Das schönste Geschenk – Zwockels zweiter Geburtstag

Was wirklich zählt.

Gestern feierte unser Zwockel seinen zweiten Geburtstag. Er kann schon so viel mehr als Locke in seinem Alter und auch wir als Eltern trauen uns beim zweiten Kind mehr zu, als beim ersten. Darum, und weil der kleine Mann uns mit seinem eisernen Willen immer wieder überrascht, waren wir beinahe erstaunt, dass er erst zwei wird – und nicht schon drei.

Kindergarten Kind ist ungeduldig

Zwockel kann es kaum erwarten.

Bald kommt er in den Kindergarten und kann es kaum erwarten. Im Gegensatz zu damals, bei Locke, freue auch ich mich sehr darauf. Der kleine Mann braucht so viel Action, die könnte ich ihm hier nicht einmal bieten, wenn ich nicht im Homeoffice arbeiten würde. Aber wir haben uns toll arrangiert und nach etwas längerem „Kampf“ (dazu später mehr) klappt auch das Arbeiten super.

Kindergeburtstagsplanung

Wie immer standen wir vor der Frage, wie wir den Geburtstag gestalten. Noch haben wir eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung und sind mit Platz nicht gerade gesegnet. Also wurde in Schichten gefeiert: Die Großeltern kamen um 14:30 Uhr zu Kaffee und Kuchen. Sechs Erwachsene und zwei Kinder – damit ist die Wohnung schon beinahe voll. Um 17:00 Uhr kamen dann die Paten zum Abendessen.

Dieses Arrangement haben wir auch bei Locke schon gemacht und sind damit gut gefahren. Da die Tochter von Zwockels Patentante, nennen wir sie Herzi, seine beste Freundin ist, hatte Zwockel gleich schon seinen Kinderbesuch hier. Ich halte mich „Pi mal Daumen“ an die Regel, nur so viele Kinder einzuladen, wie das Kind Jahre alt wird – auch das passt für uns sehr gut. Herzis Schwester war auch dabei, auch wenn ein Baby vielleicht noch nicht zu richtig dazuzählt.

Ich mag es als Mutter überschaubar und auch für meine Söhne passte das bisher gut. Ab nächstem Jahr bekommt Zwockel auch seinen Extra-Kindergeburtstag, so wie der große Bruder, in diesem Jahr haben wir uns den gespart.

Geschenke für einen Zweijährigen

Die Kinder hatten riesigen Spaß, Zwockel war voll im Party-Modus. Das zweite große Eltern-Thema sind ja immer die Geschenke. Ich halte nichts davon, das Kind mit Päckchen und Paketen zuzuschütten und auch Eltern und Paten halten sich an überschaubare Geschenke-Mengen.

Was schenkt man einem Zweijährigen? Für unseren kleinen Großen haben wir uns in diesem Jahr die „Kindergarten-Ausstattung“ gewünscht: Rucksack, Gummistiefel, Butterdose, Trinkflasche.

Locke wollte seinem Bruder auch etwas schenken und so sind wir zusammen in einen großen Spielzeugladen gefahren. Ganz ohne Theater suchte mein Großer einen kleinen Bagger für seinen Bruder aus und auch gleich ein Kuscheltier für seine Cousine, die im Dezember auf die Welt kommt.

Second-Hand-Spielzeug zum Geburtstag?

Zum Geburtstag ein Feuerwehrkissen

Ein Feuerwehrauto zum Schmusen.

Zwockels Highlight war dann aber die Holzeisenbahn mit Schienen, die ich auf einem Flohmarkt erstanden hatte. Ein großes Paket mit Zubehör für gerade einmal 13 Euro. Second Hand fürs Kind? Und das zum Geburtstag?

Ja – und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn die Schienen sind top in Ordnung, bis auf ein paar kleinere Macken. Den Zweijährigen interessiert nicht, ob schon ein anderes Kind damit gespielt hat und solange das Spielzeug in Ordnung ist, habe ich kein Problem damit, meinen Kindern auch so etwas gebraucht zu kaufen.

Zusätzlich bekam er ein Feuerwehrauto aus Stoff, das er nun zum Einschlafen im Arm hält – sein „Tata“ ist endlich mal ein kuschelkompatibles Fahrzeug ohne Ecken und Kanten.

Das Wichtigste: Liebe und Lachen

Doch ich hoffe, die Kinder erinnern sich später an das Wichtigste. An die Liebe und das Lachen. Die Wärme. Die Umarmungen. Die Freundschaft und das Zusammensein. Das sind die Erinnerungen, die sie mitnehmen sollen. Das Gefühl der Geborgenheit. Die Geschenke sind zweitrangig, kein Kind erinnert sich später, dass es am 06. Novembaprilmai einmal ein Feuerwehrauto bekommen hat.

Für mich war das schönste Geschenk am gestrigen Tag, dass Zwockels Patenonkel für eine halbe Stunde da war, denn er ist sehr krank und es ging ihm nicht besonders gut. Er hatte seinen Besuch im Vorfeld offen gelassen, da er zur Zeit starke Schmerzen hat.

Und trotzdem war er da. Sein kleiner Patensohn war glücklich und hüpfte vor Freude auf und ab – das Geschenk haben wir noch gar nicht ausgepackt, das wäre zu viel geworden. Aber darum ging es dem kleinen Mann auch gar nicht. Er war einfach froh, das „Onkel Tintin“ da war.

Und so soll es sein.

Von Mamas Bauchgefühl und einem Bauchnabel

„Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

Hört ihr manchmal auf euren Bauch? Ich habe ja, bevor ich Kinder hatte, meist Kopfentscheidungen getroffen. Allerdings, wenn ich zurückblicke, kamen die wirklich wichtigen Entscheidungen aus dem Bauch.

Kopf gegen Bauch

Der Ehemann zum Beispiel. Wir waren schon lange befreundet gewesen, als unsere Beziehung begann. Als es dann mehr wurde, hätte jedes Gehirn, jeder Kopf sofort gesagt „Lass die Finger von ihm!“ Mein Bauch aber, der sagte beim ersten Kuss: „Der. Der ist es. Wenn ich mal heirate, dann den.“ Und so war es auch, es dauerte ein paar Jahre, es gab Aufs und Abs – wir trennten uns, ich zog sogar für einige Zeit nach Australien – nur um wieder zurückzukommen zu ihm, dem Einen, dem Einzigen.

Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich öfter auf meinen Bauch gehört hätte. Ich bin auf jeden Fall ein Bauchmensch. Wenn etwas passiert, merke ich das sofort im Bauch. Ich reagiere entweder mit Schmetterlingen oder Krämpfen im Bauch. Wenn etwas Schlimmes passiert, bin ich die erste, die sich übergibt. Mein Bauch ist für mich das absolute Gefühlszentrum. Dort sitzt meine Seele, mein Instinkt – und dass ich mich auf ihn verlassen kann, hat mein Bauch mehrfach bewiesen, seitdem ich Kinder habe.

Mein Bauchgefühl sagt „Da kommt noch was!“

Als Locke geboren wurde, war ich voller Hormone. Ich war ein völlig neuer Mensch – mit ganz neuer Software. Weicher, auch seelisch.

Als wir mit Baby nach Hause kamen und wir uns fanden und kennenlernten, spielte mein Bauch oft eine große Rolle. Ganz besonders aber in Bauchnabeldingen: Denn als Lockes Nabelrest abfiel, blieb eine kleine offene Stelle zurück. Ein kleiner, roher, rosiger Knubbel linste neben der Bauchnabelmitte hervor.

„Ist das ein Nabelbruch?“, fragte ich die Hebamme. „Ist das schlimm?“

„Quatsch! Ein Nabelbruch ist was ganz anderes! Das sieht man doch“, erwiderte die Hebamme recht unwirsch und verständnislos. „Das ist normal, Granulom heißt das und das wird von selbst wieder weggehen.“

Nein„, antwortete da mein Bauchgefühl. „Wird es nicht. Da kommt noch was. Vertrau mir.“

Nicht schlimm, sagt auch der Kinderarzt

Auch unser Kinderarzt winkte ab. Harmlos, geht von allein weg oder wir veröden es. Auf jeden Fall kein Grund zur Sorge.

Nana, freu dich mal nicht zu früh!„, murmelte mein Bauch.

Schlimm ist es wirklich nicht. Kein Grund zu großer Sorge! Aber mein Bauchgefühl sollte Recht behalten. Als Locke drei war, war das Granulom noch immer da. Inzwischen war es schon zwei oder dreimal verödet worden, aber es kam immer wieder. Es blutete immer wieder leicht, tat ihm aber nicht weh. Doch nun war auch der Kinderarzt der Meinung, dass die Chirurgen der Kinderklinik besser einmal draufsehen sollten, auch um auszuschließen, dass es eine Fistel sei und mit Blase oder Darm verbunden.

„Frau Chaos! Da ist ein Fehler auf Ihrer Überweisung. Da steht „Nabelgranulom“. Ihr Sohn ist aber schon drei!“, kam eine besorgte Arzthelferin zu mir ins Wartezimmer in der Chirurgie.

„Ähh, nee, das ist schon richtig, darum sind wir hier“, augenrollte ich.

„Nicht schlimm, vertrauen Sie uns!“ Von wegen.

Bauchgefühl lag richtig. Lockes Nabelgranulom.

Lockes Nabelgranulom.

Auch die Chirurgen waren nach Untersuchung und Ultraschall der Meinung, dass sich das Problem von selbst erledigen werde. Keine Verbindungsgänge nach irgendwo. Nur halt hartnäckiger als üblich. Man verödete noch einmal und alle waren guter Dinge, dass sich das Granulom nun ergeben würde – alle, bis auf mein Bauchgefühl.

Vergiss es! Das geht nicht weg!“ nagte es an mir.

Und es sollte Recht behalten. Nun ist unser Locke bereits viereinhalb Jahre alt – und kleine rosa Granulömchen ist noch immer da. Inzwischen zig Mal verödet, kommt die hartnäckige kleine Pocke immer wieder und wieder und wieder. Es blutet immer wieder leicht, verursacht aber keine Schmerzen – doch wenn etwas rauskommt, kann ja auch was reinkommen, beim Spielen im Sand und im Matsch, zum Beispiel. Die Infektionsgefahr ist immer präsent.

Wir waren nun in einer weiteren Klinik – und schau an: Mitte November wird Locke operiert.

Bauchgefühl reloaded – auch beim Zwockel

Auch beim Zwockel war mein Bauchgefühl stark und unbeugsam. Zwockel kam mit einem Hodenhochstand auf die Welt. Mein Bauchgefühl lag auch da richtig. Innerhalb eines Jahres sollte sich der kleine Hoden zeigen, ansonsten muss operiert werden. Und so war es, mit knapp einem Jahr musste der kleine Mann ins Krankenhaus.

Bauchgefühl lag richtig

Das kleine Ei war weder tast- noch sonstwie auffindbar. Eine gängige Therapie: Hormone. Die kleinen Kinder bekommen ein mit Hormonen angereichertes Nasenspray und ein bis zwei Spritzen, um den Hoden, der eventuell irgendwo auf seinen Einsatz wartet, schneller reifen zu lassen.

Ich hörte „Hormone“, erinnerte mich daran, welche Macht diese in der Schwangerschaft und nach der Geburt auf mich gehabt hatten und mein Bauchgefühl sagte deutlich „NEIN!“

Beleidigte Chirurgen, toller Kinderarzt

Die Chirurgen, die auch Lockes Granulom begutachtet hatten, reagierten verschnupft auf meine „Ansage“ und unterstellten mir, schlauer sein zu wollen als die Ärzte. Wer mich kennt, weiß, dass dem nicht so ist – ich akzeptiere sehr wohl, dass gut ausgebildete Mediziner mehr Ahnung haben, als ich oder Dr. Google. Aber in diesem Falle war es – wie bereits erwähnt – das Bauchgefühl. Und das war so stark, dass ich es einfach nicht ignorieren konnte.

Unser Kinderarzt reagierte ganz anders: Ich bat um ein Gespräch unter vier Augen, er nahm sich Zeit und hörte mir zu. Am Ende stimmte er mir zu. Er verstand mich und gab mir Rückendeckung.

Und dann – in der Klinik, in der Locke nun auch operiert werden wird – erfuhr mein Bauchgefühl seine Bestätigung: „Die Hormontherapie wurde jahrelang gemacht, ab nächstem Jahr ändern sich die Statuten und das gibt es für Kleinkinder nicht mehr. Wir raten Ihnen also davon ab“, so der untersuchende Chirurg.

Bauchgefühl? War richtig!

„DA! Was hab ich gesagt!“ triumphierte mein Bauchgefühl. Wieder einmal behielt es Recht. Und von nun an werde ich öfter darauf hören – der Kopf ist ja schön und gut, aber wie sagte mir ein schlauer Kinderarzt?

„Hören Sie auf ihren Bauch. Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

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Inklusion. Schaffen wir. – Ach ja?

Ein Gastbeitrag von Anika.

Eines möchte ich hier direkt unmissverständlich sagen: Wir brauchen Inklusion. Unbedingt. Inklusion ist ein „fucking Menschenrecht“ – um mit den Worten von Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich zu sprechen – und wir müssen das endlich konsequent und vernünftig umsetzen. Ich bin dabei, ich schreie „Hier!“.

Aber. Aber. Fucking aber. Hier schreibt eine noch nicht ganz so alte Lehrerin, die engagiert und motiviert aus der Elternzeit zurückgekommen ist, sogar ein abgeschlossenes sonderpädagogisches Grundstudium hat und sich nun zum ersten Mal auch in der Arbeit in einer Inklusionsklasse wiederfindet.

Was passiert hier?

Und ich frage mich: Was – verdammt noch mal – ist denn das, was hier gerade passiert? Das ist doch keine Inklusion. Das ist ein Verbrechen an den Kindern. Jaaa, das meine ich genau so. Leider kann ich hier keine Details erzählen, ohne das Dienstgeheimnis zu verletzen, aber so geht das nicht. So geht keine Inklusion und so schaffen wir das nicht. Also ich zumindest nicht. Vielleicht bin ich ja einfach zu doof.

Ist ja bestimmt kein Problem einem Schüler mit Lernbehinderung dabei zu helfen, lesen und schreiben zu lernen, während da noch 25 andere Kinder sitzen und eigentlich was ganz anderes machen möchten/müssten. Was ist mit meiner Verantwortung für diese Schülerinnen und Schüler? Und auch die Kinder scheinen nicht zu begreifen, wie schön das mit der Inklusion doch ist. Denn sie sind ständig frustriert und möchten gehen. Ja aber warum denn nur? Was haben sie denn? #ironieoff

Willkommen im LaLaLoserland

Am besten bringt es mein GL-Schüler selbst auf den Punkt. Vor den Herbstferien durften alle aufschreiben, neben wem sie gerne sitzen möchten. Seine Antwort:

Inklusion So geht es nicht
Und es liegt nicht daran, dass die anderen ihn ärgern. Im Gegenteil. Die anderen sind nett, aufmerksam, kümmern sich, helfen. Tolle Kinder. Und trotzdem. Er ist isoliert, allein, merkt, dass es nicht funktioniert und zieht sich jetzt von selbst zurück. Willkommen im LaLaLoserland. Hier verlieren alle.

Inklusion im Extraraum

Und was machen jetzt viele Gymnasien aus Verzweiflung? Sie richten Extraräume ein. Man möge sich das bitte auf der Zunge zergehen lassen: EXTRAräume für INKLUSIONSkinder. Das ist doch der blanke Hohn.

„Inklusionsräume“, deren Zweck es ist, die Kinder aus dem laufenden Unterricht HERAUS zu nehmen. Müsste also eigentlich Exklusionsraum heißen. Paradoxer geht es kaum. Aber wenn man alleine gelassen wird und kein Team-Teaching stattfindet, dann hat man keine andere Wahl. Dann muss man das so machen, ich zumindest, weiß nicht, wie es anders gehen soll. Mit Inklusion hat das nur nicht mehr viel zu tun.

Und es geht weiter: Viele GL-Schüler brauchen – laut Lehrplan – Werkräume, Küchen. Das haben wirklich nur sehr wenige Gymnasien. Interessiert keinen. GL-Schüler beenden ihre Schulzeit nach 10 Jahren. Heißt am G8 Gymnasium? Wir machen die Klasse 9 einfach ein zweites Mal. Fühlt sich bestimmt super an. #ironienochmaloff

Ich schaffe das nicht

Und ich stehe hier. Ratlos, fassunglos. Frage die Grundschullehrerin meines Sohnes, weil ich kein Material habe, nichts weiß, mich nicht auskenne. So wird das nix. Die Inklusion, so wie sie zurzeit an vielen Stellen läuft, lässt alle Beteiligten im Regen stehen. Und wir sind pitschenass und müssen endlich gehört werden. Ohne dass uns gleich unterstellt wird – vor allem uns Gymnasiallehrern –, dass wir nur keine Lust auf Inklusion haben und nur zu faul sind, uns damit auseinander zu setzen. Die Probleme sind real und herzzerreißend, ich nehme diese Kinder mit nach Hause auf mein Kopfkissen und weiß nicht, wie ich helfen kann.

Ich schaffe das nicht. So nicht.

 

Inklusion - Gastautorin Anika

Unsere Gastautorin Anika.

 

Anika ist Lehrerin an einem Gymnasium in Werne. Auf ihrem Blog lehrermutterleben gibt sie auf Instagram Einblicke in ihren (Schul-) Alltag. Sie ist Mutter zweier Kinder. Ihre Worte zur Inklusion und den realen Problemen haben uns sehr zu denken gegeben und so haben wir Anika gebeten, einen Gastartikel für Krümel und Chaos zu schreiben. Was sind eure Erfahrungen mit Inklusion? Wie steht ihr dazu?

Schlafgeschichten: Zwockel, der Wanderschläfer

Von Kissenchaoten und Besucherritzenrambos

Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich Brüder doch sein können. Auch, was das Schlafverhalten angeht.
Unser Locke – ich erwähnte es bereits – ist ein supertoller Schläfer. Seit seiner Geburt schläft dieses Kind gerne und viel. Und meistens auch gut! Die Nächte, die ich mit ihm durchwachen musste kann ich noch immer an einer Hand abzählen.

Elternbett? Aber doch nicht zum Schlafen!

Schlaf: Locke schläft bei Papa

In dem Alter (hier Locke) ist die Faust im Gesicht noch nicht so schmerzhaft…

Sein Bruder, Zwockel, hingegen, ist ein anderer Fall. Zwockel ist nicht nur ein unruhiger Schläfer, er benötigt auch deutlich weniger Ruhe, als der Rest der Familie. In den ersten anderthalb Jahren war es unmöglich, ihn in einer unruhigen Nacht in unser Bett zu holen. Bei Locke wirkte das immer Wunder und eigentlich klingt es ja auch plausibel: Dem Kind geht es grad nicht gut, dann braucht es Nähe, Geborgen- und Sicherheit und wo bekommt es die besser, als im Elternbett?

Nö, denkste! fand unser Zwockel. Sobald der nämlich nachts Gesellschaft bekam, schaltete er in den Partymodus. Egal wie müde, egal wie kaputt er war oder hätte sein müssen – sobald er bei uns im Bett lag machte er einen drauf. Er gluckste, klatschte, hopste oder kreischte, was das Zeug hielt. Nur eines tat er nie: Schlafen! Wir versuchten es immer wieder, aber es klappte nie.

Mama liebt es, wenn die Kleinen bei ihr schlafen

Das fand niemand trauriger als ich, denn ich liebe es, wenn meine Kinder nachts bei mir sind und sich an mich kuscheln. Ich liebe ihre kleinen, friedlichen Schlafgesichter. Die kleinen Seufzlaute, die sie im Schlaf machen. Wenn sie im Traum sprechen oder kichern. Wenn sie alpträumen, wach werden und nur durch eine sanfte Berührung mit der Hand und ein „Mama ist da!“ beruhigt wieder einschlafen.

Erst vor kurzem kam Locke zu mir ins Bett, schmiegte sich in meinen Arm und schlief friedlich und sanft, bis der Wecker klingelte. Auch er ist mal mehr oder weniger unruhig, nicht immer klappt das so harmonisch – aber oft!

Gestatten? Der Besucherritzenrambo.

Schlaf: Zwockel schläft ohne Decke

Egal wir herum – aber immer ohne Decke…

Im Gegensatz zu Zwockel. Leute, das Kind ist ein Chaosschläfer! Der kleine Besucherritzenrambo schaffte es im Alleingang, beide Elternteile im 1,80 Meter breiten Bett an die Ränder der Matratze zu schieben, sodass für Mama und Papa je gerade mal 10 Zentimeter bleiben.

Das Kind ist ein Wanderschläfer. Er dreht sich einmal um die eigene Achse, liegt mit den Füßen am Kopfende oder auch quer. Letzte Nacht streichelte ich minutenlang die Bettdecke, nur um den Herrn Matratzenrocker IN DIE KNIEKEHLE seines Vaters gekuschelt zu finden…

Im Prinzip wäre das ja nicht schlimm, wenn man nicht immer Angst haben müsste, das Kind aus Versehen zu ersticken. Oder zu treten. Oder versehentlich aus dem Bett zu kicken. Wir Eltern haben da eine ganz besondere Form des Schlafs entwickelt. Wir nennen es Elternschlaf. Tief, solange alles ruhig ist – bewegt sich eines der Kinder über eine unsicht- und nur fühlbare Lichtschranke, geraten wir in einen Beschützerwachzustand in dem man lediglich eines kann: Kind retten, Kind wieder richtig positionieren, weiterschlafen. Meistens jedenfalls.

Hau drauf, auf die Mamanase!

Den Zwockel interessiert das übrigens weniger. Er schläft generell neben oder auf seiner Bettdecke und wirft auch die elterliche Decke ab, sobald man ihn zudecken will. Er tritt unvermittelt in Papabäuche oder knallt seinen harten Dickschädel gegen Mamanasen, er schafft es mitunter auch, mit beiden Fäusten gleichzeitig nach rechts und links auszuteilen und seinen Eltern einen aufs Auge zu geben…

Aber: Er schläft bei uns, seit ein paar Wochen klappt es. Naja, siehe oben. Wie so ein Kissenchaot halt schläft. Und wenn wir morgens (um Punkt 06:05 Uhr) dann von einem fröhlich-ausgeruhten „Mamaaaapaaapaaaa!“ wachgekräht werden, sehen wir uns seufzend an und lächeln:

„Genießen wir es. Sie werden ja so schnell groß!“

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Kreolisches Jambalaya – würzig, wärmend, vegan

Kommt mit mir ins Bayou…

Ich habe vor kurzem einen Kochkurs gemacht und euch ein tolles Rezept für den Herbst mitgebracht. Natürlich schmeckt es auch zu jeder anderen Jahreszeit – aber ich finde, in den Herbst mit seinem usseligen nasskalten Wetter passt es am besten.

Jambalaya koche ich schon seit Jahren – es ist ein Gericht, das typisch für kreolische und Cajun-Küche ist. Es gibt zahlreiche Varianten. Und ich stelle euch heute eine vegane vor.

Warum vegan?

Ich selber lebe nicht vegan, nicht einmal vegetarisch, aber ich schaue gern wortwörtlich über meinen Tellerrand. Diese Variante habe ich im Kochkurs „Vegane Schlemmerreise um die Welt“ gelernt und ich fand, es schmeckt sogar noch besser als die Version die ich kenne, mit gekochtem Schinken und Garnelen.

Wer also Lust hat auf ein wenig Bayou, eine Prise Lousiana, wer mal ohne Fleisch und tierische Produkte auskommen mag oder seine vegan lebenden Freunde überraschen und verwöhnen möchte, den lade ich herzlich auf einen kleinen Abstecher in die kreolische Küche ein.

Veganes Jambalaya

Veganes Jambalaya mit karamellisiertem Räuchertofu.

Jambalaya: Die Zutaten (für 4 Personen)

3 rote Paprika, in Stücke geschnitten
2 Stangen Staudensellerie, in Stücke geschnitten
1 Maiskolben, in Scheiben geschnitten (ca. 1-2 cm dick)
2 Zwiebeln, gewürfelt
1 Zehe Knoblauch, fein gehackt
4 EL Olivenöl
150 g Langkornreis
1 Msp. Koriander
2 EL Paprikapulver, süß
½ TL Pul Biber
1 Zweig Bohnenkraut
1 TL Curry
1 Msp. Fenchel, gemahlen
1 EL Tomatenmark
1 EL Agavendicksaft
750 ml Gemüsebrühe
200 g Zucchini, in Scheiben
200g Räuchertofu, 1-2 EL brauner Zucker
Petersilie
Salz, schwarzer Pfeffer

Die Zubereitung

Öl in einem großen Topf erhitzen und Zwiebeln, Knoblauch, Gewürze und Reis darin 3 Minuten anbraten. Gemüse (bis auf die Zucchini) hinzugeben und mitbraten, Tomatenmark und Agavendicksaft zugeben, mit Brühe auffüllen und mit geschlossenem Deckel 25 Minuten lang kochen lassen. Zwischendurch umrühren.

Tofu in Stücke schneiden, mit reichlich Öl anbraten und mit 1 – 2 EL braunem Zucker karamellisieren lassen.

Nach der Garzeit die Zucchini zum restlichen Gemüse hinzugeben und weitere 5 Minuten köcheln lassen.

Petersilie hacken und den Eintopf damit bestreuen. Das Jambalaya auf tiefen Tellern anrichten und den Tofu darüber geben.

Wer es nicht vegan mag und den Räuchertofu (der in dieser Zubereitungsart wirklich gut schmeckt) weglassen will, kann beispielsweise Garnelen in Öl und Knoblauch anbraten und darüber geben.

Dazu passt übrigens ein leckerer Rotwein und Emmylou Harris mit „Jambalaya“.

Guten Appetit, ihr lieben Krümler und Krümlerinnen!

Wer noch mehr vegane Herbstküche möchte – HIER habe ich einen etwas aufwendigeren Auflauf für mein Veganinchen gekocht. Der hat tatsächlich der ganzen Familie geschmeckt!

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Krümels Rundblick (9)

Unsere Lese-Empfehlungen des Monats

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Rundblick auf die Bloggerkollegen und –kolleginnen und Andere. Eigentlich machen wir das ja viel zu selten – Sharing is caring! Wir geloben Besserung, wie immer!

Hier ist ein Artikel von Stadt Land Mama über das Petzen. Ich finde das Thema sehr wichtig und man sollte darüber tatsächlich einmal nachdenken. Denn auf der einen Seite wollen wir ja, dass unsere Kinder uns alles sagen – auf einmal ist das dann „Petzen“? Dazu werden ich bestimmt auch nochmal meine Gedanken in einem Blogbeitrag formulieren.

Petzen: Warum ich finde, dass einem Kind dafür niemals ein Vorwurf gemacht werden sollte

Auch der Artikel von Susanne Mierau Geborgen Wachsen hat mich sehr berührt, denn genau das leben und lieben wir in unserer Familie. Wenn die Kleinen nachts zu uns unter die Decke schlüpfen ist das in den meisten Fällen auch für uns Eltern schön – denn viel zu schnell werden sie groß werden. Wenn euch demnächst irgendwelche Leute dafür kritisieren möchten, hat Susanne hier für euch die perfekte Antwort!

Leuchtturm in der Nacht – Kinder, die ins Elternbett kommen

Doktor Hein, Kinderarzt, hat sich bereits 2012 in einem Essay Gedanken zur Einschulung gemacht – und wenn man sich durch die Eltern-Foren liest, hat er nichts an Aktualität verloren. Verunsicherte Eltern, verunsicherte und demotivierte Kinder – woran liegt das und muss man immer gleich in einen Förderwahn verfallen?

Gedanken zur Einschulung

„Ich lache heute noch über den Brustton der Überzeugung, mit dem ich einst die Weltgeschichte beschallt habe, wie ich das mit der Kindererziehung – und überhaupt mit meinem zukünftigen Leben – machen werde. Konnte nicht sooo schwierig werden, schließlich hatte ich mal einen Hund…“ beginnt Susanne von Hallo liebe Wolke ihren Text und bereits da konnten wir uns wiedererkennen. Über Zweifel und Verunsicherung.

„Gestatten? Frau Susanne Unsicher-Bohne.“ (Warum Mama andauernd zweifelt.)

Manchmal ist auch meine Erziehung für die Tonne…

An manchen Tagen ist Laura von Heute ist Musik pädagogisch wertlos. An manchen Tagen ist Laura wie wir alle – und es tut gut, das mal schwarz-auf-weiß zu lesen! Denn perfekt ist niemand, liebe Mamas! Und auch Mamas haben manchmal einfach keinen Bock und tun das, was gerade einfach und bequem ist. Auch wenn es pädagogisch gerade zweifelhaft ist!

An manchen Tagen… bin ich pädagogisch wertlos

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Zweifel-Haft: Alles für die Kinder?!

#ZweifelimHerbst – eine Blogparade

Liebe Leser und Leserinnen, liebe Blogger und Bloggerinnen, liebe Mamas, Papas und generell Familien: Zweifelt ihr auch manchmal? Wenn ja, worüber? Vielleicht liegt’s an der Jahreszeit, obwohl ich den Herbst sehr mag. Aber ich zweifle gerade sehr. Ich stelle mal wieder alles in Frage, ich bin quasi in Zweifel-Haft.

Auch Susanne von Hallo liebe Wolke zweifelt – und darum möchten wir eine kleine Blogparade ins Leben rufen. Denn wir haben gemerkt: Zusammen lassen sich Zweifel viel leichter tragen!

Ohne Zweifel: Alles für die Kinder

Als ich mich damals selbstständig gemacht habe – und ich bin wahrlich nicht dafür geschaffen – habe ich das aus einem großen Grund getan: Die Kinder. Nicht etwa Geld, obwohl das natürlich Hand in Hand geht. Ich schreibe gern und es macht mir Spaß, füllt mich aus. Ich kann gut mit Worten umgehen und was für den einen das Workout im Fitness-Center ist, ist für mich die Komposition eines Textes. Komposition? Ja. Meistens steckt in meinen Texten mehr als nur Worte, mehr als ein paar aneinandergereihte Buchstaben. Es macht Spaß, aber es powert mich auch aus.

Doch zurück zum Thema: Für die Kinder. Ohne Zweifel, ich wünsche mir, dass sie einmal stolz sind, auf ihre Mama. Dass sie schreibt, dass sie vielleicht irgendwann endlich ihre Ideen in einem kleinen Shop umsetzen kann und eventuell sogar ein oder zwei Erfindungen verwirklichen kann. Dass sie vielleicht einmal etwas bewirkt. Teil eines guten, großen Ganzen ist.

Am liebsten mit Netz und doppeltem Boden

Aber das muss gar nicht sein, denn in erster Linie soll Mamas Arbeit Sicherheit geben. Der Papa verdient gut. Es geht uns gut, besser als so vielen anderen. Bald ziehen wir um, in ein Haus mit Garten. Mein Elternhaus, wo ich aufgewachsen bin. Da reicht aber ein Gehalt nicht mehr, denn die Kosten, die da dranhängen, sind nicht ohne. Selbst wenn wir in unserer Drei-Zimmer-Wohnung blieben – was, wenn dem Papa etwas passiert? Was, wenn er den Job verliert? Was, wenn er nicht mehr arbeiten kann? Was, wenn er auf einmal nicht mehr da ist?

Ich möchte nicht nur, dass meine Kinder eine arbeitende Mama zum Vorbild haben, dass sie sehen, dass man mit harter Arbeit viel erreichen kann (Haha!), sondern auch, dass wir im Notfall, wenn alles drunter und drüber geht, wenigstens finanziell nicht ins Bodenlose stürzen.

Aber… ich (ver)zweifle manchmal

Zweifel am Homeoffice

Arbeit im Homeoffice – mit Zwockel im Rücken.

Es ist so eine Sache, mit der Vereinbarkeit. Ich arbeite vormittags im Homeoffice – das ist bequem und hat viele Vorteile. Noch springt währenddessen der Zwockel um mich herum. Als alte Baustellenmieze macht mir das jedoch wenig, denn ich habe schon Schlimmeres erlebt: Gehupe, Gebagger, Gepiepe, Geschrei, Geklopfe und Gehämmer – was so eine Großbaustelle eben hergibt.

Bald geht er in den Kindergarten. Aber (da ist es wieder): Der Haushalt kommt nach dem Arbeiten. Einkaufen und Kochen. Ich habe schon, was die Ordnung meiner Wohnung angeht, immense Abstriche gemacht. Immer wieder türmen sich Dinge auf allen verfügbaren Ablageflächen – ich frage mich, wo kommen die her? Gerade das Sideboard, den Schuhschrank oder die Ablage in der Küche aufgeräumt – BÄM – Zettel, Ordner, Unterlagen, Spielzeug, Bücher, Werbepost, Kataloge, Kastanien, Steine, Nüsse, Brauch-ich-nochs und die ganzen Nichtwegschmeissens… liegt alles hier herum. Dazu Krümel, Staub und irgendwie klebt auch immer alles.

Da fühl ich mich nicht wohl, auch wenn sich vieles einfach „wegguckt“ – meine nicht vorhandenen Fußleisten, zum Beispiel.

Ich koche gern und versuche, möglichst gesund zu kochen. Aber das heißt eben auch: Gemüse schnibbeln und sich ums Essen kümmern. Am Wochenende unternehmen wir was mit den Kindern, gehen auf Feste, in den Wald, Waffeln oder ein Eis essen, spazieren… Was man eben so macht um den Kindern erlebnisreiche Tage zu bieten, an denen sie idealerweise auch noch was lernen. Zuhause ist nämlich langweilig.

Aber – da kommt es nochmal

Letztens legte sich Locke in seiner abendlichen Lockezeit (wenn Zwockel schon im Bett ist) zu mir aufs Sofa und seufzte: „Mama. Musst du denn immer arbeiten? Du hast nie Zeit für uns!“

Und da waren sie wieder, die Zweifel. Ich saß in meiner mäßig aufgeräumten, aber sauberen, Wohnung. Hatte den Vormittag über gearbeitet und unterm Strich nicht wirklich was verdient („Das kommt später! Alles ist im Aufbau! Am Anfang steht die Arbeit, dann irgendwann zahlt es sich aus!“). Hatte ein sattes Kind, dem ich soeben ein gesundes Mahl kredenzt hatte, nachdem ich noch schnell seine Kleidung mit Fleckenzeugs eingesprüht und in die Waschmaschine gesteckt hatte… und alles, was er möchte, ist Mama. Einfach nur meine Zeit.

Irgendwann wird er es hoffentlich verstehen. Da wird er zu mir kommen und sowas sagen wie „Mama, ich bin stolz auf dich. Du hast echt viel getan damals.“ Aber was wenn nicht? „Mama, gehst du bald in den Himmel?“ oder „Versprich mir, dass du noch nicht in den Himmel musst!“

Mein Sohn denkt in letzter Zeit oft über den Tod nach, seitdem die Oma seines seiner Freunde gestorben ist. Ja, und was, wenn meine Zeit wirklich bald schon abläuft? Was wäre, wenn alles, an das er sich erinnert, eine Mama ist, die nie Zeit für ihn hatte. Die immer alles FÜR IHN getan hat, aber nichts MIT IHM, weil es immer so viel anderes gab, das sie für wichtig hielt? Für ihn.

Von der Yacht zum Schlauchboot

Finanziell lohnt sich meine Arbeit für uns derzeit kaum. Ich arbeite effizient. Ich habe ein gutes Zeitmanagement und ich habe Prioritäten. Das Wichtigste sind meine Kinder. Genau darum veranstalte ich diesen ganzen Zauber – und stehe am Ende des Tages da mit meinen Zweifeln und merke, wie meine Kräfte immer weniger werden. Wie ich, nach dem vielen Geschreibe und dem ganzen Erwachsensein kaum noch Energie habe, mit meinen Kindern zu spielen. Für was? Für ein „irgendwann lohnt es sich“?

Susanne von „Hallo liebe Wolke“ und ich fantasieren immer spaßeshalber über unsere Karrieren. Susanne schreibt so toll, sie sollte Bestsellerautorin sein – und hat ähnliche Probleme. Immer wieder schreiben wir uns Durchhalteparolen. „Es wird schon!“, „Wir schaffen das, wir sind doch Powerfrauen!“ oder „Alles wird gut, ganz bestimmt!“.

Schampus gegen Zweifel

Schampus-Fantasien gegen Zweifel

Wir lachen scherzhaft, dass wir in 10 Jahren auf unserer Yacht in St. Tropez mit Schampus darauf trinken, dass wir nicht aufgegeben haben, immer weitergemacht und die Zweifel überwunden haben. Damals, im Herbst. War ne harte Zeit, aber booooah! Es hat sich ja so gelohnt!

Nun ja. Es wird wohl bestenfalls ein Schlauchboot auf der Möhne.

Was wir alle wollen

Aber wenn man uns fragt, was wir eigentlich wollen, dann ist das Zeit.

Zeit für unsere Kinder. Zeit für uns. Zeit, in der wir uns mal aus Erwachsenenland abholen lassen können und selbst ganz sorgenfrei spielen, springen, atmen, lachen und leben können – um die neu gewonnene Energie wieder nur in Eines zu stecken: Unsere Kinder.

Und wisst ihr was?

Das ist nicht so einfach, die Sache mit der Vereinbarkeit – alle Memes und Postkarten und Durchhaltesprüche können daran nichts ändern.

Weitere Artikel zu unserer Blogparade #ZweifelimHerbst:

Zweifelherbst. Herbstzweifel. – von Hallo liebe Wolke

Zweifelst du manchmal, Mama? Du bist nicht allein – von HAMMAmama

#ZweifelimHerbst: Herbstverzweifelt – von den Zweifeln einer (Adoptiv-)Mutter – von Charlotte’s Adoptionsblog

#ZweifelimHerbst: Mama von Baby und Kleinkind – und jetzt? – von Meine Eltern-Zeit

Gutwetterzwang – Schlechtes Gewissen mit Sonnenschein

Warum ich mich manchmal über Regen freue

Die Sonne scheint, am Himmel keine Wolke. Es ist warm, der Wind nicht zu kühl sondern angenehm und leicht. Die Bienchen besummen die Blumen, Schmetterlinge tanzen und glückliche Hasen hoppeln durch die Wiesen. Kurz: Es ist ein perfekter Tag! Perfekt, um mit den Kindern etwas zu unternehmen.

Gutwetterzwang – was unternehmen wir heute?

Gehen wir in den Zoo? Spazieren? In den Park? Machen wir einen Ausflug? Zur Möhne vielleicht? Hey, in der Nachbarstadt ist Kirmes. Oder Mittelaltermarkt. Kinderfest mit Hüpfburg! Und dort, in der anderen Stadt, ist Kindertrödel. Die Erlebnisbäder haben geöffnet und irgendwo ist auch immer Tag der offenen Tür. Auch Oma und Opa freuen sich über Besuch, oder wie wäre es mit einem Ausflug zum Patenonkel?

Klar, Ausflüge sind toll. Aber manchmal wär ich lieber auf der Couch.

Sobald das Wetter gut ist, ist er da. Der Gutwetterzwang. Der Zwang, das Wetter auszunutzen und mit den Kindern einen tollen Tag verbringen zu müssen. Natürlich freue ich mich meistens auch, wenn wir etwas unternehmen. Auf das letzte Eselrennen hab ich mich fast mehr gefreut, als die Jungs. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft im Sonnenschein tut mir immer gut.

Aber er ist da, dieser Zwang. In meinem Hinterkopf lauert er, sobald der erste Sonnenstrahl sich morgens hinter den Wolken hervorgewagt hat.

Tagträumen vs. Ausflügeln

Manchmal möchte ich trotz Sonnenschein und perfekten Wetterkonditionen einfach auf meinem Sofa gammeln und mir ein spannendes Buch schnappen. Die Seele baumeln lassen, vielleicht sogar mal tagsüber den Fernseher einschalten und irgendwas Herausforderungsarmes auf mich eindudeln lassen.

Oder noch besser: Tagträumen! Mal wieder gar nichts tun und nur in die Luft starren und vor mich hindenken. In mich gehen und neue Ideen finden, zu längst Erlebtem zurückkehren, von Dingen träumen, die noch nicht sind – und vielleicht niemals sein werden, während die Kinder ein Hörspiel hören oder im Kinderzimmer mit Duplo werfen.

Vertrödel nicht den letzten Schönwettertag

Und das kann ich verflucht nochmal einfach nicht, wenn mich von draußen die blöde Sonne anlacht. Wenn der blaue Himmel lockt und man ständig den Gutwetterzwang-Gedanken „Man muss ja heute was unternehmen!“ im Kopf hat. Und natürlich, wenn die Kinder quengeln: „Was machen wir heute? Gehen wir raus? Unternehmen wir etwas? Fahren wir irgendwo hin?“

Sofort ist es dann da, das schlechte Gewissen. „Du kannst doch nicht an einem so tollen Tag mit den Kindern im Haus versauern! Das kannst du ihnen nicht antun! Wer weiß, wie das Wetter morgen wird! Stell dir vor, du vertrödelst den letzten guten Tag! Das geht doch nicht! Los, raus!“, nörgelt die kleine Stimme in meinem Kopf.

Urlaubsunternehmungsgutwetterzwang

Auch – oder ganz besonders – im Urlaub fühle ich diesen Zwang. Da paart sich sogar Gutwetterzwang mit Urlaubsunternehmungszwang. Denn da hat man noch das Zeitlimit. Man ist ja nicht ewig da und muss möglichst viel erleben in der kurzen Zeit. Man kann ja den Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen

Wer weiß, wann wir wieder einmal hier herkommen! Wer weiß, wie dann das Wetter ist. So eine Landschaft wirkt ja auch am besten im Sonnenschein. Auf dem Leuchtturm ist die Sicht im Sonnenschein am besten! Und der Strand! Das Meer! Der Spielplatz! Alles wartet auf uns!

Ich bin ganz ehrlich: Ich freu mich auch mal über Regentage.

Und auch am langen Wochenende ist er allgegenwärtig, dieser blöde Zwang. Gestern war Kartoffelfest (im Regen), heute gehen wir schwimmen. Und morgen? Und am Feiertag? Mal sehen. Irgendwas müssen wir ja machen. Besonders heute, wo die Sonne scheint. Schwimmen? Oder doch lieber in den Wald?

Immer und überall ist da dieser Zwang, meinen Kindern die beste und spannendste und aufregendste Kindheit zu bereiten. Klar, Langweile muss auch mal sein – die gibt es hier aber oft genug unter der Woche, wenn die Mama arbeiten oder den Haushalt machen muss und gerade keine Zeit für Bespaßung hat.

Heute ist das Wetter gut

Nachdem es gestern in Strömen geregnet hat, ist es heute wieder gut, das Wetter. Die Sonne scheint. Wolkenloser, blauer Himmel.

Ähm, yeah.

Fangen wir mal an zu planen.

Ist da nicht ne Wolke am Himmel?

Och, schade… tja, das gibt bestimmt Regen!

 

Geschwisterzimmer – Ja oder Nein?

Es muss nicht immer ein Einzelzimmer sein…

Bevor ich Kinder hatte, war klar, dass jeder ein eigenes Zimmer bekommt. Selber Einzelkind, fand ich immer wichtig, dass auch ein Kind seine Privatsphäre hat, in die es sich zurückziehen kann. Geschwisterzimmer? Niemals!

Dann kam Locke und schließlich Zwockel und das geplante und gewünschte Haus war leider nicht in Sicht. Grund in erster Linie: Das liebe Geld. Mit (damaligem) Zeitvertrag bekommt man keinen Kredit und schnell war das ausgesuchte Haus weg. Auch die Sache mit dem Verschulden liegt mir nicht so. Also mussten die Kinder sich ein Zimmer teilen.

Kein Typ fürs Familienbett

Im ersten Jahr würde das neue Baby ja eh noch bei uns im Beistellbett schlafen, dachten wir. Pustekuchen, dachte Zwockel! Der wachte nämlich sofort auf, wenn wir ins Bett kamen, so leise wir auch waren, und dachte „Klasse! Besuch! Party!“ Dann drehte er auf und an Schlaf war nicht zu denken. Sowieso schon ein schlechter Schläfer, ging es mit uns im Zimmer einfach überhaupt nicht.

Also wurde er erst testweise, dann dauerhaft mit bereits drei Monaten im Kinderzimmer einquartiert. Es gibt wohl einfach Kinder, die mit der Beistell- oder Familienbett-Variante nicht klarkommen. Niemand war darüber trauriger als ich, denn ich hatte mich sehr auf die nächtliche Nähe zu meinem Kind gefreut. Die hatte ich dann aber trotzdem, denn Zwockel bestand darauf, alle anderthalb bis zwei Stunden gestillt zu werden.

Kinderzimmer in seltenem Zustand: Aufgeräumt!

Mehr Platz – trotzdem Geschwisterzimmer

Der Zwockel geht hier als erster ins Bett und schläft normalerweise schon, wenn sein großer Bruder dazukommt. Das klappt ziemlich gut. Nachts kommt der Große gern zu uns ins Bett, was ich sehr genieße. Zwockel schläft sehr selten bei uns im Bett und noch seltener klappt das. Meist rödelt er herum und versucht immer wieder, uns zum Spielen zu animieren – und so geht es meist nach einiger Zeit zurück ins eigene Bett.

Nun geht es nicht dauerhaft zu viert in einer 75-Quadratmeter-Wohnung. Also, es geht schon, aber es ist doch verdammt eng. Wir haben nun ein Haus in Aussicht – und dann endlich mehr Platz. Aber auch da werden sich die Jungs ein Schlaf- und ein Spielzimmer teilen. Anders ist es vorerst nicht möglich.

Geschwisterzimmer – was früher ging ist heute out?

Nun dachte ich immer, dass Geschwisterzimmer völlig außer Mode sind. War es früher, in Schwiegervaters Kindheit, normal, dass zwei oder mehr Kinder in einem Zimmer schliefen, ist das heute völlig unüblich. Dachte ich.
Als ich jedoch eine Umfrage in einer großen Facebook-Gruppe für selbstständige Mütter mit inzwischen über 7.600 Mitgliedern startete, wurde ich eines Besseren belehrt: Einzel- und Geschwisterzimmer hielten sich beinahe die Waage und die Kommentare dazu waren durchweg positiv!

Umfrageergebnis Geschwisterzimmer

Vor- und Nachteile eines Geschwisterzimmers

Natürlich kommt es immer auf die Persönlichkeiten der Kinder an. Es mag Kinder geben, mit denen das Konzept Geschwisterzimmer einfach nicht funktioniert. Die meisten der Befragten gaben an, dass die Kinder spätestens als die Pubertät Einzug hielt, eigene Zimmer bekamen, was aus meiner Sicht auch nachvollziehbar ist.

Ein Geschwisterzimmer kann, besonders wenn der Altersunterschied nicht allzu groß ist, den Zusammenhalt der Kleinen fördern. Hierbei ist es – den Befragten zufolge – auch nicht so wichtig, ob die Kinder das gleiche Geschlecht haben. Man sollte natürlich schon eine Ausweichmöglichkeit haben (z.B. das Elternbett), für den Fall, dass eines der Kinder mal extrem unruhig oder krank ist.

Einfach ausprobieren

Wir sind überrascht! Es klappt mit unseren Jungs besser, als erwartet. Im Ferienhaus genießen die Kinder zwar ihre eigenen Zimmer, aber wieder daheim beschwert sich keiner, wenn sie wieder zusammen sind.


Unruhige Nächte gibt es immer. Dann zieht Locke – wenn er denn wach wird – kurzerhand in unser Bett um. Aber wenn der Zwocki mal so eine richtig schlechte Nacht hat, hört man ihn bis auf die Straße brüllen, da würden wohl auch getrennte Zimmer nichts nützen.

Unsere Jungs kennen es nicht anders und scheinen zufrieden zu sein. Auch an den seltenen Abenden, wo beide noch wach sind, klappt es erstaunlich gut. Zwar albern sie dann noch herum, aber das ist dann halt so. Da es, wie gesagt, auch im neuen Haus vorerst nicht anders möglich sein wird, hoffen wir, dass die Jungs sich noch lange gut verstehen.

Wir sind gespannt… und ihr?

Wie ist das bei euch? Habt ihr euch mit euren Geshwistern auch ein Zimmer geteilt? Eigene Zimmer oder Geschwisterzimmer? Zu zweit oder zu dritt? Oder gar noch mehr Kinder? Wie handhabt ihr das, wenn mal ein Kind krank oder extrem unruhig ist und die anderen massiv stört?

Ein Tag im September

An einem Tag im September vor 23 Jahren sagte ich meinen Opa, dass ich ihn lieb habe.

Es war ein ganz normaler Tag. Ein wunderschöner Herbsttag, mit Sonne und blauem Himmel. Der Fernsehtechniker war da und kraxelte draußen auf einer Leiter herum.

Wir wohnten in einem Haus. Meine Großeltern unten, meine Eltern und ich oben. Problem: Das offene Treppenhaus. Das sorgte für Spannungen zwischen meinen Eltern und Großeltern. Schwierig, aber nichts Dramatisches.

Die Feiern im Garten

Ich liebte meine Großeltern. Die Küche meiner Oma ist für mich der Inbegriff von Geborgenheit.

Die Feiern im Garten meiner Großeltern, fließend im Übergang zu unserem, in dem gelacht, getrunken wurde. Nein, um ehrlich zu sein, sie haben verdammt nochmal gesoffen! Wie die Löcher, meine Großeltern und ihre Geschwister, auf den Großfamilien-Charakter-Feiern – alle haben getrunken und geraucht, als gäbe es kein Morgen. „Einen trinken wir noch!“, ein Feten-Schlachtruf! Holte Onkel Adolf sein Akkordeon, wurde gesungen und geschunkelt. Bis heute liebe ich Akkordeon-Musik…

Foto: Pixabay (blulightpictures)

Die bunten Glühbirnen entlang der Pergola, der Geruch von Sommer – warme Luft und gegrillte Würstchen – das Blinken der Glühwürmchen. All das war Glück. All das ist Glück und Geborgenheit. Kindheit.

Opa, ich hab dich lieb

Die jäh endete, damals, im September.

An diesem Tag im September ging ich nach unten und setzte mich zu meinem Opa aufs Sofa.

„Was macht der Fernsehtechniker da?“, fragte ich. Und mein Großvater erklärte es mir.

Ich verstand zwar nicht wirklich etwas, nur soviel: Unser Satellitenempfang würde noch besser werden. Ich wollte wieder nach oben gehen, aber etwas hielt mich zurück. Ich drehte mich um und setzte mich wieder zu ihm.

„Opa?“

„Hmm!“, brummte er.

„Ich hab dich lieb.“

„Hmm“, brummte er zustimmend. Er streichelte mir übers Haar, krampfte, lief blau an – und starb fünf Minuten später in den Armen meiner Mutter, nach der ich in Panik gebrüllt hatte.

Der Notarzt belebte ihn wieder, aber er erlangte nie wieder das Bewusstsein. Drei Tage später starb er erneut, im Krankenhaus.

Opa – seit immer

Für meine Oma ging die Welt unter. Ihr Freund aus Kindertagen, ihr Seelengefährte, ihr Ehemann – einfach weg, ohne Abschied.

Meine Großeltern hatten als Kinder in demselben Haus gewohnt. Einem Doppelhaus in einer Bergbau-Siedlung. Sie schliefen Wand an Wand. Abends, kurz vor dem Einschlafen, gaben sie sich zur guten Nacht Klopfzeichen.

Sie kannten sich seit immer. Und auf einmal – von jetzt auf gleich – war er weg.

Ich sah meinen Opa noch einmal, aufgebahrt im Sarg. Aber es war, als sei es eine Wachsfigur. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es mein Opa war, der da lag – es war nur eine Hülle. Mein Opa, die Essenz, die ihn ausgemacht hatte, sein Charakter. All das fehlte. Die Seele.

Belsazar und der Hummelflug

Mein Opa. Als Baby hatte ich immer geweint, wenn er meinen Kinderwagen schob. Er hatte sich nie beirren lassen. War nie beleidigt. Später liebte ich ihn so sehr. Wenn er mich den „Panther“ von Rilke abfragte – das einzige Gedicht, das ich bis heute aus dem Stehgreif auswendig kann – oder „Belsazar“ von Heine. Wenn er verzweifelt versuchte, mir seine geliebten Zahlen beizubringen – für die ich nie Verständnis hatte. Wenn er mir den „Hummelflug“ von Rimski-Korsakov vorspielte und dirigierte (fuchtelte), mit geschlossenen Augen.

„Opa?“

„Hmm!“, brummte er.

„Ich hab dich lieb.“

Meine letzten Worte für ihn.

Wir sollten uns immer bewusst sein, dass alles, was wir sagen, die letzten Worte sein könnten. Und sie immer bedenken.

Wählt sie weise und mit Bedacht.