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Gutwetterzwang – Schlechtes Gewissen mit Sonnenschein

Warum ich mich manchmal über Regen freue

Die Sonne scheint, am Himmel keine Wolke. Es ist warm, der Wind nicht zu kühl sondern angenehm und leicht. Die Bienchen besummen die Blumen, Schmetterlinge tanzen und glückliche Hasen hoppeln durch die Wiesen. Kurz: Es ist ein perfekter Tag! Perfekt, um mit den Kindern etwas zu unternehmen.

Gutwetterzwang – was unternehmen wir heute?

Gehen wir in den Zoo? Spazieren? In den Park? Machen wir einen Ausflug? Zur Möhne vielleicht? Hey, in der Nachbarstadt ist Kirmes. Oder Mittelaltermarkt. Kinderfest mit Hüpfburg! Und dort, in der anderen Stadt, ist Kindertrödel. Die Erlebnisbäder haben geöffnet und irgendwo ist auch immer Tag der offenen Tür. Auch Oma und Opa freuen sich über Besuch, oder wie wäre es mit einem Ausflug zum Patenonkel?

Klar, Ausflüge sind toll. Aber manchmal wär ich lieber auf der Couch.

Sobald das Wetter gut ist, ist er da. Der Gutwetterzwang. Der Zwang, das Wetter auszunutzen und mit den Kindern einen tollen Tag verbringen zu müssen. Natürlich freue ich mich meistens auch, wenn wir etwas unternehmen. Auf das letzte Eselrennen hab ich mich fast mehr gefreut, als die Jungs. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft im Sonnenschein tut mir immer gut.

Aber er ist da, dieser Zwang. In meinem Hinterkopf lauert er, sobald der erste Sonnenstrahl sich morgens hinter den Wolken hervorgewagt hat.

Tagträumen vs. Ausflügeln

Manchmal möchte ich trotz Sonnenschein und perfekten Wetterkonditionen einfach auf meinem Sofa gammeln und mir ein spannendes Buch schnappen. Die Seele baumeln lassen, vielleicht sogar mal tagsüber den Fernseher einschalten und irgendwas Herausforderungsarmes auf mich eindudeln lassen.

Oder noch besser: Tagträumen! Mal wieder gar nichts tun und nur in die Luft starren und vor mich hindenken. In mich gehen und neue Ideen finden, zu längst Erlebtem zurückkehren, von Dingen träumen, die noch nicht sind – und vielleicht niemals sein werden, während die Kinder ein Hörspiel hören oder im Kinderzimmer mit Duplo werfen.

Vertrödel nicht den letzten Schönwettertag

Und das kann ich verflucht nochmal einfach nicht, wenn mich von draußen die blöde Sonne anlacht. Wenn der blaue Himmel lockt und man ständig den Gutwetterzwang-Gedanken „Man muss ja heute was unternehmen!“ im Kopf hat. Und natürlich, wenn die Kinder quengeln: „Was machen wir heute? Gehen wir raus? Unternehmen wir etwas? Fahren wir irgendwo hin?“

Sofort ist es dann da, das schlechte Gewissen. „Du kannst doch nicht an einem so tollen Tag mit den Kindern im Haus versauern! Das kannst du ihnen nicht antun! Wer weiß, wie das Wetter morgen wird! Stell dir vor, du vertrödelst den letzten guten Tag! Das geht doch nicht! Los, raus!“, nörgelt die kleine Stimme in meinem Kopf.

Urlaubsunternehmungsgutwetterzwang

Auch – oder ganz besonders – im Urlaub fühle ich diesen Zwang. Da paart sich sogar Gutwetterzwang mit Urlaubsunternehmungszwang. Denn da hat man noch das Zeitlimit. Man ist ja nicht ewig da und muss möglichst viel erleben in der kurzen Zeit. Man kann ja den Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen

Wer weiß, wann wir wieder einmal hier herkommen! Wer weiß, wie dann das Wetter ist. So eine Landschaft wirkt ja auch am besten im Sonnenschein. Auf dem Leuchtturm ist die Sicht im Sonnenschein am besten! Und der Strand! Das Meer! Der Spielplatz! Alles wartet auf uns!

Ich bin ganz ehrlich: Ich freu mich auch mal über Regentage.

Und auch am langen Wochenende ist er allgegenwärtig, dieser blöde Zwang. Gestern war Kartoffelfest (im Regen), heute gehen wir schwimmen. Und morgen? Und am Feiertag? Mal sehen. Irgendwas müssen wir ja machen. Besonders heute, wo die Sonne scheint. Schwimmen? Oder doch lieber in den Wald?

Immer und überall ist da dieser Zwang, meinen Kindern die beste und spannendste und aufregendste Kindheit zu bereiten. Klar, Langweile muss auch mal sein – die gibt es hier aber oft genug unter der Woche, wenn die Mama arbeiten oder den Haushalt machen muss und gerade keine Zeit für Bespaßung hat.

Heute ist das Wetter gut

Nachdem es gestern in Strömen geregnet hat, ist es heute wieder gut, das Wetter. Die Sonne scheint. Wolkenloser, blauer Himmel.

Ähm, yeah.

Fangen wir mal an zu planen.

Ist da nicht ne Wolke am Himmel?

Och, schade… tja, das gibt bestimmt Regen!

 

„Ist der süüüß!“ – Bei den Seehunden.

Was machst du, wenn du einen Seehund triffst?

Ist man an der Nordsee, passiert es mitunter, dass es regnet. Blöd, aber isso. Besonders wenn ihr mit Kindern Urlaub macht, ist es ratsam, ein paar Ausflugsziele zu kennen, die man an einem Regenwettertag besuchen kann.

Eines unserer erklärten Lieblingsziele ist die Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich – bestimmt kennt ihr sie bereits. Übrigens: Auch bei gutem Wetter ist ein Besuch der Station empfehlenswert, dann ist es nicht so voll.

Locke ist eher Technik- als Tierfan, aber unser Zwockel liebt alles von Gackgack bis hin zum Wauwau (SEINE Wortwahl, nicht unsere). Und er war begeistert von den Seehunden, wie auch ich jedes Mal. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich schon dort war. Darum möchte ich euch die Station ans Herz legen, es ist nicht nur ein schöner und lehrreicher Zeitvertreib, ihr tut auch noch Gutes, denn die Seehundstation finanziert sich durch Eintritts- und Spendengelder.

Zwockel war begeistert, Locke geneigt, sie niedlich zu finden.

Wie kommt der kleine Seehund nach Norddeich?

Verliert an der Nordsee ein Baby-Seehund, auch „Heuler“ genannt, seine Mama, findet er hoffentlich den Weg in die Seehundstation. Dort kümmern sich Profis und Ehrenamtliche um Wohlergehen und Aufzucht der Tiere, die schließlich wieder ausgewildert werden. Zurzeit befinden sich zwei Seehunde in der Quarantänestation im Waloseum und 97 Tiere in der Seehundstation.


Wie verlieren die Heuler ihre Mütter? Oft sind es ganz natürliche Gegebenheiten. Die Kleinen werden im Sturm oder von starken Strömungen abgetrieben, die Mutter war krank oder starb, das Junge ist verwaist. Manchmal sind aber auch wir Menschen verantwortlich. Wie und warum möchte ich euch in diesem Artikel erklären, damit ihr, wenn ihr auf einen Seehund trefft, wisst, wie ihr euch verhalten solltet.

Ein Seehund ist kein Kuscheltier

Das Wattenmeer ist kein Streichelzoo. Ich habe einmal in Dänemark erlebt, wie ein Seehund am Strand lag und Touristen ihn unbedingt streicheln wollten – weil er ja so süß aussah, mit den großen Augen und der freundlichen Schnauze. Die Frau, die das schließlich tat, wird es bitter bereut haben, denn der kleine Pelzträger war not amused und biss ihr in die Hand. Trotz der wonnigen Optik sollte man nicht vergessen, dass es wilde Tiere sind und wir quasi in ihrem Wohnzimmer.

Sieht süß aus, ist aber kein Schmusetier! ©Seehundstation Norddeich

Zu einem Heuler, Jungtier oder einem ausgewachsenen Seehund solltet ihr immer Abstand halten. Verscheucht ihr beispielsweise ein Muttertier, kann es sein, dass es nicht zum Baby zurückkehrt und das Kleine verhungert oder verdurstet. Ebenso kann die Mutter das Kleine nicht mehr finden, wenn es in Panik weggerobbt ist, weil ihm die Menschen zu nahe kamen.

Juni bis August – du den Heuler melden musst

Also, unter Umständen. Wenn ihr in diesem Zeitraum einen kleinen Seehund findet, der mutterseelenallein am Strand liegt, muss es kein Notfall sein – selbst wenn er heult. Oft ruft er nur nach seiner Mama, die gerade Essen jagt. Ihr solltet immer einen Mindestabstand von 300 Metern halten und das Tier auf keinen Fall anfassen – die Mutter erkennt es am Geruch und nimmt es nicht mehr an, wenn ihr das Tier berührt. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Mama Seehund zurückkommt und alles in Ordnung ist. Euer Eingreifen in die natürliche Situation könnte den Heuler das Leben kosten.

Wenn ihr euch aber nicht sicher seid, ob alles okay ist oder ihr vermutet, dass das Baby tatsächlich allein, krank oder verletzt ist, sind die Retter der Seehundstation eure Ansprechpartner. Auf der Homepage, die schnell zu ergooglen ist, und unter 04931 – 97 333 0 stehen die Profis bereit und sehen nach, ob der Heuler tatsächlich in Not ist.

September bis Mai – lass den kleinen Seehund frei!

In der Zeit zwischen Herbst und Frühling sind die kleinen Seehunde keine Heuler mehr, sie sind bereits selbstständige Jungtiere. Trefft ihr einen solchen Heranwachsenden – auch wenn er klein, unschuldig und niedlich wirkt – ist das Tier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Sicherheit und benötigt keine Hilfe.

Auch hier gilt: Nicht anfassen und Abstand halten, den Fundort verlassen. Hat das Tier offensichtliche Verletzungen ist natürlich die Seehundstation euer Ansprechpartner.

Unterstützung für die Seehunde

Jährlich werden in der Station zwischen 80 und 180 Tiere untersucht und aufgezogen. In den Becken befinden sich mehrere Jungtiere, die so auch den Konkurrenzkampf ums Futter lernen. Ziel ist, wie bereits erwähnt, die Auswilderung der Tiere.

Der erste Heuler wurde in diesem Jahr am 08. August ausgewildert. Als Pate kann man das übrigens hautnah miterleben. Zusätzlich gibt es jährlich zwei Fahrten mit der Reederei Baltrum-Linie, die entsprechenden Tickets gibt es dort.

Die Seehundstation finanziert sich, wie bereits erwähnt, durch Eintrittsgelder und Spenden. Ihr könnt eine Patenschaft für kleine Heuler übernehmen oder einfach Fördermitglied werden. Schon ab 5,00 Euro im Monat seid ihr dabei. Auf jeden Fall hilft aber auch bereits euer Besuch der Station, denn dort lernt ihr viel über die Tiere und das richtige Verhalten – und es gibt viele tolle Veranstaltungen für große und kleine Nordseefreunde.

 

 

*Dieser Artikel ist eine freundliche Empfehlung von Familie zu Familie, von Tierfreund zu Tierfreund. Wir haben dafür weder Auftrag noch Vergütung erhalten.