie hineingeboren haben.

Unser Blog ist unser Herzensprojekt. Wir möchten ihn zu unserem Job machen und damit unser Leben verbringen können, was natürlich auch bedeutet, dass wir damit irgendwann Geld verdienen möchten um davon zu leben. Oder im Lotto gewinnen. Das ginge auch!

  1. Wie sollte sich unsere Gesellschaft verändern? Was sollte anders werden?

Wir wünschen uns eine Gesellschaft die offener ist. Was soll dieses ganze „Du machst das falsch, ich mache es besser!“? Besonders Mütter bekommen das immer wieder zu spüren. Warum kann man nicht einfach akzeptieren, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg und seine eigene Meinung hat? Mein Weg ist mein Weg und deiner ist deiner – und beide sind richtig!

Seine persönliche Meinung darf man ja gern behalten. Aber ebenso muss man die der anderen akzeptieren und auch mal mit Kritik leben. Vielleicht öffnet einem die konstruktive Kritik der anderen ja auch mal die Augen für neue – oder verbesserte Wege! Nur weil etwas anders ist, muss es ja nicht falsch sein.

Wir möchten ein liebevolleres Miteinander, mehr Empathie. Mehr Hineinversetzen in andere Personen und Situationen. Weniger urteilen und mehr Danke sagen. Weniger Habenwollen und mehr Zufriedenheit. Weniger Angst und mehr Mut.

  1. Wie nutzt du Social Media und warum?

Social Media nutzen wir inzwischen in 1. Linie beruflich, für unseren Blog. Auch für uns als selbstständige Unternehmerinnen und Texterinnen ist es wichtig, dass wir so gut wie möglich vernetzt sind. Facebook, Instagram und Pinterest dienen besonders als Inspirationsquellen für Bastelaktionen, Rezepte und Artikel. Twitter lernen wir gerade noch.

Für Tanja ist es eine großartige Möglichkeit, mit Freunden in Australien und Amerika in Kontakt zu bleiben: „Anstelle einer langen E-Mail oder eines Telefonats schnell den Status gelesen, ein Bild angesehen und geliked und schon weiß man, was der andere grad tut. Natürlich schreiben wir uns auch E-Mails, wenn die Zeit es zulässt, aber ein schnelles Like sagt oft genauso gut „Hey du, ich denk an dich!“

Sarah nutzt Social Media aus ähnlichen Gründen: „Meine Eltern fahren oft für längere Zeit weg. Da eignet sich Facebook natürlich am besten um immer „up to date“ zu sein. Aber auch andere Social Media Kanäle, Pinterest zum Beispiel, nutze ich privat ganz gerne.“

  1. Was ist deine größte Schwäche?

Tanjas größte Schwäche sind die Zahlen. „Die überlasse ich anderen. Zahlen sind einfach nicht meins. Ich lasse mich schnell verunsichern, das ist leider auch oft ein Problem. Dann will ich alles hinschmeißen und mich wieder hinter meinem Tellerrand verstecken. Sarah motiviert mich immer wieder und gibt mir den Mut, weiterzumachen und das hilft mir sehr!“

Sarah findet: „Meine größte Schwäche ist die Korrespondenz mit Kunden. Da bin ich froh, dass Tanja, als gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, mir bei den Feinheiten hilft. Ich kann da so wunderbar viel von ihr lernen und sie gibt mir immer dann einen Tritt in den Allerwertesten, wenn ich ihn brauche. Sie ist immer da um mich zu motivieren. Wir ergänzen uns einfach perfekt in jeder Hinsicht!“

Manchmal sind wir auch so richtig albern… (Foto: Frank Zeising)

  1. Wo liegen deine Stärken?

Tanja: „Ich liebe es, Geschichten zu erzählen! Ganz besonders gerne bringe ich die Leute zum Lachen. Aber auch gefühlvolle Storys liegen mir. Ich bin sehr empathisch. Was ich mein Leben lang eher als einen Fluch betrachtet habe, der mich daran hindert, eine eiskalte Geschäftsfrau zu werden, kommt mir nun zugute.“

Sarah: „Meine Stärke ist meine Leichtigkeit und mein Mut. Ich tue einfach und denke nicht lange nach. Ich höre auf meinen Bauch und zerdenke nicht alles. Ich fange einfach an und schau dann wie es läuft. Wenn ich etwas richtig gerne mache, kann ich dafür eine starke Leidenschaft entwickeln. Ich gebe niemals auf und kämpfe wenn nötig.“

  1. Beschäftigst du dich mit dem Sinn des Lebens und wie?

„Schon immer!“, sagt Tanja. „Ich habe mich schon als Kind gefragt, warum ich ich bin und gerade jetzt hier und in dieser Situation. Warum ich ausgerechnet hier geboren bin und nicht – sagen wir: als Katze in Afrika. Warum ich da bin. Seitdem ich Kinder habe, denke ich, habe ich den Sinn des Lebens – MEINES Lebens – gefunden: Meine Kinder sicher durchs Leben zu bringen und sie zu guten Menschen zu erziehen.“

Sarah sieht das anders: „Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich bin zwar ein Tagträumer aber ich philosophiere nicht über den Sinn des Lebens. Ich denke aber, dass alles seinen Grund hat. Egal was passiert. Nicht immer ist dieser Grund offensichtlich und manchmal kommt die Erkenntnis so viel später. Warum ich geboren wurde? Warum ich lebe? Meine Lehrerin sagte einmal zu mir: „Sarah, eines Tages wirst du die Welt verändern.“ Okay… Retten vielleicht nicht unbedingt, aber sie hat nicht Unrecht: Ein jeder von uns, verändert die Welt auf seine eigene Weise und die Welt der Menschen um einen herum!“

  1. Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Tanja: „Wir sehen uns zusammen in einem schicken Büro, lachend und uns gegenseitig inspirierend, mit Spaß an der Arbeit – während mir mein Hund die Füße wärmt! Ich hoffe, bis dahin haben wir ein Haus und keine kleine Wohnung mehr. Mit zwei Jungs, die durch den Garten toben und ganz viel Lachen. Und an der Seite meines Mannes, der schon seit ganz langer Zeit mein bester Freund – und nicht nur Partner – ist.

Und ganz wichtig: Noch immer für Krümel und Chaos schreibend! Der Blog ist bereits jetzt aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. In welche Richtung sich das noch entwickelt, lassen wir uns offen.“

  1. Gibt es einen Blog, den du regelmäßig liest?

„Mehrere – allein schon aus Blogger-Sicht. Aber ganz besonders mag ich den Blog Eine ganz normale Mama, und auch bei Runzelfüßchen, Mama Mia und Glucke und so schaue ich regelmäßig vorbei. Es gibt so viele tolle Blogs!“, sagt Tanja.

Sarah lacht und gibt zu: „Ja – ich lese unseren eigenen Blog. Klingt komisch, ist aber so, denn Tanja schreibt ja alle Artikel. Ich mache die Technik – zum Schreiben fehlt mir momentan die Zeit. Meine zweite Tochter kam im Juli zur Welt und verlangt mir einiges ab. Solange mache ich nur den technischen Teil, während Tanja sich um die redaktionelle Seite kümmert.“

  1. Welchen Menschen bewunderst du und warum?

„Ich bewundere meinen Mann“, sagt Tanja. „Der ist so ruhig und besonnen – mein kompletter Gegenpol! Er arbeitet mit autistischen Kindern und ist einfach ein ganz toller, warmherziger, humorvoller Mensch. Und der beste Papa, den man sich vorstellen kann.

Und dann natürlich Sarah. Sie ist immer so mutig und traut sich so vieles, während ich eher zögere und alles drei- bis vierhundertmal überdenke, ich brauche immer ein Netz und einen doppelten Boden. Ohne Sarah wäre ich heute nicht da, wo ich bin und dafür bin ich ihr sehr dankbar!“

Sarah findet, dass fast jeder Mensch bewundernswert ist. „Es gibt es niemanden speziell, den ich bewundere. Jede Person mit ihrer eigenen Geschichte und dem eigenen Weg ist etwas ganz Besonders. Jeder hat seinen ganz eigenen Einfluss und Stellenwert. Es gibt so viele tolle Menschen in meinem Leben!“

Habt ihr auch noch Fragen an uns? Stellt sie uns in den Kommentaren oder schickt eine E-Mail an knusper@kruemelundchaos.de. Wir sammeln sie und ihr findet unsere Antworten in einem weiteren Artikel!

Hallo, lieber Müllmann!

An den frierenden Mann vom Entsorgungsbetrieb

Hallo lieber Müllmann. Oder bist du ein Müllwerker, Mülllader, eine Fachkraft für Entsorgung oder gar ein Manager für Abfallbehälterentleerung? Auf Italienisch bist du der „Netturbino“, auf Spanisch „El Basurero“. Das hört sich fast an, wie ein Superheld!

Wie möchtest du genannt werden? Ich weiß es nicht und eigentlich ist das ja auch egal. Denn darum geht es hier gar nicht.

Wir haben auf der Lauer gelegen

Als du in der letzten Woche unsere Mülltonnen geleert hast, haben wir dich gesehen. Nicht zufällig – nein, du wurdest sehnsüchtigst erwartet. Wir haben dir aufgelauert – uns seit dem Vorabend gefreut – und dich dann beobachtet.

Dann, als wir endlich das bekannte Gerumpel deines großen Autos hörten, sind wir zum Fenster gerannt und haben dir zugesehen, wie du den schweren Windelsack hochgewuchtet hast und unsere Mülltonne in die Schüttvorrichtung eingehängt, den Knopf gedrückt und sie mit dreimaligem „Bam, bam, bam!“ geleert hast.

Leuchtende Augen

Du hast uns nicht gesehen. Du warst dick eingemummelt und nur die Augen guckten unter der dicken Mütze hervor. Mit deinen dicken Handschuhen hast du dann wieder nach der Stange gegriffen, bist auf deinen Tritt geklettert und um die Ecke gefahren.

Du hast sie nicht gesehen, die leuchtenden Kinderaugen, die dich vom Fenster aus beobachtet haben. Zwei paar Augen, die gebannt jeden Handgriff verfolgt haben und zwei kleine Münder das Leeren der Mülltonne mit begeistertem „Bam! Bam!“ quittierten. Kleine Hände klatschten und kleine Herzen freuten sich.

Kaum warst du mit dem Auto verschwunden, rannten kleine Kinderfüße zurück ins Wohnzimmer, um mit den Müllmann-Fanartikeln zu spielen, die sich dort angesammelt haben.

Müllspielzeug_2

Dies ist nur eine kleine Auswahl an unserem „Müllspielzeug“-Angebot…

Du schaust so traurig

Lieber Müllmann – ich kann nicht sagen, ob das dein Traumberuf war. Als kleiner Junge vielleicht, aber als Erwachsener? Wirklich glücklich schaust du nie, wenn du hier vorbeikommst.

Klar, du hast einen echten Knochenjob! Einer muss ihn ja machen und vielleicht hast du einfach irgendwann das kürzere Hölzchen gezogen. Du bist bei Wind und Wetter draußen. Ob es schneit, stürmt, saukalt ist oder heiß, ob es hagelt, nieselt oder Bindfäden regnet!

Dein Job ist weiß Gott kein Hochglanzberuf! Du schaust griesgrämig, manchmal traurig, du lächelst fast nie.

Aber du machst jemanden sehr, sehr glücklich.

Du bist ein Held!

Lieber Müllmann, für zwei kleine Jungs bist du der Held! Du bist der Protagonist ihrer Bücher, die Verkörperung der Müllmann-Spielfigur. Du bist das Vorbild, zu dem sie aufschauen. Du bist der, der sie einmal sein möchten.

Du bist der Grund, dass mein Dreijähriger Worte wie „Schüttvorrichtung“, „Recycling“ und „Aufbereitungsanlage“ kennt. Du bist der Grund, dass er bereits mit zwei Jahren Plastik-, Rest- und Papiermüll trennen konnte. Den Müllkalender kann er auswendig. Vor kurzem sagte er „Ich mag am liebsten Montage: Da kommt immer die Müllabfuhr!“

Lieber Müllmann: Du bist ein Held.

Danke!

Mein Kaiserschnitt und ich (1)

Kein schlechtes Gewissen nötig, liebe Mamas!

Ich habe beschlossen, euch hier bei Krümel und Chaos von meinen Kaiserschnittgeburten zu erzählen und auch andere Frauen zu Wort kommen zu lassen. Die Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt bekommen haben, sind ebenso vielfältig, wie die Gründe dafür. Am Ende muss jede Frau für sich entscheiden, ob sie einen Kaiserschnitt bekommt, oder natürlich entbindet – und niemand muss sich dafür schuldig fühlen oder gar schämen.

Mütter entscheiden am laufenden Band, was das Beste für ihre Kinder ist – und genauso meistens auch bei einer Sectio. Wir alle haben für unsere Kinder nur das Beste im Sinn. Ein Kaiserschnitt ist nicht der einfache Weg und auch nicht immer der beste – aber oft genug ist er der Einzige. Und manchmal gehen Mütter lieber auf Nummer sicher, wenn es Gründe zur Besorgnis gibt. So wie ich.

Ich habe mich für den Kaiserschnitt und gegen das Risiko für meine Kinder entschieden und auch wenn ich gern einen natürliche Geburt erlebt hätte, bin ich unterm Strich glücklich und zufrieden, denn ich habe zwei gesunde Kinder.

„Am Ende ist das was zählt, dass ihr euer Kind im Arm haltet – egal, aus welcher Körperöffnung es gekommen ist.“ Das ist ein Zitat von derGanz normalen Mama, die mir mit ihrem Artikel „Kaiserschnitt? Kein Grund für schlechtes Gewissen oder Selbstvorwürfe“ direkt aus der Seele gesprochen hat.

Tanja (36) – 2 Kinder, 2 Kaiserschnittgeburten

Mein erster Sohn hatte sich im Bauch nicht gedreht, obwohl ich gemerkt hatte, dass er es versuchte. Er schien einfach das Köpfchen nicht nach unten zu bekommen. Oft lag er quer und der Bauch hatte dann eine ganz seltsame Form. Das Ganze tat ziemlich weh. Er versuchte es, aber es ging wohl einfach nicht. Später stellte sich heraus, dass es mit der Nabelschnur zu tun hatte, die wohl zu kurz gewesen war. Alle Maßnahmen – indische Brücke, Globuli oder Moxibustion – halfen nicht.

Also hatte ich die Wahl zwischen einem Kaiserschnitt und einer Geburt in Beckenendlage. Steißgeburt? Nicht mit mir. Klar, „früher ging das auch“, bei wie vielen das aber nicht geklappt hat, ist nicht überliefert, denn früher war es auch nicht ungewöhnlich, dass eine Frau die Geburt nicht überlebte.

Mein Bauchgefühl riet zum Kaiserschnitt. Auch eine äußere Wendung kam für uns nicht in Frage – das entschied auch wieder ganz klar und deutlich das Bauchgefühl. Uns waren Sicherheit und Gesundheit unseres Sohnes wichtiger, obwohl ich schon enttäuscht war, dass ich nicht natürlich entbinden würde, hatte ich mich doch auf „das ganze Paket“ gefreut.

Angst, zu fallen

Am Tag der Geburt war ich so aufgeregt wie nie. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Nadel, die man mir in den Rücken pieksen würde, aber meine Hebamme hielt mich dabei die ganze Zeit fest im Arm und ich war froh, dass sie da war. Sie nahm der ganzen OP ein wenig den OP-Charakter, sodass es eine schöne Geburtserfahrung wurde.

Ich lag auf dem OP-Tisch und das Gefühl, dass da am Bauch herumgedrückt und gerissen wurde, war schon seltsam. Kurzfristig bekam ich durch die PDA starke Kreislaufprobleme, die die Ärzte jedoch schnell in den Griff bekamen. „Der Druck den du gleich spüren wirst, ist quasi der Geburtsvorgang“, erklärte mir die Hebamme.

Seltsamerweise hatte ich die ganze Zeit über die unerklärliche Angst, vom OP-Tisch zu fallen – schon als ich an der Schleuse aufs Transferband gelegt wurde, musste mir der Arzt drei Mal versichern, dass da ein OP-Tisch stand und ich nicht auf den Boden plumpsen würde.

Da ist er!

„Da ist er! Ihr Sohn!“, hörte ich. Leider war das ein paar Sekunden lang alles, was ich hörte, denn mein Junge schrie nicht.

Kurzzeitig erfasste mich Panik, was mir wie endlose Minuten vorkam, waren jedoch nur wenige Sekunden. Da hörte ich ihn schon kurz aufschreien – und dann wurde er mir auf die Brust gelegt. „Bist du aber schön!“, seufzte ich unter Tränen. Mein Mann, der hinter mir saß, nahm uns beide in den Arm. „Hallo, kleiner Kerl“, begrüßte er unseren Sohn mit Tränen in den Augen.

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Locke ist da – noch lockenlos!

Alles, was folgte – das Zunähnen, das Gezupfe und Geziehe – war mir egal. Die Blutdruckmanschette quetschte mir fast den Arm ab, immer wieder ermahnte man mich, den Arm gerade zu lassen – ging nicht, da war mein Sohn, den ich unbedingt festhalten musste. Immer noch hatte ich Angst, wir könnten fallen.

Erst als wir zurück im Kreißsaal waren, hörte das auf und ich sah mein Kind verliebt an und tat die nächsten fünf Tage nichts anderes mehr. Ich konnte nicht aufhören zu weinen – vor Freude. Ich konnte zu der Zeit keine Karten mit Glückwünschen zur Geburt lesen – egal wie simpel der Spruch war, sofort liefen meine Augen über.

Hormon-Tsunami und überwältigendes Glück

Noch lange habe ich die Minuten im Kreißsaal, als man mir mein Kind auf die Brust legte, wieder und wieder durchlebt und es war der glücklichste Moment meines Lebens. Dass es die Hormonflut und diese wahnsinnige Mutterliebe nur bei natürlichen Geburten gibt, wie man mir vorher hatte weismachen wollen, stimmt nämlich nicht. Alles war da: Hormone, unbeschreibliches Glück und unfassbare Liebe.

Die Geburt in Steißlage wäre, aufgrund meines sehr engen Beckens, nicht möglich gewesen, darin waren sich Ärzte und Hebamme einig. Im schlimmsten Fall hätten wir wohl beide den Versuch nicht überlebt.

Das war der Grund, warum ich auch meinen zweiten Sohn per Kaiserschnitt zur Welt brachte. Ich hatte verschiedene Ärzte gefragt und nachdem mir alle zum Kaiserschnitt geraten hatten („Ihr Becken ist aber wirklich sehr eng!“) entschlossen wir uns beim Zwockel auch dazu, obwohl er brav mit dem Kopf nach unten lag. Hinzu kam, dass es bei den letzten Ultraschallbildern so aussah, als habe sich die Nabelschnur um seinen Hals gelegt und das beseitigte die letzten Zweifel.

Die Geburt – ganz ähnlich und doch ganz anders

Diese Geburt war vom Ablauf her ähnlich, emotional für mich aber ganz anders. Ich wusste bereits, was mich erwartet und das OP-Team war gut drauf und scherzte, alberte herum. Wir lachten viel und hatten Spaß. Obwohl mir das die kleine Angst, die noch da war, nahm, empfinde ich es im Nachhinein doch irgendwie als doof – als würde man während eines Gottesdienstes herumalbern. Irgendwie hat mir das die feierliche Stimmung versaut.

Als ich meinen zweiten Sohn im Arm hielt, blieb der überwältigende Hormon-Tsunami, den ich beim ersten Kind gespürt hatte, aus. Vielleicht lag es an der komischen Stimmung im OP, aber das Kind war da, es war gesund und das war gut so. Ganz matter-of-factly. Ich war froh und erleichtert, ihn endlich wohlbehalten auf der Welt begrüßen zu können, aber ohne die ganzen Tränen und die emotionalen Höhen und Tiefen.

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Zwockel und Mama

 

So unterschiedlich, wie ihre Geburten

Ein bisschen schade fand ich das – aber ich hatte es ja beim ersten Kind erlebt und meiner Liebe zu beiden tut das bis heute keinen Abbruch. Ich habe zwei völlig normale, gesunde Söhne, die beide keinerlei Kaiserschnitt-Traumata aufweisen. Beide sind charakterlich so unterschiedlich, wie ihre Geburten.

Ich bin dankbar, dass es ihnen gut geht und bin nur noch ab und zu ein kleines Bisschen neidisch auf Frauen mit Wehen und natürlicher Geburt!

Das kannst du nicht!

Mehr Mut haben – und geben.

„Das kannst du noch nicht.“ Wie oft habe ich das meinen Kindern schon gesagt.

„Mama, ich will das selber machen!“ Irgendwann fangen sie damit an. Ob Schuhe anziehen oder die Strumpfhose, ob Saft einschütten oder Gemüse kleinschneiden. „Mama, ich kann das!“, sagte der Große.

Natürlich konnte er es in den meisten Fällen nicht. Es kostete Zeit und Nerven und ich musste danach noch mehr putzen als sonst. Also hab ich das alles selbst gemacht. Mal eben schnell. „Das kannst du noch nicht, Spatz, das lernst du später!“

Stolz und glücklich

Und dann holte ich den Großen letztens vom Kindergarten ab und mir bot sich ein wirklich putziges Bild: Da stand Locke, vor Freude strahlend. Die Hose hatte er verkehrt herum an und den Pullover auch, auf links noch dazu. Er rannte zu mir, nahm mich in den Arm und sagte stolz: „Ich hab mich ganz allein angezogen!“

Ich musste so lachen. Es war so unfassbar niedlich. Aber wieder mal habe ich was gelernt: Er hat es selbst getan und war megastolz. Gut, es war nicht perfekt. Weit davon entfernt sogar. Aber das ist egal, denn er war immerhin angezogen. Und ich war auch stolz auf ihn. Beim nächsten Mal klappt es dann bestimmt schon besser…

Ehrgeiz, dein Name sei Zwockel

Auch Zwockel, der ja schon sehr früh wie der große Bruder sein wollte, möchte immer wieder Dinge tun, die er noch nicht kann. Und ich lerne, meinen eigenen Perfektionismus immer weiter wegzuschieben.

Zwockel kommt mit den komischen Kindergabeln nicht klar. Das Prinzip hat er wohl verstanden, aber die Dinger haben so dicke Zinken, dass kein vernünftiges Aufspießen des Essens möglich ist. Also darf der Kleine eine richtige Kuchengabel haben. „Das kannst du noch nicht!“, schreit es in meinem Kopf… aber er übt. Meistens spießt er das Stückchen Möhre mit der Gabel auf, begutachtet es und nimmt es dann mit der anderen Hand ab, um es in den Mund zu stecken. Nicht ganz ideal, aber wird schon. Aber er ist stolz wie Oskar.

16.02._Das kannst du noch nicht_Bild2

Eine vom Zwocki massakrierte Bananenscheibe.

Tschüss, Euphorie! War schön mit dir.

Ich hatte letztens eine Idee – ich erfinde nämlich gerne Dinge – und war begeistert davon. Meine Freundin Sarah Krümel war auch begeistert – sie ist in der Regel die Erste, die von meinen Erfindungen erfährt. Und dann wollte ich ein paar andere Meinungen hören.

Und wisst ihr, was mir aufgefallen ist? Alle, denen ich davon berichtete, sagten als Erstes „Das kannst du nicht.“ Der eine sagte das im Hinblick auf Vorgaben, die eingehalten werden müssen, der nächste im Hinblick auf den finanziellen Rahmen, der mir zur Verfügung steht. Keiner von ihnen äußerte seine Meinung zur Idee selbst. Keiner sagte „Gute Idee!“ oder auch nur „Finde ich langweilig.“ oder „Gefällt mir nicht!“

Nein, jeder sagte: „Das kannst du nicht!“ Und die Euphorie, die mit so einer Idee Hand in Hand daher kommt, packte die Koffer und zog von dannen. Ich mag die Euphorie und winkte ihr traurig hinterher. Zurück blieben meine Idee und ich, schmollend und entmutigt auf dem Sofa.

Mehr Mut für alle!

Und als ich mich so darüber aufregte, merkte ich, dass ich doch genauso bin. Kommt mein Sohn mit der Idee, auch nur seine Strumpfhose selbst anziehen zu wollen, sage ich schon „Das kannst du nicht!“ Herrje – es ist doch nur eine Strumpfhose! Was soll passieren? Wie soll denn mein Kind jemals den kreativen, erfinderischen und vor Ideen nur so strotzenden Geist entwickeln, den ich ihm so wünsche, wenn ich ihn schon bei den einfachsten Dingen entmutige?

Stattdessen habe ich nun angefangen, das „Das kannst du n…“ abzuwürgen und ihn zu ermutigen, es zu versuchen. „Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid, dann machen wir es zusammen!“ klappt viel besser. Und immer öfter kommt er mir stolz entgegengerannt, die Strumpfhose verkehrt herum, den Hosenboden vorn – aber mit strahlendem Lächeln, weil er nun keinen Anziehpartner mehr braucht und nun ER den Kleineren hilft, wenn sie sich anziehen müssen (ihr könnt euch vorstellen, wie das aussieht – aber es ist herzallerliebst!).

Wir alle brauchen jemanden, der uns hilft

So beginnt es, wie so oft, im Kleinen. Ich selbst, ich bin gar nicht mutig. Ich denke nämlich meistens selbst ganz oft „Das kann ich nicht!“ aber dann versuche ich es und sehe, so schwer ist es gar nicht. Ohne Sarah, die mich immer wieder ermutigt hat, wäre dieser Blog niemals zustande gekommen. Ohne die vielen tollen Kommentare, auf dem Blog, auf Facebook und im richtigen Leben, hätte ich vielleicht schon längst aufgegeben.

Wir alle sollten mutiger sein und es einfach versuchen. Einfach loslegen und wenn wir scheitern, dann ist das halt so. 

Aber vielleicht kommt ja jemand, reicht uns die Hand und sagt „Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid, dann machen wir es zusammen.“
Aber wir alle sollten auch mehr unterstützen. Dann hat jemand vielleicht eine Idee, mit der er ein paar Nummern zu groß denkt. Vielleicht gibt es da wirklich die ein oder andere Hürde, die schwer zu überwinden wird – aber hey, vielleicht schaffen wir das ja zusammen. Anstatt sofort „Das kannst du nicht!“ zu rufen, geben wir der Idee doch erstmal eine Chance, sofern sie uns denn gefällt…

Und dann kommt sie wieder, die Euphorie, und sie bringt in ihrem Koffer all die schönen, einzigartigen, bunten Möglichkeiten mit, die wir im grauen Alltag so gebrauchen können.

Vielleicht können wir es wirklich nicht.

Aber was, wenn doch?