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Gedanken eines Kopfkindes: Wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?

Philosophie mit dem Vierjährigen

Unser Locke ist ein Denker. Ein Kopfkind. Ein vorsichtiger Beobachter. Er macht sich schon seit jeher viele Gedanken. Bereits im PEKiP konnte man sehen, dass er erst beobachtete, bevor er etwas Neues tat. Er schaute, was die anderen tun, schien dann eine Weile in sich zu gehen und erst dann versuchte er es auch.

Keine Nachrichten für Locke

Er ist sehr aufmerksam und merkt sich sehr viel. Bereits im letzten Dezember, Locke war dreieinhalb, fiel uns das auf. Im Radio kam eine Meldung: Jugendliche hatten einem schlafenden Kumpel einen Streich spielen wollen und neben ihm eine Kettensäge angeworfen. Der Schlafende erschreckte sich, schlug im Reflex nach der Säge – und verletzte sich natürlich schwer.

Gut eine Woche später sprach Locke plötzlich davon, dass man mit Kettensägen ja sehr vorsichtig sein müsse und damit keine Leute erschrecken dürfe. Wenn das so unvermittelt von einem piepsigen Dreijährigen vorgetragen wird, ist man schon etwas gegruselt. Bei der Autofahrt hatte er die Meldung im Radio gehört und sich seither so seine Gedanken gemacht.

Seitdem gilt: Radio besser aus, wenn Kind im Raum oder Auto.

Lockes Gedanken

Locke macht sich oft sehr viele, weitreichende Gedanken. Die Sache mit der Fortpflanzung interessiert ihn im Detail noch nicht so (obwohl ich ein tolles Buch dazu habe!). Was ihn interessiert, ist, wo ein Baby war, bevor es in den Bauch der Mama kam.

Der Klapperstorch war ja bei uns nie ein Thema, denn als ich mit Zwockel schwanger war, spielten wir von Beginn an mit offenen Karten. Am letzten Wochenende fanden wir ein altes Handyvideo, auf dem Locke vor meinem dicken Babybauch steht und „Hallo Babybruder!“ ruft. Er war begeistert, aber ich sah, wie es in seinem Köpfchen rotierte.

Gedanken - Locke küsst Babybauch

Locke küsst den Babybruder

„Mama? Ich war doch auch in deinem Bauch. Wo war denn der Zwockel da? Ich hab den da gar nicht gesehen!“ Ich erklärte ihm, dass es den Zwockel damals noch gar nicht gab.

„Ja, aber, wo war er denn dann? Und wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?“

Das Kuchengleichnis

Ich habe mir lange überlegt, wie ich diese Frage beantworte. Denn es geht ihm ja nicht darum, wie Babys gemacht werden, sondern philosophischer: Wo man ist, bevor man existiert. Wo genau man ist, konnte ich ihm natürlich nicht beantworten. Aber ich habe ihm das folgenermaßen erklärt:

Wenn man einen Kuchen backen will, ist der Kuchen ja noch nicht da. Man hat Eier, Butter, Zucker, Mehl, Milch und sonstwas alles – und erst wenn man es zusammenrührt und dann für eine Weile in den Ofen stellt, hat man einen Kuchen. Und genauso ist das mit kleinen Babybrüdern. Man hat die Zutaten: Mama, Papa und ganz viel Liebe – und die mischt man zusammen und nach neun Monaten in Mamas Bauch ist das Geschwisterchen dann fertig.

„Aha! Ein Babykuchenbruder!“, rief mein Locke erfreut und ging zufrieden wieder zum Spielen. Offensichtlich hatte ihm meine Erklärung eingeleuchtet.

Gedanken - Wo war Baby vorher

Locke und der Babybauch

Mein Kaiserschnitt und ich (1)

Kein schlechtes Gewissen nötig, liebe Mamas!

Ich habe beschlossen, euch hier bei Krümel und Chaos von meinen Kaiserschnittgeburten zu erzählen und auch andere Frauen zu Wort kommen zu lassen. Die Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt bekommen haben, sind ebenso vielfältig, wie die Gründe dafür. Am Ende muss jede Frau für sich entscheiden, ob sie einen Kaiserschnitt bekommt, oder natürlich entbindet – und niemand muss sich dafür schuldig fühlen oder gar schämen.

Mütter entscheiden am laufenden Band, was das Beste für ihre Kinder ist – und genauso meistens auch bei einer Sectio. Wir alle haben für unsere Kinder nur das Beste im Sinn. Ein Kaiserschnitt ist nicht der einfache Weg und auch nicht immer der beste – aber oft genug ist er der Einzige. Und manchmal gehen Mütter lieber auf Nummer sicher, wenn es Gründe zur Besorgnis gibt. So wie ich.

Ich habe mich für den Kaiserschnitt und gegen das Risiko für meine Kinder entschieden und auch wenn ich gern einen natürliche Geburt erlebt hätte, bin ich unterm Strich glücklich und zufrieden, denn ich habe zwei gesunde Kinder.

„Am Ende ist das was zählt, dass ihr euer Kind im Arm haltet – egal, aus welcher Körperöffnung es gekommen ist.“ Das ist ein Zitat von derGanz normalen Mama, die mir mit ihrem Artikel „Kaiserschnitt? Kein Grund für schlechtes Gewissen oder Selbstvorwürfe“ direkt aus der Seele gesprochen hat.

Tanja (36) – 2 Kinder, 2 Kaiserschnittgeburten

Mein erster Sohn hatte sich im Bauch nicht gedreht, obwohl ich gemerkt hatte, dass er es versuchte. Er schien einfach das Köpfchen nicht nach unten zu bekommen. Oft lag er quer und der Bauch hatte dann eine ganz seltsame Form. Das Ganze tat ziemlich weh. Er versuchte es, aber es ging wohl einfach nicht. Später stellte sich heraus, dass es mit der Nabelschnur zu tun hatte, die wohl zu kurz gewesen war. Alle Maßnahmen – indische Brücke, Globuli oder Moxibustion – halfen nicht.

Also hatte ich die Wahl zwischen einem Kaiserschnitt und einer Geburt in Beckenendlage. Steißgeburt? Nicht mit mir. Klar, „früher ging das auch“, bei wie vielen das aber nicht geklappt hat, ist nicht überliefert, denn früher war es auch nicht ungewöhnlich, dass eine Frau die Geburt nicht überlebte.

Mein Bauchgefühl riet zum Kaiserschnitt. Auch eine äußere Wendung kam für uns nicht in Frage – das entschied auch wieder ganz klar und deutlich das Bauchgefühl. Uns waren Sicherheit und Gesundheit unseres Sohnes wichtiger, obwohl ich schon enttäuscht war, dass ich nicht natürlich entbinden würde, hatte ich mich doch auf „das ganze Paket“ gefreut.

Angst, zu fallen

Am Tag der Geburt war ich so aufgeregt wie nie. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Nadel, die man mir in den Rücken pieksen würde, aber meine Hebamme hielt mich dabei die ganze Zeit fest im Arm und ich war froh, dass sie da war. Sie nahm der ganzen OP ein wenig den OP-Charakter, sodass es eine schöne Geburtserfahrung wurde.

Ich lag auf dem OP-Tisch und das Gefühl, dass da am Bauch herumgedrückt und gerissen wurde, war schon seltsam. Kurzfristig bekam ich durch die PDA starke Kreislaufprobleme, die die Ärzte jedoch schnell in den Griff bekamen. „Der Druck den du gleich spüren wirst, ist quasi der Geburtsvorgang“, erklärte mir die Hebamme.

Seltsamerweise hatte ich die ganze Zeit über die unerklärliche Angst, vom OP-Tisch zu fallen – schon als ich an der Schleuse aufs Transferband gelegt wurde, musste mir der Arzt drei Mal versichern, dass da ein OP-Tisch stand und ich nicht auf den Boden plumpsen würde.

Da ist er!

„Da ist er! Ihr Sohn!“, hörte ich. Leider war das ein paar Sekunden lang alles, was ich hörte, denn mein Junge schrie nicht.

Kurzzeitig erfasste mich Panik, was mir wie endlose Minuten vorkam, waren jedoch nur wenige Sekunden. Da hörte ich ihn schon kurz aufschreien – und dann wurde er mir auf die Brust gelegt. „Bist du aber schön!“, seufzte ich unter Tränen. Mein Mann, der hinter mir saß, nahm uns beide in den Arm. „Hallo, kleiner Kerl“, begrüßte er unseren Sohn mit Tränen in den Augen.

Mein Kaiserschnitt und ich_Bild 1

Locke ist da – noch lockenlos!

Alles, was folgte – das Zunähnen, das Gezupfe und Geziehe – war mir egal. Die Blutdruckmanschette quetschte mir fast den Arm ab, immer wieder ermahnte man mich, den Arm gerade zu lassen – ging nicht, da war mein Sohn, den ich unbedingt festhalten musste. Immer noch hatte ich Angst, wir könnten fallen.

Erst als wir zurück im Kreißsaal waren, hörte das auf und ich sah mein Kind verliebt an und tat die nächsten fünf Tage nichts anderes mehr. Ich konnte nicht aufhören zu weinen – vor Freude. Ich konnte zu der Zeit keine Karten mit Glückwünschen zur Geburt lesen – egal wie simpel der Spruch war, sofort liefen meine Augen über.

Hormon-Tsunami und überwältigendes Glück

Noch lange habe ich die Minuten im Kreißsaal, als man mir mein Kind auf die Brust legte, wieder und wieder durchlebt und es war der glücklichste Moment meines Lebens. Dass es die Hormonflut und diese wahnsinnige Mutterliebe nur bei natürlichen Geburten gibt, wie man mir vorher hatte weismachen wollen, stimmt nämlich nicht. Alles war da: Hormone, unbeschreibliches Glück und unfassbare Liebe.

Die Geburt in Steißlage wäre, aufgrund meines sehr engen Beckens, nicht möglich gewesen, darin waren sich Ärzte und Hebamme einig. Im schlimmsten Fall hätten wir wohl beide den Versuch nicht überlebt.

Das war der Grund, warum ich auch meinen zweiten Sohn per Kaiserschnitt zur Welt brachte. Ich hatte verschiedene Ärzte gefragt und nachdem mir alle zum Kaiserschnitt geraten hatten („Ihr Becken ist aber wirklich sehr eng!“) entschlossen wir uns beim Zwockel auch dazu, obwohl er brav mit dem Kopf nach unten lag. Hinzu kam, dass es bei den letzten Ultraschallbildern so aussah, als habe sich die Nabelschnur um seinen Hals gelegt und das beseitigte die letzten Zweifel.

Die Geburt – ganz ähnlich und doch ganz anders

Diese Geburt war vom Ablauf her ähnlich, emotional für mich aber ganz anders. Ich wusste bereits, was mich erwartet und das OP-Team war gut drauf und scherzte, alberte herum. Wir lachten viel und hatten Spaß. Obwohl mir das die kleine Angst, die noch da war, nahm, empfinde ich es im Nachhinein doch irgendwie als doof – als würde man während eines Gottesdienstes herumalbern. Irgendwie hat mir das die feierliche Stimmung versaut.

Als ich meinen zweiten Sohn im Arm hielt, blieb der überwältigende Hormon-Tsunami, den ich beim ersten Kind gespürt hatte, aus. Vielleicht lag es an der komischen Stimmung im OP, aber das Kind war da, es war gesund und das war gut so. Ganz matter-of-factly. Ich war froh und erleichtert, ihn endlich wohlbehalten auf der Welt begrüßen zu können, aber ohne die ganzen Tränen und die emotionalen Höhen und Tiefen.

Mein Kaiserschnitt und ich_Bild 2

Zwockel und Mama

 

So unterschiedlich, wie ihre Geburten

Ein bisschen schade fand ich das – aber ich hatte es ja beim ersten Kind erlebt und meiner Liebe zu beiden tut das bis heute keinen Abbruch. Ich habe zwei völlig normale, gesunde Söhne, die beide keinerlei Kaiserschnitt-Traumata aufweisen. Beide sind charakterlich so unterschiedlich, wie ihre Geburten.

Ich bin dankbar, dass es ihnen gut geht und bin nur noch ab und zu ein kleines Bisschen neidisch auf Frauen mit Wehen und natürlicher Geburt!