Dinner gone wrong – Ein lauschiges Essen am Kamin

Aus der Anekdotenkiste…

Meine Familie hatte sich zum Urlaub an der Nordsee versammelt. Mama, Papa und Klein-Tanja ebenso wie Oma, Opa, Tante und Cousinen. In verschiedenen Ferienhäusern – wir wollten nicht unbedingt zusammen Urlaub machen, aber man traf sich zwischendurch.

Eines Abends wollten wir essen gehen und  probierten mit einem befreundeten Ehepaar, Doro und Dieter, ein neues Restaurant aus. Nicht wirklich neu, aber wir waren noch nie dagewesen, da wir am Urlaubsort unsere „Stamm-Lokale“ hatten. Wir ahnten ja nicht, wie „neu“ die Erfahrung werden würde…

„Wer hat das Eis bestellt?!“

Als wir das Lokal betraten, herrschte eine komische Stimmung. Alle Gespräche verstummten, man starrte uns mit einer Mischung aus Neugierde und Belustigung an. Wir setzten uns an einen großen Tisch und durchforsteten die Speisekarte, bestellten – soweit alles normal. Wir bekamen mit, dass sich einige Gäste beschwerten, man müsse zu lange warten – dass sie bereits mehr als zwei Stunden warteten, erfuhren wir erst später.

Auftritt Kellner. Wie Freddy Frinton schoss dieser in den Gastraum und rief „WerhatdassssEisbestellt?“ Zuerst verstanden wir ihn nicht, er wiederholte „Dasssseis? Keiner?“ und verließ den Raum.

„Hab ich das richtig gesehen? Lag auf dem Eis Petersilie?“, fragte Doro ungläubig in die Runde. Die Nebentische prusteten los.

Auftritt Kellner – die Zweite. Wieder raste er torkelnd in den Gastraum und rief, exakt den gleichen Becher balancierend, „WerhatdenKrabbencocktailbestellt?“

Nun prusteten auch wir, denn der war für Doro.

Während wir auf die Hauptspeise warteten, hatten wir viel (viel, viel, VIEL) Zeit, zu beobachten, was an den anderen Tischen so abging. Da wurde Essen serviert, das niemand bestellt hatte, es war kalt, Pommes noch gefroren… Die Gäste schienen resigniert zu haben und es wurde viel gelacht.

Mikado und kalter Tintenfisch

Wurde Essen serviert, kam eine gespannte Stille über den Raum und alle guckten den hungrigen Gast erwartungsvoll an – was würde jetzt wieder schief gehen? Dieter bekam seinen Schaschlik-Spieß serviert.

Mikado zum essen

Foto: Pixabay (SgH)

Er blickte verschmitzt in die Runde und sagte „Also, wenn da jetzt ein Mikado-Stäbchen drin ist, habt ihr mich aber hier liegen…“ Alle lachten, dann sah der gesamte Gastraum ihm dabei zu, wie er mit seiner Gabel laaangsam das Fleisch vom Stäbchen zog – und zwar VON SEINEM VERDAMMTEN  MIKADO-STÄBCHEN!!! Der Saal explodierte vor Lachen und Dieter wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

Unzählige Male torkelte indes der Kellner durchs Lokal, servierte er Schnaps stand immer ein überzähliges, leeres Pinnchen auf dem Tablett. Seine Ähnlichkeit mit James von „Dinner for One“ wurde immer frappierender, es fehlte nur noch der Tigerkopf.

Entschuldigung, der Koch ist betrunken!

Die Wirtin versuchte zu retten, was zu retten war und so fand einiges Essen tatsächlich zum richtigen Besteller.

Ihre Erklärung „Entschuldigung, aber mein Koch ist betrunken!“ wurde unisono mit „Dein Kellner auch!“ quittiert. „Jaaa, aber das is der ja immer!“ antwortete sie schulterzuckend.

Als mein Vater, als letzter unserer Runde, endlich seine Calamari Fritti bekam, hatten wir bereits so viel gelacht, dass uns die Bäuche wehtaten. Mein Vater probierte seine Tintenfischringe und verzog angewidert den Mund. „Kalt. Kühlschrank-Kalt. Ich möchte bitte zahlen!“, sagte er zur Wirtin. Die nahm seinen Teller und verließ den Raum.

betrunkener Kellner, essen

Foto: Pixabay (Alexas_Fotos)

Nicht nur betrunken, auch noch groß und stark

Auftritt Koch.

Groß, muskulös und ganz klar voll wie eine Haubitze wankte er mit den kalten Calamari in den Gastraum. „Wo iss der, dem meine Kalllalllamarari nich schmmmeggen? Hmm? Wo isser? Wer will hier nich essen?“

*spielt Western-Duell-Musik ein*

Mein Vater antwortete ruhig „Jo, das wär dann wohl ich!“ und der Raum verfolgte atemlos und gebannt die Situation.

Der Koch stellte den noch vollen Teller vor meinen Vater und krempelte seine Ärmel hoch. Um stehen zu können, stützte er sich auf einem Stuhl ab.

„Wasssisn damit jetzt nich in Ooooordnung, hm? Sinddie nich lecker, odddawas?“

Leicht eingeschüchtert antwortete mein Vater „Nun ja, die sind ziemlich kalt und kalte frittierte Sachen, besonders Calamari, mag ich nicht essen…“

„WILLSUDAMITSAGENICHKANNNICHKOCHENODERWAS?“, lallte es ihm entgegen.

Mein Vater schätzte die Situation ab und besah sich die muskelbepackten Arme des Mannes. Und machte eine Kehrtwende.

„Neiiiiiin, also, niemals!  Würd ich nie sagen! Ich probier nochmal eben, ja? Wow! Ganz toll. Die schmecken gut! Nomnomnom. Siehst du, ich esse ja schon!“, mümmelte er.

Der Koch beugte sich herunter, das Gesicht nur Zentimeter von dem meines verdutzten Vaters entfernt und sah ihm in die Augen. Er schwankte vor ihm hin und her, richtete sich abrupt auf, sprach „Na, dannisssjagut.“ und torkelte zurück in seine Küche.

„Bloß weg hier!“ rief mein Vater, zahlte und wir verließen das lustige Haus.

Ab in die Familien-Anekdoten-Kiste

Draußen angekommen atmeten wir durch.

Was war DAS denn?“, fragten wir uns, als die zweite Tür (der Laden hatte zwei Ein- bzw. Ausgänge, die zu zwei Gasträumen führten) des Restaurants sich öffnete und… mein Opa heraustrat.

Den Krückstock schwingend, den Hut vor Wut ganz schief auf dem Kopf fuchtelte er wild in der Luft herum „Was war das denn? Das war eine Frechheit, war das! Sowas hab ich ja noch nie erlebt!!!“ Ihm nach folgten meine Oma, Tante und Cousinen. Wir standen voreinander auf dem Parkplatz und brachen in schallendes Gelächter aus. Im anderen Gastraum sitzend, hatten sie Ähnliches erlebt wie wir.

Kellner und Koch waren, wie wir hinterher von anderen Gastronomen erfuhren, dafür bekannt, gern mal zu tief uns Glas zu schauen und auch die Wirtin soll das Ganze nüchtern nicht verkraftet haben. In kulinarischer Hinsicht war der Abend alles andere als erfüllend – aber wir möchten ihn nicht missen: Seit nunmehr 24 Jahren erheitert uns die Erinnerung und hat einen Ehrenplatz in der familiären Anekdotenkiste bekommen.

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Gedanken eines Kopfkindes: Wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?

Philosophie mit dem Vierjährigen

Unser Locke ist ein Denker. Ein Kopfkind. Ein vorsichtiger Beobachter. Er macht sich schon seit jeher viele Gedanken. Bereits im PEKiP konnte man sehen, dass er erst beobachtete, bevor er etwas Neues tat. Er schaute, was die anderen tun, schien dann eine Weile in sich zu gehen und erst dann versuchte er es auch.

Keine Nachrichten für Locke

Er ist sehr aufmerksam und merkt sich sehr viel. Bereits im letzten Dezember, Locke war dreieinhalb, fiel uns das auf. Im Radio kam eine Meldung: Jugendliche hatten einem schlafenden Kumpel einen Streich spielen wollen und neben ihm eine Kettensäge angeworfen. Der Schlafende erschreckte sich, schlug im Reflex nach der Säge – und verletzte sich natürlich schwer.

Gut eine Woche später sprach Locke plötzlich davon, dass man mit Kettensägen ja sehr vorsichtig sein müsse und damit keine Leute erschrecken dürfe. Wenn das so unvermittelt von einem piepsigen Dreijährigen vorgetragen wird, ist man schon etwas gegruselt. Bei der Autofahrt hatte er die Meldung im Radio gehört und sich seither so seine Gedanken gemacht.

Seitdem gilt: Radio besser aus, wenn Kind im Raum oder Auto.

Lockes Gedanken

Locke macht sich oft sehr viele, weitreichende Gedanken. Die Sache mit der Fortpflanzung interessiert ihn im Detail noch nicht so (obwohl ich ein tolles Buch dazu habe!). Was ihn interessiert, ist, wo ein Baby war, bevor es in den Bauch der Mama kam.

Der Klapperstorch war ja bei uns nie ein Thema, denn als ich mit Zwockel schwanger war, spielten wir von Beginn an mit offenen Karten. Am letzten Wochenende fanden wir ein altes Handyvideo, auf dem Locke vor meinem dicken Babybauch steht und „Hallo Babybruder!“ ruft. Er war begeistert, aber ich sah, wie es in seinem Köpfchen rotierte.

Gedanken - Locke küsst Babybauch

Locke küsst den Babybruder

„Mama? Ich war doch auch in deinem Bauch. Wo war denn der Zwockel da? Ich hab den da gar nicht gesehen!“ Ich erklärte ihm, dass es den Zwockel damals noch gar nicht gab.

„Ja, aber, wo war er denn dann? Und wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?“

Das Kuchengleichnis

Ich habe mir lange überlegt, wie ich diese Frage beantworte. Denn es geht ihm ja nicht darum, wie Babys gemacht werden, sondern philosophischer: Wo man ist, bevor man existiert. Wo genau man ist, konnte ich ihm natürlich nicht beantworten. Aber ich habe ihm das folgenermaßen erklärt:

Wenn man einen Kuchen backen will, ist der Kuchen ja noch nicht da. Man hat Eier, Butter, Zucker, Mehl, Milch und sonstwas alles – und erst wenn man es zusammenrührt und dann für eine Weile in den Ofen stellt, hat man einen Kuchen. Und genauso ist das mit kleinen Babybrüdern. Man hat die Zutaten: Mama, Papa und ganz viel Liebe – und die mischt man zusammen und nach neun Monaten in Mamas Bauch ist das Geschwisterchen dann fertig.

„Aha! Ein Babykuchenbruder!“, rief mein Locke erfreut und ging zufrieden wieder zum Spielen. Offensichtlich hatte ihm meine Erklärung eingeleuchtet.

Gedanken - Wo war Baby vorher

Locke und der Babybauch

Too much Ordnungsliebe? Mein innerer Monk und ich.

Guten Tag. Mein Name ist Tanja und ich habe einen inneren Monk. Ein Teil von mir ist sehr strukturiert und giert nach Ordnung. Dabei ist es nicht so, dass von Natur aus so bin. Wer mich kennt – und ich meine wirklich kennt – weiß, dass es wohl keine größere Chaotin gibt, als mich. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es mir im Alltag hilft, ordentlich und strukturiert zu sein. Ich habe mir angewöhnt, immer alles, was ich nicht mehr brauche, wieder an seinen Platz zurückzulegen.

Ich mag keine Unordnung

Chaos mag ich eigentlich nicht – es macht mich unruhig und Unordnung verwirrt mich. Das hat bei mir konkrete Auswirkungen, auf meine Laune zum Beispiel. Ist es extrem unordentlich um mich herum, werde ich gereizt und bin angespannt. Entspannen und abschalten fällt mir schwer.

Also habe ich mir irgendwann angewöhnt, sehr ordentlich zu sein. Mein Sinn für Ordnung geht aber so weit, dass die Teller in der Spülmaschine richtig herum, mit dem Dekor zur Seite eingeräumt werden müssen. Die zweiteilige Gardine hängt nicht exakt gleich auf beiden Seiten? Dann zuppel und ziehe ich so lange daran herum, bis ich zufrieden bin. Anders lässt mir das keine Ruhe. Mein Mann nennt mich deshalb, in Anlehnung an The Big Bang Theorie, zärtlich seine kleine Sheldoline, denn in Sachen Pingeligkeit könnte ich Dr. Sheldon Cooper jederzeit das Wasser reichen.

Bällebad in Ordnung gebracht

Wenn man mich mit dem Bällchenbad spielen lässt…

Und dann kamen die Kinder…

Als ich schwanger mit Locke war, war mir bewusst, dass mich das Leben mit Kind in jeder Hinsicht, so auch in dieser, herausfordern würde. Locke war nun aber ein sehr ruhiges Kind, das selten wild das Spielzeug verstreute. Hinter ihm auszuräumen fiel mir leicht. Es wurden gewisse Regeln aufgestellt („Kein Spielzeug im Flur!“ oder „Kein Spielzeug in der Küche!“) und ich konnte mit seinem Kinder-Chaos leben. Mal mehr, mal weniger – aber immer moderat, die Unordnung. Zum Abend hin räumte ich alles auf und konnte so den entspannten Abend genießen.

Dann war im Kindergarten Elternsprechtag. Locke sei soweit altersgerecht entwickelt, bei der Deutlichkeit der Aussprache ist noch Luft nach oben, klar, war ja auch noch klein. Kein Grund zur Besorgnis!

Ein Mini-Sheldon?

„Aber sagen Sie mal“, sprach mich die Erzieherin an. „Ist Locke zuhause auch so pedantisch? Hier ist es oft so, dass bestimmtes Spielzeug in einer Reihe stehen muss und nicht durcheinander gebracht werden darf. Macht er das zuhause auch?“

Das wunderte mich, denn ein solches Verhalten hatte er zwar, bevor sein Bruder kam, ein paar Mal an den Tag gelegt, aber es hatte sich sehr gebessert. Zwangsweise – denn der kleine Bruder kümmert sich nicht um Ordnung und walzt durch den Spielzeugwald wie eine Mini-Planierraupe: Was im Weg ist, wird gnadenlos weggeschoben, aufgehoben oder zur Seite gekickt.

Der Ehemann und ich sind für extremes Verhalten bar jeder Normalität sensibilisiert, denn der Mann arbeitet beruflich mit autistischen Kindern. Da kennt er so manch fixiertes Verhalten und auch so mache Verhaltensweise, die sich nach extrem sheldonesquen Regeln richtet. Bei unserem Sohn hatten bisher noch keine Alarmglocken geklingelt, alles war im Rahmen.

„Ich glaube, das hat er von mir!“, dämmerte es mir und mir wurde nahe gelegt, zuhause etwas flexibler zu werden.

Ich und mein Monk

Nach dem Mittagessen dachte ich nach, während ich das Geschirr in den Geschirrspüler räumte. Schnell die Teller richtig herum gedreht während ich überlegte, ob ich Lockes Verhalten, das noch lange nicht besorgniserregend – aber auffällig war – irgendwie beeinflusst hatte. Als ich die Kinderküchen-Utensilien (beide Jungs sind begeisterte Köche) wieder einräumte, alles an seinen Platz, fiel mir auf, dass ich das vielleicht gar nicht tun müsste. Soooo schrecklich chaotisch war es doch vorher gar nicht gewesen, oder?

Kinderküche in Ordnung

Die Kinderküche – vorher und nachher.

Ich beschloss, den Ehemann abends darauf anzusprechen, ging ins Wohnzimmer und räumte die Duplosteine in die „Duplo-Tonne“, die Autos in die „Auto-Kiste“ und die übrigen Spielsachen in die „Kramkiste“. Fällt meinem Sohn das wirklich auf? Er ist seit jeher ein guter Beobachter und er bekommt viele Dinge mit, über die er dann viel nachdenkt. „Beobachtet er mich so gut, dass er mich nachahmt?“, überlegte ich, während ich die Gardine zurechtzupfte, die nicht wirklich mittig am Fenster hing.

Konnte es wirklich daran liegen? Oder war es für Locke eher so, dass er die Struktur, die er hier zuhause gewohnt war, und die Zwocki ihm völlig verpfuschte, im Kindergarten – seinem Lieblingsort – wieder aufbauen wollte? Hier zuhause war das nicht mehr möglich, vielleicht versuchte er, sein Stückchen Sicherheit und Ordnung in die Spielgruppe mit hineinzunehmen.

Sich selbst reflektieren

Vielleicht ist es ein Stück von beidem. Ich werde mich ab jetzt jedenfalls zusammenreißen und auch mal Fünfe gerade sein lassen. Die Gardine komisch hängen lassen. Vielleicht dreh ich sogar mal nen Teller in der Spülmaschine mit dem Dekor nach oben…

Ich finde es immer wieder wichtig innezuhalten und sich selbst zu beobachten. Sich selbst zu bewerten, Meinungen von außen zuzulassen und zu sehen, was man besser machen kann und was anders. Ich kann und werde meinem Kind nichts vorspielen und ich werde mich selbst nicht völlig umkrempeln – Mama ist eben Mama, ich bin ich – aber vielleicht rücke ich mich selbst mal ein bisschen zurecht.

Aber entschuldigt mich nun bitte, ich muss in die Küche, in der Spülmaschine steht ein Teller verkehrt herum.

Mein Monk rebelliert.

Locke allein im Bad – und was die Feuerwehr damit zu tun hat.

Ein ganz normaler Donnerstagabend im Hause Chaos. Ein Feiertag.

Wir hatten auf dem Balkon gegrillt, die Kinder waren geduscht und fast bettfertig. Der Tag war – wie immer – anstrengend, aber gut gewesen. Müde, satte Kleinkinder drehten noch ein letztes Mal ihre Reserven auf, bevor es ins Bett ging.

Als ich im Bad war, fiel mein Blick auf den Schlüssel im Schloss der Badezimmertür. „Den müssten wir hochhängen. Bevor der Zwockel damit Unfug treibt!“, schoss es mir durch den Kopf.

Hätte ich doch bloß…

Wir tranken aus, die Kinder demontierten das Wohnzimmer – dem akustischen Vernehmen nach jedenfalls. Auf einmal wurde es ruhiger. Locke, seit kurzem windelfrei, war aufs Töpfchen geflitzt. Der Ehemann und ich räumten den Tisch ab. Als alles fertig war, setzte ich mich noch für ein paar Minuten auf den Balkon und genoss die draußige, feiertägliche Ruhe. Die sollte nicht mehr lange währen!

Auf einmal wurde es laut. Der Ehemann schrie „Dreh den Schlüssel! Mach die Tür auf!“ und mir wurde schlecht. Mein Bauchgefühl hatte es vorausgeahnt, hatte ich doch eben noch den Schlüssel weglegen wollen. Und nun war es passiert! Verdammter Mist!

Und er hört noch nichts!

Doch nicht der Zwockel, nein, es war Locke der sich eingesperrt hatte! Mein großer, vernünftiger Junge hatte ungestört und kleinbruderfrei aufs Töpfchen gehen wollen und hinter sich abgeschlossen. Hätte er den Schlüssel dabei nicht versehentlich herausgezogen, wäre alles kein Problem gewesen, aber so reichten seine feinmotorischen Fähigkeiten nicht aus, um den Schlüssel wieder ins Schloss zu fummeln – natürlich war er zudem noch völlig aufgelöst und ängstlich.

Erschwerend kam hinzu, dass er einen Paukenerguss auf beiden Ohren hatte, so gut wie nichts hörte und eh schon völlig neben sich stand.

Alles Schlüsselgefummel, alles Reden und Erklären nützte nichts. Das Kind war zu aufgelöst! Der Ehemann versuchte, die Tür aufzubrechen. Da wir hier kein Brecheisen herumliegen hatten, versuchte er es zuerst mit schierer Gewalt, dann mit einem Hammer… Meinen Vorschlag, wir könnten doch die Feuerwehr anrufen, verwarf er sofort. Die Tür hielt stand.

Er zerrte und prockelte, zog und riss an der Tür, die sich als die einzig massive erwies. Alle andere Türen könnte man hier wahrscheinlich ratzfatz eintreten – die nicht. Sobald er die Tür ein Stückchen aufgestemmt hatte, zwängten sich hilfesuchende Fingerchen durch die Öffnung. Wir schrien und brüllten – Mein Gott! Was müssen die Nachbarn gedacht haben! – Locke solle die Finger aus der Tür lassen, denn das Kind hörte ja nichts und war zudem in Panik.

Die Feuerwehr muss kommen!

Nach 15 erfolglosen Minuten – Einbrecher werden wir wohl nicht – gab der Ehemann frustriert auf. „Dann ruf halt die Feuerwehr!“ Was ich dann auch tat. Und nach nur 5 Minuten waren sie da: Unsere Retter. In 4 Einsatzwagen ausgerückt, obwohl ich eigentlich nur „einen starken Mann mit stabilem Brecheisen“ gewünscht hatte. Innerhalb von 20 Sekunden war die Tür offen. Zwei Leute waren nötig – es krachte und Locke war frei. „Öhm, ich glaub, die Tür können sie wegschmeißen“, unkte der Mann mit der Brechstange.

Weinend stürzte Locke sich in meine Arme. Von dem Einsatz seiner geliebten Feuerwehr, die sich zur Zeit den ersten Platz mit der Müllabfuhr teilt, hatte er nichts gehabt. Der Zwockel winkte und krähte fröhlich – Locke guckte nur beschämt und erschöpft.

Ich ließ ihn vorerst nicht mehr los. Der Papa musste den – ebenfalls erschöpften – Zwockel, der die Aufregung aufmerksam, aber ohne zu weinen verfolgt hatte, ins Bett bringen und ich wollte meinen Locke gar nicht mehr hergeben – völlig erschöpft war er in meinen Armen eingeschlafen.

Reden wir nicht mehr drüber!

Wir besänftigten die besorgten Nachbarn, die sich bei dem Feuerwehraufgebot Sorgen gemacht hatten. Am folgenden Tag kauften wir eine neue Badezimmertür, die alte hatten wir ehrlich gesagt nie gemocht.

Am nächsten Tag wachte Locke mit einer Bitte auf.

„Du, Mama?“

„Ja, mein Schatz?“

„Über die Tür reden wir nicht mehr, ja?“

„Alles klar, Locke!“

 

Übrigens: Nein, den Einsatz mussten wir nicht bezahlen. Der war schließlich nicht mutwillig verschuldet und der kleine Mann war in höchster Not. Ein dickes Danke an unsere Retter!

 

Die NOT* To-Do-Liste – Alles, was er NICHT tun soll

*englisch aussprechen bitte, not nicht Not!
Unser Zwockel. Mann, mann, mann. Ich sag euch. So manches graue Haar auf meinem Kopf stammt von diesem Kind. Ich liebe ihn und er kann sehr, sehr süß sein – keine Frage. Aber wie sagt man so schön? Ihm sitzt der Schalk im Nacken. Der junge Mann hat einen eisernen Willen, der mit beachtlicher Zielstrebigkeit gepaart wurde und er lässt sich so schnell von nichts abbringen, das er sich einmal vorgenommen hat.

Als Kerstin von Chaos hoch 2 vor kurzem ihren Sohn beschrieb, war es, als habe sie kurz bei uns vorbeigeschaut. Zwockel ist, ganz wie der Krümel, eine „Abrissbirne auf Speed“. Er ist ein Motoriker. Rennen, klettern, hüpfen – irgendwo gegenlaufen, runterfallen, aufstehen – von vorne. Das ist Zwockel. Der rennt voll Karacho gegen eine Tür, schüttelt sich kurz, wo andere Kleinkinder nach einem ganzen Lastwagen voller Arnika-Globuli, Coolpacks und lokalem Anästhetikum verlangen würden, und rennt weiter – gern auch gegen die nächste Tür/Schrank/Regal/Stuhl oder, besonders beliebt, die Tischkante.

Zwockel und die Tischkante

Unsere Küche ist klein. Winzig. Eine Tetris-Küche (man muss alles in die Schränke puzzeln, damit’s passt). Der Tisch steht, ob der nicht zur Verfügung stehenden Fläche, immer an einer Stelle. Er steht da. An jedem Tag. Seit immer, oder wenigstens seit 2008. Auf jeden Fall schon Zwockels ganzes Leben lang.

Und an jedem Tag – an.jedem.verdammten.Tag. – rennt das Kind vor die Tischkante.

Mehrfach. Immer vor dieselbe Ecke. Kommt rein, ballert vor den Tisch, weint kurz oder schimpft, rennt wieder raus. Repeat. Wir haben es mit Kantenschutz probiert (blöd, weil es ein Auszieh-Tisch ist und zum Essen die eine Seite ausgeklappt wird), hat aber nix gebracht.

Zwockel und der Couchtisch

Zwockel hat unseren Couchtisch mit seinem Hinterkopf zerstört. Er hat den Fernseher mit einer Lego-Bodenplatte und einem Feuerwehrauto kaputt gemacht. Er hat diverse Gläser (durch das gezielte Werfen von Spielzeug) auf dem Gewissen. Die Oberfläche des Couchtisches gleicht einer Kraterlandschaft, weil Zwocki dort alles – aber auch alles – draufwemst, was hart ist und Macken macht. Die Schublade neben seinem Bett? Vor Wut herausgerissen, weil die Mama es wagte, den soeben erwachten Herrn nicht sofort zu bespaßen.

Wir haben bereits überlegt, eine Namensänderung zu beantragen, konnten uns aber zwischen Hulk-Arnold und Chuck-Rambo nicht entscheiden.

Und sowieso und überhaupt: Das Kind hat einen Plan. Wenn er morgens aufsteht, fertigt er eine NOT-To-Do-Liste an. Eine Liste mit Dingen, die er auf keinen Fall tun darf. Und die hakt er dann gewissenhaft ab.

Der neueste Lieblings-Spielplatz

Seit der große Bruder aufs Töpfchen geht, ist das Badezimmer sehr interessant geworden. (*RUMS, Tischkante, grad hier so von links) Ob das lustige Spiel „Sachen-ins-Klo-werfen“ oder spaßiges Windeln verstecken, der Zwockel ist dabei.

Die frisch gewaschenen, frisch zusammengelegten, frisch in den Schrank sortierten Schlafanzüge fanden sich dann im Klo wieder.

Die Klobürste ist – sehr männeruntypisch – dabei sein bester Freund. Diese wird übrigens, zum Beispiel in Kombination mit Papas Bodylotion oder nassem Klopapier, zum Werkzeug des Teufels. Neuerdings kann das Kind nämlich die Türen selbst öffnen und da der Große sonst nicht zum Töpfchen kann, kann ich die Tür natürlich auch nicht abschließen.

Welch Freude, kommt man ins Bad und der Junior hat nicht nur das ganze Zimmer mit der nassen Klobürste besprengt – nein, er hat auch noch Creme damit verrieben! Der Teppich, gerad ob eines ähnlichen Streiches frisch gewaschen, wandert gleich wieder in den Keller um mit literweise Hygienespüler wieder keimfrei gemacht zu werden.

Und während ich noch die Kacheln abwische, schalmeit es schon aus dem Wohnzimmer „DER ZWOCKEL HAUT MIT DEM FEUERWEHRAUTO DEN FERNSEHER!!!“, oder so ähnlich.

Die Macken auf dem TV-Bildschirm wachsen beständig.

Im Garten – Zwockel lernt vom Chihuahua

Auch den Gartenaufenthalt macht so ein Zwockel zum Erlebnis. Der Garten ist klein, sehr klein, aber die Kinder haben einen Sandkasten, eine Rutsche und einen kleinen Kletterturm. Plus Spielzeug. Reicht nicht, findet Zwock-Man, der Garten ist nicht genug!

Nachdem wir versucht hatten, ihm sämtliche Fluchtwege zu verbauen und auch das Gartentor zusätzlich mit Kabelbinder gesichert hatten, tat er das, was Theo, der Chihuahua, ihm gezeigt hatte: Um zu entkommen, krabbelte er einfach ab durch die (frisch entbrennnesselte) Hecke und lief auf und davon.

Da wir erst einmal die andere Hecke umrunden und den Kabelbinder vom Törchen friemeln mussten (glorreiches Eigentor, das!), war der Pampers-Schuft bereits bis zum nahen Freibadparkplatz gejoggt, wo wir ihn schließlich stellen konnten. Er fand es super. Wir nicht so und überlegen nun, extra ein paar neue Brennnesseln zu pflanzen, als natürlichen Zwockel-Schutzwall.

Aber wie wir ihn kennen, rennt er auch da einfach durch, schüttelt sich kurz, und macht dann weiter mit seiner Liste mit Dingen, die er nicht darf…

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Ein feuriges Chili con Carne – dem Ehemann zum Geburtstag

Mein Ehemann, der junge Hüpfer, ist zwei Monate jünger als ich und hat bald Geburtstag. Und er hat sich sein Lieblingsgericht gewünscht: Chili con Carne! Das soll er haben, ihm zu Ehren nun dieses Rezept. Ihm kann es gar nicht feurig genug sein – ich lasse es seit den Schwangerschaften etwas ruhiger angehen. Ich koche es immer so, dass es sehr mild ist und stelle zusätzlich Chiliwürze, Tabasco und frische Chili zum Nachwürzen bereit.

Die Menge: Es reicht für sechs bis acht hungrige Personen. Ihr seid nur zu zweit? Kein Thema, siehe unten. Man kann es wunderbar für später einfrieren.

Die Vorteile:

  • Mag fast jeder, macht satt und glücklich.
  • Man bereitet es am besten ein bis zwei Tage vorher zu, dann kann das Chili schön durchziehen! So hat man am Tag der Feier nicht noch das Kochen vor der Brust.
  • Und: Reste lassen sich prima einfrieren! Der Mann sagt, aufgetaut schmeckt es fast noch besser.

Hier nun DAS Rezept:

300 g Kindeybohnen

1 Dose Mais

2 große Zwiebeln

2 – 3 Knoblauchzehen

2 Bund Suppengrün

Bitte verwendet nur glücklich lächelnde Paprika.

2EL Olivenöl

500 g Rinderhackfleisch

2 TL Paprikapulver

Salz, Pfeffer, Thymian

2 Lorbeerblätter

2 – 3 frische, rote Chilischoten

2 rote Paprika

 

5 Fleischtomaten

2 Tuben Tomatenmark

0,7 Liter Brühe

Die Zubereitung – bitte mit Liebe:

Den Mais und die Kidneybohnen aus ihren Dosen befreien und zum Tummeln in ein Sieb legen. Sie müssen nun geduscht werden, bis das Wasser klar ist. Dann dürfen sie eine Weile im Sieb abhängen.

Zwiebeln, Knoblauch und Suppengrün fein würfeln und in goldenem Olivenöl in einem groooooßen Topf anbraten. Das Hackfleisch hinzugeben und mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen. Lorbeerblätter hinzugeben. Chilis und Paprika entkernen und fein würfeln – für die Chili zieht ihr euch am besten Einmal-Handschuhe an, es brennt sonst fies überall da, wo ihr kratzt – dann zum Hackfleisch geben.

Die Fleischtomaten müssen barbarisch gehäutet werden: Dazu ritzt ihr am Popo der Tomaten ein Kreuz ein. Als wäre das nicht schon brutal genug, werft ihr sie kurz in kochendes Wasser – 30 Sekunden pro Tomate reichen. Dann lasst ihr die armen Gemüse abkühlen, entfernt die Blüte, zieht ihnen die Haut ab und metzelt sie in Stücke. Nun dürfen sie mit in den Topf.

Gebt jetzt das Tomatenmark und die Brühe hinzu und rührt gut um. Bohnen und Mais haben nun genug gewellnesst und können auch mit rein. Lasst das Chili im offenen Topf ca. 2 Stunden lang bei niedriger Hitze vor sich hinköcheln.

Dazu schmeckt am besten ein frisches Baguette und ein kühles Bier!

Lasst es euch schmecken!

Ganz frisch verliebte Paare sollten allerdings vielleicht nach dem Verzehr die Nacht über Abstand halten… ihr versteht…

Liebe. Liebe ist verdammt nochmal alles.

Wenn man sich die Nachrichten ansieht, wenn man damit jeden Tag zu tun hat – sei es lokal oder überregional – wird einem manchmal angst und bange. Da werden Menschen für nichts und wieder nichts angegriffen. Weil sie das Geld nicht schnell genug gewechselt haben. Weil sie jemanden falsch angesehen haben, ein falsches T-Shirt trugen oder die falsche Nationalität haben. Ein Mann griff beispielsweise kürzlich seinen Retter an, zum Dank, dass er ihn vorm Ertrinken bewahrt hatte. Rettungskräfte werden bedroht anstatt unterstützt, Menschen rasten aufgrund von Nichtigkeiten aus, sind aggressiv oder wütend.

Da wird man mitunter schonmal echt traurig von. Warum auch immer diese Menschen sind wie sie sind, ob sie ein Trauma haben, Drogen nehmen oder einfach krank sind, wollen wir nun hier nicht erörtern.

Hoch leben die LiebeVOLLEN

Wenn ich aber lese, dass sich zwei Menschen das Ja-Wort gegeben haben, wenn ich höre, dass jemand frisch verliebt ist – und das auch noch glücklich – wenn ich Menschen sehe, die zärtlich Händchen halte, sich umarmen, küssen, dann geht mir das Herz auf. Das macht mir ein ganz warmes Gefühl im Bauch und ich schöpfe Hoffnung, dass all diese LiebeVOLLEN Menschen stärker sein mögen, als die hass- und wuterfüllten.

Und wisst ihr was? Dabei ist es mir völlig wumpe, ob es sich bei diesen Liebenden nun ein Mann und eine Frau, zwei Frauen oder zwei Männer handelt. Es ist egal! Es ist Liebe!

Liebe verändert das ganze Leben. Liebe macht uns zu besseren Menschen. Wenn wir mit dem Menschen zusammen sein können, den wir lieben, ist die Realität nur halb so schlimm. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wir zwei gegen den Rest der Welt.

Liebende geben sich Halt, unterstützen sich und sind füreinander da. Helfen sich, trösten sich. Lachen und fühlen gemeinsam. Ganz besonders in der ersten Zeit der Verliebtheit, können Liebende an der Erde drehen, auf Wasser gehen, Wolken verschieben, gegen jeden Drachen kämpfen, durchs Feuer latschen oder über glühende Kohlen und die Hölle durchwandern – hin und zurück. Das macht die Liebe möglich!

Es ist Liebe!

Liebe ist das Wichtigste, das, was alles zusammenhält.

Wir sollten die Liebe feiern, sie ehren und beschützen, wo wir können. Nicht mit Gummigeschossen auf Menschen ballern, die nichts weiter verbrochen haben, als zu demonstrieren, dass sie sich lieben. Liebe ist alles. Ohne Liebe wird die Welt zu einem grauen, hasserfüllten Ort ohne Freude – dafür voller Angst und Wut.

Ja, dieser Beitrag ist rosarot mit Einhornglitzer. Natürlich gibt es auch immer schlechte Beispiele, Liebe ist nur ein Trick der Natur, um die Art zu erhalten (ein ziemlich genialer übrigens!), alles nur Chemie und Hormone – blabla. Aber darum geht es gerade nicht. Krümel und Chaos steht als Familienblog für das Wichtigste auf der Welt: Liebe.

Wie sagte meine Hebamme, als ich mit Locke nach der Entbindung zuhause ankam und die altbekannte Wohnung auf einmal so neu und ungewohnt war, weil dieses kleine überallesgeliebte Leben in meinem Arm meine ganze Welt und somit auch die Wohnung verändert hatte? Als ich Angst hatte, all das nicht zu schaffen, was nun auf mich zukommt? Als ich nicht wusste, ob ich alles richtig machen würde? „Du schaffst das. Ein Baby braucht unterm Strich nur drei Dinge: Nahrung, Luft und Liebe. Und all dies gibst du ihm zur Genüge.“

Geht raus auf die Straße und LIEBT. Liebt eure Kinder, liebt euren Mann, liebt eure Frau, liebt eure Eltern und Großeltern, liebt eure Nachbarn, liebt eure Freunde.

Wenn ihr verliebt seid, schreit es in die Welt hinaus. Küsst und berührt und haltet euch ganz fest an den Händen. Und zeigt all den Hasserfüllten: So geht Leben! Leben ist Liebe!

Der kleine Regenbogen wird unser Logo noch eine ganze Weile lang zieren, um genau das zu symbolisieren. Liebe für alle. Egal welches Geschlecht, egal welche Nationalität oder Religion sie haben. Liebe, Liebe, Liebe und nochmals Liebe!

So. Fertig.

Los, husch, lest nicht, liebt.

 

Was wir ohne Kinder wohl nicht sagen würden

Kinder. Sie geben einem so viel. Sie bereichern das Leben – und auch die Sprache. Es gibt so Momente, da sage ich etwas und kaum hat es meinen Mund verlassen, denke ich schon „Hab ich das jetzt ernsthaft gesagt?“. In den meisten Fällen muss ich dann lachen, was den Ansagen an die Jungs oft die Autorität entzieht.

Ich beschloss also, eine Liste zu erstellen mit Dingen, die wir hier so niemals sagen würden, wenn wir keine Kinder hätten. Wenn ihr mögt, könnt ihr diese Liste beliebig erweitern – die besten Sprüche werden nachgetragen!

Das Aneignen von Kinder-Sprache

Manchmal ist es besonders witzig, wenn man die Wortkreationen der Kinder übernimmt: „Hey, guck mal da! Ein Gabba-Gabba (Gabelstapler)!“ oder „Möchtest du Mana-Mana (Banane)?“ bringt uns oft zum Schmunzeln. Wir brabbeln hier nun nicht ständig debil in Babysprache, aber so manches Mal schleicht sich das Babyvokabular schon ein.

Hier sind sie also, die 10 Dinge, die im Hause Chaos ohne Kinder nie gesagt würden:

1.) Wir werfen nicht mit Bussen!

2.) Nein, wir reparieren keine Klorollen!

3.) Bitte popel nicht in der Nase deines Bruders

4.) Beim Dönermann wird nicht gepust!

5.) Schatz, bitte saug ihm vorm Essen noch schnell die Nase aus.

6.) Fleischwurst gehört nicht auf den Kopf.

Kinder und Fleischwurst

Der letzte Schrei.

7.) Das ist ein TÖPFCHEN, kein HUT!

8.) Bitte nimm die Socke aus dem Mund.

9.) Nicht das Wasser aus deinem Schuh trinken!

10.) Pfui, das ist bah!

 

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Liebster Award – Mehr über Krümel und Chaos

Die liebe Natalia von SimplyLovelyChaos hat mich, Tanja von Krümel und Chaos, für den Liebster Award nominiert – eine Art Kettenbrief, in dem man andere Blogger nominiert und ihnen Fragen stellt, die diese beantworten sollen. Nun bin ich ja gar kein Fan von Kettenbriefen – aber hier ist keine Drohung á la „Wenn du nicht mitmachst, werden deine Brüste schrumpelig und deine Kinder hässlich“ dabei. Deshalb mache ich da gern mit, denn es ist eine schöne Gelegenheit, mehr über sich und den Blog zu erzählen.

  1. Wann hast Du begonnen zu bloggen?

Ich habe Krümel und Chaos im letzten September gestartet. Ich hatte mich ein Jahr zuvor als Texterin selbstständig gemacht und keine Lust mehr, ständig Arbeitsproben zu schreiben. Viele Kunden möchten Probetexte, die aber nicht bezahlt werden und wenn man daraus dann nur wenige Aufträge daraus generieren kann, ist das schon ärgerlich. Darum hatte ich beschlossen, den Blog als Marketing-Maßnahme und Arbeitsprobe zu führen. Ganz schnell bekam Krümel und Chaos ein Eigenleben und ich habe gemerkt, dass das Bloggen absolut meins ist! In meiner Hochphase habe ich pro Tag 2-3 Artikel geschrieben. Was in meinem Kopf ist, muss einfach raus.

  1. Wie und wo und wann bloggst Du?

Ich versuche, immer dann zu schreiben, wenn ich ein Thema im Kopf habe. Ich muss es schreiben, solange es „frisch“ ist, dann werden die Texte am besten. So es denn die Zeit zulässt (und die Kinder), schreibe ich die Entwürfe am Küchentisch, wenn die Jungs schlafen oder spielen, im Kindergarten oder bei den Großeltern sind. Manchmal fällt mir auch unterwegs oder spät abends im Bett etwas ein, dann entsteht ein Rohentwurf auf dem Smartphone.

  1. Was bist Du eigentlich von Beruf?

Ich bin gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Übersetzerin, habe aber meist als Sekretärin gearbeitet. Der letzte Job, auf einer Großbaustelle, war richtig cool! Über meinen Blog habe ich einen Job bei einem kleinen lokalen News-Portal bekommen und bin nun seit Februar dabei. Nachrichten schreiben ist wieder eine ganz andere Sache als die Kolumnen, die ich auf dem Blog verfasse – aber es macht irre Spaß!

  1. Wie beginnst Du Deinen Tag?

    Morgens meist nur Kaffee für mich.

Meistens weckt uns der Zwockel. Wir kuscheln alle vier zusammen im großen Bett und dann mache ich Frühstück für die Kinder. Locke isst im Kindergarten, Zwockel hier. Ich selbst frühstücke nur am Wochenende, mir reicht morgens ein Kaffee. Wenn Papa bei der Arbeit ist und Locke im Kindergarten, gehe ich die Nachrichten-Meldungen durch und beginne zu schreiben. Homeoffice ist mit Kindern nicht so einfach, wie es klingt, aber die Jungs haben sich größtenteils daran gewöhnt, dass Mama arbeiten muss – das scheint aber auch alles phasenabhängig zu sein.  Zur Not schreibe ich mit Kind auf dem Schoß, oder haue richtig rein, wenn Zwockel sein Schläfchen macht – im Moment kann der nämlich wieder gar nicht akzeptieren, wenn ich arbeite. Aber da müssen wir durch. 

  1. Was bringt Dich zum Lachen?

Mein Mann. Meine Söhne. Ich habe einen schwarzen Humor und lache sehr gerne. Ich liebe es, wenn Locke mich mit witzigen Einblicken in seine Denkweise zum Lachen bringt – oder wenn Zwocki mal wieder Grimassen schneidet. Ansonsten treibe ich mich auch viel auf Twitter herum, meine Timeline bringt mich mindestens einmal am Tag schallend laut zum Lachen.

  1. Was bringt Dich zum Weinen?

Seitdem die Kinder da sind: Viel! Schicksale anderer Menschen, Unfälle, traurige Filme… Ich habe erst kürzlich mit einem Polizisten telefoniert, um ihm Details über einen Unfall zu entlocken. Bisher war in den Meldungen nur die Rede von „Schwerverletzten“, aber in unserem Gespräch erzählte er mir mit stockender Stimme, dass die Menschen verstorben waren und – fast 5 Stunden später – noch immer in den Fahrzeugen saßen. Er bat mich, die Informationen nicht zu veröffentlichen, denn die Angehörigen wussten noch nichts von der schlimmen Tragödie. Als ich aufgelegt hatte, habe ich erstmal geweint. Um die Unfallopfer, aber auch die Familien, deren Tag nun bald die schlimmstmögliche Wendung nehmen würde.

  1. Was sind Deine fünf Lieblingsblogs?

Hallo liebe Wolke trifft Krümel und Chaos.

Allen voran „Hallo liebe Wolke“. Susanne, die ich unlängst persönlich kennen lernen durfte, schreibt so wunderbar gefühlvoll und literarisch, dass ich mich in jedem ihrer Texte wiederfinde.

Chaos trifft Chaos.

Dann lese ich auch gerne Natalias Geschichten auf SimplyLovelyChaos. Natalia hat eine sehr frische und witzige Art, die ganz genau zu ihr passt!

Ein ganz toller Blog, der mich sehr nachdenklich macht, ist der von Frau Papa. Nina war einmal Norbert und beschreibt ihr Leben als Trans-Frau, ihre Probleme und wie ihre Familie damit umgeht. Ich denke viel darüber nach und habe den größten Respekt vor Nina, dass sie so offen damit umgeht – das sollten viel mehr Menschen tun, dann wäre die Welt vielleicht viel besser, bunter und toleranter!

Life is full of Goodies ist mein absoluter Lieblings-Food-Blog, ganz dicht gefolgt von Cinnamon and Coriander. Während Mara von Life is full of Goodies für unverschämt tolle Torten und Süßigkeiten zuständig ist, hat Kiki auch viel Herzhaftes drauf. Kreative, exotische und leckere Rezepte gibt es bei beiden.

  1. Du hast einen Tag für Dich und 1 Million Euro, was tust Du?

Ich kaufe mir eine Wohnung in Berlin, damit ich öfter näher bei meiner Lieblings-Family sein kann und ein Ferienhaus irgendwo an der See mit Meerblick. Dann buche ich vom Rest noch schnell eine Kreuzfahrt für meine Eltern und Schwiegereltern – zum Dank für alles und eine Neuseeland-Rundreise für meine Patentante. Wenn dann nochwas übrig ist, geh ich shoppen!

  1. Hast Du eine lustige Jugendsünde?

Viel zu viele! Ich habe wirklich viel Mist gemacht in meiner Jugend. Nichts illegales, darauf bin ich stolz. Na gut, einmal habe ich mit Freunden versucht, einen lustigen Bäckerei-Aufsteller zu mopsen, aber der war zu schwer und wir haben uns am Ende doch nicht getraut.

  1. Was würdest Du Deinem früheren Ich raten zum Thema “Kinder”?

Ich habe lange auf den idealen Zeitpunkt gewartet auch als ich mit meinem Mann schon zusammen war. Aber irgendwie gibt es den idealen Moment dafür nie. Immer ist irgendwas, Geld, Job, Wohnung – irgendwas klemmt immer. Ich bin aber sehr froh, dass alles so gelaufen ist, wie es nunmal ist. Denn sonst wäre Locke nicht Locke und Zwockel nicht Zwockel. Ich glaube, ich würde mir raten, von Beginn an alles entspannter zu sehen. Perfekte Mamas gibt es nicht, man kann nur immer wieder versuchen, sein Bestes zu geben. 

 

  1. Welche Superkraft würdest Du wählen, wenn Du die Wahl hättest?

Ich würde gern blitzeschnell sein, dann könnte ich die ungeliebten Arbeiten, wie Putzen, aufräumen und Wäsche machen, in Lichtgeschwindigkeit erledigen und hätte mehr Zeit zum Schreiben und für meine Jungs!

 

Ich nominiere heute niemanden, weil mir einfach keine Fragen einfallen wollen – aber es wird bestimmt nicht meine letzte Teilnahme am Liebster Award sein! Ich danke aber Natalia für ihre schönen Fragen und die Nominierung!

Eine kleine Geschichte von mir und der Sache mit dem Essen

Wie fang ich an? Ach, einfach Butter bei die Fische: Ich habe einmal 39 Kilo gewogen. Ja, und? Werdet ihr nun sagen. „Ich auch, damals, mit zehn Jahren!“ Ich war da allerdings 19. Ich war magersüchtig. Sieht man heute nicht mehr viel von – und das ist auch gut so.

Das Leben nicht verdient

Ich rede nicht gern über diese Zeit. Aber schreiben, das geht. Es war eine sehr harte, sehr verwirrende und einfach richtig kranke Zeit. Ich sah mich im Spiegel an, kein Gramm Fett – Knochen, die unter der Haut hervorstachen und MEIN GOTT! Ich fand mich so unfassbar fett! So dick! So widerlich! Ein Wal war quasi schlank gegen mich. Ich ekelte mich vor mir selbst und fand, jemand so Fettes habe das Leben gar nicht verdient.

Nicht einmal Wasser erlaubte ich mir: Nach 2-3 Gläsern war Schluss. Ich hatte Angst, es macht dick.

Aus der Nummer wieder rauszukommen war unglaublich schwer. Es hat viele Jahre gedauert. Zu lange, viel zu lange habe ich mich über Knochen und Hungergefühl definiert. Je weiter die Hüftknochen hervorstachen, desto besser war der Tag! Je größer der Hunger, desto stärker fühlte ich mich. By the way: Hunger ist eine Droge, die einen richtigen Rausch verursachen kann.

Am Ende, nach Klinikaufenthalten und Therapien, half alles nichts: Ich musste mich allein am eigenen Schopf aus der selbsteingebrockten Suppe herausziehen, denn erst wenn es im eigenen Kopf „Klick“ macht, schafft man es. Von außen kann man eine Heilung, meiner Meinung nach, nicht erzwingen. Mit unglaublichem Kraftaufwand und natürlich der Unterstützung meiner Familie habe ich es am Ende geschafft.

Die Essstörung geht niemals wirklich weg

Eine Essstörung ist – ohne andere Suchtkrankheiten kleinreden zu wollen – vielleicht die schwierigste aller Süchte. Denn man kann nicht, wie ein Alkoholiker das Suchtmittel aus seinem Leben verbannen. Man kann sich nicht, wie ein Ex-Junkie, von Dealern und Drogen fernhalten. Und ich sage nicht, dass DAS einfach ist. Aber man ist an jedem Tag mit seinem Suchtmittel konfrontiert und muss lernen, es zu dosieren. Egal, ob man mager- oder esssüchtig ist, oder an Bulimie leidet. Man muss jeden Tag mit seinem Suchtmittel leben und es zu sich zu nehmen lernen, in gesunden Mengen.

Bis heute kämpfe ich – je nach Tagesform – mit Rückfällen. Seitdem ich Kinder habe, ist es weniger geworden, ich habe einfach nicht mehr die Zeit, meine Gedanken so sehr ums Thema Essen kreisen zu lassen. Aber auf Stress oder Schicksalsschläge reagiere ich auch heute noch mit Nahrungsverweigerung. Wenn ich die Welt um mich herum nicht kontrollieren kann, muss ich das Essen kontrollieren.

Eher Dackel als Gazelle

Bis heute habe ich kein objektives Verhältnis zu meinem Körper. Ich sehe mich immer viel dicker, als ich bin. Nach zwei Kindern und wenig Sport bin ich wirklich nicht gerade schön. Sowieso bin ich von Natur aus eher Dackel als Gazelle. An guten Tagen stört es mich nicht. An sehr guten Tagen finde ich mich einfach nur toll. An schlechten ist es eine Herausforderung, auch nur die Wohnung zu verlassen.

Früher war ich mehrmals pro Tag auf der Waage – heute verstaubt sie unterm Schrank.

Meistens ruhe ich in mir selbst und bin zufrieden. Mein Mann und meine Kinder, die Menschen, die wirklich wichtig sind, lieben mich so, wie ich bin. Warum sollte ich also anders sein? Wem sonst sollte ich gefallen müssen?

Ich mach dich krass/sexy/schlank/fit

Manchmal schalte ich tagsüber den Fernseher ein. Wenn die Kinder schlafen und ich ein wenig Entspannung brauche, schaue ich gern so [herausforderungsarme] Serien wie „Mein perfektes Hochzeitskleid“. Ich mag Hochzeitskleider.

Aber sobald die Werbung kommt, will Daniel mich krass machen. Detlef will mich sexy machen. Sophia Thiel (wer zu Geier ist Sophia Thiel?!) will, dass ich abnehme und Maria Höfl-Riesch möchte mich fit machen. Selbst meinem Mann fiel das letztens auf und er – schon immer groß und schlank  sagte irritiert: „Was wollen die von mir? Wollen die mich fertig machen?“ Für ihn eher Spaß – aber BÄM – bei mir sind sie dann wieder da: Die Selbstzweifel.

Du bist ok wie du bist, nur zu fett.

Ich sitze beim Frisör und lese Frauenzeitschriften. Vorne: Mode, die keinem passt und die keiner bezahlen kann. Mitte: Du bist okay, so wie du bist. Dahinter: Tipps für mehr Selbstbewusstsein. Dann: Die obligatorischen Diättips – denn eigentlich sind wir ja alle zu dick.

Warum? Was wollt ihr? Ich habe es satt! Ich habe in meinem Leben eine Gewichtsspanne von 90 bis 39 Kilo erlebt. Ich war zu fett, ich war normal, ich war zu dünn. Aber ich war immer ich. Warum schreien alle „Sei wie du bist!“, „Sei du selbst!“ oder „Die inneren Werte zählen!“ und doch können Aminati, Soost & Co. zur besten Nachmittags-Sendezeit für ihre Sport- und Diätprogramme werben und sind damit gewiss erfolgreich.

Ich liebe Essen und hasse Sport

Ich liebe Essen. Essen ist toll. Salat, so leid es mir tut, nicht. Ich liebe kochen und backen und Essengehen ist bis heute eins meiner liebsten Hobbies. Und warum auch nicht? Ich habe es akzeptiert. Das Leben ist zu kurz, um Dinge zu essen, die einen nicht glücklich machen. Knäckebrot, zum Beispiel. Macht Knäckebrot irgendwen glücklich?!

Und. Ich. Hasse. Sport. Nein, ich bin nicht zu faul. Zen Ki Yoga mit Janie, das geht. Das habe ich in Australien jeden Tag gemacht und zwar mit echter Freude. Aber Janie ist in Australien, wenn sie nicht gerade um die Welt jettet.

Als ich damals krank war, war ich jeden Tag im Fitness-Center und habe das eigens für mich zusammengestellte Programm absolviert. Drei Mal hintereinander, manchmal, wenn ich noch stehen konnte, ein viertes. Bis selbst den Trainern auffiel, dass etwas mit mir nicht stimmte. Das war eine die Magersucht ergänzende Sucht und hatte nichts mit Spaß zu tun – denn (ich erwähnte es) ich hasse Sport wirklich.

Jahrelang hab ich es versucht, habe Ausreden gesucht und gefunden – aber die brauche ich gar nicht. Sport ist nicht meins. Punkt.

Danke, ich bin krass genug!

Und wisst ihr was?

Danke, Herr Aminati, ich bin schon krass! Nichts für ungut, Detlef D. Soost, aber ich bin sexy genug, wer das anders sieht, muss jemand anderen ansehen! Sophia Thiel, ich nehm ab, wenn ich da Bock drauf hab – und wenn nicht, ist es auch okay. Maria Dein-Nachname-ist-mir-zu-kompliziert: Ich bin kein Model, aber ich habe zwei Kinder und kaum eine ruhige Minute zuhause – ich BIN fit, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Ich habe 17 Jahre gebraucht, um das zu werden, was ich heute bin. Ich bin eine gute Ehefrau, eine liebende Mama, eine passable Köchin, eine unterstützende Freundin, eine lernende Geschäftsfrau, eine begeisterte Bloggerin, ein Schreiberling. Eine stolze Speckröllchenträgerin.

Und ich bin okay.

Ich bin krass genug. Vielen Dank.