Beiträge

,

Warum wir unten ohne leben…

… und Horst schuld ist. Irgendwie.

„Watt? Laminat brauchta? Horst. Hömma, der Horst, der macht datt. Der is mein ältester Kumpel. Der kann datt. Der macht datt“, sagte der Onkel.

Und den Onkel stößt man schließlich nicht vor den Kopf. Seinen ältesten Kumpel ablehnen? Neiiiin, das geht nicht. Dann wäre ja der Onkel böse und Horst beleidigt. Hinterher wäre noch das ganze Dorf schlecht auf uns zu sprechen! Und außerdem: Das gehört sich nicht.

Horst nagelt mit Schrauben

Nun ja, der Host hat es dann halt gemacht. Das Laminat samt Fußleisten verlegt. Unglücklicherweise nicht ganz so, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Das Laminat quietscht an einigen Stellen, die Fußleisten – ernsthaft, guckt sich irgendjemand die Fußleisten genau an bei der Abnahme? – sind nicht die, die wir bezahlt hatten. Horst hat definitiv Fußleisten im Baumarkt gekauft. Die Rechnung dafür habe ich selbst gesehen. Und bezahlt. Nur verkauft sicher kein Baumarkt gebrauchte Fußleisten. Höchstwahrscheinlich hat Horst nun aber in seinem eigenen Haus ganz schicke neue Fußleisten.

Noch dazu hat Horst diese Leisten mit Holzschrauben in die Wände genagelt. Mit Schrauben genagelt? Ja, mit Schrauben genagelt! In die Wände! Die in dieser Wohnung so porös sind, besonders untenrum, dass sie schon bröseln wenn man nur leicht an der Tapete zupft.

Es guckt sich weg

Und als dann eines schönen Tages Baby-Locke eine der Leisten abnahm, und damit freudig quietschend herumwedelte – die Schrauben steckten noch drin – reichte es uns. Die Fußleisten kamen weg. Im Wohnzimmer und, wo wir schon dabei waren, auch gleich in Schlafzimmer und Flur.

Ja, verflucht und irgendwie blieb das dann so.

Wir leben bis heute unten ohne. Sieht nicht schön aus, aber es guckt sich halt weg. Regelmäßig sage ich zu meinem Mann „Du, wir haben immer noch keine Fußleisten!“, und dann beschließen wir gemeinsam, am Wochenende zum Baumarkt zu fahren und welche zu kaufen. Wir vergessen das bis zum Wochenende allerdings auch gemeinsam wieder.

Jedenfalls ist Horst irgendwie mit daran schuld, dass wir keine Fußleisten haben. Grund genug, Horst für immer aus unserer Dienstleister-Kartei zu verbannen. Wirklich? Weit gefehlt! Jeder kriegt hier eine zweite Chance. Horst durfte nochmal ran und einen Schuppen bauen.

Ein echter Luxusschuppen

„Watt? Nen Schuppen brauchta? Horst. Hömma, der Horst, der macht datt. Der is mein ältester Kumpel. Der kann datt. Der macht datt.“, sagte der Onkel.

Und ihr wisst ja: Den Onkel stößt man nicht vor den Kopf, nur, weil man lieber einen echten Profi gehabt hätte. „Der Horst, der is auch Profi. Der ist genauso’nen Profi wie jeden anderen Bauunternehmer*. Da kannste jeden fragen! Jeden!“ Nun gut. Also durfte Profi-Horst noch einmal ran.

Ein Schuppen sollte es werden. Ein Geräteschuppen. Solide und gerade, das waren so die Anforderungen. Für Geräte halt. Und Horst baute. Horst brauchte das Dreifache der veranschlagten Zeit und noch ein wenig länger. Leider brauchte er auch das Dreifache des veranschlagten Geldes. Und noch ein bisschen mehr.

Dafür haben wir aber einen Schuppen bekommen, der die Ewigkeit überdauern wird. Wenn wir mal nicht mehr sind – der Schuppen wird noch stehen. Wenn es irgendwann keine Menschen mehr gibt – der Schuppen wird noch stehen.

Horst kommt nicht mehr

Der Schuppen ist kein Schuppen, er ist eine Festung. Er ist einbruch- und sturmsicher. Wir überlegen, ihn als Schutzraum zu nutzten, wenn mal ein Tornado oder Orkanüber uns hereinbricht. So gut Horst hier auch gearbeitet hat: Es war nicht das, was er machen sollte. Es sollte ein Geräteschuppen werden, kein Luxus-Bunker.

Aber gut, ist halt Horst.

Als es dann darum ging, ein neues Projekt zu beginnen, nämlich im Kinderzimmer eine Holzdecke einzuziehen, war für Freunde und Familie klar: Ein Fall für Horst!

„Nein, Horst kommt nicht mehr!“, sagte ich.

„Isser tot?“, entsetztes Luftholen in der Runde.

„Nein“, sagte ich. „Horst kommt einfach nicht mehr. Horst hat uns mit den Fußleisten beschissen. Und Horst hat unser Schuppen-Projekt wirklich ausufern lassen. Nein, Freunde, Horst darf in Zukunft gern woanders werkeln, aber nicht mehr hier.“

Ich traf auf pures Entsetzen. „Aber, was ist mit dem Onkel?!“

„Der darf noch kommen.“

„Nein, ich meine, der Horst! Der ist doch sein Freund.“

„Ja, und? Sein Freund, meiner nicht. Ganz bestimmt sogar nicht!“

„Ja, aber, das ist der Freund vom Onkel. Der muss das machen. Das gehört sich einfach so!“

Projekt „Haus“ wird horstfrei…

Ich blieb hart. Horst hatte unsere Geduld überstrapaziert. Ich werde Arbeiten demnächst lieber von Handwerkern ausführen lassen, die keine Verbrüderung mit Familienmitgliedern pflegen, denn dann kritisiert es sich leichter, jedenfalls für mich.

In diesem Jahr steht das große Projekt „Haus“ an – ich bin gespannt!

Fußleisten haben wir hier übrigens immer noch nicht…

*So sprichse bei uns aufm Doaf im Ruagebiet – machse nix!

,

Die nichtexistente Metzgerei (1. Akt)

Es war einmal – im Jahr 2002. Ich war süße 22 Jahre alt und noch lange nicht Mama. Was hat dieser Text also hier zu suchen? Diese Erfahrung hat mich geprägt. Meine Probleme mit diesem allseits bekannten Telekommunikationsunternehmen – nennen wir es die ROSAcom – bereichern seit jeher unsere Anekdotenkiste. Freunde und Familie kennen die Story bereits zur genüge. Es ist ein Stück in mehreren Akten – hier ist der erste:

Von einer Metzgerei, die es niemals gab – und irgendwie doch…

Ich war, wie erwähnt, 22 Jahre alt und zog ich zwecks Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin nach Dortmund. Ich bezog dort zur Miete eine kleine Wohnung in einem wunderschönen Szeneviertel und wollte natürlich gern einen Telefonanschluss und Internet haben. Gesagt getan, ich beantragte dieses bei einem sehr bekannten Telekommunikationsunternehmen.

Es kam ein Techniker, installierte die notwendigen Geräte, ich kaufte ein billiges Telefon, einen Computer und alles war, wie es sein sollte. Dachte ich. Weit gefehlt. Sehr weit.

Metzger? Gibbet nich!

Mein Telefon hatte einen Anrufbeantworter und immer wieder bekam ich Anrufe von Leuten, die sich als Fleischerei-Fachverkäuferin bewarben, 300 kleine Schnitzel für den Firmenempfang der Kanzlei Dideldum oder Spanferkel für den 80. Geburtstag von Opa Willibald bestellten und soweiter und so fort.

Anfangs dachte ich „Verwählt. Oder Zahlendreher.“ So um den 100. Anruf und die zehnte Beschwerde, dass der Metzger (der durch eklatante Nichtexistenz glänzte) nie zurückrufe und man sein Spanferkel zukünftig bei der Konkurrenz zu kaufen gedenke, dämmerte mir allerdings, dass so viele Menschen nicht irren konnten.

Ich nahm mir das Telefonbuch und schaute unter dem oft genannten – und viel öfter geschimpften – Namen der Metzgerei nach. Und tatsächlich. Die dort abgedruckte Nummer war – meine.

Schluck. Wie jetzt? Die Metzgerei befand sich in derselben Straße, ich ging hinüber und nahm mir einen „Wir liefern jetzt auch für Ihre Party!“-Flyer mit. Schwarz auf weiß. Meine Telefonnummer.

Soviel zur Geheimnummer

Ein Blick in die Gelben Seiten ließ mich noch blasser werden: Dort, in der Rubrik „Metzgereien“ standen mein Name, meine Adresse, meine Telefonnummer. Das wäre vielleicht noch verzeihlich gewesen, hätte ich nicht, aufgrund eines gruseligen Ex-Freundes, eine Geheimnummer beantragt. Ich ging ins Internet. Auch da, bei den Online Gelben Seiten. Mein Name. Meine Metzgerei. Ich googelte meinen Namen. Gleiches Ergebnis. „So viel dann also zur Geheimnummer!“ dachte ich.

Die Metzgerei übrigens hatte sich gewundert, dass sie keine Anrufe, keine telefonischen Bestellungen mehr erhalten hatten. Man hatte ihnen ihre – seit Jahren gültige – Nummer einfach abgeklemmt. Die hatte dann wohl ich.

Ich machte mich auf zum Service – ich muss beim Wort Service in Verbindung mit diesem Unternehmen immer noch lachen – also, zum Service-Punkt der ROSAcom mit dem schönen Jingle „Didididi-DING“.

Metzgerei Telefon

Photo by Quino Al on Unsplash

Das kann nicht sein

Ich stand in einer langen Schlange und als ich endlich an der Reihe war – bewaffnet mit meinen Gelben Seiten und einem Ausdruck der Online-Version – stand vor mir ein zweifelhaft netter, dafür aber umso arroganterer, Mitarbeiter namens Carlo von Irgendwas. Er sah in der Tat ein wenig aus wie Kater Carlo, den so manch einer noch aus den Micky Maus-Comics kennt. Genauso unsympathisch jedenfalls.

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“ Miau.

„Guten! Also… ich habe da ein Problem. Ich stehe in den Gelben Seiten, hatte aber eine Geheimnummer beantr…“

„Warum beantragen Sie denn eine Geheimnummer und lassen sich dann in die Gelben Seiten eintragen?“ Ei fein! Ein Schlaumeier.

„Ja, also, das ist es ja. Ich habe mich gar nicht eintragen lassen. Ich stehe hier unter Metz…“

„Wenn Sie sich nicht haben eintragen lassen, stehen Sie auch nicht drin.Oh ja, das dachte ich auch immer, naives Kind, ich!

„Ähm. Aber hier steht es. Schwarz auf gelb!“

„Ja, dann haben Sie sich auch eintragen lassen!“

„Ähm. Nein, sehen Sie, ich habe gar keine Metz…“

„Junge Frau. Man steht nicht einfach so in den Gelben Seiten.“ Ah. Na, was du nicht sagst! „Dafür muss man einen Antrag ausfüllen. Und Geld bezahlen.“ Der Ton wurde leicht gönnerhaft und er sprach sehr langsam, so wie man es macht, wenn man mit sehr, sehr alten oder sehr, sehr begriffsstutzigen Menschen spricht.

„Ich habe aber keinen Antrag ausgefüllt. Ich habe nämlich gar keine M…“

„Ja, dann ist doch alles paletti… Dann stehen Sie auch nicht drin!“ Was du nicht sa-haaagst!

„Aber hier steh ich drin!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“ Okay. Durchatmen. Einatmen. Ausatmen.

Jetzt war ich an der Reihe, betont langsam und deutlich zu sprechen.

„Ich. Habe. Keinen. Antrag. Ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten.“

„Das kann nicht sein!“

Das sollte mein Lieblingsspruch werden.

„Aber hier steht’s doch!“

„Dann haben Sie auch den Antrag ausgefüllt!“

„Nein!“

„Doch!“

„Nei-hiiin.“

„Dann stehen Sie auch nicht…“ Freundchen, willst du mich verarschen?!

Der Nächste, bitte!

Die Leute hinter mir in der Schlange waren mittlerweile sehr still geworden und verfolgten meinen Auftritt gebannt.

„Nochmal. Zum Mitschreiben: Ich habe keinen Antrag ausgefüllt. Ich stehe trotzdem in den Gelben Seiten. Zumindest aus den Online-Gelben-Seiten will ich sofort gelöscht werden. Und eine neue Telefonnummer will ich auch. Ich habe nämlich gar keine Me…“

„Junge Frau. Das kann doch gar nicht sein. Wenn Sie in den Gelben Seiten stehen, haben Sie auch den Antrag ausgefüllt.“

„Junger Mann…“ Arschpillemannsausack, blöder! „Hab. Ich. Nicht.“

„Haben Sie es vielleicht vergessen?“ Jetzt reichts!

ABER ICH HABE GAR KEINE METZGEREI!!!“ schrie ich völlig entnervt, in Manier eines damals noch bekannten autolosen Werbe-Italieners.

„Ja. Ist doch prima, dann können Sie ja auch nicht da drin stehen! Der Nächste bitte!“

„Aber hier steh ich doch!“

„Der Nächste bitte!“

Die Leute hinter mir erhoben sich vom Boden, auf dem sie sich vor Lachen gewälzt hatten, trockneten die Lachtränen, rückten ihre Brillen zurecht und glätteten ihre Haare… Ich erntete den ein oder anderen mitleidigen Blick.

„Aber… äähh, die Rechnung. Die stimmt auch nicht!“ piepste ich verzweifelt.

„Rechnungsstelle. Rufen sie da an!“ kam es barsch zurück.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn euch dieser Teil gefallen hat – es wird noch besser. Und es ist alles genau so passiert!

Warum ich für einen simplen Telefonanschluss über 1.000 Euro zahlen sollte, mitten am Tag einen Ouzo bekam und was ein Zitronenkritzspringel ist… demnächst hier bei Krümel und Chaos!