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(Beistell-) Bettgeschichten

Sind wir gestört?

Das Baby im Schlafzimmer, ganz nah bei den Eltern, direkt griffbereit zum Stillen und Kuscheln. So soll es laut Experten im ersten Jahr sein. Na gut, zumindest im Elternschlafzimmer soll das Kind sein – es darf natürlich auch ein ganz normales Kinderbett, eine Wiege oder ein Stubenwagen sein. Das Beistellbett ist ein gemütlicher Luxus. Luxus? Ja, denn günstig sind die Betten nicht. Ich weiß das, wir hatten zwei.

Kein Kissen, keine Decke, kein Nestchen. Auf dem Rücken muss das Kind liegen, im Schlafsack. Soweit die Theorie. Doch wie so oft, kam es bei uns anders.

Mama liebt das Beistellbett

Ich habe das Beistellbett geliebt. Die ersten sechs Wochen kuschelte ich mit Locke zum Einschlafen, er schlief auf Mamas Brust im Wohnzimmer ein. Wenn ich ins Bett ging, nahm ich ihn mit ins Schlafzimmer, legte ihn ins Beistellbett und kuschelte mich auf seiner Augenhöhe in mein Kissen. Er fühlte sich wohl und schlief wie ein Weltmeister.

Bis er etwa sechs Monate alt war. Auf einmal war das Kind nachts sehr unruhig, wachte ständig auf, knütterte – man merkte, dass er nicht mehr ganz so glücklich war. Er holte den fehlenden Schlaf oft am Tage nach, aber man merkte, dass ihn irgendetwas störte – er war nicht mehr so ausgeglichen, wie wir ihn kannten. „Eine Phase“, sagten alle.

Gestört!

Eines Nachts lag ich wach. Links lag Locke im Beistellbett, rechts der Ehemann. Und dann fiel es mir auf: Jedes Mal, wenn der Mann sich umdrehte (mit der Grazie eines Blauwals), wurde das Kind wach. Hustete einer von uns – Locke wachte auf. Schon ein Schniefen reichte aus, um den kleinen Mann zu stören. Immer, wenn einer von uns ein Geräusch, und war es noch so leise, von sich gab, weckten wir das Baby damit auf. Wir störten unser Kind beim Schlafen!

Kein Wunder, dass er nicht mehr der entspannte Babymann war, den wir kennengelernt hatten.

Was tun? „Bringen wir ihn in sein eigenes Zimmer„, schlug der Mann vor. „Aaaaber…“, ich zählte alles auf, was ich gelesen hatte. Die Kinder sollen doch das ganze erste Jahr bei dem Eltern im Zimmer schlafen. „Probiert es doch einfach aus“, riet auch meine Hebamme.

Im eigenen Bett, im eigenen Zimmer

Und das taten wir. Wir steckten mächtig Kritik ein („Muss ja jeder selber wissen, wenn er das Leben seines Kindes gefährdet, ne?!“ ätzte beispielsweise die Frau, die den Rückbildungskurs leitete), aber wir versuchten es. In den ersten zwei Nächten hing ich am (neuen) Videofon. Man sah das Kind atmen und hörte jeden Pups. Ich schlief so gut wie gar nicht – im Gegensatz zu meinem Sohn: Locke war wieder ganz er selbst und schlief und schlief und schlief.

Friedlich und ungestört ratzte er die Nächte durch (bis auf eine Stillmalzeit um Punkt zwei Uhr nachts). Es funktionierte! Seitdem hat er – bis heute – nur noch selten Phasen, in denen er sich des Nachts stören lässt – normalerweise schläft Locke nämlich wie ein kleiner Stein.

Eigenes Bett statt Beistellbett.

Alles anders bei Zwockel

Für den Zwockel mussten wir uns ein neues Beistellbett kaufen, denn wir hatten uns in der Zwischenzeit ein Boxspringbett gekauft, das alte Beistellbett passte nicht mehr.

Als Zwockel nach Hause kam, wollte alles so machen, wie bei Locke. Denkste!

Auf Mamas Brust einschlafen? Nö! Vielleicht AN der Brust, aber nicht darauf. Die ersten Wochen stillte ich ununterbrochen. Mit Kind an der Brust war für mich an Schlaf nicht zu denken. Doch kaum lag der Kleine im Beistellbett, ging seine Sirene an.

Auf dem Rücken schlafen ging gar nicht, den größten Erfolg hatten wir, wenn er auf dem Bauch lag. „Das ist bei manchen Kindern so“, sagte die Hebamme. Doch das Einschlafen klappte auch so nicht wirklich.

Da man das Kind ja nicht schreien lassen soll, legten wir uns schichtweise zur Einschlafbegleitung daneben – und Zwockel schrie und schrie und schrie. Bis ich ihn eines Abends allein lassen musste, da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte. Kaum war ich aus dem Zimmer gegangen – keine 3 Minuten später – schlief das Kind. Dies wiederholte sich am nächsten Abend: Gingen wir aus dem Zimmer, schlief das Kind kurz darauf.

Andere Leute im Zimmer? Zwockels Paaartytime!

Wenn wir aber ins Bett kamen, wurde der kleine Mann aber wieder wach – egal, wie leise wir waren.

Im Beitrag „Schlafgeschichten“ erwähnte ich bereits, dass Zwockel in nächtlicher Gesellschaft eher so das Partytier ist. Er wachte alle 30 Minuten auf, schrie, wollte an die Brust – am liebsten die ganze Nacht.

Wir probierten alles: Osteopath (der Blockaden löste), Beistellbett-Seitenwechsel, neuer Schlafsack, gar kein Schlafsack, Pucksack – nur eines klappte: Eines Abends zog ich völlig erschöpft auf die Couch um und das Kind schlief ganze 90 Minuten am Stück.

„Vielleicht riecht er deine Milch“, vermutete die Hebamme.

Was auch immer, nach drei Monaten gingen der Mann und ich auf dem Zahnfleisch. Das sollte sich bei mir zwar nicht wirklich bessern, bis es beinahe zur Katastrophe kam, aber man merkte auch dem Kind an, dass ihm die unruhigen Nächte zusetzten.

Besser Couch als Beistellbett

Sind meine Kinder nicht gemacht fürs Beistellbett?

„Was ist, wenn unsere Kinder einfach nicht beistellbettkompatibel sind?“ fragte der Ehemann. „Oder elternzimmerinkompatibel? Was, wenn es Kinder gibt, für die das einfach nichts ist?“

Und so zog auch der Zwockel ins Kinderzimmer um. Mit bereits drei Monaten. Seine Schlafsituation besserte sich augenblicklich – vom 30-Minuten-Rhythmus erhöhte er nun dauerhaft auf 90-Minuten-Schläfchen – für ihn schien das ausreichend. Dass Locke auch in dem Zimmer schlief, störte ihn nicht und auch Locke schlief tief und fest durch jede Schreiattacke hindurch.

Rabenmamas schlechtes Gewissen

Mein schlechtes Gewissen, das mich jeweils bis zum ersten Lebensjahr begleitet hatte, weil ich mich nicht an die schlauen Ratgeber gehalten habe, werde ich allerdings nie vergessen. Ich fühlte mich wie eine Versagermama, weil meine Kinder nicht das tun wollten, was im Buch – in allen meinen Babyratgebern – stand.

Lag es am Kaiserschnitt? Hatten wir eine Bindungsstörung? War ich gestört? Waren meine Kinder gestört? Muss ich mich schon um einen guten Therapeuten kümmern? Wochenlang quälte ich mich mit Theorien, befragte Dr. Google und las in Elternforen, dass ich wohl die Schlimmste aller Rabenmütter sei… die, die ihre Babys im eigenen Zimmer schlafen lässt.

Habe ich es richtig gemacht? Ich denke ja. Man muss wohl einfach sehen, was für das Kind passt und sich dann einmal mehr aufs Bauchgefühl verlassen. Das, wohlgemerkt, war mit der Entscheidung für das eigene Bett der Kinder völlig d’accord. Nur mein Kopf, der machte sich Sorgen, denn in den Büchern und im Internet stand ja… ach.

Ein Beistellbett, die räumliche (!) Nähe zu den Eltern, ist vielleicht einfach nicht immer für jedes Kind das Beste.

Von Mamas Bauchgefühl und einem Bauchnabel

„Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

Hört ihr manchmal auf euren Bauch? Ich habe ja, bevor ich Kinder hatte, meist Kopfentscheidungen getroffen. Allerdings, wenn ich zurückblicke, kamen die wirklich wichtigen Entscheidungen aus dem Bauch.

Kopf gegen Bauch

Der Ehemann zum Beispiel. Wir waren schon lange befreundet gewesen, als unsere Beziehung begann. Als es dann mehr wurde, hätte jedes Gehirn, jeder Kopf sofort gesagt „Lass die Finger von ihm!“ Mein Bauch aber, der sagte beim ersten Kuss: „Der. Der ist es. Wenn ich mal heirate, dann den.“ Und so war es auch, es dauerte ein paar Jahre, es gab Aufs und Abs – wir trennten uns, ich zog sogar für einige Zeit nach Australien – nur um wieder zurückzukommen zu ihm, dem Einen, dem Einzigen.

Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich öfter auf meinen Bauch gehört hätte. Ich bin auf jeden Fall ein Bauchmensch. Wenn etwas passiert, merke ich das sofort im Bauch. Ich reagiere entweder mit Schmetterlingen oder Krämpfen im Bauch. Wenn etwas Schlimmes passiert, bin ich die erste, die sich übergibt. Mein Bauch ist für mich das absolute Gefühlszentrum. Dort sitzt meine Seele, mein Instinkt – und dass ich mich auf ihn verlassen kann, hat mein Bauch mehrfach bewiesen, seitdem ich Kinder habe.

Mein Bauchgefühl sagt „Da kommt noch was!“

Als Locke geboren wurde, war ich voller Hormone. Ich war ein völlig neuer Mensch – mit ganz neuer Software. Weicher, auch seelisch.

Als wir mit Baby nach Hause kamen und wir uns fanden und kennenlernten, spielte mein Bauch oft eine große Rolle. Ganz besonders aber in Bauchnabeldingen: Denn als Lockes Nabelrest abfiel, blieb eine kleine offene Stelle zurück. Ein kleiner, roher, rosiger Knubbel linste neben der Bauchnabelmitte hervor.

„Ist das ein Nabelbruch?“, fragte ich die Hebamme. „Ist das schlimm?“

„Quatsch! Ein Nabelbruch ist was ganz anderes! Das sieht man doch“, erwiderte die Hebamme recht unwirsch und verständnislos. „Das ist normal, Granulom heißt das und das wird von selbst wieder weggehen.“

Nein„, antwortete da mein Bauchgefühl. „Wird es nicht. Da kommt noch was. Vertrau mir.“

Nicht schlimm, sagt auch der Kinderarzt

Auch unser Kinderarzt winkte ab. Harmlos, geht von allein weg oder wir veröden es. Auf jeden Fall kein Grund zur Sorge.

Nana, freu dich mal nicht zu früh!„, murmelte mein Bauch.

Schlimm ist es wirklich nicht. Kein Grund zu großer Sorge! Aber mein Bauchgefühl sollte Recht behalten. Als Locke drei war, war das Granulom noch immer da. Inzwischen war es schon zwei oder dreimal verödet worden, aber es kam immer wieder. Es blutete immer wieder leicht, tat ihm aber nicht weh. Doch nun war auch der Kinderarzt der Meinung, dass die Chirurgen der Kinderklinik besser einmal draufsehen sollten, auch um auszuschließen, dass es eine Fistel sei und mit Blase oder Darm verbunden.

„Frau Chaos! Da ist ein Fehler auf Ihrer Überweisung. Da steht „Nabelgranulom“. Ihr Sohn ist aber schon drei!“, kam eine besorgte Arzthelferin zu mir ins Wartezimmer in der Chirurgie.

„Ähh, nee, das ist schon richtig, darum sind wir hier“, augenrollte ich.

„Nicht schlimm, vertrauen Sie uns!“ Von wegen.

Bauchgefühl lag richtig. Lockes Nabelgranulom.

Lockes Nabelgranulom.

Auch die Chirurgen waren nach Untersuchung und Ultraschall der Meinung, dass sich das Problem von selbst erledigen werde. Keine Verbindungsgänge nach irgendwo. Nur halt hartnäckiger als üblich. Man verödete noch einmal und alle waren guter Dinge, dass sich das Granulom nun ergeben würde – alle, bis auf mein Bauchgefühl.

Vergiss es! Das geht nicht weg!“ nagte es an mir.

Und es sollte Recht behalten. Nun ist unser Locke bereits viereinhalb Jahre alt – und kleine rosa Granulömchen ist noch immer da. Inzwischen zig Mal verödet, kommt die hartnäckige kleine Pocke immer wieder und wieder und wieder. Es blutet immer wieder leicht, verursacht aber keine Schmerzen – doch wenn etwas rauskommt, kann ja auch was reinkommen, beim Spielen im Sand und im Matsch, zum Beispiel. Die Infektionsgefahr ist immer präsent.

Wir waren nun in einer weiteren Klinik – und schau an: Mitte November wird Locke operiert.

Bauchgefühl reloaded – auch beim Zwockel

Auch beim Zwockel war mein Bauchgefühl stark und unbeugsam. Zwockel kam mit einem Hodenhochstand auf die Welt. Mein Bauchgefühl lag auch da richtig. Innerhalb eines Jahres sollte sich der kleine Hoden zeigen, ansonsten muss operiert werden. Und so war es, mit knapp einem Jahr musste der kleine Mann ins Krankenhaus.

Bauchgefühl lag richtig

Das kleine Ei war weder tast- noch sonstwie auffindbar. Eine gängige Therapie: Hormone. Die kleinen Kinder bekommen ein mit Hormonen angereichertes Nasenspray und ein bis zwei Spritzen, um den Hoden, der eventuell irgendwo auf seinen Einsatz wartet, schneller reifen zu lassen.

Ich hörte „Hormone“, erinnerte mich daran, welche Macht diese in der Schwangerschaft und nach der Geburt auf mich gehabt hatten und mein Bauchgefühl sagte deutlich „NEIN!“

Beleidigte Chirurgen, toller Kinderarzt

Die Chirurgen, die auch Lockes Granulom begutachtet hatten, reagierten verschnupft auf meine „Ansage“ und unterstellten mir, schlauer sein zu wollen als die Ärzte. Wer mich kennt, weiß, dass dem nicht so ist – ich akzeptiere sehr wohl, dass gut ausgebildete Mediziner mehr Ahnung haben, als ich oder Dr. Google. Aber in diesem Falle war es – wie bereits erwähnt – das Bauchgefühl. Und das war so stark, dass ich es einfach nicht ignorieren konnte.

Unser Kinderarzt reagierte ganz anders: Ich bat um ein Gespräch unter vier Augen, er nahm sich Zeit und hörte mir zu. Am Ende stimmte er mir zu. Er verstand mich und gab mir Rückendeckung.

Und dann – in der Klinik, in der Locke nun auch operiert werden wird – erfuhr mein Bauchgefühl seine Bestätigung: „Die Hormontherapie wurde jahrelang gemacht, ab nächstem Jahr ändern sich die Statuten und das gibt es für Kleinkinder nicht mehr. Wir raten Ihnen also davon ab“, so der untersuchende Chirurg.

Bauchgefühl? War richtig!

„DA! Was hab ich gesagt!“ triumphierte mein Bauchgefühl. Wieder einmal behielt es Recht. Und von nun an werde ich öfter darauf hören – der Kopf ist ja schön und gut, aber wie sagte mir ein schlauer Kinderarzt?

„Hören Sie auf ihren Bauch. Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

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Gedanken eines Kopfkindes: Wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?

Philosophie mit dem Vierjährigen

Unser Locke ist ein Denker. Ein Kopfkind. Ein vorsichtiger Beobachter. Er macht sich schon seit jeher viele Gedanken. Bereits im PEKiP konnte man sehen, dass er erst beobachtete, bevor er etwas Neues tat. Er schaute, was die anderen tun, schien dann eine Weile in sich zu gehen und erst dann versuchte er es auch.

Keine Nachrichten für Locke

Er ist sehr aufmerksam und merkt sich sehr viel. Bereits im letzten Dezember, Locke war dreieinhalb, fiel uns das auf. Im Radio kam eine Meldung: Jugendliche hatten einem schlafenden Kumpel einen Streich spielen wollen und neben ihm eine Kettensäge angeworfen. Der Schlafende erschreckte sich, schlug im Reflex nach der Säge – und verletzte sich natürlich schwer.

Gut eine Woche später sprach Locke plötzlich davon, dass man mit Kettensägen ja sehr vorsichtig sein müsse und damit keine Leute erschrecken dürfe. Wenn das so unvermittelt von einem piepsigen Dreijährigen vorgetragen wird, ist man schon etwas gegruselt. Bei der Autofahrt hatte er die Meldung im Radio gehört und sich seither so seine Gedanken gemacht.

Seitdem gilt: Radio besser aus, wenn Kind im Raum oder Auto.

Lockes Gedanken

Locke macht sich oft sehr viele, weitreichende Gedanken. Die Sache mit der Fortpflanzung interessiert ihn im Detail noch nicht so (obwohl ich ein tolles Buch dazu habe!). Was ihn interessiert, ist, wo ein Baby war, bevor es in den Bauch der Mama kam.

Der Klapperstorch war ja bei uns nie ein Thema, denn als ich mit Zwockel schwanger war, spielten wir von Beginn an mit offenen Karten. Am letzten Wochenende fanden wir ein altes Handyvideo, auf dem Locke vor meinem dicken Babybauch steht und „Hallo Babybruder!“ ruft. Er war begeistert, aber ich sah, wie es in seinem Köpfchen rotierte.

Gedanken - Locke küsst Babybauch

Locke küsst den Babybruder

„Mama? Ich war doch auch in deinem Bauch. Wo war denn der Zwockel da? Ich hab den da gar nicht gesehen!“ Ich erklärte ihm, dass es den Zwockel damals noch gar nicht gab.

„Ja, aber, wo war er denn dann? Und wo war ich, bevor ich in deinem Bauch war?“

Das Kuchengleichnis

Ich habe mir lange überlegt, wie ich diese Frage beantworte. Denn es geht ihm ja nicht darum, wie Babys gemacht werden, sondern philosophischer: Wo man ist, bevor man existiert. Wo genau man ist, konnte ich ihm natürlich nicht beantworten. Aber ich habe ihm das folgenermaßen erklärt:

Wenn man einen Kuchen backen will, ist der Kuchen ja noch nicht da. Man hat Eier, Butter, Zucker, Mehl, Milch und sonstwas alles – und erst wenn man es zusammenrührt und dann für eine Weile in den Ofen stellt, hat man einen Kuchen. Und genauso ist das mit kleinen Babybrüdern. Man hat die Zutaten: Mama, Papa und ganz viel Liebe – und die mischt man zusammen und nach neun Monaten in Mamas Bauch ist das Geschwisterchen dann fertig.

„Aha! Ein Babykuchenbruder!“, rief mein Locke erfreut und ging zufrieden wieder zum Spielen. Offensichtlich hatte ihm meine Erklärung eingeleuchtet.

Gedanken - Wo war Baby vorher

Locke und der Babybauch

Mein Kaiserschnitt und ich (1)

Kein schlechtes Gewissen nötig, liebe Mamas!

Ich habe beschlossen, euch hier bei Krümel und Chaos von meinen Kaiserschnittgeburten zu erzählen und auch andere Frauen zu Wort kommen zu lassen. Die Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt bekommen haben, sind ebenso vielfältig, wie die Gründe dafür. Am Ende muss jede Frau für sich entscheiden, ob sie einen Kaiserschnitt bekommt, oder natürlich entbindet – und niemand muss sich dafür schuldig fühlen oder gar schämen.

Mütter entscheiden am laufenden Band, was das Beste für ihre Kinder ist – und genauso meistens auch bei einer Sectio. Wir alle haben für unsere Kinder nur das Beste im Sinn. Ein Kaiserschnitt ist nicht der einfache Weg und auch nicht immer der beste – aber oft genug ist er der Einzige. Und manchmal gehen Mütter lieber auf Nummer sicher, wenn es Gründe zur Besorgnis gibt. So wie ich.

Ich habe mich für den Kaiserschnitt und gegen das Risiko für meine Kinder entschieden und auch wenn ich gern einen natürliche Geburt erlebt hätte, bin ich unterm Strich glücklich und zufrieden, denn ich habe zwei gesunde Kinder.

„Am Ende ist das was zählt, dass ihr euer Kind im Arm haltet – egal, aus welcher Körperöffnung es gekommen ist.“ Das ist ein Zitat von derGanz normalen Mama, die mir mit ihrem Artikel „Kaiserschnitt? Kein Grund für schlechtes Gewissen oder Selbstvorwürfe“ direkt aus der Seele gesprochen hat.

Tanja (36) – 2 Kinder, 2 Kaiserschnittgeburten

Mein erster Sohn hatte sich im Bauch nicht gedreht, obwohl ich gemerkt hatte, dass er es versuchte. Er schien einfach das Köpfchen nicht nach unten zu bekommen. Oft lag er quer und der Bauch hatte dann eine ganz seltsame Form. Das Ganze tat ziemlich weh. Er versuchte es, aber es ging wohl einfach nicht. Später stellte sich heraus, dass es mit der Nabelschnur zu tun hatte, die wohl zu kurz gewesen war. Alle Maßnahmen – indische Brücke, Globuli oder Moxibustion – halfen nicht.

Also hatte ich die Wahl zwischen einem Kaiserschnitt und einer Geburt in Beckenendlage. Steißgeburt? Nicht mit mir. Klar, „früher ging das auch“, bei wie vielen das aber nicht geklappt hat, ist nicht überliefert, denn früher war es auch nicht ungewöhnlich, dass eine Frau die Geburt nicht überlebte.

Mein Bauchgefühl riet zum Kaiserschnitt. Auch eine äußere Wendung kam für uns nicht in Frage – das entschied auch wieder ganz klar und deutlich das Bauchgefühl. Uns waren Sicherheit und Gesundheit unseres Sohnes wichtiger, obwohl ich schon enttäuscht war, dass ich nicht natürlich entbinden würde, hatte ich mich doch auf „das ganze Paket“ gefreut.

Angst, zu fallen

Am Tag der Geburt war ich so aufgeregt wie nie. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Nadel, die man mir in den Rücken pieksen würde, aber meine Hebamme hielt mich dabei die ganze Zeit fest im Arm und ich war froh, dass sie da war. Sie nahm der ganzen OP ein wenig den OP-Charakter, sodass es eine schöne Geburtserfahrung wurde.

Ich lag auf dem OP-Tisch und das Gefühl, dass da am Bauch herumgedrückt und gerissen wurde, war schon seltsam. Kurzfristig bekam ich durch die PDA starke Kreislaufprobleme, die die Ärzte jedoch schnell in den Griff bekamen. „Der Druck den du gleich spüren wirst, ist quasi der Geburtsvorgang“, erklärte mir die Hebamme.

Seltsamerweise hatte ich die ganze Zeit über die unerklärliche Angst, vom OP-Tisch zu fallen – schon als ich an der Schleuse aufs Transferband gelegt wurde, musste mir der Arzt drei Mal versichern, dass da ein OP-Tisch stand und ich nicht auf den Boden plumpsen würde.

Da ist er!

„Da ist er! Ihr Sohn!“, hörte ich. Leider war das ein paar Sekunden lang alles, was ich hörte, denn mein Junge schrie nicht.

Kurzzeitig erfasste mich Panik, was mir wie endlose Minuten vorkam, waren jedoch nur wenige Sekunden. Da hörte ich ihn schon kurz aufschreien – und dann wurde er mir auf die Brust gelegt. „Bist du aber schön!“, seufzte ich unter Tränen. Mein Mann, der hinter mir saß, nahm uns beide in den Arm. „Hallo, kleiner Kerl“, begrüßte er unseren Sohn mit Tränen in den Augen.

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Locke ist da – noch lockenlos!

Alles, was folgte – das Zunähnen, das Gezupfe und Geziehe – war mir egal. Die Blutdruckmanschette quetschte mir fast den Arm ab, immer wieder ermahnte man mich, den Arm gerade zu lassen – ging nicht, da war mein Sohn, den ich unbedingt festhalten musste. Immer noch hatte ich Angst, wir könnten fallen.

Erst als wir zurück im Kreißsaal waren, hörte das auf und ich sah mein Kind verliebt an und tat die nächsten fünf Tage nichts anderes mehr. Ich konnte nicht aufhören zu weinen – vor Freude. Ich konnte zu der Zeit keine Karten mit Glückwünschen zur Geburt lesen – egal wie simpel der Spruch war, sofort liefen meine Augen über.

Hormon-Tsunami und überwältigendes Glück

Noch lange habe ich die Minuten im Kreißsaal, als man mir mein Kind auf die Brust legte, wieder und wieder durchlebt und es war der glücklichste Moment meines Lebens. Dass es die Hormonflut und diese wahnsinnige Mutterliebe nur bei natürlichen Geburten gibt, wie man mir vorher hatte weismachen wollen, stimmt nämlich nicht. Alles war da: Hormone, unbeschreibliches Glück und unfassbare Liebe.

Die Geburt in Steißlage wäre, aufgrund meines sehr engen Beckens, nicht möglich gewesen, darin waren sich Ärzte und Hebamme einig. Im schlimmsten Fall hätten wir wohl beide den Versuch nicht überlebt.

Das war der Grund, warum ich auch meinen zweiten Sohn per Kaiserschnitt zur Welt brachte. Ich hatte verschiedene Ärzte gefragt und nachdem mir alle zum Kaiserschnitt geraten hatten („Ihr Becken ist aber wirklich sehr eng!“) entschlossen wir uns beim Zwockel auch dazu, obwohl er brav mit dem Kopf nach unten lag. Hinzu kam, dass es bei den letzten Ultraschallbildern so aussah, als habe sich die Nabelschnur um seinen Hals gelegt und das beseitigte die letzten Zweifel.

Die Geburt – ganz ähnlich und doch ganz anders

Diese Geburt war vom Ablauf her ähnlich, emotional für mich aber ganz anders. Ich wusste bereits, was mich erwartet und das OP-Team war gut drauf und scherzte, alberte herum. Wir lachten viel und hatten Spaß. Obwohl mir das die kleine Angst, die noch da war, nahm, empfinde ich es im Nachhinein doch irgendwie als doof – als würde man während eines Gottesdienstes herumalbern. Irgendwie hat mir das die feierliche Stimmung versaut.

Als ich meinen zweiten Sohn im Arm hielt, blieb der überwältigende Hormon-Tsunami, den ich beim ersten Kind gespürt hatte, aus. Vielleicht lag es an der komischen Stimmung im OP, aber das Kind war da, es war gesund und das war gut so. Ganz matter-of-factly. Ich war froh und erleichtert, ihn endlich wohlbehalten auf der Welt begrüßen zu können, aber ohne die ganzen Tränen und die emotionalen Höhen und Tiefen.

Mein Kaiserschnitt und ich_Bild 2

Zwockel und Mama

 

So unterschiedlich, wie ihre Geburten

Ein bisschen schade fand ich das – aber ich hatte es ja beim ersten Kind erlebt und meiner Liebe zu beiden tut das bis heute keinen Abbruch. Ich habe zwei völlig normale, gesunde Söhne, die beide keinerlei Kaiserschnitt-Traumata aufweisen. Beide sind charakterlich so unterschiedlich, wie ihre Geburten.

Ich bin dankbar, dass es ihnen gut geht und bin nur noch ab und zu ein kleines Bisschen neidisch auf Frauen mit Wehen und natürlicher Geburt!