Zeit für me, myself and I – bloß wann?

Ich-Zeit im Alltag finden – gar nicht so einfach

Arbeiten, Kinder erziehen, Kochen, Haushalt, einkaufen, Freunde treffen… und wo bleibe ich? Zeit für sich selbst zu finden, ist im Alltag gar nicht so einfach.

Me-Time. Ich-Zeit. Auszeit. Zeit, in der ich mich nur um mich selbst kümmere, auf mich selbst höre und mal nur das tue, was mir gerade gut tut. Me-Time, das ist die Zeit, in der man die Sorgen liegen lässt und sich entspannt. Zeit, in der man sich erholt. Sich auf sich selbst besinnt.

Höher, schneller, weiter

Das können ein paar Minuten pro Tag sein, das kann ein freier Nachmittag sein, oder vielleicht sogar ein ganzer Urlaub. Wichtig ist, dass man den Luxus hat, sich eine Auszeit nehmen zu können.

Und das ist gar nicht so einfach. Morgens schnell anziehen und frühstücken, los zur Arbeit. Computer einschalten. Den ganzen Tag mit Kunden sprechen, Kinder erziehen, Produkte verkaufen, Regale einräumen – für Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit sorgen. Den Deal abwickeln. Den Vertrag unterschreiben. Kaufen und verkaufen! Höher, schneller, weiter als gestern – mehr und länger arbeiten. War der Tag gestern etwa auch so schnell vorbei?

Telefonieren, reden, schreiben, Anträge ausfüllen, Tische abwischen, Theken putzen, den Kindern hinterherräumen oder Böden schrubben. Hektik, Stress, Zeitdruck. Nach Feierabend schnell einkaufen, Essen kochen, die Kinder ins Bett bringen. Nachrichten schauen, den morgigen Tag vorbereiten, die Spülmaschine ausräumen. Mit dem Partner reden, sich mit Freunden auf ein Bier treffen. Me-Time? Fehlanzeige!

„Das einzige Mittel, Zeit zu haben, ist, sich Zeit zu nehmen.“ (Bertha Eckstein)

Doch wir dürfen nicht vergessen, auch etwas für uns zu tun. Mal das Handy, das Telefon, Radio und Fernsehen ausschalten und die Ruhe genießen.

Für ein paar Minuten oder Stunden die Seele baumeln lassen und ihr eine Pause von Alltagssorgen und –stress gönnen. Den Kopf abschalten und bewusster atmen, um Kraft zu schöpfen, damit wir den nächsten Tag erfolgreich meistern können. Die frische Luft zu atmen, das satte Grün zu sehen, den Vögeln zu lauschen, eine frische, süße und saftige Erdbeere zu schmecken, den warmen Sommerwind auf der Haut zu genießen – all das bewusst wahrzunehmen, kann schon reichen, die Seele zu verwöhnen und wieder versöhnlich zu stimmen.

Me-Time Seele baumeln lassen

Auszeiten, Me-Time, müssen geplant werden. Der Tag hat nur 24 Stunden und da muss die Me-Time irgendwie hineinpassen. Früher aufstehen oder eine feste Pause einplanen, ohne Organisation geht es nicht.

Wie schade. Denn es wäre viel schöner, wenn die Ich-Zeit ganz selbstverständlich ihren Platz im Alltag hätte, jederzeit und immerzu. Wenn die Welt ein bisschen entschleunigen würde und die Menschen achtsamer mit sich und ihrer Umgebung umgehen würden.

Zwockel – Oder: Die apokalyptischen Wutanfälle eines Anderthalbjährigen

„Ich mache mir Sorgen um dein Kind“, sagte die Nachbarin.

Ich war verletzt. Ich war stinkwütend. Ich war verzweifelt.

Da erzählte mir mein Nachbar letztens, seine Frau mache sich solche Sorgen um unseren Zwockel. Sie habe ihn sogar auf der Arbeit angerufen, um ihm ihr Leid – oder besser das des Zwockels – zu klagen. Das arme Kind. Es schreit quasi ununterbrochen und die böse Mama erst Recht. Ständig ist sie nur am Schimpfen mit dem armen Kind. Das kann ja nicht richtig sein!

Ja. Ich sollte mich freuen, dass andere Leute sich Gedanken machen. Dass meine Kinder ihnen nicht egal sind. Klar. Aber mal ehrlich: Das tut schon weh. Ich war sofort in Rechtfertigungs-Haltung und das lässt mich meistens hilflos und wütend zurück. Da denkt die Nachbarin – ja, was eigentlich? Dass ich mein Kind misshandle?

Was genau ist eigentlich Kindesmisshandlung?

„Kindesmisshandlung ist Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche. Es handelt sich um eine besonders schwere Form der Verletzung des Kindeswohls. Unter dem Begriff Kindesmisshandlung werden physische als auch psychische Gewaltakte, sexueller Missbrauch sowie Vernachlässigung zusammengefasst.“ [Wikipedia]

Liest man sich auf Facebook durch das ein oder andere Forum, bekommt man mitunter den Eindruck, dass einfach alles Kindesmisshandlung ist. Ich rede hier nicht von einer Ohrfeige oder einem Klapps auf den Po. In einem Forum las ich letztens eine angeregte Diskussion zum Thema „Regeln“. Dort wurde die These vertreten, dass bereits ein „Nein“ Gewalt am Kind bzw. an dessen freiem Willen sei und zwinge man sein Kind zu etwas, das es nicht tun möchte (z.B. Zähneputzen), komme das einer Vergewaltigung gleich.

Jeder Mensch, der schonmal mit echter Kindesmisshandlung zu tun hatte oder gar Opfer einer solchen war, wird nun wahrscheinlich bestenfalls wild mit den Augen rollen – so auch ich.

Zwockels Phasen

Doch zurück zum Zwockel. Dieser kleine Terrorzwerg hat einen Willen, der ist hart wie Krupp-Stahl. Wenn das Kind etwas will, will es das und nichts anderes. Keine Kompromisse. So ist er schon von Geburt an. Wenn er sich das so behält, wird aus dem später mal was. Mit dem Ehrgeiz, den er an den Tag legt, mit dem eisernen Willen, mit seinem Sturkopf kann er, wenn er nicht auf die schiefe Bahn gerät, Großes erreichen.

Aber oft steht ihm – UNS – dieser Dickkopf auch im Weg. Denn dem kleinen Mann ist es egal, ob es eine der kleinen Regeln, wie beispielsweise „Kein Spielzeug in der Küche!“ ist, oder eine der lebenswichtigen Regeln á la „Steck die Finger nicht in die Steckdose!“ oder „Lauf nicht auf die Straße!“.

Das führt schonmal zu Wutanfällen – auf seiner und meiner Seite. Denn ich bin auch nur ein Mensch, ich habe auch nur ein begrenztes Geduldspotential. Und ja, ich schreie mein Kind auch mal an. Schlagen – niemals, anschreien – leider ja. Das hört sich für die, die draußen vorbeigehen bestimmt schlimm an. Aber die gefühlten 40.000 Mal, die ich mit Engelszungen auf ihn eingeredet, ihm erklärt oder ihn kurz und scharf zurechtgewiesen habe, hat natürlich niemand mitbekommen.

Gründe für einen apokalyptischen Zwokinator-Wutanfall

Und dieses Kind hat Wutanfälle, alter Falter. Das könnt ihr euch kaum vorstellen. Teilweise sind das Gründe, da würde mir absolut jede Mutter zustimmen – und bei denen, bei denen es nicht jede täte: Glaubt mir. Ich habe meine Gründe – nichts ist hier willkürliche oder launen-bedingte Herrschaft.

  1. Zwockel darf nicht in den Handfeger beißen.
  2. Die Glassplitter des soeben von ihm durch die Küche geworfenen Glases darf er nicht anfassen.
  3. Die Windel ist voll und muss gewechselt werden.
  4. Die Zähne werden geputzt. Punkt
  5. Er darf nichts in den Fernseher hauen.
  6. Im Laden wird nicht mit Waren geworfen.
  7. Auch ein Zwockel darf weder Mama noch Bruder mit Schmackes in Bauch oder Rücken beißen.
  8. Er darf nicht an der Gardine schaukeln.
  9. Wir stehen nicht im Einkaufswagen.
    Zwockel am Laptop

    Finger weg von Mamas Laptop. Is klar, ne!?

  10. Herd und Backofen, ebenso Steckdosen und Steckdosenschutz (kann er in Nullkommanix ausbauen) sind nichts für kleine Zwockels.
  11. Mamas Laptop ist tabu.
  12. Das Telefon ebenso. Ich möchte nicht noch einmal der Staatsanwaltschaft erklären müssen, warum von meiner Nummer aus ein Kleinkind anrief und fröhlich „Halllooooooooo! Halloo, Affe?“ in den Hörer rief.
  13. Er darf an einer vielbefahrenen Straße nicht vor die Autos rennen oder sich hinter dem rückwärtsfahrenden DHL-Auto auf die Straße werfen.
  14. Papas Grill wird nicht angefasst, der wird sehr heiß.
  15. Leg das Brotmesser wieder zurück in die Schublade. Und nun steig laaaangsam vom Stuhl. Bitte.

Dies sind nur 15 Gründe für eine zwockelesquen Wutanfall. Und er schreit laut. Man könnte denken, er wird gefoltert. Aber wer ein ähnliches Kleinkind zuhause hat, wird wissen, wovon ich rede. Es ist bewusst ein wenig lustig geschrieben aber in der Zeit war mir nicht zum Lachen zumute. Ich war am Ende meiner Kräfte und keiner meiner Erziehungsratgeber half mir weiter – nicht mal der pädagogisch ausgebildete Ehemann wusste noch Rat.

Die Phase, die unsere Nachbarin ansprach, war wirklich extrem. So schlimm, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, beim Jugendamt um Hilfe zu bitten, denn auch ich ertrug das ständige Gebrüll nicht mehr und war am Ende völlig verunsichert und sicher, die oberallerschlechteste Mutter der Welt zu sein.

Ist es nur eine Phase?

Dann, urplötzlich, war es vorbei. Von heute auf morgen war Zwockel auf einmal deutlich entspannter. Er kuschelte sogar (endlich!) freiwillig und minutenlang – etwas, das von Beginn an nicht in seiner Natur zu liegen schien. Und: Er begann zu kommunizieren. Zwockels Sprache entwickelt sich seit gut drei Wochen rasant – er kann klar zeigen, was er genau will und er versteht auch deutlich mehr als zuvor. Unsere Kommunikation verbessert sich von Tag zu Tag.

Heute musste ich nur einmal schimpfen, als er dem Bruder ein Spielzeugauto auf die Rübe kloppte.

Ich glaube, es war wirklich nur eine Phase!

Gottseidank.

Schwangerschaftsdemenz, Stillgehirn, Mommybrain & Co

Oder bin ich einfach nur schusselig geworden?

Ich habe heute Morgen eine Hose in meinem Kleiderschrank gefunden. Sie muss frisch gewaschen sein, denn sie lag fein säuberlich zusammengefaltet auf dem entsprechenden Stapel. Ich zog sie an: Sie passte. Sehr gut sogar, sie ist saugemütlich. An ihrer Farbe, ein leicht verwaschenes Schwarz, sieht man, dass sie nicht mehr ganz so niegel-nagel-neu ist. Nun mein Problem: Ich kenne diese Hose nicht. Nie gesehen. Ich habe keine Ahnung, wo dieses Beinkleid herkommt!

Hose der Vergesslichkeit

Die Hose des Anstoßes. Wo kommt sie nur her?

Wird denn das mit der Stilldemenz, inzwischen zum Mommybrain mutiert, niemals mehr enden? Apropos Stilldemenz: kennt ihr das Video von Kirsten Fuchs dazu? Göttlich!

Schwangerschaftsdemenz bei Rewe

Als der Zwockel noch im Bauch war, litt ich unter furchtbarer Müdigkeit! Ich hatte oft das Gefühl, jemand habe mir eine Bleidecke über die Schultern gelegt. Die ersten drei Monate waren besonders schlimm, danach ging es – aber ich war trotzdem ganz schön groggy.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als ich im Rewe an der Kasse stand. Ich wollte die ungefähr gleichaltrige, dynamisch und frisch wirkende Frau vor lassen, da sie nur wenige Teile hatte und ich den ganzen Einkaufswagen voll.

„Bitte, vorgehen. Ääääh, also, Sie können ruhig davor. Vor. Vor mich. Also, mit ihren Einkäufen. Ist ja nicht so viel. Ich hab mehr. Sehen Sie ja. Also, wie auch immer, gehen Sie ruhig. Vor.“, stammelte ich unbeholfen.

Die Dame lächelte dieses vorsichtige Lächeln, das man lächelt, wenn man nicht so genau weiß, ob das Gegenüber noch alle Tassen im Schrank hat und eilte an mir vorbei.

Die Halbsatzdemenz

Noch schlimmer war es in der Stillzeit mit Zwockel, der mich ja kaum einmal 90 Minuten am Stück schlafen ließ. Wie oft saß ich dem Ehemann gegenüber und begann ein Gespräch.

Ich: „Heute, boah, ich sag dir, da hab ich – “, sprach’s, stoppte und starrte in die Gegend.
Er: „Hallo?“
Ich: „Hallo!!!“
Er: „Du hast was?“
Ich: „Hö? Was?“
Er: „Was hast du heute gemacht?“
Ich: „Keine Ahnung… warum fragst du?“
Er: „Äh, weil du mir das gerade erzählen wolltest!“
Ich: „Wirklich? Ich? Echt? Was hab ich denn gesagt?“

Extrem-Tagträuming

So liefen nicht wenige unserer Gespräche ab. Der Arme wurde ständig auf die Folter gespannt und dann kam nichts mehr. Dazu muss ich sagen, dass ich mich eh sehr gut „wegkonzentrieren“ kann.

Wenn ich einen Plan, ein Konzept oder eine Idee im Kopf habe, noch etwas Wichtiges erledigen muss oder einfach nur mal Zeit zum Tagträumen habe, bin ich fähig, mich einfach auszuklinken. Ich starre dann gruselig in die Welt hinein (und manchmal versehentlich jemanden an) und bin ganz einfach kurzfristig nicht verfügbar.

Tagträumen nennt man das wohl, ich mache da eher Extrem-Tagträuming.

Ist es etwa das Mommybrain?

Zur Zeit sondert mein Hirn ganz einfach unbequeme Dinge aus. Den armen Steuerberater, der sich echt für mich schon den Allerwertesten aufgerissen hat, lasse ich unhöflicherweise einfach hängen. Der arme Mann muss mir ständig hinterhertelefonieren! Das ist schon echt peinlich. So gut ich normalerweise auch organisiert bin, mein Gehirn filtert im Moment einfach alles aus, was ich ungern tue. Dagegen würde eine To-Do-Liste helfen. Dummerweise vergesse ich immer, eine anzulegen.

Ja, ehrlich! Letztens wollte ich mir eine Erinnerung ins Handy machen, damit ich daran denke, mir eine To-Do-Liste für die Dinge zu erstellen, die ich nicht vergessen darf. Hab ich vergessen… Ernsthaft!

Und weil ich sonst eigentlich als ehemalige Sekretärin gar nicht so bin, sondern eher extrem pflichtbewusst, und weil ich mir früher sogar genau merken konnte, in welchem der 150 Ordner und Unterordner welches Dokument wo mit welcher Bezeichnung abgelegt war, und weil ich mich so gar nicht kenne bin ich sicher, dass es die fortgeschrittene Schwangerschafts- und Stilldemenz ist.

Das sogenannte Mommybrain!

Geht das wieder weg? Weiß man da schon mehr?

Dinner gone wrong – Ein lauschiges Essen am Kamin

Aus der Anekdotenkiste…

Meine Familie hatte sich zum Urlaub an der Nordsee versammelt. Mama, Papa und Klein-Tanja ebenso wie Oma, Opa, Tante und Cousinen. In verschiedenen Ferienhäusern – wir wollten nicht unbedingt zusammen Urlaub machen, aber man traf sich zwischendurch.

Eines Abends wollten wir essen gehen und  probierten mit einem befreundeten Ehepaar, Doro und Dieter, ein neues Restaurant aus. Nicht wirklich neu, aber wir waren noch nie dagewesen, da wir am Urlaubsort unsere „Stamm-Lokale“ hatten. Wir ahnten ja nicht, wie „neu“ die Erfahrung werden würde…

„Wer hat das Eis bestellt?!“

Als wir das Lokal betraten, herrschte eine komische Stimmung. Alle Gespräche verstummten, man starrte uns mit einer Mischung aus Neugierde und Belustigung an. Wir setzten uns an einen großen Tisch und durchforsteten die Speisekarte, bestellten – soweit alles normal. Wir bekamen mit, dass sich einige Gäste beschwerten, man müsse zu lange warten – dass sie bereits mehr als zwei Stunden warteten, erfuhren wir erst später.

Auftritt Kellner. Wie Freddy Frinton schoss dieser in den Gastraum und rief „WerhatdassssEisbestellt?“ Zuerst verstanden wir ihn nicht, er wiederholte „Dasssseis? Keiner?“ und verließ den Raum.

„Hab ich das richtig gesehen? Lag auf dem Eis Petersilie?“, fragte Doro ungläubig in die Runde. Die Nebentische prusteten los.

Auftritt Kellner – die Zweite. Wieder raste er torkelnd in den Gastraum und rief, exakt den gleichen Becher balancierend, „WerhatdenKrabbencocktailbestellt?“

Nun prusteten auch wir, denn der war für Doro.

Während wir auf die Hauptspeise warteten, hatten wir viel (viel, viel, VIEL) Zeit, zu beobachten, was an den anderen Tischen so abging. Da wurde Essen serviert, das niemand bestellt hatte, es war kalt, Pommes noch gefroren… Die Gäste schienen resigniert zu haben und es wurde viel gelacht.

Mikado und kalter Tintenfisch

Wurde Essen serviert, kam eine gespannte Stille über den Raum und alle guckten den hungrigen Gast erwartungsvoll an – was würde jetzt wieder schief gehen? Dieter bekam seinen Schaschlik-Spieß serviert.

Mikado zum essen

Foto: Pixabay (SgH)

Er blickte verschmitzt in die Runde und sagte „Also, wenn da jetzt ein Mikado-Stäbchen drin ist, habt ihr mich aber hier liegen…“ Alle lachten, dann sah der gesamte Gastraum ihm dabei zu, wie er mit seiner Gabel laaangsam das Fleisch vom Stäbchen zog – und zwar VON SEINEM VERDAMMTEN  MIKADO-STÄBCHEN!!! Der Saal explodierte vor Lachen und Dieter wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

Unzählige Male torkelte indes der Kellner durchs Lokal, servierte er Schnaps stand immer ein überzähliges, leeres Pinnchen auf dem Tablett. Seine Ähnlichkeit mit James von „Dinner for One“ wurde immer frappierender, es fehlte nur noch der Tigerkopf.

Entschuldigung, der Koch ist betrunken!

Die Wirtin versuchte zu retten, was zu retten war und so fand einiges Essen tatsächlich zum richtigen Besteller.

Ihre Erklärung „Entschuldigung, aber mein Koch ist betrunken!“ wurde unisono mit „Dein Kellner auch!“ quittiert. „Jaaa, aber das is der ja immer!“ antwortete sie schulterzuckend.

Als mein Vater, als letzter unserer Runde, endlich seine Calamari Fritti bekam, hatten wir bereits so viel gelacht, dass uns die Bäuche wehtaten. Mein Vater probierte seine Tintenfischringe und verzog angewidert den Mund. „Kalt. Kühlschrank-Kalt. Ich möchte bitte zahlen!“, sagte er zur Wirtin. Die nahm seinen Teller und verließ den Raum.

betrunkener Kellner, essen

Foto: Pixabay (Alexas_Fotos)

Nicht nur betrunken, auch noch groß und stark

Auftritt Koch.

Groß, muskulös und ganz klar voll wie eine Haubitze wankte er mit den kalten Calamari in den Gastraum. „Wo iss der, dem meine Kalllalllamarari nich schmmmeggen? Hmm? Wo isser? Wer will hier nich essen?“

*spielt Western-Duell-Musik ein*

Mein Vater antwortete ruhig „Jo, das wär dann wohl ich!“ und der Raum verfolgte atemlos und gebannt die Situation.

Der Koch stellte den noch vollen Teller vor meinen Vater und krempelte seine Ärmel hoch. Um stehen zu können, stützte er sich auf einem Stuhl ab.

„Wasssisn damit jetzt nich in Ooooordnung, hm? Sinddie nich lecker, odddawas?“

Leicht eingeschüchtert antwortete mein Vater „Nun ja, die sind ziemlich kalt und kalte frittierte Sachen, besonders Calamari, mag ich nicht essen…“

„WILLSUDAMITSAGENICHKANNNICHKOCHENODERWAS?“, lallte es ihm entgegen.

Mein Vater schätzte die Situation ab und besah sich die muskelbepackten Arme des Mannes. Und machte eine Kehrtwende.

„Neiiiiiin, also, niemals!  Würd ich nie sagen! Ich probier nochmal eben, ja? Wow! Ganz toll. Die schmecken gut! Nomnomnom. Siehst du, ich esse ja schon!“, mümmelte er.

Der Koch beugte sich herunter, das Gesicht nur Zentimeter von dem meines verdutzten Vaters entfernt und sah ihm in die Augen. Er schwankte vor ihm hin und her, richtete sich abrupt auf, sprach „Na, dannisssjagut.“ und torkelte zurück in seine Küche.

„Bloß weg hier!“ rief mein Vater, zahlte und wir verließen das lustige Haus.

Ab in die Familien-Anekdoten-Kiste

Draußen angekommen atmeten wir durch.

Was war DAS denn?“, fragten wir uns, als die zweite Tür (der Laden hatte zwei Ein- bzw. Ausgänge, die zu zwei Gasträumen führten) des Restaurants sich öffnete und… mein Opa heraustrat.

Den Krückstock schwingend, den Hut vor Wut ganz schief auf dem Kopf fuchtelte er wild in der Luft herum „Was war das denn? Das war eine Frechheit, war das! Sowas hab ich ja noch nie erlebt!!!“ Ihm nach folgten meine Oma, Tante und Cousinen. Wir standen voreinander auf dem Parkplatz und brachen in schallendes Gelächter aus. Im anderen Gastraum sitzend, hatten sie Ähnliches erlebt wie wir.

Kellner und Koch waren, wie wir hinterher von anderen Gastronomen erfuhren, dafür bekannt, gern mal zu tief uns Glas zu schauen und auch die Wirtin soll das Ganze nüchtern nicht verkraftet haben. In kulinarischer Hinsicht war der Abend alles andere als erfüllend – aber wir möchten ihn nicht missen: Seit nunmehr 24 Jahren erheitert uns die Erinnerung und hat einen Ehrenplatz in der familiären Anekdotenkiste bekommen.

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Gedanken eines Kopfkindes: Wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?

Philosophie mit dem Vierjährigen

Unser Locke ist ein Denker. Ein Kopfkind. Ein vorsichtiger Beobachter. Er macht sich schon seit jeher viele Gedanken. Bereits im PEKiP konnte man sehen, dass er erst beobachtete, bevor er etwas Neues tat. Er schaute, was die anderen tun, schien dann eine Weile in sich zu gehen und erst dann versuchte er es auch.

Keine Nachrichten für Locke

Er ist sehr aufmerksam und merkt sich sehr viel. Bereits im letzten Dezember, Locke war dreieinhalb, fiel uns das auf. Im Radio kam eine Meldung: Jugendliche hatten einem schlafenden Kumpel einen Streich spielen wollen und neben ihm eine Kettensäge angeworfen. Der Schlafende erschreckte sich, schlug im Reflex nach der Säge – und verletzte sich natürlich schwer.

Gut eine Woche später sprach Locke plötzlich davon, dass man mit Kettensägen ja sehr vorsichtig sein müsse und damit keine Leute erschrecken dürfe. Wenn das so unvermittelt von einem piepsigen Dreijährigen vorgetragen wird, ist man schon etwas gegruselt. Bei der Autofahrt hatte er die Meldung im Radio gehört und sich seither so seine Gedanken gemacht.

Seitdem gilt: Radio besser aus, wenn Kind im Raum oder Auto.

Lockes Gedanken

Locke macht sich oft sehr viele, weitreichende Gedanken. Die Sache mit der Fortpflanzung interessiert ihn im Detail noch nicht so (obwohl ich ein tolles Buch dazu habe!). Was ihn interessiert, ist, wo ein Baby war, bevor es in den Bauch der Mama kam.

Der Klapperstorch war ja bei uns nie ein Thema, denn als ich mit Zwockel schwanger war, spielten wir von Beginn an mit offenen Karten. Am letzten Wochenende fanden wir ein altes Handyvideo, auf dem Locke vor meinem dicken Babybauch steht und „Hallo Babybruder!“ ruft. Er war begeistert, aber ich sah, wie es in seinem Köpfchen rotierte.

Gedanken - Locke küsst Babybauch

Locke küsst den Babybruder

„Mama? Ich war doch auch in deinem Bauch. Wo war denn der Zwockel da? Ich hab den da gar nicht gesehen!“ Ich erklärte ihm, dass es den Zwockel damals noch gar nicht gab.

„Ja, aber, wo war er denn dann? Und wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?“

Das Kuchengleichnis

Ich habe mir lange überlegt, wie ich diese Frage beantworte. Denn es geht ihm ja nicht darum, wie Babys gemacht werden, sondern philosophischer: Wo man ist, bevor man existiert. Wo genau man ist, konnte ich ihm natürlich nicht beantworten. Aber ich habe ihm das folgenermaßen erklärt:

Wenn man einen Kuchen backen will, ist der Kuchen ja noch nicht da. Man hat Eier, Butter, Zucker, Mehl, Milch und sonstwas alles – und erst wenn man es zusammenrührt und dann für eine Weile in den Ofen stellt, hat man einen Kuchen. Und genauso ist das mit kleinen Babybrüdern. Man hat die Zutaten: Mama, Papa und ganz viel Liebe – und die mischt man zusammen und nach neun Monaten in Mamas Bauch ist das Geschwisterchen dann fertig.

„Aha! Ein Babykuchenbruder!“, rief mein Locke erfreut und ging zufrieden wieder zum Spielen. Offensichtlich hatte ihm meine Erklärung eingeleuchtet.

Gedanken - Wo war Baby vorher

Locke und der Babybauch

Too much Ordnungsliebe? Mein innerer Monk und ich.

Guten Tag. Mein Name ist Tanja und ich habe einen inneren Monk. Ein Teil von mir ist sehr strukturiert und giert nach Ordnung. Dabei ist es nicht so, dass von Natur aus so bin. Wer mich kennt – und ich meine wirklich kennt – weiß, dass es wohl keine größere Chaotin gibt, als mich. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es mir im Alltag hilft, ordentlich und strukturiert zu sein. Ich habe mir angewöhnt, immer alles, was ich nicht mehr brauche, wieder an seinen Platz zurückzulegen.

Ich mag keine Unordnung

Chaos mag ich eigentlich nicht – es macht mich unruhig und Unordnung verwirrt mich. Das hat bei mir konkrete Auswirkungen, auf meine Laune zum Beispiel. Ist es extrem unordentlich um mich herum, werde ich gereizt und bin angespannt. Entspannen und abschalten fällt mir schwer.

Also habe ich mir irgendwann angewöhnt, sehr ordentlich zu sein. Mein Sinn für Ordnung geht aber so weit, dass die Teller in der Spülmaschine richtig herum, mit dem Dekor zur Seite eingeräumt werden müssen. Die zweiteilige Gardine hängt nicht exakt gleich auf beiden Seiten? Dann zuppel und ziehe ich so lange daran herum, bis ich zufrieden bin. Anders lässt mir das keine Ruhe. Mein Mann nennt mich deshalb, in Anlehnung an The Big Bang Theorie, zärtlich seine kleine Sheldoline, denn in Sachen Pingeligkeit könnte ich Dr. Sheldon Cooper jederzeit das Wasser reichen.

Bällebad in Ordnung gebracht

Wenn man mich mit dem Bällchenbad spielen lässt…

Und dann kamen die Kinder…

Als ich schwanger mit Locke war, war mir bewusst, dass mich das Leben mit Kind in jeder Hinsicht, so auch in dieser, herausfordern würde. Locke war nun aber ein sehr ruhiges Kind, das selten wild das Spielzeug verstreute. Hinter ihm auszuräumen fiel mir leicht. Es wurden gewisse Regeln aufgestellt („Kein Spielzeug im Flur!“ oder „Kein Spielzeug in der Küche!“) und ich konnte mit seinem Kinder-Chaos leben. Mal mehr, mal weniger – aber immer moderat, die Unordnung. Zum Abend hin räumte ich alles auf und konnte so den entspannten Abend genießen.

Dann war im Kindergarten Elternsprechtag. Locke sei soweit altersgerecht entwickelt, bei der Deutlichkeit der Aussprache ist noch Luft nach oben, klar, war ja auch noch klein. Kein Grund zur Besorgnis!

Ein Mini-Sheldon?

„Aber sagen Sie mal“, sprach mich die Erzieherin an. „Ist Locke zuhause auch so pedantisch? Hier ist es oft so, dass bestimmtes Spielzeug in einer Reihe stehen muss und nicht durcheinander gebracht werden darf. Macht er das zuhause auch?“

Das wunderte mich, denn ein solches Verhalten hatte er zwar, bevor sein Bruder kam, ein paar Mal an den Tag gelegt, aber es hatte sich sehr gebessert. Zwangsweise – denn der kleine Bruder kümmert sich nicht um Ordnung und walzt durch den Spielzeugwald wie eine Mini-Planierraupe: Was im Weg ist, wird gnadenlos weggeschoben, aufgehoben oder zur Seite gekickt.

Der Ehemann und ich sind für extremes Verhalten bar jeder Normalität sensibilisiert, denn der Mann arbeitet beruflich mit autistischen Kindern. Da kennt er so manch fixiertes Verhalten und auch so mache Verhaltensweise, die sich nach extrem sheldonesquen Regeln richtet. Bei unserem Sohn hatten bisher noch keine Alarmglocken geklingelt, alles war im Rahmen.

„Ich glaube, das hat er von mir!“, dämmerte es mir und mir wurde nahe gelegt, zuhause etwas flexibler zu werden.

Ich und mein Monk

Nach dem Mittagessen dachte ich nach, während ich das Geschirr in den Geschirrspüler räumte. Schnell die Teller richtig herum gedreht während ich überlegte, ob ich Lockes Verhalten, das noch lange nicht besorgniserregend – aber auffällig war – irgendwie beeinflusst hatte. Als ich die Kinderküchen-Utensilien (beide Jungs sind begeisterte Köche) wieder einräumte, alles an seinen Platz, fiel mir auf, dass ich das vielleicht gar nicht tun müsste. Soooo schrecklich chaotisch war es doch vorher gar nicht gewesen, oder?

Kinderküche in Ordnung

Die Kinderküche – vorher und nachher.

Ich beschloss, den Ehemann abends darauf anzusprechen, ging ins Wohnzimmer und räumte die Duplosteine in die „Duplo-Tonne“, die Autos in die „Auto-Kiste“ und die übrigen Spielsachen in die „Kramkiste“. Fällt meinem Sohn das wirklich auf? Er ist seit jeher ein guter Beobachter und er bekommt viele Dinge mit, über die er dann viel nachdenkt. „Beobachtet er mich so gut, dass er mich nachahmt?“, überlegte ich, während ich die Gardine zurechtzupfte, die nicht wirklich mittig am Fenster hing.

Konnte es wirklich daran liegen? Oder war es für Locke eher so, dass er die Struktur, die er hier zuhause gewohnt war, und die Zwocki ihm völlig verpfuschte, im Kindergarten – seinem Lieblingsort – wieder aufbauen wollte? Hier zuhause war das nicht mehr möglich, vielleicht versuchte er, sein Stückchen Sicherheit und Ordnung in die Spielgruppe mit hineinzunehmen.

Sich selbst reflektieren

Vielleicht ist es ein Stück von beidem. Ich werde mich ab jetzt jedenfalls zusammenreißen und auch mal Fünfe gerade sein lassen. Die Gardine komisch hängen lassen. Vielleicht dreh ich sogar mal nen Teller in der Spülmaschine mit dem Dekor nach oben…

Ich finde es immer wieder wichtig innezuhalten und sich selbst zu beobachten. Sich selbst zu bewerten, Meinungen von außen zuzulassen und zu sehen, was man besser machen kann und was anders. Ich kann und werde meinem Kind nichts vorspielen und ich werde mich selbst nicht völlig umkrempeln – Mama ist eben Mama, ich bin ich – aber vielleicht rücke ich mich selbst mal ein bisschen zurecht.

Aber entschuldigt mich nun bitte, ich muss in die Küche, in der Spülmaschine steht ein Teller verkehrt herum.

Mein Monk rebelliert.

Locke allein im Bad – und was die Feuerwehr damit zu tun hat.

Ein ganz normaler Donnerstagabend im Hause Chaos. Ein Feiertag.

Wir hatten auf dem Balkon gegrillt, die Kinder waren geduscht und fast bettfertig. Der Tag war – wie immer – anstrengend, aber gut gewesen. Müde, satte Kleinkinder drehten noch ein letztes Mal ihre Reserven auf, bevor es ins Bett ging.

Als ich im Bad war, fiel mein Blick auf den Schlüssel im Schloss der Badezimmertür. „Den müssten wir hochhängen. Bevor der Zwockel damit Unfug treibt!“, schoss es mir durch den Kopf.

Hätte ich doch bloß…

Wir tranken aus, die Kinder demontierten das Wohnzimmer – dem akustischen Vernehmen nach jedenfalls. Auf einmal wurde es ruhiger. Locke, seit kurzem windelfrei, war aufs Töpfchen geflitzt. Der Ehemann und ich räumten den Tisch ab. Als alles fertig war, setzte ich mich noch für ein paar Minuten auf den Balkon und genoss die draußige, feiertägliche Ruhe. Die sollte nicht mehr lange währen!

Auf einmal wurde es laut. Der Ehemann schrie „Dreh den Schlüssel! Mach die Tür auf!“ und mir wurde schlecht. Mein Bauchgefühl hatte es vorausgeahnt, hatte ich doch eben noch den Schlüssel weglegen wollen. Und nun war es passiert! Verdammter Mist!

Und er hört noch nichts!

Doch nicht der Zwockel, nein, es war Locke der sich eingesperrt hatte! Mein großer, vernünftiger Junge hatte ungestört und kleinbruderfrei aufs Töpfchen gehen wollen und hinter sich abgeschlossen. Hätte er den Schlüssel dabei nicht versehentlich herausgezogen, wäre alles kein Problem gewesen, aber so reichten seine feinmotorischen Fähigkeiten nicht aus, um den Schlüssel wieder ins Schloss zu fummeln – natürlich war er zudem noch völlig aufgelöst und ängstlich.

Erschwerend kam hinzu, dass er einen Paukenerguss auf beiden Ohren hatte, so gut wie nichts hörte und eh schon völlig neben sich stand.

Alles Schlüsselgefummel, alles Reden und Erklären nützte nichts. Das Kind war zu aufgelöst! Der Ehemann versuchte, die Tür aufzubrechen. Da wir hier kein Brecheisen herumliegen hatten, versuchte er es zuerst mit schierer Gewalt, dann mit einem Hammer… Meinen Vorschlag, wir könnten doch die Feuerwehr anrufen, verwarf er sofort. Die Tür hielt stand.

Er zerrte und prockelte, zog und riss an der Tür, die sich als die einzig massive erwies. Alle andere Türen könnte man hier wahrscheinlich ratzfatz eintreten – die nicht. Sobald er die Tür ein Stückchen aufgestemmt hatte, zwängten sich hilfesuchende Fingerchen durch die Öffnung. Wir schrien und brüllten – Mein Gott! Was müssen die Nachbarn gedacht haben! – Locke solle die Finger aus der Tür lassen, denn das Kind hörte ja nichts und war zudem in Panik.

Die Feuerwehr muss kommen!

Nach 15 erfolglosen Minuten – Einbrecher werden wir wohl nicht – gab der Ehemann frustriert auf. „Dann ruf halt die Feuerwehr!“ Was ich dann auch tat. Und nach nur 5 Minuten waren sie da: Unsere Retter. In 4 Einsatzwagen ausgerückt, obwohl ich eigentlich nur „einen starken Mann mit stabilem Brecheisen“ gewünscht hatte. Innerhalb von 20 Sekunden war die Tür offen. Zwei Leute waren nötig – es krachte und Locke war frei. „Öhm, ich glaub, die Tür können sie wegschmeißen“, unkte der Mann mit der Brechstange.

Weinend stürzte Locke sich in meine Arme. Von dem Einsatz seiner geliebten Feuerwehr, die sich zur Zeit den ersten Platz mit der Müllabfuhr teilt, hatte er nichts gehabt. Der Zwockel winkte und krähte fröhlich – Locke guckte nur beschämt und erschöpft.

Ich ließ ihn vorerst nicht mehr los. Der Papa musste den – ebenfalls erschöpften – Zwockel, der die Aufregung aufmerksam, aber ohne zu weinen verfolgt hatte, ins Bett bringen und ich wollte meinen Locke gar nicht mehr hergeben – völlig erschöpft war er in meinen Armen eingeschlafen.

Reden wir nicht mehr drüber!

Wir besänftigten die besorgten Nachbarn, die sich bei dem Feuerwehraufgebot Sorgen gemacht hatten. Am folgenden Tag kauften wir eine neue Badezimmertür, die alte hatten wir ehrlich gesagt nie gemocht.

Am nächsten Tag wachte Locke mit einer Bitte auf.

„Du, Mama?“

„Ja, mein Schatz?“

„Über die Tür reden wir nicht mehr, ja?“

„Alles klar, Locke!“

 

Übrigens: Nein, den Einsatz mussten wir nicht bezahlen. Der war schließlich nicht mutwillig verschuldet und der kleine Mann war in höchster Not. Ein dickes Danke an unsere Retter!

 

Die NOT* To-Do-Liste – Alles, was er NICHT tun soll

*englisch aussprechen bitte, not nicht Not!
Unser Zwockel. Mann, mann, mann. Ich sag euch. So manches graue Haar auf meinem Kopf stammt von diesem Kind. Ich liebe ihn und er kann sehr, sehr süß sein – keine Frage. Aber wie sagt man so schön? Ihm sitzt der Schalk im Nacken. Der junge Mann hat einen eisernen Willen, der mit beachtlicher Zielstrebigkeit gepaart wurde und er lässt sich so schnell von nichts abbringen, das er sich einmal vorgenommen hat.

Als Kerstin von Chaos hoch 2 vor kurzem ihren Sohn beschrieb, war es, als habe sie kurz bei uns vorbeigeschaut. Zwockel ist, ganz wie der Krümel, eine „Abrissbirne auf Speed“. Er ist ein Motoriker. Rennen, klettern, hüpfen – irgendwo gegenlaufen, runterfallen, aufstehen – von vorne. Das ist Zwockel. Der rennt voll Karacho gegen eine Tür, schüttelt sich kurz, wo andere Kleinkinder nach einem ganzen Lastwagen voller Arnika-Globuli, Coolpacks und lokalem Anästhetikum verlangen würden, und rennt weiter – gern auch gegen die nächste Tür/Schrank/Regal/Stuhl oder, besonders beliebt, die Tischkante.

Zwockel und die Tischkante

Unsere Küche ist klein. Winzig. Eine Tetris-Küche (man muss alles in die Schränke puzzeln, damit’s passt). Der Tisch steht, ob der nicht zur Verfügung stehenden Fläche, immer an einer Stelle. Er steht da. An jedem Tag. Seit immer, oder wenigstens seit 2008. Auf jeden Fall schon Zwockels ganzes Leben lang.

Und an jedem Tag – an.jedem.verdammten.Tag. – rennt das Kind vor die Tischkante.

Mehrfach. Immer vor dieselbe Ecke. Kommt rein, ballert vor den Tisch, weint kurz oder schimpft, rennt wieder raus. Repeat. Wir haben es mit Kantenschutz probiert (blöd, weil es ein Auszieh-Tisch ist und zum Essen die eine Seite ausgeklappt wird), hat aber nix gebracht.

Zwockel und der Couchtisch

Zwockel hat unseren Couchtisch mit seinem Hinterkopf zerstört. Er hat den Fernseher mit einer Lego-Bodenplatte und einem Feuerwehrauto kaputt gemacht. Er hat diverse Gläser (durch das gezielte Werfen von Spielzeug) auf dem Gewissen. Die Oberfläche des Couchtisches gleicht einer Kraterlandschaft, weil Zwocki dort alles – aber auch alles – draufwemst, was hart ist und Macken macht. Die Schublade neben seinem Bett? Vor Wut herausgerissen, weil die Mama es wagte, den soeben erwachten Herrn nicht sofort zu bespaßen.

Wir haben bereits überlegt, eine Namensänderung zu beantragen, konnten uns aber zwischen Hulk-Arnold und Chuck-Rambo nicht entscheiden.

Und sowieso und überhaupt: Das Kind hat einen Plan. Wenn er morgens aufsteht, fertigt er eine NOT-To-Do-Liste an. Eine Liste mit Dingen, die er auf keinen Fall tun darf. Und die hakt er dann gewissenhaft ab.

Der neueste Lieblings-Spielplatz

Seit der große Bruder aufs Töpfchen geht, ist das Badezimmer sehr interessant geworden. (*RUMS, Tischkante, grad hier so von links) Ob das lustige Spiel „Sachen-ins-Klo-werfen“ oder spaßiges Windeln verstecken, der Zwockel ist dabei.

Die frisch gewaschenen, frisch zusammengelegten, frisch in den Schrank sortierten Schlafanzüge fanden sich dann im Klo wieder.

Die Klobürste ist – sehr männeruntypisch – dabei sein bester Freund. Diese wird übrigens, zum Beispiel in Kombination mit Papas Bodylotion oder nassem Klopapier, zum Werkzeug des Teufels. Neuerdings kann das Kind nämlich die Türen selbst öffnen und da der Große sonst nicht zum Töpfchen kann, kann ich die Tür natürlich auch nicht abschließen.

Welch Freude, kommt man ins Bad und der Junior hat nicht nur das ganze Zimmer mit der nassen Klobürste besprengt – nein, er hat auch noch Creme damit verrieben! Der Teppich, gerad ob eines ähnlichen Streiches frisch gewaschen, wandert gleich wieder in den Keller um mit literweise Hygienespüler wieder keimfrei gemacht zu werden.

Und während ich noch die Kacheln abwische, schalmeit es schon aus dem Wohnzimmer „DER ZWOCKEL HAUT MIT DEM FEUERWEHRAUTO DEN FERNSEHER!!!“, oder so ähnlich.

Die Macken auf dem TV-Bildschirm wachsen beständig.

Im Garten – Zwockel lernt vom Chihuahua

Auch den Gartenaufenthalt macht so ein Zwockel zum Erlebnis. Der Garten ist klein, sehr klein, aber die Kinder haben einen Sandkasten, eine Rutsche und einen kleinen Kletterturm. Plus Spielzeug. Reicht nicht, findet Zwock-Man, der Garten ist nicht genug!

Nachdem wir versucht hatten, ihm sämtliche Fluchtwege zu verbauen und auch das Gartentor zusätzlich mit Kabelbinder gesichert hatten, tat er das, was Theo, der Chihuahua, ihm gezeigt hatte: Um zu entkommen, krabbelte er einfach ab durch die (frisch entbrennnesselte) Hecke und lief auf und davon.

Da wir erst einmal die andere Hecke umrunden und den Kabelbinder vom Törchen friemeln mussten (glorreiches Eigentor, das!), war der Pampers-Schuft bereits bis zum nahen Freibadparkplatz gejoggt, wo wir ihn schließlich stellen konnten. Er fand es super. Wir nicht so und überlegen nun, extra ein paar neue Brennnesseln zu pflanzen, als natürlichen Zwockel-Schutzwall.

Aber wie wir ihn kennen, rennt er auch da einfach durch, schüttelt sich kurz, und macht dann weiter mit seiner Liste mit Dingen, die er nicht darf…

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Ein feuriges Chili con Carne – dem Ehemann zum Geburtstag

Mein Ehemann, der junge Hüpfer, ist zwei Monate jünger als ich und hat bald Geburtstag. Und er hat sich sein Lieblingsgericht gewünscht: Chili con Carne! Das soll er haben, ihm zu Ehren nun dieses Rezept. Ihm kann es gar nicht feurig genug sein – ich lasse es seit den Schwangerschaften etwas ruhiger angehen. Ich koche es immer so, dass es sehr mild ist und stelle zusätzlich Chiliwürze, Tabasco und frische Chili zum Nachwürzen bereit.

Die Menge: Es reicht für sechs bis acht hungrige Personen. Ihr seid nur zu zweit? Kein Thema, siehe unten. Man kann es wunderbar für später einfrieren.

Die Vorteile:

  • Mag fast jeder, macht satt und glücklich.
  • Man bereitet es am besten ein bis zwei Tage vorher zu, dann kann das Chili schön durchziehen! So hat man am Tag der Feier nicht noch das Kochen vor der Brust.
  • Und: Reste lassen sich prima einfrieren! Der Mann sagt, aufgetaut schmeckt es fast noch besser.

Hier nun DAS Rezept:

300 g Kindeybohnen

1 Dose Mais

2 große Zwiebeln

2 – 3 Knoblauchzehen

2 Bund Suppengrün

Bitte verwendet nur glücklich lächelnde Paprika.

2EL Olivenöl

500 g Rinderhackfleisch

2 TL Paprikapulver

Salz, Pfeffer, Thymian

2 Lorbeerblätter

2 – 3 frische, rote Chilischoten

2 rote Paprika

 

5 Fleischtomaten

2 Tuben Tomatenmark

0,7 Liter Brühe

Die Zubereitung – bitte mit Liebe:

Den Mais und die Kidneybohnen aus ihren Dosen befreien und zum Tummeln in ein Sieb legen. Sie müssen nun geduscht werden, bis das Wasser klar ist. Dann dürfen sie eine Weile im Sieb abhängen.

Zwiebeln, Knoblauch und Suppengrün fein würfeln und in goldenem Olivenöl in einem groooooßen Topf anbraten. Das Hackfleisch hinzugeben und mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen. Lorbeerblätter hinzugeben. Chilis und Paprika entkernen und fein würfeln – für die Chili zieht ihr euch am besten Einmal-Handschuhe an, es brennt sonst fies überall da, wo ihr kratzt – dann zum Hackfleisch geben.

Die Fleischtomaten müssen barbarisch gehäutet werden: Dazu ritzt ihr am Popo der Tomaten ein Kreuz ein. Als wäre das nicht schon brutal genug, werft ihr sie kurz in kochendes Wasser – 30 Sekunden pro Tomate reichen. Dann lasst ihr die armen Gemüse abkühlen, entfernt die Blüte, zieht ihnen die Haut ab und metzelt sie in Stücke. Nun dürfen sie mit in den Topf.

Gebt jetzt das Tomatenmark und die Brühe hinzu und rührt gut um. Bohnen und Mais haben nun genug gewellnesst und können auch mit rein. Lasst das Chili im offenen Topf ca. 2 Stunden lang bei niedriger Hitze vor sich hinköcheln.

Dazu schmeckt am besten ein frisches Baguette und ein kühles Bier!

Lasst es euch schmecken!

Ganz frisch verliebte Paare sollten allerdings vielleicht nach dem Verzehr die Nacht über Abstand halten… ihr versteht…

Liebe. Liebe ist verdammt nochmal alles.

Wenn man sich die Nachrichten ansieht, wenn man damit jeden Tag zu tun hat – sei es lokal oder überregional – wird einem manchmal angst und bange. Da werden Menschen für nichts und wieder nichts angegriffen. Weil sie das Geld nicht schnell genug gewechselt haben. Weil sie jemanden falsch angesehen haben, ein falsches T-Shirt trugen oder die falsche Nationalität haben. Ein Mann griff beispielsweise kürzlich seinen Retter an, zum Dank, dass er ihn vorm Ertrinken bewahrt hatte. Rettungskräfte werden bedroht anstatt unterstützt, Menschen rasten aufgrund von Nichtigkeiten aus, sind aggressiv oder wütend.

Da wird man mitunter schonmal echt traurig von. Warum auch immer diese Menschen sind wie sie sind, ob sie ein Trauma haben, Drogen nehmen oder einfach krank sind, wollen wir nun hier nicht erörtern.

Hoch leben die LiebeVOLLEN

Wenn ich aber lese, dass sich zwei Menschen das Ja-Wort gegeben haben, wenn ich höre, dass jemand frisch verliebt ist – und das auch noch glücklich – wenn ich Menschen sehe, die zärtlich Händchen halte, sich umarmen, küssen, dann geht mir das Herz auf. Das macht mir ein ganz warmes Gefühl im Bauch und ich schöpfe Hoffnung, dass all diese LiebeVOLLEN Menschen stärker sein mögen, als die hass- und wuterfüllten.

Und wisst ihr was? Dabei ist es mir völlig wumpe, ob es sich bei diesen Liebenden nun ein Mann und eine Frau, zwei Frauen oder zwei Männer handelt. Es ist egal! Es ist Liebe!

Liebe verändert das ganze Leben. Liebe macht uns zu besseren Menschen. Wenn wir mit dem Menschen zusammen sein können, den wir lieben, ist die Realität nur halb so schlimm. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wir zwei gegen den Rest der Welt.

Liebende geben sich Halt, unterstützen sich und sind füreinander da. Helfen sich, trösten sich. Lachen und fühlen gemeinsam. Ganz besonders in der ersten Zeit der Verliebtheit, können Liebende an der Erde drehen, auf Wasser gehen, Wolken verschieben, gegen jeden Drachen kämpfen, durchs Feuer latschen oder über glühende Kohlen und die Hölle durchwandern – hin und zurück. Das macht die Liebe möglich!

Es ist Liebe!

Liebe ist das Wichtigste, das, was alles zusammenhält.

Wir sollten die Liebe feiern, sie ehren und beschützen, wo wir können. Nicht mit Gummigeschossen auf Menschen ballern, die nichts weiter verbrochen haben, als zu demonstrieren, dass sie sich lieben. Liebe ist alles. Ohne Liebe wird die Welt zu einem grauen, hasserfüllten Ort ohne Freude – dafür voller Angst und Wut.

Ja, dieser Beitrag ist rosarot mit Einhornglitzer. Natürlich gibt es auch immer schlechte Beispiele, Liebe ist nur ein Trick der Natur, um die Art zu erhalten (ein ziemlich genialer übrigens!), alles nur Chemie und Hormone – blabla. Aber darum geht es gerade nicht. Krümel und Chaos steht als Familienblog für das Wichtigste auf der Welt: Liebe.

Wie sagte meine Hebamme, als ich mit Locke nach der Entbindung zuhause ankam und die altbekannte Wohnung auf einmal so neu und ungewohnt war, weil dieses kleine überallesgeliebte Leben in meinem Arm meine ganze Welt und somit auch die Wohnung verändert hatte? Als ich Angst hatte, all das nicht zu schaffen, was nun auf mich zukommt? Als ich nicht wusste, ob ich alles richtig machen würde? „Du schaffst das. Ein Baby braucht unterm Strich nur drei Dinge: Nahrung, Luft und Liebe. Und all dies gibst du ihm zur Genüge.“

Geht raus auf die Straße und LIEBT. Liebt eure Kinder, liebt euren Mann, liebt eure Frau, liebt eure Eltern und Großeltern, liebt eure Nachbarn, liebt eure Freunde.

Wenn ihr verliebt seid, schreit es in die Welt hinaus. Küsst und berührt und haltet euch ganz fest an den Händen. Und zeigt all den Hasserfüllten: So geht Leben! Leben ist Liebe!

Der kleine Regenbogen wird unser Logo noch eine ganze Weile lang zieren, um genau das zu symbolisieren. Liebe für alle. Egal welches Geschlecht, egal welche Nationalität oder Religion sie haben. Liebe, Liebe, Liebe und nochmals Liebe!

So. Fertig.

Los, husch, lest nicht, liebt.