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Ein Brief an die Frau, die ich war, bevor ich Kinder hatte

Eine späte Selbstkritik

Liebes früheres Ich,

kerr mann, ey. Was warst du ignorant. Und arrogant. Und kurzsichtig – und damit mein ich nicht deine Augen! Gut, du konntest es vielleicht nicht besser wissen. Du warst ja schließlich noch keine Mama.

Aber weißt du, während sich alle Welt über Mansplaining aufregt, ist das, was du getan hast, nicht viel besser. Nur muss es Momsplaining heißen.

Würde, täte, könnte

„Also, ich hab ja keine Kinder, aber…“ wie oft hab ich dich das sagen hören! Ich würde dies, ich täte das und jenes auf keinen Fall. Kinder zum Beispiel, die im Supermarkt kreischen und brüllen, wenn du nach einem harten Tag auf der Arbeit an der Kasse standest und einfach nur fertig warst! Kann man die nicht erziehen? Heute würde ich dir sagen: Sei froh, dass du gleich raus bist aus dem Laden, die arme Mama muss die wütende Brut noch den ganzen Abend ertragen.

Diese abgrundtiefe Müdigkeit, die nie so ganz verschwindet, hast du Gern-und Vielschläferin nicht gekannt. Die Geräuschkulisse aus kreischenden Kindern, bimmelnden, klingelnden, piepsenden, pupsenden und trötenden Spielzeugen, die langsam oder sicher den Geduldsfaden – auch den aus härtestem Kruppstahl – durchnagen. Die Nerven, die mit der Endlosschleife aus „Sind-wir-schon-da“, „Mama-weißt-du-wahaaas“ oder „Warum?“ wundgefragt werden.

Zwei Kinder sind keine Baustelle

Mein neues Ich mit Soße auf dem Kopf

Das neue Ich hat manchmal Soße auf dem Kopf.

Du kanntest Lärm und nervige Kollegen.

Natürlich, Baustelle ist auch kein Wellnesstempel. „Wenn ich ne Baustelle mit 120 Mitarbeitern – davon 80 Japaner – gewuppt kriege, werden zwei Kinder doch wohl ein Klacks sein!“ Ganz besonders an den Spruch erinnere ich mich täglich. Ach, Frollein, du hattest echt die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Oder diese ganzen anderen Vorurteile!

Wie läuft die denn rum? Also bitte! Totale Selbstaufgabe, oder was?! Warum laufen Mütter kleiner Kinder ständig mit angesabberter oder bespuckter Kleidung rum? Kann man sich nicht wenigstens wenn man aus dem Haus geht was Sauberes anziehen?

Nun, meine Liebe, Stichwort Sisyphos! Weil einfach alles besabbert und bespuckt wird. Egal, was du anziehst, in Nullkommanix ist ein Fleck drauf. Und wenn es kein Sabber oder Milchspuck ist, ist es ein durchgekauter Keks, ein Popel oder irgendein Schmutz von irgendwoher. Und selbst wenn der Schrank noch was hergibt: Wozu? Es wird ja eh wieder dreckig.

Vom Warum-Marathon

Wie kann man bitte von seinem Kind genervt sein? Wie kann man seine neugierigen „Warum“-Fragen mit „Darum“ oder „Weil das so ist!“ beantworten? Wie respektlos! Eine Mutter, die ihre Kinder anschreit? Überfordert – ü-ber-for-dert, sag ich!

Ja, nee, is klar. Weißt du, nach dem drölfzigtausendsten Warum bekommt jedes Mutterhirn einen Knoten. Denn nicht immer ergeben die Warum-Fragen Sinn, nicht immer gibt es eine sinnvolle Antwort. Und in der Frage-Phase kann es mitunter vorkommen, dass man den Warum-Marathon an drei Tagen hintereinander spielt – gefühlt ohne Pause. Das kommt schon einer Foltermethode gleich.

Überforderte Mütter?

Und weißt du, die Sache mit der Überforderung: Keine Mama steht auf und denkt sich „Hey, heute ist der perfekte Tag, um die Kids mal so richtig anzuschreien! Harr-harr! Denen geb ich!

Keiner weiß, das wievielte Mal Mama nun schon etwas wiederholen muss. Keiner weiß, wie wenig sie geschlafen hat, wie dünn die Nerven sind. Keiner weiß, ob sie Sorgen hat, die die liebende, geduldige Mutter in ihr gerade in die Ecke drängen. Keiner weiß, wie viel Arbeit sie hinter sich und noch vor sich hat. Und auch als Mama sind 24 Stunden oft viel zu wenig Zeit, sich wirklich um alles zu kümmern. Besonders, wenn man arbeiten muss.

Ist eine Mama, die ihre Kinder anschreit, überfordert? Ja, klar. So wie jeder von uns mal mit der einen oder anderen Situation überfordert ist. Klar, Kinder anschreien ist nie gut, sollte auch nicht ständig geschehen – und dann gibt es noch anschreien und anschreien. Trotzdem sind Mütter – man glaubt es kaum – Menschen. Und die haben manchmal ganz dünne Geduldsfäden.

Erziehung? Kann ich!

Kinder die sich auf den Boden werfen, wenn sie ihren Willen nicht bekommen… Muss das sein? Schon mal was von Erziehung gehört?

Oh ja, liebes früheres Ich! Das habe ich tatsächlich auch noch nach dem ersten Kind gesagt. Denn Locke hat sich nie auf den Boden geworfen. Klar, auch der hat mal Wutanfälle – kein Zorn ist so groß wie der eines Kleinkindes – oh, einmal, da hat er sich hingeworfen, Gesicht nach unten, und den Schnee angeschrien. Er durfte die völlig vereiste Rutsche nicht herunterrutschen. Aber im Supermarkt oder in der Stadt? NIE. Macht meiner nicht. Erziehung? Kann ich!

Brief an mein früheres Ich - Wutanfall Kleinkind

Und dann kam Zwockel. Der kann sich das mit dem Hinwerfen nie abgeschaut haben, denn wir haben mit ihm nie ein Kind gesehen, das das machte und auch der große Bruder – wie gesagt – tut das nicht. Aber Zwockel. Der legt einen lehrbuchreifen Tobsuchtsanfall im Laden hin. Nur, weil er nicht mit Weichspüler oder Konserven werfen darf.

Inzwischen seh ich das positiv. Immerhin werfen sich 50% meiner Kinder nicht vor Wut auf den Boden! Die Quote kann sich sehen lassen.

Hättest du das Abenteuer Kind gewagt, früheres Ich?

Liebes früheres Ich, wenn du das alles vorher gewusst hättest, hättest du dann Kinder bekommen?

Wenn du gewusst hättest, welch extreme Ausmaße Müdigkeit annehmen kann? Dass du deine Zuverlässigkeit verlierst und ständig alles vergisst? Wenn du geahnt hättest, wie sehr du dich manchmal nach der „Stille“ der Großbaustelle zurücksehen würdest? Wenn du gesehen hättest, wie es hinter der Fassade von so einigen ach so glücklichen Müttern aussieht? Die Einsamkeit, der Stress, der Schlafenzug, die ganze Sisiphos-Arbeit? Wie extrem die Angst sein kann, die man spürt, wenn dem Kind etwas zustößt, es schwer erkrankt oder irgendwie bedroht wird?

Aber hey, weißt du. Das ist nicht alles! Denn das Schöne wiegt es tatsächlich auf!

Du hattest bis dahin nämlich auch keine Ahnung, wie tief Liebe gehen kann. Wie man sich einem kleinen Wesen, das locker in eine Armbeuge passt, völlig verschreiben kann. Sie geben einem tatsächlich so viel zurück!

Danke, liebes unwissendes, altes, ausgeschlafenes Ich

Wie schön es ist, eine kleine Hand in meiner zu halten! Wie wundervoll, wenn mir nachts unvermittelt ein „Ich hab dich lieb!“ ins Ohr geflüstert wird. Wenn mir kleine speckige Ärmchen um den Hals gelegt werden, die sabberigen Schmatzer, das unbeholfene Streicheln, das die mühevoll in Ordnung gebrachten Haare in Nullkommanix zerstört und mich aussehen lässt, als hätten zumindest meine Haare die Nacht unter der Brücke verbracht. Talking about Sisyphos!

Nein, du hast keine Ahnung, wie wunderschön es ist, eine Mama zu sein. Du wirst ein völlig neuer Mensch, genauso neu geboren, wie dein Kind.

Liebes früheres Ich, ich bin jeden Tag dankbar, dass du das Abenteuer Kind gewagt hast.

Kurze Notiz am Rande: Die Autokorrektur schlug mir statt „angesabbert“ das Wort „angezaubert“ vor. Und wenn man es so sieht, ist die Sache mit den schmutzigen Pullis gar nicht mehr so schlimm…

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Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

Es war einmal – im Jahr 2002. Ich war süße 22 Jahre alt und noch lange nicht Mama. Was hat dieser Text also hier zu suchen? Diese Erfahrung hat mich geprägt. Meine Probleme mit diesem allseits bekannten Telekommunikationsunternehmen – nennen wir es die ROSAcom – bereichern seit jeher unsere Anekdotenkiste. Freunde und Familie kennen die Story bereits zur genüge. Es ist ein Stück in mehreren Akten – hier ist der erste:

Von einer Metzgerei, die es niemals gab – und irgendwie doch…

Ich war, wie erwähnt, 22 Jahre alt und zog ich zwecks Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin nach Dortmund. Ich bezog dort zur Miete eine kleine Wohnung in einem wunderschönen Szeneviertel und wollte natürlich gern einen Telefonanschluss und Internet haben. Gesagt getan, ich beantragte dieses bei einem sehr bekannten Telekommunikationsunternehmen.

Es kam ein Techniker, installierte die notwendigen Geräte, ich kaufte ein billiges Telefon, einen Computer und alles war, wie es sein sollte. Dachte ich. Weit gefehlt. Sehr weit.

Metzger? Gibbet nich!

Mein Telefon hatte einen Anrufbeantworter und immer wieder bekam ich Anrufe von Leuten, die sich als Fleischerei-Fachverkäuferin bewarben, 300 kleine Schnitzel für den Firmenempfang der Kanzlei Dideldum oder Spanferkel für den 80. Geburtstag von Opa Willibald bestellten und soweiter und so fort.

Anfangs dachte ich „Verwählt. Oder Zahlendreher.“ So um den 100. Anruf und die zehnte Beschwerde, dass der Metzger (der durch eklatante Nichtexistenz glänzte) nie zurückrufe und man sein Spanferkel zukünftig bei der Konkurrenz zu kaufen gedenke, dämmerte mir allerdings, dass so viele Menschen nicht irren konnten.

Ich nahm mir das Telefonbuch und schaute unter dem oft genannten – und viel öfter geschimpften – Namen der Metzgerei nach. Und tatsächlich. Die dort abgedruckte Nummer war – meine.

Schluck. Wie jetzt? Die Metzgerei befand sich in derselben Straße, ich ging hinüber und nahm mir einen „Wir liefern jetzt auch für Ihre Party!“-Flyer mit. Schwarz auf weiß. Meine Telefonnummer.

Soviel zur Geheimnummer

Ein Blick in die Gelben Seiten ließ mich noch blasser werden: Dort, in der Rubrik „Metzgereien“ standen mein Name, meine Adresse, meine Telefonnummer. Das wäre vielleicht noch verzeihlich gewesen, hätte ich nicht, aufgrund eines gruseligen Ex-Freundes, eine Geheimnummer beantragt. Ich ging ins Internet. Auch da, bei den Online Gelben Seiten. Mein Name. Meine Metzgerei. Ich googelte meinen Namen. Gleiches Ergebnis. „So viel dann also zur Geheimnummer!“ dachte ich.

Die Metzgerei übrigens hatte sich gewundert, dass sie keine Anrufe, keine telefonischen Bestellungen mehr erhalten hatten. Man hatte ihnen ihre – seit Jahren gültige – Nummer einfach abgeklemmt. Die hatte dann wohl ich.

Ich machte mich auf zum Service – ich muss beim Wort Service in Verbindung mit diesem Unternehmen immer noch lachen – also, zum Service-Punkt der ROSAcom mit dem schönen Jingle „Didididi-DING“.

Metzgerei Telefon

Photo by Quino Al on Unsplash

Das kann nicht sein

Ich stand in einer langen Schlange und als ich endlich an der Reihe war – bewaffnet mit meinen Gelben Seiten und einem Ausdruck der Online-Version – stand vor mir ein zweifelhaft netter, dafür aber umso arroganterer, Mitarbeiter namens Carlo von Irgendwas. Er sah in der Tat ein wenig aus wie Kater Carlo, den so manch einer noch aus den Micky Maus-Comics kennt. Genauso unsympathisch jedenfalls.

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“ Miau.

„Guten! Also… ich habe da ein Problem. Ich stehe in den Gelben Seiten, hatte aber eine Geheimnummer beantr…“

„Warum beantragen Sie denn eine Geheimnummer und lassen sich dann in die Gelben Seiten eintragen?“ Ei fein! Ein Schlaumeier.

„Ja, also, das ist es ja. Ich habe mich gar nicht eintragen lassen. Ich stehe hier unter Metz…“

„Wenn Sie sich nicht haben eintragen lassen, stehen Sie auch nicht drin.Oh ja, das dachte ich auch immer, naives Kind, ich!

„Ähm. Aber hier steht es. Schwarz auf gelb!“

„Ja, dann haben Sie sich auch eintragen lassen!“

„Ähm. Nein, sehen Sie, ich habe gar keine Metz…“

„Junge Frau. Man steht nicht einfach so in den Gelben Seiten.“ Ah. Na, was du nicht sagst! „Dafür muss man einen Antrag ausfüllen. Und Geld bezahlen.“ Der Ton wurde leicht gönnerhaft und er sprach sehr langsam, so wie man es macht, wenn man mit sehr, sehr alten oder sehr, sehr begriffsstutzigen Menschen spricht.

„Ich habe aber keinen Antrag ausgefüllt. Ich habe nämlich gar keine M…“

„Ja, dann ist doch alles paletti… Dann stehen Sie auch nicht drin!“ Was du nicht sa-haaagst!

„Aber hier steh ich drin!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“ Okay. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen.

Jetzt war ich an der Reihe, betont langsam und deutlich zu sprechen.

„Ich. Habe. Keinen. Antrag. Ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten.“

„Das kann nicht sein!“

Das sollte mein Lieblingsspruch werden.

„Aber hier steht’s doch!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“

„Nein!“

„Doch!“

„Nei-hiiin.“

„Dann stehen Sie auch nicht…“ Freundchen, willst du mich verarschen?!

Der Nächste, bitte!

Die Leute hinter mir in der Schlange waren mittlerweile sehr still geworden und verfolgten meinen Auftritt gebannt.

„Nochmal. Zum Mitschreiben: Ich habe keinen Antrag ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten. Zumindest aus den Online-Gelben-Seiten will ich sofort gelöscht werden. Und eine neue Telefonnummer will ich auch. Ich habe nämlich gar keine Me…“

„Junge Frau. Das kann doch gar nicht sein. Wenn Sie in den Gelben Seiten stehen, haben Sie auch den Antrag ausgefüllt.“

„Junger Mann…“ Arschpillemannsausack, blöder! „Hab. Ich. Nicht.“

„Haben Sie es vielleicht vergessen?“ Jetzt reichts!

ABER ICH HABE GAR KEINE METZGEREI!!!“ schrie ich völlig entnervt, in Manier eines damals noch bekannten autolosen Werbe-Italieners.

„Ja. Ist doch prima, dann können Sie ja auch nicht da drin stehen! Der Nächste bitte!“

„Aber hier steh ich doch!“

„Der Nächste bitte!“

Die Leute hinter mir erhoben sich vom Boden, auf dem sie sich vor Lachen gewälzt hatten, trockneten die Lachtränen, rückten ihre Brillen zurecht und glätteten ihre Haare… Ich erntete den ein oder anderen mitleidigen Blick.

„Aber… äähh, die Rechnung. Die stimmt auch nicht!“ piepste ich verzweifelt.

„Rechnungsstelle. Rufen sie da an!“ kam es barsch zurück.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn euch dieser Teil gefallen hat – es wird noch besser. Und es ist alles genau so passiert!

Warum ich für einen simplen Telefonanschluss über 1.000 Euro zahlen sollte, mitten am Tag einen Ouzo bekam und was ein Spitronenkritzspringel ist… demnächst hier bei Krümel und Chaos!

 

Hier geht es weiter mit dem 2. Akt:

Die Rechnung – oder: Jingle-Gedingel aus der Hölle

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Prost Neujahr. Neujahrsgedanken

Vor einiger Zeit brachte ich einer lieben Freundin Blumen zum Geburtstag. Ich konnte sie ihr nicht persönlich geben, hätte es so gern getan – darum legte ich sie auf ihr Grab. Sie starb, heute vor 14 Jahren, in der Neujahrsnacht bei einem Unfall, der so vermeidbar gewesen wäre.

Hätte sich nicht ein Mensch ans Steuer seines Autos gesetzt, obwohl er Alkohol getrunken hatte. Hätte dieser Mensch bei einem Rennen nicht die Kontrolle über seinen Wagen verloren.

Sie fehlt nach all den Jahren noch immer so sehr.

Damals, als ich Kind war

Sie war 6 Jahre älter als ich, aber von Kleinkindstagen an mein Idol, mein Vorbild und genau so, wie ich immer sein wollte. Ich liebte sie, hab es ihr nie gesagt.

Sie hatte sich schon immer gern um mich gekümmert, hat mich gebabysittet. Hat meine Heimwehanfälle ertragen, wenn ich wieder mal unsere geplante Pyjamaparty platzen ließ, weil mir mein Zuhause (welches unglaubliche 20 Meter entfernt war) so fehlte. Sie hat mich einfach eingepackt und mich mit vielsagendem Blick bei meiner Mutter abgeliefert. Nebenan.

Sie und ich waren in meiner Kindheit ein ziemlich tolles Duo. Sie, die Ältere, und ich, der vorlaute, kleine Pimpf. Sobald im Winter Schnee lag, liefen wir in den Hellweg zum Schlitten fahren. Im Sommer kletterten wir auf Bäume, bevorzugt Apfelbäume auf Schafsweiden mit hungrigen und launischen Schafen, die uns jagten. Im Herbst kletterten wir auf Strohballen und spielten Piraten, wobei der Kirchturm des Nachbardorfes immer das feindliche Piratenschiff war, wir machten Lagerfeuer an denen wir Folienkartoffeln, Maiskolben mit Butter und Würstchen brieten und ließen auf den Stoppelfeldern Drachen steigen. Als Opa starb, gab sie mir Halt.

Photo by Adam Wilson on Unsplash

So, wie ich immer sein wollte

Wenn ich an sie denke, denke ich in erster Linie an Lachen. Echtes Lachen, aus tiefstem Bauch. Lachtränen und Lachbauchweh. Ihr Humor war legendär. Manchmal gemein, immer etwas schwarz, spontan und manchmal etwas derb. Sie konnte Witze erzählen, Stimmen und Situationen imitieren oder einfach nur trockene Kommentare abgeben, die sich als Prüfung für jedes Zwerchfell erwiesen. Ob beim „Bingo“, beim Alf-Hörspiele rauf-und-runter-hören oder beim Schlitten- und später Fahrradfahren. Als sie mich mit zur Schule nahm, als ich das erste Mal Alkohol trank, beim Ausschachten ihres riesigen Teichs oder bei gelegentlichen Shoppingtouren.

Sie war so, wie ich immer sein wollte. Witzig, laut und frech. Bildschön, blond und blauäugig. Schlau, schlank und schlagfertig. Nicht, dass sie eine von diesen Porzellanpüppchen oder Tussis war. Weit gefehlt, ich habe selten ein Mädchen so fluchen und rülpsen hören – wie ein Bierkutscher. Was hatten wir für einen Spaß! Nein, sie konnte im Garten zupacken und hatte keine Angst, sich auch mal die Finger schmutzig zu machen.

Wiedersehen, auf Wiedersehen

Wir trafen uns am Heiligabend beim Einkaufen. Ganz unverhofft und nach vielen Jahren wieder. Und sofort war es wie früher. In den paar Minuten am Einkaufswagen lachten und gibbelten wir wie damals, als wir Kinder waren. Über Gemüsesülze!

Sie zog wieder her, zurück in die Heimatstadt. Wir wollten einen Kaffee trinken gehen. Ein Stück Kindheit kam zurück.

An Silvester ihre Eltern geherzt und gedrückt, auch die hab ich so lieb.

Wenige Tage danach stand, schon wieder unverhofft, ihre Schwester vor mir. Was sie mit leiser, dunkler Stimme erzählte, zog mir völlig den Boden unter den Füßen weg. Ein Satz nur. Ich sah, wie sie die Lippen bewegte, und hörte die Worte erst mit – gefühlt minutenlanger – Verzögerung.

Sie ist tot.

Mein Mund klappte auf und ließ sich nicht mehr schließen. Mein Magen fuhr Fahrstuhl, in meinen Ohren rauschte es. Mein Gehirn versuchte, diesen Satz zu verstehen und die einzelnen Wörter in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Doch es gab keine Logik. Nur die eiskalte, hässliche und brutale Wahrheit. Sie ist tot.

Das Leid der Familie, der Eltern, ist bis heute greifbar und unvergessen. Die Trauer hört nicht auf.

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Niemand ist unbesiegbar, unkaputtbar oder unsterblich.

Sie starb an Neujahr, weil ein Fremder betrunken Auto fuhr. Hier höre ich auf.

Es ist nicht meine Tragödie und ich möchte sie nicht für einen Blogpost ausschlachten, sondern nur für eine Nachricht:

DON’T DRINK AND DRIVE.

Das ist nicht cool, das ist nicht okay, das ist keine Lappalie. Erstaunlich viele Leute sehen es als Kavaliersdelikt. Das ist es nicht. Ihr könnt damit Leben zerstören – wenn nicht euer eigenes, dann das von anderen Menschen. Von Eltern, von Partnern, von Kindern, von Nachbarn und Freunden.

Niemals, wirklich niemals ist es in Ordnung, sich betrunken ans Steuer zu setzen.

Noch nie was passiert? Ist noch immer gut gegangen? Glück gehabt. Einfach nur Scheißglück gehabt.

Ihr seid nicht unbesiegbar. Ihr seid nicht unsterblich. Keiner von uns.

Frohes neues Jahr.

Von Träumen und Chancen – Auf Wiedersehen in 2018

Eine persönliche Rückschau

Das Jahr ist nun fast vorbei. Ein paar Stunden noch, dann ist 2018. Seit vier Jahren bin ich Mama. Es ist ganz anders, als ich es mit je in meinen Träumen ausgemalt habe. Seit vier bzw. zwei Jahren rasen hier zwei wundervolle, kleine Menschen durch mein Leben, strapazieren meine Nerven, beleben meine Nächte und lieben mich um den Verstand.

Ohne meine Söhne gäbe es diesen Blog nicht. Ohne meine Söhne hätte ich wohl nicht meinen Traum-Job bekommen.

Was ich mal geträumt habe

Erlaubt mir, ein bisschen weiter auszuholen.

Ich wollte immer Journalistin werden, oder Autorin. Ich verschlang Bücher, in denen die Protagonistin zur schreibenden Zunft gehört und in der Schule waren die einzigen Hausaufgaben, die ich richtig gerne machte, Aufsätze und Essays.

Ich hatte viele Träume, der vom Journalisten-Dasein scheiterte am schlechten Abi, ich hatte leider nämlich auch zu wenig Ehrgeiz. Also wurde ich Fremdsprachenkorrespondentin und arbeitete als Sekretärin. Das konnte ich gut, aber geliebt hab ich‘s nicht. Meine Kreativität schlummerte tief.

Zeitverträge – Familienunfreundlicher geht’s kaum

Ich wollte auch immer Mama werden. Als ich mit Locke schwanger war, hatte ich nur einen Zeitvertrag. Ein Kraftwerk sollte gebaut werden und das ist irgendwann fertig – noch nicht ganz, als ich ging. Nicht mal bis zum Mutterschutz wurde ich beschäftigt, einen Monat früher musste ich gehen – die Rennerei zum Arbeitsamt hätte ich mir gern gespart.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Ein Job mit Kind? Unzählige Bewerbungen, ebenso viele Absagen. Die Selbstständigkeit lief nicht wie erträumt – es gibt einfach Menschen, die sind dafür wie geschaffen, aber ich gehöre nicht dazu. Ich brauche mehr Sicherheit.

Krümel und Chaos wird geboren

Wir starteten Krümel und Chaos und ich merkte, wie sehr mir das Schreiben gut tat. Kreisten die Gedanken sonst unablässig in meinem Kopf herum und besuchten mich sogar in meine Träumen, ließen sie mich, einmal zu Papier gebracht, in Frieden. Mein Denkarium.

Der Zuspruch von euch, Krümler und Krümlerinnen, Chaotinnen und Chaoten, tut unglaublich gut!

Oft denke ich, ich gestehe hier nun eine Unfassbarkeit, die mich dem Prädikat „Schlechte Mutter“ näher bringt – und dann kommt ihr und viele andere und sagen „Hey! Genau wie bei uns!“ oder „Das kenne ich auch!“ Und schon ist mein Gewissen ruhiger und ich sehe mit Zufriedenheit, dass ich gar nicht allein bin.

Ich danke euch dafür!

Vom Träumen zum Traumjob

Über meinen Blog wurde ein kleiner, lokaler News-Blog auf mich aufmerksam, für den ich seither arbeite. Im Homeoffice, von zuhause. Es ist ein richtiger, kleiner Job – ich schreibe und verdiene damit tatsächlich Geld. Eine richtige Journalistin bin ich nicht, aber dafür darf ich mich Redakteurin nennen. Ich bin glücklich!

Ich habe liebe Kollegen und Kolleginnen – das Teamwork funktioniert meistens wirklich gut. Durch Krümel und Chaos habe ich aber auch andere Bloggerinnen kennengelernt und es sind tatsächlich Freundschaften, aber auch Kooperationen entstanden, unter anderem auch mit eltern.de (vielen Dank hier an Anke

Wolkenwerkstatt

Es bedurfte nur eines einzigen Artikels – und schon begann eine zarte Freundschaft. Susanne von Hallo liebe Wolke und ich verstehen uns nicht nur sehr gut, wie haben zusammen auch viele schöne, kreative Ideen, an deren Umsetzung wir 2018 arbeiten werden. Freut euch drauf, wir tun es!

Ich möchte euch eines sagen, liebe Leserinnen und Leser: Hört niemals auf zu träumen! Fangt an, ganz klitzeklein, vom Laptop aus am Küchentisch vielleicht. Habt Geduld und Vertrauen in euch selbst. Wenn euer Bauchgefühl euch stärkt, hört darauf und lasst den Zweiflern und Pessimisten keinen Raum!

Nehmt Kritik als Ansporn zur Verbesserung und Zweifel als Motivation, es allen zu zeigen. Irgendwann.

Es wird…

Alles wird… Ich sag jetzt nicht gut. Aber es wird. Vielleicht nicht so wie geplant, erhofft, geträumt – vielleicht ganz anders. Aber ihr werdet sehen, auch das muss nicht schlecht sein! Haltet durch! Glaubt an euch!

Ihr alle seid tolle Eltern. Fehler machen wir alle. Die Kunst besteht darin, sich immer mal wieder zu hinterfragen und offen für andere Ansätze zu sein. Man muss ja nicht tun, was andere für richtig halten. Aber aus der großen Menge der richtigen und einzig wahren Erziehungsstile eine Schnittmenge für euch selbst zu finden, mit der ihr leben könnt, dabei möchten wir euch helfen, indem wir für euch Beiträge recherchieren, schreiben und Artikel teilen!

Wir danken euch für all das Lesen, Kommentieren, Teilen und Mut machen, für eure Meinung und Kritik, euer Lob und eure Geschichten! Wir hätten nie zu träumen gewagt, wie viel Spaß es mit euch macht!

Kommt gut und krümelig ins neue Jahr, ihr Lieben!

Träumen mit Familie Chaos

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

We wish you a merry Christmas!

Es ist Weihnachten!

Wir möchten euch und eure Familie heute nicht mit einem langen Text oder vielen Bildern aufhalten. denn ihr werdet anderes zu tun haben, als bei uns zu lesen. Müsst ihr auch noch Geschenke einpacken? Den Baum schmücken? Geht ihr heute in die Kirche? Singt ihr Lieder? Müsst ihr das Festessen noch vorbereiten? Klingt nach Stress – das soll es nicht.

Es ist die Zeit

Es ist Weihnachten, das Fest der Liebe. Zeit für Plätzchen, Tannenduft, leuchtende Kinderaugen und zarte Glöckchenklänge. Zeit für Wunder und Wundersames. Zeit für Liebe und Umarmungen. Zeit für ganz viel Zärtlichkeiten und Kuschler. Zeit für Herzen und Sterne – am besten aus Plätzchenteig.

Zeit für stimmungsvolle Lieder, für ein Extra-Lächeln und ein zusätzliches Wort der Freundlichkeit für alle Mitmenschen. Zeit für ein Danke mehr. Es ist Weihnachten!

Habt euch lieb!

Wir wünschen ganz und gar unperfekte – dafür umso schönere – Weihnachten und schließen diesen Beitrag mit einem unserer Lieblingsgedichte:

Der Traum

von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Ich lag und schlief; da träumte mir
ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
ein hoher Weihnachtsbaum.

Und bunte Lichter ohne Zahl,
die brannten ringsumher;
die Zweige waren allzumal
von goldnen Äpfeln schwer.

Und Zuckerpuppen hingen dran;
das war mal eine Pracht!
Da gab’s, was ich nur wünschen kann
und was mir Freude macht.

Und als ich nach dem Baume sah
und ganz verwundert stand,
nach einem Apfel griff ich da,
und alles, alles schwand.

Da wacht‘ ich auf aus meinem Traum,
und dunkel war’s um mich.
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
sag an, wo find‘ ich dich?

Da war es just, als rief er mir:
„Du darfst nur artig sein;
dann steh‘ ich wiederum vor dir;
jetzt aber schlaf nur ein!

Und wenn du folgst und artig bist,
dann ist erfüllt dein Traum,
dann bringet dir der heil’ge Christ
den schönsten Weihnachtsbaum.

Wundervoll – so völlig voll mit Wunder

Wundervoll ist ein Adjektiv, das etwas sehr Schönes beschreiben möchte.

Ein Wunder ist „ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, so dass es Verwunderung und Erstaunen auslöst. Es bezeichnet demnach allgemein etwas Erstaunliches und Außergewöhnliches“, weiß Wikipedia.

Es gibt Ereignisse, die verändern einen Menschen. Dramen, Unfälle, schlimme Zeiten – aber unbestritten auch Geburten. Ich habe euch schon oft erzählt, wie sehr mich die Geburt verändert hat. Dass ich mich fühle, als habe jemand eine neue Software aufgespielt, die, wenn sie mich auch nicht schneller und effizienter, so doch weicher, wärmer und emotionaler macht. Mama 2.0 quasi.

Unsere kleinen Wunder

Egal, was man sich vorher vorgenommen hat, was man sich vorstellte, was man plante oder wie sehr idealisierte. Bekommt ein Paar ein Kind, ändert sich das Leben. Die Denkweise. Die Sicht auf viele Dinge. Und dann gibt es auch Momente, in denen Alltagsworte, die vorher leere Phrasen waren, auf einmal mit Bedeutung gefüllt werden.

So wie das Wort WUNDERVOLL.

Ich war vor einiger Zeit bei meiner Herzschwester. Diese wunderbare Frau trug ihr zweites Kind in einer großen Kugel unter dem Herzen. Während wir redeten, hatte sich meine Nichte Herzi ganz allein in ihr Bett gelegt, um Mittagsschlaf zu machen. Wir sahen nach ihr und betrachteten verliebt dieses kleine, schlafende Wesen, das so perfekt und unschuldig schlummerte. So fertig.

„Schau mal. Die habt ihr gemacht“, ich nahm meine Herzschwester in den Arm und legte meine Hand auf ihren Bauch. „Und da drin ist das nächste Wunder. Dein Bauch ist voll mit Wunder. Du bist also wunder-voll“, lächelte ich und wir fanden beide, dass die ehemalige Phrase „wundervoll“ auf einmal prallvoll mit Bedeutung war.

Kinder sind so wundervoll voller Wunder

Auch unsere Kinder sind wahrlich „voller Wunder“. Einmal, weil sie so fertige kleine Menschen, quasi aus dem Nichts entstanden, sind. In unseren Bäuchen gewachsen – so wunder-voll. Und dann sind sie da und sagen schlaue oder lustige Dinge, stellen Fragen, die selbst ein Erwachsener nicht beantworten kann, philosophieren in einer Drolligkeit über das Leben, dass einem das Herz aufgeht.

Wir können wahrlich viel von ihnen lernen. Die Dinge mal mit den Augen eines Kindes zu betrachten, kann durchaus erfrischend sein und einem auch mit Siebenunddreißig noch ganz neue Sichtweisen, Perspektiven und auch Lösungsansätze zeigen.

Kinder machen das Leben wunderVOLL. Voll mit Wundern. An jedem Tag. In jeder Minute. Man muss nur innehalten und es sehen.

What a wonderful world

Wunder Winterland

Wunder-Winterland.

Und während unsere Kleinen unsere Wunder sind, ist die Welt für sie voll davon.

Ja, unser Alltag ist ihre Kindheit. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, ich habe nicht die Kapazitäten, jeden ihrer Tage voll mit Wundern zu packen. Und wären es dann überhaupt noch Wunder?

Die kleinen Dinge reichen ja schon. Denn es müssen nicht immer die Top-Events sein. Man muss kein glitzerndes Einhorn mieten und auch kein Feuerwerk buchen. Die schillernden Seifenblasen, die wir vom Balkon pusten, reichen. Die vielen Lichter auf dem Weihnachtsmarkt. Der erste Schnee. Badewannenkonfetti.

Der kleine Sternenwinker

Vorgestern waren wir in der Abenddämmerung spazieren. Auf dem Rückweg standen bereits Mond und Sterne am Himmel. Unser Zwockel zeigte aufgeregt nach oben.

„DA! MAMA! DA! DE BAMBAM!“ Bambam ist sein Wort für Lampe oder Licht.

Er zeigte auf einen besonders hellen Stern. Und begann, diesem zu winken. „Hallo! Haaaaallooooo, du Bambam!“ rief er begeistert.

Mein Kind winkt den Sternen. Ist das nicht wundervoll?

Der Ganzjahres-Wunsch

Von Wünschen, Weihnacht und einem Hund namens Bella.

Habt ihr Wünsche? So richtige Herzenswünsche? Dinge, die bei euch ganz, ganz tief im Herzen sind und die ihr vielleicht schon lange mit den vielen kleinen Alltagssorgen begraben habt?

Die Weihnachtszeit naht mit großen Schritten und ich denke viel nach. Über das Fest an sich, die Adventszeit und über Wünsche. Als Kind war Weihnachten die beste Zeit des Jahres! Da war so ein Gefühl in meinem Bauch, ein warmes und wohliges.

Wünsche hatte ich viele. Eine neue Barbie, ein Barbie-Pferd, Bücher, Bücher, Bücher. Mit generösen Eltern und Großeltern gesegnet, bekam ich meistens das, was der Wunschzettel hergab. Bis auf die Cherry-Merri-Muffin, die meine Mama für Quatsch hielt, aber das ist eine andere Geschichte. Aber es gab einen Wunsch, der hielt das ganze Jahr an.

Ich wünsche mir (k)ein Pony!

Wie jedes kleine Mädchen wünschte ich mir natürlich auch ein Pferd, aber das eher so halbherzig – ich konnte ja gar nicht reiten. Meine einzige „Schnupperreitstunde“ hatte zu meinem Entsetzen in einer Reithalle stattgefunden, in der sämtliche Eltern am Rand der Bahn standen und einige zusätzlich in einem Café oben drüber saßen und zusahen. Juhuu, Präsentierteller – voll meins. Nicht.

Natürlich kam ich – mit kurzen Beinen gesegnet – erstmal gar nicht auf das Tier hinauf und viel schneller wieder hinunter, als es mir lieb war: Ich rutschte nämlich direkt auf der anderen Seite wieder vom Sattel und landete mit der Nase im Streu. Zur Belustigung aller – und da ich seit jeher für niemanden den Clown in der Manege gebe, auch nicht mit neun Jahren, war das mein letzter Auftritt in der Halle.

Geritten bin ich halbherzig auf den Shetlandponies eines Bekannten, aber für ernsthaften Reitsport fehlte mir nach dem kleinen Trauma der Willen. Heute bereue ich das ein wenig, ich würde gerne reiten können.

Ein Kinderkönigreich für einen Hund!

Also, Pferd: Nice to have, muss aber nicht.

Was ich wirklich unbedingt wollte, in jeder Sekunde, mit jeder Faser, aus der Tiefe meines kleinen Herzens, war ein Hund. Das war mein Ganzjahres-Wunsch. Ich liebte den Hund des Nachbarn und träumte jede Nacht davon, selbst einen zu haben, denn so ein ausgeliehener Nachbarshund ist einfach nicht das Gleiche. Nach dem abendlichen „Müde bin ich, geh zur Ruh“ mit meiner Mama schickte ich an jedem Abend noch einmal den Wunsch nach einer Fellnase hinterher.

Und wenn man es sich ganz doll wünscht, wird es irgendwann wahr. Bestimmt. Und obwohl ein Hund nicht in die Tüte kam, weil mein Vater keine Hunde mochte, hatte das Universum eine Überraschung für mich auf Lager.

Hier liegt ein Hund

Wir waren im Urlaub in Neuharlingersiel, da rief meine Oma an: „Hier liegt ein Hund!“ sagte sie. Ein Bittewas?! Ein Hund!? Ein Hund! Mein Hund! Endlich!

Und nun, liebe Leser und Leserinnen, folgt eines der Mysterien meiner Kindheit: Ein Hund. Lag vor dem Schlafzimmerfenster meiner Großeltern. Eines Morgens, einfach so. Als hätte er schon immer dort hingehört. Der Garten war damals noch durch ein mannshohes Tor, eine Hecke und einen Maschendrahtzaun gesichert – wie der Hund dorthin gekommen war, ist und bleibt ein Rätsel.

ich wünsche mir einen Hund

Foto: Pixabay (Alexas_Fotos)

Es war auch kein kleiner Schoßhund: Es handelte sich um einen ausgewachsenen Bernhardiner. Den konnte also niemand mal eben über den Zaun geworfen haben und auch in der dornigen Hecke war nirgendwo ein Loch, das groß genug für so ein riesiges Tier war. Na gut, vielleicht war das Tier durch den Graben hinter dem Haus gekommen, doch auch dort war ein Zaun. Und warum lag dieser Bernhardiner ausgerechnet vor dem Schlafzimmerfenster meiner Großeltern? Was lag darüber? Mein Kinderzimmer!

Ganz klar: Weil es mein Hund war! Ich war glücklich! Ein Hund! Und nicht irgendeiner! Ein riesiger, kuscheliger Bernhardiner! Aber – Moment mal – liebes Universum, was ist denn das für ein Timing?! Ich bin doch im Urlaub!

Bella muss wieder weg

Der Urlaub war kurz darauf beendet und wir fuhren heim. Die Hündin – ja, ein Mädchen – war bei unseren Nachbarn untergebracht worden, die sie Bella getauft hatten. Bella war toll. Groß und massig und kuschelig! Riesig! Ja, genau so einen Hund hatte ich gewollt!

„Wir haben schon einen Anzeige geschaltet und Zettel aufgehängt“, erklärte meine Oma. „Wozu?“ fragte ich. „Na, der Hund muss zurück zu seiner Familie!“

Aber, sie ist doch mein Wunsch!“ Niemand hörte auf mich.

Mein kleines Herz zerbrach. Da hatte ich endlich meinen Hund bekommen – und musste ihn wieder abgeben. Bellas Familie meldete sich nicht, niemand vermisste das große Tier. Natürlich! Es war ja auch meins und nur für mich auf der Welt! Es war mein wahrgewordener Wunsch!

Am Ende adoptierte mir einer der Müllmänner, ein Mann, der toll pfeifen konnte und ein großes Herz hatte, meine Bella vor meiner Nase weg.

Wünsche können wahr werden

Was habe ich daraus gelernt? Wünsche können tatsächlich wahr werden. Wünscht man sich etwas richtig doll – und manchmal muss man auch selbst kräftig daran arbeiten – wird es irgendwann tatsächlich wahr.

Wo Bella herkam, ist bis heute Mysterium.

Meine Kinder wünschen sich ein größeres Haus mit mehr Platz zum spielen. Sie wünschen sich sämtliche Feuerwehrmann Sam-Spielzeuge und Bob, der Baumeister steht auch hoch im Kurs. Sie wünschen sich ein neues TipToi-Buch und viele lustige, bimmelnde, quietschende, blinkende Dinge.

Und der kleine Zwockel? Der wünscht sich einen Hund.

Und eines verrate ich euch: Bald, ganz bald – nicht in diesem und auch noch nicht im nächsten Jahr, aber bald. Da wird sein Wunsch wahr.

Und meiner.

Vier Taler für den Weihnachtsmarkt

Eine Idee für mehr kindliche Selbstbestimmung.

Am Wochenende waren die Paten meiner Kinder zu Besuch. Fast alle, Lockes Patenonkel ist vor ein paar Tagen selbst Vater geworden und war deshalb in eigener Familienzeit. Lockes Patentante ist Erzieherin, sie hat immer tolle Ideen und gibt mir oft interessante Impulse, ohne sich einzumischen. Vieles von ihr kann ich in meinen eigenen Erziehungsstil einbauen. So auch die Taler-Idee.

Was deines ist, musst du nicht teilen

Meine Söhne müssen beispielsweise nicht alles teilen. Es gibt eine große Menge „gemeinsamer Spielzeuge“ – unrechtmäßigerweise haben wir Locke bei vielem enteignet.

Die riesige Menge an Duplo zum Beispiel, die muss er mit seinem Bruder teilen, denn die Wohnung ist nicht so groß, dass wir die Bausteine containerweise horten können.

Aber Geschenke, die es nun, wo beide älter sind, gibt, müssen nicht mehr geteilt werden. Wenn einer der beiden entscheidet, dass der andere damit spielen darf, ist das natürlich schön und gern gesehen. Will aber einer sein Spielzeug nicht abgeben, ist das auch in Ordnung, auch wenn es regelmäßig zu kleinen Wut-Dramen führt. Denn eines ist klar: Kein Spielzeug ist interessanter als das, was der Bruder gerade in der Hand hat.

Die Sache klingt selbstverständlich, ich musste aber erst darauf gestoßen werden – vieles schleift sich einfach so ein. Ich überdenke meinen Erziehungsstil fast täglich und passe hier und da an, im Großen und Ganzen bleibe ich aber meiner Linie treu.

Weihnachtsmarkt & Co. mit Kindern

Nun erzählte mir Lockes Patentante, wie sie mit den Kindern ihres Mannes auf einem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt waren. Wunderschön, diese Events – aber auch wirklich teuer. Die Kinder sind Zwillinge – aber beide sehr unterschiedlich. Während der eine eher überlegt ist, ist der andere impulsiv. Der eine weiß, was er will – der andere will das, was der Bruder will, aber nur, weil der es gerade will. So weit, so normal für Geschwister.

Die Kinder sind so alt wie Locke und nun in einem Alter, in dem sie lernen müssen, dass sie nicht immer alles bekommen können, auf so einem Weihnachtsmarkt (gilt auch für Jahrmärkte, Kirmes oder sonstige Veranstaltungen). Bei zwei – oder mehr – Kindern ufert das ja gern mal aus – dieses Karussell, jenes Fahrgeschäft, diese Losbude, Entenangeln, Dosenwerfen und was es alles gibt.

Geld ist für die Kleinen noch eine zu abstrakte Idee. Das all dies nicht gratis ist, verstehen sie, aber dass sie dies dürfen und das andere nicht, weil es zu viel Geld kostet, ist noch schwierig.

Vier Taler für die Kleinen

Lockes Patentante und ihr Mann hatten nun eine tolle Idee: Vier goldene Taler. Die Kinder bekamen jeder vier Goldstücke (es waren 20 Cent-Münzen), die sie dem Papa geben mussten, wenn sie Süßigkeiten kaufen oder eine besondere Attraktion besuchen wollten. Das normale Essen und Trinken war davon natürlich ausgenommen.

Ich finde diesen Tipp grandios.

Natürlich kann jede Familie es der Situation und dem persönlichen Budget angleichen. Ob zwei, drei oder vier Taler pro Kind: Das Kind lernt, dass nicht alles geht und hat trotzdem Spaß – und eine eigene Verantwortung. Irgendwann gewöhnen sich die lieben Kleinen an das System und der Weihnachtsmarkt- oder Kirmesbesuch wird (hoffentlich) monetär erträglich und um die eine oder andere Diskussion ärmer, dazu lernt das Kind noch eine wertvolle Lektion. Win-win? Bestimmt!

Wie hat es geklappt?

Während einer der Zwillinge das System sofort verstanden und angewendet hatte, hatte der andere seine Taler „verpulvert“ und dann neidisch auf seinen Bruder geschaut. Das gab natürlich Wut und Drama – aber, da bin ich mir sicher, auf lange Sicht ist das System unschlagbar und nachhaltig.

„Da hieß es dann einfach konsequent bleiben“, lachte Lockes Patentante. „Das fiel uns natürlich schon schwer, aber musste ja sein, denn sonst wäre die Taler-Aktion ja überflüssig gewesen.“

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Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

„Sommer 2015. Tausende verängstigte und erschöpfte Menschen erreichen die Insel Lesbos nach einer schwierigen und gefährlichen Reise, auf der Suche nach einem sicheren Leben für sich und ihre Kinder. Erschütternde Bilder und Erlebnisse, die alle, die das sehen und miterleben tief berühren. Wir wollen helfen.“ (D. Vloumidi)

Dies sind die Worte von Daphne Vloumidi. Daphne half dabei, provisorische Camps zu errichten und den Menschen zu helfen, die da angekommen waren und Schutz suchten, auf ihrer Insel Lesbos. Schutz brauchten. Ehrenamtlich setzt sie sich bis heute für Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern ein.

Ein Flüchtling sein

Ich wünsche niemandem, dass er flüchten muss. Vor Krieg, vor Hunger und Elend. Sein Zuhause zu verlassen, entwurzelt zu sein und dann nicht einmal zu wissen, wohin, keinen Plan zu haben und immer, immer, immer besorgt zu sein, um die Sicherheit der Kinder – das ist das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Auch ich würde alle Hürden nehmen, allen Gefahren ins Auge sehen, wenn ich nur meine Kinder sicher wüsste. Ich hoffe, ich muss es niemals selbst erfahren.

Mein eigener Großvater war ein Flüchtling. 1945 flüchtete er aus Ostpreußen über das Haff, die Kurische Nehrung. Es muss schrecklich gewesen sein. Bitterkalt, die Angst im Gepäck. Doch es geht hier nicht um meinen Opa.

Willkommen in der Hölle

Die Bilder aus Griechenland waren schrecklich. „Willkommen in der Hölle“ titelte die tagesschau.

In ein fremdes Land zu kommen – nicht nur für ein paar wonnige Urlaubstage – ist immer eine Herausforderung, für jeden. Ich selbst habe ein halbes Jahr in Australien gewohnt. Ein Land, dessen Sprache ich gut beherrsche und dessen Kultur der unsrigen sehr ähnlich ist. Und auch dort gab es Missverständnisse und kulturelle Besonderheiten, die ich erst verstehen musste. Allerdings mit einem warmen Bett und einer hübschen Wohnung im Rücken.

Man stelle sich nun vor, man kommt in ein Land mit nicht mehr als den Kleidern am Leib, kennt weder Kultur noch Sprache – ja, nicht einmal das Alphabet! Man weiß nicht, wer Freund ist und wer Feind, denn man versteht die anderen Menschen nicht. Man ist müde, erschöpft und hat vor allem eines: Angst.

Aus dem Dreck

Dass es unter den Angehörigen verschiedener Kulturen zu Missverständnissen, Reibereien und Problemen kommt, ist wahrlich kein Wunder. Trotzdem muss man helfen.

Daphne Vloumidi fand in einem der Flüchtlingslager einen kleinen Stoffelefanten, der voller Dreck und ganz vergessen in der Ecke lag. Sie nahm ihn mit – und schrieb eine Geschichte. Für die Kinder in den Flüchtlingslagern und für die, die ein Zuhause haben.

Es ist die Geschichte von Quilombo.

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant

Quilombo steht auf einmal da, als die Großmama nach Lesbos kommt, um dort Urlaub zu machen. Woher er kommt? Aus Asien oder Afrika? Mit dem Schiff oder mit dem Lastwagen? Keine Ahnung und es ist auch überhaupt nicht wichtig.

Quilombo, ein sehr kleiner Elefant, ist sehr schmutzig. Also nimmt ihn Großmama mit in ihr Hotelzimmer, um ihn zu baden und ihm einen warmen Platz zum Schlafen zu geben. Doch der kleine Elefant hat ganz eigene Vorstellungen davon, was er will. Wie das oft ist, wenn zwei unterschiedliche Menschen – oder Kulturen – aufeinander treffen.

Quilombo, der kleine, schmutzige Elefant möchte nämlich gar nicht baden. Auch der Föhn macht ihm Angst, denn er kennt ihn nicht. Und dann will er etwas, was er nicht bekommen kann – ein Kompromiss muss her. Und wird er da gerade unverschämt und stibitzt Kekse?

Quilombo verhält sich nicht ganz so, wie Großmama es erwartete hat – aber am Ende, als der kleine Elefant sauber und satt ist, ist die Elefanten-Hilfsaktion zwar ganz anders gelaufen, als geplant, aber doch sind alle zufrieden und glücklich.

Odysseas – Hilfe für Migranten

Daphne Vloumidi betreibt auf der griechischen Insel Lesbos ein Familienhotel, in dem Besucher aus aller Welt willkommen sind. Zusammen mit Freunden aus Deutschland gründete sie die gemeinnützige Organisation Odysseas, die sich um Bildungsprogramme für Migranten kümmert und schwerpunktmäßig Hilfestellung für minderjährige Flüchtlinge leistet.

Das Buch vom kleinen Elefanten gibt es HIER.

Das Bilderbuch „Quilombo, der kleine, schmutzige Elefan“ von Daphne Vloumidi wurde illustriert von Anna Georgiadou und ins Deutsche übertragen von Birgit Saure. Es kostet 11,45 € (inkl. Versandkosten innerhalb Deutschlands). Der Erlös unterstützt Daphne und ihre Arbeit.

Ihr könnt ein Buch gewinnen!

Beantwortet uns unter diesem Artikel, auf dem Blog, Facebook oder Twitter einfach die Frage, warum ihr Quilombo kennenlernen möchtet!

 

Die Teilnahmebedingungen:

Teilnehmen darf jeder.

Das Gewinnspiel beginnt am Donnerstag, dem 07.12.2017 mit Veröffentlichung dieses Beitrags und endet am Sonntag, dem 10.12.2017 um 23:00 Uhr. Der/Die Gewinner/in wird am  11.12.2017 ausgelost. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Deine Adresse geben wir selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Es gelten unsere Datenschutzbestimmungen.

Den/die Gewinner/in benachrichtigen wir per E-Mail oder PN. Meldest du dich innerhalb von 7 Tagen nicht bei uns zurück, losen wir erneut aus!

Das Buch kommt per Post, alle weiteren Informationen senden wir per E-Mail.

Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert. Facebook steht nicht als Ansprechpartner für dieses Gewinnspiel zur Verfügung. Wir behalten uns vor, das Gewinnspiel jederzeit zu ändern, anzupassen oder zu beenden, wenn uns dieses notwendig erscheint.

Unsere Familienplanung ist abgeschlossen – wirklich?

Warum wir zu viert bleiben

Ich wollte immer zwei Kinder haben – ich habe zwei Kinder. Wir sind glücklich zu viert. Eigentlich könnte ich hier nun aufhören zu schreiben.

Immer wieder werde ich gefragt, ob wir noch ein Kind möchten – unsere Antwort ist immer dieselbe: „Nein, wir sind komplett!“ Auch die Antwort der Anderen ist meist gleich: „Ach, abwarten, das kommt noch!

Nun, das nervt. Ich finde es nicht schlimm, denn Dinge wieder und wieder zu wiederholen, bin ich inzwischen von meinen Kindern gewohnt. Es nervt, weil es immer dieselben Leute sind, die fragen und wir ihnen immer wieder die Hintergründe erklärt haben – es ist wirklich sehr leicht zu verstehen.

Zwei sind einfach genug

Ich habe gar kein Problem damit, diese Information preiszugeben, denn wir haben sie reiflich überlegt. Rückgängig machen kann ich meine Entscheidung nicht – und möchte es auch gar nicht.

Mein Mann wollte immer ein Kind. Ich wollte immer zwei. Nun sind wir zu viert und sind nicht nur zufrieden damit, wir haben auch alle Hände voll zu tun. „Wie machen das Leute mit drei und mehr Kindern?“ frage ich mich immer wieder. Ist es ab dem zweiten egal – weil eh alles ein großes Tohuwabohu ist?

Bei uns gibt es dermaßen viel Krümel und Chaos, da käme es auf etwas mehr auch nicht mehr an. Und trotzdem: Mir reichen die beiden wirklich. Denn Kinder geben nicht nur Liebe und machen Arbeit (eine Höllenarbeit!), sie sind auch Verantwortung.

Kinder sind Verantwortung

Interessanterweise, wenn wir von unserem Plan berichten, uns in ein oder zwei Jahren einen Hund anzuschaffen, sagen die Leute „Ooooh! Das überlegt euch gut. Ein Hund ist eine große Verantwortung!Echt jetzt?! Erstens: Wir hatten bereits Hunde, mein Mann und auch ich. Und zweitens: Wir haben zwei Kinder, was sind die? Accessoires?

Wie dem auch sei: Zwei Kinder reichen. Ich habe alle Hände voll zu tun, diese beiden im Auge zu behalten und aufzupassen, dass ihnen nichts passiert. Dass am Abend des Tages, wenn sie in ihren Betten liegen, noch alle zehn Finger und zehn Zehen dran sind, nichts gebrochen ist und beide noch atmen. An manchen Tagen ist das tatsächlich mein einziges Ziel.

Aufstand der Hormone

Zu viert sind wir komplett - Baby

Kuscheln mit Herzis Schwester.

Manchmal halte ich ein Neugeborenes im Arm und rieche den zarten Säuglings-Geruch (der, wenn die Windel leer ist). Ich kuschle gern mit meiner Herznichte „Baby“, der Schwester von Herzi, und wenn ich sie auf dem Arm hab, gebe ich sie auch nur ungern wieder ab.

Klar, in solchen Momenten gibt es in meinem Körper einen wahren Hormon-Aufstand: Ich bin überzeugt, dass die mächtigen kleinen Botenstoffe mit winzigen Schildern aufmarschieren, auf denen steht „Baby her, ist nicht schwer!“ oder „Beine breit, es ist soweit!“. Dazu rufen sie Parolen Pro-Nocheinkind und ziehen enttäuscht wieder ab, wenn ihnen einfällt: Es geht nicht mehr!

Ich kann keine Kinder mehr bekommen

Denn: Es ist nicht nur so, dass ich keine Kinder mehr will. Ich kann auch gar keine mehr bekommen.
Bei Zwockels Geburt habe ich mich sterilisieren lassen.

35 schient ein gutes Alter dafür zu sein, kein Arzt diskutierte mit mir, es war ein Kaiserschnitt und sie waren ja eh gerade dort unten zugange. 200 Euro kostete mich der Spaß.

Diese Überlegung war keine, die wir nur aus dem Bauch heraus getroffen haben. Auch die Frage, warum ICH das tun MUSSTE und nicht der MANN diese „Zügel in die Hand“ genommen hat, stellte man mir schon oft. Aber es ist alles sehr einfach, sehr schlicht, reiflich überlegt – und gar nicht traurig. Ich brauche kein Mitleid, kein „Tut mir leid“ und erst recht kein „Ob du das irgendwann bereust…“

Meine Gründe

Ich, Tanja Chaos, wollte immer nur zwei Kinder. Zwei, nicht drei und nicht vier. Ich möchte nicht mehr verhüten, die Pille hatte unerfreuliche Nebenwirkungen, die Spirale war gut, aber nicht günstig. Auf hormonfreies Verhüten verlasse ich mich nicht, denn ich bin viel zu verpeilt, um sowas durchzuziehen.

Sollten – was hoffentlich niemals geschieht – mein Mann und ich uns einmal trennen, hätten unsere Söhne, die beide absolute Papakinder sind – ebenso aber an mir hängen, mit dieser Trennung schwer zu kämpfen. Es würde hart, für uns alle.

Sollte es irgendwann einmal passieren, würde ich alle Energie darauf verwenden müssen, sie aufzufangen und mich um sie zu kümmern. Ein weiteres Kind, von einem anderen Mann womöglich, wäre nicht das, was ich ihnen zumuten möchte.

Mein Leben, meine Entscheidung

Bevor nun jemand schreit: Ich kritisiere hier nicht die Frauen, die ihr Leben so leben. Wer viele Kinder möchte, wer mit dem neuen Mann ein Kind möchte – bitte. Ich mache hier keine Werbung für Sterilisationen. Jede Frau muss das selbst entscheiden, jede muss ihren Lebensentwurf leben.

Ich bewundere die Bloggerin Constance Hall, die frei und wild mit einer bunten Patchwork-Familie und riesiger Kinderschar in Australien lebt. Ich finde sie wirklich wahnsinnig toll. Aber ich bin nicht Constance Hall. Ich bin ich und, das gebe ich zu, eigentlich ziemlich langweilig, vielleicht sogar spießig.

Ich habe diese Entscheidung getroffen und sie bisher nicht bereut. Ich habe sie reiflich überlegt, mir lange Gedanken darum gemacht, abgewägt und viel mit meinem Mann gesprochen. Das ist keine Entscheidung, die man leichtfertig trifft.

Die Macht der Hormone

Natürlich, die Hormone haben eine große Macht und wenn ich meine 2 Monate alte Herznichte im Arm halte, werde ich manchmal schon etwas wehmütig. Dann zieht‘s im Uterus und meine Eierstöcke fragen vorsichtshalber nochmal nach, ob es denn nun WIRKLICH nicht mehr geht.

Und wenn meine Söhne vor mir stehen und feierlich vortragen, dass sie sich ein Schwesterchen wünschen, dann wird mir schon ein wenig weh ums Herz. Doch wir bleiben zu viert.

Aber ich bin mit meiner Entscheidung im Reinen.

Unser nächstes Familienmitglied wird eine nasse Nase und vier Pfoten haben.Ist ne große Verantwortung – ich weiß! 😉