Beiträge

,

Krümels Rundblick (9)

Unsere Lese-Empfehlungen des Monats

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Rundblick auf die Bloggerkollegen und –kolleginnen und Andere. Eigentlich machen wir das ja viel zu selten – Sharing is caring! Wir geloben Besserung, wie immer!

Hier ist ein Artikel von Stadt Land Mama über das Petzen. Ich finde das Thema sehr wichtig und man sollte darüber tatsächlich einmal nachdenken. Denn auf der einen Seite wollen wir ja, dass unsere Kinder uns alles sagen – auf einmal ist das dann „Petzen“? Dazu werden ich bestimmt auch nochmal meine Gedanken in einem Blogbeitrag formulieren.

Petzen: Warum ich finde, dass einem Kind dafür niemals ein Vorwurf gemacht werden sollte

Auch der Artikel von Susanne Mierau Geborgen Wachsen hat mich sehr berührt, denn genau das leben und lieben wir in unserer Familie. Wenn die Kleinen nachts zu uns unter die Decke schlüpfen ist das in den meisten Fällen auch für uns Eltern schön – denn viel zu schnell werden sie groß werden. Wenn euch demnächst irgendwelche Leute dafür kritisieren möchten, hat Susanne hier für euch die perfekte Antwort!

Leuchtturm in der Nacht – Kinder, die ins Elternbett kommen

Doktor Hein, Kinderarzt, hat sich bereits 2012 in einem Essay Gedanken zur Einschulung gemacht – und wenn man sich durch die Eltern-Foren liest, hat er nichts an Aktualität verloren. Verunsicherte Eltern, verunsicherte und demotivierte Kinder – woran liegt das und muss man immer gleich in einen Förderwahn verfallen?

Gedanken zur Einschulung

„Ich lache heute noch über den Brustton der Überzeugung, mit dem ich einst die Weltgeschichte beschallt habe, wie ich das mit der Kindererziehung – und überhaupt mit meinem zukünftigen Leben – machen werde. Konnte nicht sooo schwierig werden, schließlich hatte ich mal einen Hund…“ beginnt Susanne von Hallo liebe Wolke ihren Text und bereits da konnten wir uns wiedererkennen. Über Zweifel und Verunsicherung.

„Gestatten? Frau Susanne Unsicher-Bohne.“ (Warum Mama andauernd zweifelt.)

Manchmal ist auch meine Erziehung für die Tonne…

An manchen Tagen ist Laura von Heute ist Musik pädagogisch wertlos. An manchen Tagen ist Laura wie wir alle – und es tut gut, das mal schwarz-auf-weiß zu lesen! Denn perfekt ist niemand, liebe Mamas! Und auch Mamas haben manchmal einfach keinen Bock und tun das, was gerade einfach und bequem ist. Auch wenn es pädagogisch gerade zweifelhaft ist!

An manchen Tagen… bin ich pädagogisch wertlos

Too much Ordnungsliebe? Mein innerer Monk und ich.

Guten Tag. Mein Name ist Tanja und ich habe einen inneren Monk. Ein Teil von mir ist sehr strukturiert und giert nach Ordnung. Dabei ist es nicht so, dass von Natur aus so bin. Wer mich kennt – und ich meine wirklich kennt – weiß, dass es wohl keine größere Chaotin gibt, als mich. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es mir im Alltag hilft, ordentlich und strukturiert zu sein. Ich habe mir angewöhnt, immer alles, was ich nicht mehr brauche, wieder an seinen Platz zurückzulegen.

Ich mag keine Unordnung

Chaos mag ich eigentlich nicht – es macht mich unruhig und Unordnung verwirrt mich. Das hat bei mir konkrete Auswirkungen, auf meine Laune zum Beispiel. Ist es extrem unordentlich um mich herum, werde ich gereizt und bin angespannt. Entspannen und abschalten fällt mir schwer.

Also habe ich mir irgendwann angewöhnt, sehr ordentlich zu sein. Mein Sinn für Ordnung geht aber so weit, dass die Teller in der Spülmaschine richtig herum, mit dem Dekor zur Seite eingeräumt werden müssen. Die zweiteilige Gardine hängt nicht exakt gleich auf beiden Seiten? Dann zuppel und ziehe ich so lange daran herum, bis ich zufrieden bin. Anders lässt mir das keine Ruhe. Mein Mann nennt mich deshalb, in Anlehnung an The Big Bang Theorie, zärtlich seine kleine Sheldoline, denn in Sachen Pingeligkeit könnte ich Dr. Sheldon Cooper jederzeit das Wasser reichen.

Bällebad in Ordnung gebracht

Wenn man mich mit dem Bällchenbad spielen lässt…

Und dann kamen die Kinder…

Als ich schwanger mit Locke war, war mir bewusst, dass mich das Leben mit Kind in jeder Hinsicht, so auch in dieser, herausfordern würde. Locke war nun aber ein sehr ruhiges Kind, das selten wild das Spielzeug verstreute. Hinter ihm auszuräumen fiel mir leicht. Es wurden gewisse Regeln aufgestellt („Kein Spielzeug im Flur!“ oder „Kein Spielzeug in der Küche!“) und ich konnte mit seinem Kinder-Chaos leben. Mal mehr, mal weniger – aber immer moderat, die Unordnung. Zum Abend hin räumte ich alles auf und konnte so den entspannten Abend genießen.

Dann war im Kindergarten Elternsprechtag. Locke sei soweit altersgerecht entwickelt, bei der Deutlichkeit der Aussprache ist noch Luft nach oben, klar, war ja auch noch klein. Kein Grund zur Besorgnis!

Ein Mini-Sheldon?

„Aber sagen Sie mal“, sprach mich die Erzieherin an. „Ist Locke zuhause auch so pedantisch? Hier ist es oft so, dass bestimmtes Spielzeug in einer Reihe stehen muss und nicht durcheinander gebracht werden darf. Macht er das zuhause auch?“

Das wunderte mich, denn ein solches Verhalten hatte er zwar, bevor sein Bruder kam, ein paar Mal an den Tag gelegt, aber es hatte sich sehr gebessert. Zwangsweise – denn der kleine Bruder kümmert sich nicht um Ordnung und walzt durch den Spielzeugwald wie eine Mini-Planierraupe: Was im Weg ist, wird gnadenlos weggeschoben, aufgehoben oder zur Seite gekickt.

Der Ehemann und ich sind für extremes Verhalten bar jeder Normalität sensibilisiert, denn der Mann arbeitet beruflich mit autistischen Kindern. Da kennt er so manch fixiertes Verhalten und auch so mache Verhaltensweise, die sich nach extrem sheldonesquen Regeln richtet. Bei unserem Sohn hatten bisher noch keine Alarmglocken geklingelt, alles war im Rahmen.

„Ich glaube, das hat er von mir!“, dämmerte es mir und mir wurde nahe gelegt, zuhause etwas flexibler zu werden.

Ich und mein Monk

Nach dem Mittagessen dachte ich nach, während ich das Geschirr in den Geschirrspüler räumte. Schnell die Teller richtig herum gedreht während ich überlegte, ob ich Lockes Verhalten, das noch lange nicht besorgniserregend – aber auffällig war – irgendwie beeinflusst hatte. Als ich die Kinderküchen-Utensilien (beide Jungs sind begeisterte Köche) wieder einräumte, alles an seinen Platz, fiel mir auf, dass ich das vielleicht gar nicht tun müsste. Soooo schrecklich chaotisch war es doch vorher gar nicht gewesen, oder?

Kinderküche in Ordnung

Die Kinderküche – vorher und nachher.

Ich beschloss, den Ehemann abends darauf anzusprechen, ging ins Wohnzimmer und räumte die Duplosteine in die „Duplo-Tonne“, die Autos in die „Auto-Kiste“ und die übrigen Spielsachen in die „Kramkiste“. Fällt meinem Sohn das wirklich auf? Er ist seit jeher ein guter Beobachter und er bekommt viele Dinge mit, über die er dann viel nachdenkt. „Beobachtet er mich so gut, dass er mich nachahmt?“, überlegte ich, während ich die Gardine zurechtzupfte, die nicht wirklich mittig am Fenster hing.

Konnte es wirklich daran liegen? Oder war es für Locke eher so, dass er die Struktur, die er hier zuhause gewohnt war, und die Zwocki ihm völlig verpfuschte, im Kindergarten – seinem Lieblingsort – wieder aufbauen wollte? Hier zuhause war das nicht mehr möglich, vielleicht versuchte er, sein Stückchen Sicherheit und Ordnung in die Spielgruppe mit hineinzunehmen.

Sich selbst reflektieren

Vielleicht ist es ein Stück von beidem. Ich werde mich ab jetzt jedenfalls zusammenreißen und auch mal Fünfe gerade sein lassen. Die Gardine komisch hängen lassen. Vielleicht dreh ich sogar mal nen Teller in der Spülmaschine mit dem Dekor nach oben…

Ich finde es immer wieder wichtig innezuhalten und sich selbst zu beobachten. Sich selbst zu bewerten, Meinungen von außen zuzulassen und zu sehen, was man besser machen kann und was anders. Ich kann und werde meinem Kind nichts vorspielen und ich werde mich selbst nicht völlig umkrempeln – Mama ist eben Mama, ich bin ich – aber vielleicht rücke ich mich selbst mal ein bisschen zurecht.

Aber entschuldigt mich nun bitte, ich muss in die Küche, in der Spülmaschine steht ein Teller verkehrt herum.

Mein Monk rebelliert.

,

Nanu – Wie erziehst denn du? Von Krümel und Chaos.

Melanie von Lalemi hat zur Blogparade „Nanu – Wie erziehst denn du?“ aufgerufen und hier bin ich! Eigentlich möchte ich keine Erziehungstipps geben, denn jede Familie ist einfach zu individuell. Was für den einen funktioniert, klappt beim anderen nicht.

Bitte lest den Beitrag ohne den blöden Zeigefinger im Kopf, der suggeriert, dass das ab jetzt alle so machen müssen, wie ich.

Habe ich einen bestimmten Erziehungsstil?

Ich denke, man kann bei uns von konservativ, autoritär und in den meisten Fällen konsequent sprechen, auch wenn der Zwockel letzteres sehr schwer macht. Meine Freundin Pia gibt unumwunden zu, dass bei ihr eine Diktatur herrscht. Und sie ist nun wahrlich keine unangenehme Diktatorin – logisch und konsequent und dabei trotzdem sehr liebevoll.

Kinder brauchen Regeln. Und nicht nur die, auch ich selbst fühle mich am wohlsten, wenn mich klare Regeln und Strukturen umgeben. Ich bin nicht umsonst mit einem Pädagogen verheiratet und mit einer Jugendamtsmitarbeiterin eng befreundet, die ebendies bestätigen.

Mein Mann arbeitet mit jungen Autisten, das ist natürlich ein Thema für sich. Hier gilt es, eine Balance zu finden zwischen Regeln, um sich im Alltag besser zurecht zu finden und der Gefahr, sich damit einem Zwang zu unterwerfen und mit Ausnahmen nicht mehr umgehen zu können.

Auch meine Freundin vom Jugendamt bestätigt, dass Kinder, die völlig ohne Regeln aufwachsen, schnell zu Problemkindern werden können, denn wenn es im Mikrokosmos „Zuhause“ keine Regeln gibt, warum soll man sich dann im Makrokosmos „Welt“ daran halten?

Ich habe vor kurzem eine Diskussion in einer Facebook-Gruppe verfolgt, in der es darum ging, dass Regeln die Kinder in ihrer freien Entfaltung stören würden und – mehr noch – Gewalt am Kind seien. Wie so oft und bei fast allem gilt auch bei Regeln „Allzuviel ist ungesund“.

Ein sehr schlecht erzogenes Känguru.

Hast du einen bestimmten Erziehungsstil? Oder hast du vielleicht sogar schon einige ausprobiert?

Ich persönlich halte nichts von Laissez-faire. Natürlich lasse ich auch mal was durchgehen oder drücke mal ein Auge zu, bin ja kein Unmensch.

In erster Linie aber sind wir Eltern die Chefs, die Ausbilder, die liebenden Anleiter. Wir machen die Regeln und setzen diese durch, auch wenn wir der Demokratie nicht abgeneigt sind und immer versuchen, im Interesse unserer Kinder zu handeln. Es gibt natürlich auch bei uns mal Ausnahmen: Die Kinder sind um 19 Uhr bzw. 20 Uhr im Bett. Das ist nicht verhandelbar. Ist aber eine Feier, kommt Besuch oder wir sind auf einem Fest eingeladen, gelten diese Zeiten nicht, dann darf es ruhig später werden. Ihren Biorhythmus haben die Jungs aber bereits so eingestellt, dass sie um 19 und 20 Uhr müde sind und dann ins Bett müssen, weil es anders nicht mehr geht.

Autoritär aber demokratisch. Konsequent aber flexibel. Und über allem ganz, ganz viel Liebe. So könnte man es zusammenfassen, ich finde, das ist kein Widerspruch. Gewisse Regeln sind jedoch nicht verhandelbar.

Was ist dir ganz besonders wichtig in der Erziehung deines Kindes?

Mir ist wichtig, dass mein Kind versteht, warum es gewisse Regeln gibt. Die sind ja nicht willkürlich gemacht. Darum versuche ich, das Argument „Weil ich es sage!“ so selten wie möglich anzubringen, aber manchmal lasse ich auch den Chef raushängen. In den meisten Fällen gelingt es mir, dem Großen plausibel zu erklären, warum eine Regel besteht, Zwockel ist dafür noch zu klein.

Wichtig ist, dass auch die Großeltern, die sich mehrmals in der Woche um die Kinder kümmern, auch damit konform gehen. Ich möchte das Kind nicht „auf Werkseinstellung“ zurückbekommen und wir sind in den meisten Fällen einer Meinung – das erleichtert die Sache ungemein.

Möchtest du deinen Kindern bestimmte Werte vermitteln?

Ja, unbedingt! Meine Kinder sind, wie ich, sehr empathisch. Ich möchte, dass sie sich Gedanken über andere machen, Menschen und Tiere achten. Auch Respektspersonen wie Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte und Erzieher – die meisten Erwachsenen eben – sind höflich und mit Respekt zu behandeln. Natürlich ohne selbst auf der Strecke zu bleiben dabei.

Mit unter den ersten Worten, die der Große sprechen konnte, waren „Bitte“ und „Danke“. Natürlich vergisst er das an der Wurst- oder Brötchentheke schonmal und dann kommt von der Mama ein oberlehrerhaftes „Was sagt man da?“ Aber es klappt auch von ganz alleine. Mein Sohn ruft den Müllmännern beispielsweise immer, wenn er sie sieht, ein „Danke, lieber Müllmann!“ zu. Auch der Kleine, der mit anderthalb Jahren noch nicht viel spricht, sagt bereits „Dandan“ (Danke) und „Bitti“ (Bitte). Das sind bei uns nicht nur Worte.

Kinder lieben Blaulicht und Hubschrauber und sind begeistert, wenn sie ein solches Spektakel beobachten können. Das ist normal und auch wir Erwachsenen schauen hin, wenn irgendwo etwas passiert ist. Landet der Rettungshubschrauber, gehe auch ich auf den Balkon und gucke, was los ist – Neugierde ist völlig natürlich. Ich erziehe aber keine Gaffer! Meinem Großen, der einmal ein Freudentänzchen aufführte, als der Hubschrauber in der Nähe landete, habe ich erklärt, dass ein solcher Einsatz auch immer Leid für einen anderen Menschen bedeutet. „Landet der Hubschrauber, kommt ein Rettungswagen, ist ein lieber Mensch in Not. Das ist kein Grund zur Freude.“ Jetzt ruft er jedem Helikopter „Gute Besserung!“ hinterher.

Ich erwarte von meinen Kindern Respekt gegenüber Mitmenschen und Tieren und bringe ihnen das konsequent bei. Respekt ist kein Recht, das automatisch mit der Geburt für immer verliehen wird – den hat man nur verdient, wenn man ihn selbst gegenüber anderen zeigt. Das ist vielleicht die wichtigste Maxime meiner Erziehung, meine Regeln fußen auf Respekt und Sicherheit.

Haben andere Personen oder vielleicht sogar deine Religion Einfluss auf deine Erziehung?

Ich bin selbst locker-religiös erzogen worden. Gott war in Geschichten und Liedern immer ein Thema in meiner Kindheit, für mich ist Gott ein strenger, aber gerechter, liebender und bärtiger Mann, der im Himmel sitzt und einen Plan hat, den wir nicht immer verstehen. Ich betrachte mich als religiös und je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, dass viele Gebote der Bibel ein respektvolles Miteinander verheißen sollen. Natürlich muss sich niemand 100% daran halten und einiges passt nicht mehr in die heutige Zeit, aber vieles (nicht stehlen, nicht morden, nicht ehebrechen, nicht neiden) kann ich durchaus unterschreiben.

Habt ihr bestimmte Regeln zu Hause?

Bei uns gibt es Regeln, die konsequent durchgesetzt werden. Beispielsweise ganz grundsätzliche, kleine Dinge wie „Nicht hauen, treten, beißen.“, „Keine Süßigkeiten zum Frühstück.“, „Schuhe aus in der Wohnung.“, „Mit Essen wird nicht geworfen!“, „Kein Spielzeug in der Küche.“ oder „Es wird nicht gespuckt.“ Letzteres scheint leider gerade Mode im Kindergarten zu sein und Spucken ist etwas, das ich nicht akzeptiere. Punkt. Das ist eines der Themen, bei denen ich Diktator bin – da gibt es keinerlei Entschuldigung und Rechtfertigung.

Es wird nichts mutwillig kaputt gemacht und wir versuchen, so respektvoll wie möglich miteinander umzugehen. Natürlich schreie ich auch mal – in der letzten Zeit öfter, als mir lieb ist. Aber ich bin halt auch ein Mensch mit Grenzen.

Ich lese viel und bin immer offen für Verbesserungsvorschläge.

Im ganzen Text habe ich viel von „mir“ gesprochen. Natürlich ist mein Mann genauso an der Erziehung beteiligt, wie ich. Wir sind in Erziehungsfragen zu 99,9% einer Meinung – das ist sehr entspannend und angenehm, denn ich möchte nicht auch noch meinem Partner die Regeln erklären müssen. Ich habe in der Ich-Form geschrieben, weil es für mich einfacher war – ihr dürft aber gern überall ein WIR denken.

Der Zwockel mit seinem starken Willen bringt mich oft an die Grenzen. Das ist sehr anstrengend, trotzdem tue ich mein bestes, auch bei ihm unsere Regeln durchzusetzen. Ich bin kein Erziehungs-Guru. Unlängst habe ich mir „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ von Danielle Graf und Katja Seide gekauft und auch Jesper Juul und Achim Schadt sind mit ihren Büchern vertreten. Ich lese viel, auch Elternzeitschriften, und diskutiere gern mit anderen Müttern. Meine Erziehung ist nicht in Stein gemeißelt. Ich bin froh und dankbar für Rat- und Vorschläge.

,

Ra̱·ben·mut·ter – Substantiv [die]

Ein Gastbeitrag von Natalia

Ra̱·ben·mut·ter – Substantiv [die]

abwertend

  1. eine Mutter, die sich nicht gut um ihre Kinder kümmert.

Liebe Frauen, sobald ihr die zwei blassen Streifen auf dem Schwangerschaftstest gesehen habt und euch hoffentlich ganz laut gefreut habt, müsst ihr eines wissen, ab sofort gibt es eine neue Gefahr! Sie lauert überall und in jeder Person die euch begegnet!

Sei es Frau, oder Mann, jeder wird euch immer auf die Finger schauen, euch mit Argusaugen beobachten, ob ihr auch alles richtig macht! Wehe, aber wenn nicht! “RABENMUTTER!” So werdet ihr es hinter eurem Rücken hören, oder noch schlimmer, direkt ins Gesicht gesagt bekommen! Denn jeder weiß es besser als ihr, was für eure Kinder am besten ist, jeder!!!

Hier einige Beispiele:

  1. Du hast es versäumt, bereits drei Monate vor der Schwangerschaft, Folsäure zu nehmen! Herzlichen Glückwunsch, du bist bereits vor der Geburt deines Kindes eine Rabenmutter!
  2. Du isst in der Schwangerschaft auch mal Fast Food, weil es dich fast magisch anzieht? Dann bist du auch eine Rabenmutter!
  3. Dein Baby soll die Flasche bekommen? Tja, leg dir schon mal ein paar gute Begründungen zurecht, die du dann in den Babykursen runter zählen kannst, liebe Rabenmutter!
  4. Du schaffst es nicht frisch für das Baby zu kochen und kaufst Gläschenkost? Hmm, manche würden sagen: Du bist eine Rabenmutter!
  5. Du gehst mit deinen Freundinnen mal aus und lässt das Kind mit dem Papa? Auch hier finden sich Menschen, die dich als Rabenmutter bezeichnen würden. (Schwiegermonster zum Beispiel!)

Beispiel gefällig?

Ein Beispiel hab ich auch aus meinem eigenen Leben: Ich war mit einem satten und frisch gewickelten Baby unterwegs, das aber schrie, weil es müde war und leider irgendwie nicht in den Schlaf finden konnte. Ich lief unsere Straße entlang und sang dem Baby leise ein Lied vor.

Ein älterer Herr wurde aber sehr wütend und schrie, ich soll dem armen Baby doch mal endlich die Brust geben, es sei ja nicht auszuhalten, das arme Kind hat so einen Hunger! So eine Rabenmutter, sagt er noch zu mir! Ich habe damals diesem Mann dafür gedankt, dass er sich Sorgen macht und ihm versichert, das Baby hatte gerade noch vor 15 Minuten gegessen gehabt. (Naja eigentlich habe ich ihn in guter alter berliner Manier zum Teufel geschickt, Frechheit sowas!)

Man kann es nie allen Recht machen

Also, wie gesagt, die Gefahr als Rabenmutter zu gelten, sie ist einfach überall, auch wenn du alles richtig machst. Du wirst es nie allen Recht machen können.

Dabei kann man eigentlich beruhigt sein, denn “Rabenmutter” ist nur ein Synonym für schlechte Mütter. Raben an sich, sind sehr gute Vogelmütter, sie kümmern sich sehr intensiv und vorbildlich um ihre Brut! Sind treue Partner und sehr intelligent!

Nun, daher sollten wir Mamas eigentlich, wenn wir das Wort Rabenmutter in unsere Richtung hören, stolz sagen: “Danke für das Kompliment!”

 

Natalia von SimplyLovelyChaos gibt auf ihrem Blog liebevolle Einblicke in ihr Leben mit ihren drei Kindern – sie selbst beschreibt sich als Vollzeitmama mit Herz und Seele. Doch nicht nur Mama-Geschichten findet ihr bei Natalia, auch Rezepte, Bastel-Projekte und Buchempfehlungen für Kinder und Erwachsene!

,

Ja, ich bin eine Rabenmutter – und das ist auch gut so

Gastbeitrag von NadineGluckymom

Was ist eine Gluckymom? Na, ganz einfach: Lucky-Mom + Glucken-Mom = gluckymom. So einfach ist die Gleichung. Nadine hat einen ganz wundervollen Mama-Blog, den ich sehr gerne lese. Als ich zum „Rabenmutter-Monat“ nach Gastbeiträgen fragte, war sie eine der ersten, die mir einen Artikel schickte.

Und hier ist er nun:

Was ist eigentlich eine Rabenmutter?

Als erstes frage ich Wikipedia um Rat  (ich frage eigentlich immer Wikipedia): Rabenmutter ist eine deutsche Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort (Dysphemismus) eine Mutter herabwürdigt, die ihre Kinder aus Sicht des Sprechers vernachlässigt. Der Begriff wird insbesondere für berufstätige Frauen verwendet, die sich angeblich ungenügend um ihre Kinder kümmern.

Ganz schön doof, für Mütter die arbeiten gehen müssen, um über die Runden zu kommen. Da kommt zum ganzen Stress auch noch der Stempel „Rabenmutter“ hinzu. Na prima.

HIER WEITERLESEN

 

,

Rabenmutter – oder Mama mit Weitblick?

Ein Gastbeitrag von Angelika

Unser 10 jähriger Sohn hatte Bauchschmerzen. Ein halbes Jahr lang ständig und immer dann, wenn die Schule begann. Manchmal auch Kopfschmerzen.

Wir sprachen mit ihm, beobachteten, ließen ihn ärztlich untersuchen. Er blühte auf, wenn Ferien oder Wochenende waren und spätestens Montagmorgen ging es dann wieder los.

Nein, er selbst konnte das nicht direkt in Bezug zur Schule bringen, aber ich. Und dazu, dass er von Ungerechtigkeiten erzählte und, dass er nicht verstehen würde, warum Lehrer Schüler zu etwas drängen würden, was sie definitiv nicht könnten oder wollten.

Unser Sohn war immer einer der Besten, wir haben quasi nie unterstützen oder begleiten müssen, wenn es um schulische Inhalte ging. Leistungsdruck war nicht sein Problem. Aber er machte sich Gedanken darüber, warum er eigentlich Sachen lernen musste, die ihn so gar nicht interessierten und die doch auch nichts nützen würden?

Regelschule? Nicht für uns.

Ich sah, dass diese Schule das Gegenteil für ihn bedeutete, als das, was ich Menschen vermittele.

Ich bin Glückscoach. Ich trainiere Menschen darin, wieder ihren eigenen Glücksgefühlen zu folgen.

Und als ich erkannte, dass meinem Sohn dies in der Regelschule überhaupt nicht mehr möglich war, fing ich an, nach einer anderen Schulform zu suchen.

Wir fanden eine freie demokratische Schule.

Die Schüler müssen dort nichts. Überhaupt nichts. Es gibt nicht nur keine Noten oder Zeugnisse, sondern auch keine Lehrer (stattdessen Mitarbeiter), keine Klassen (altersübergreifend von der ersten bis zehnten „Klasse“), keine Dokumentation darüber, was die Kinder machen und „Unterricht“ (heißt dort Lernvereinbarungen) gibt es nur auf Wunsch.

Die Schule ist gemütlich, gut ausgestattet, jeder kann jede Art von Unterricht beantragen (auch mit Externen oder Online-Kursen) und auch Ausflüge können die Kinder selbst vorschlagen.

Jeder entscheidet selbst, woran er teilnehmen möchte und was ihn gerade interessiert. Kinder können von anderen Kinder lernen oder eben einfach „sein“. Spielen, Spaß haben, kochen, basteln, toben, am Computer spielen, nähen, schreiben…

Es gibt Regeln fürs Miteinander und da wird streng drauf geachtet. Niemand darf jemand anderen abwerten, niemand darf sich anmaßen zu denken, er wüsste, was für den anderen richtig sei.

Erziehen? Nein. Beziehung? Ja.

Unser Sohn? Hat sich schnell eingelebt und entspannt. Endlich innerlich entspannt. Er geht jetzt wieder gern zur Schule.

Wir? Haben im Rekordtempo dazu gelernt. Denn diese Schule bedeutet auch: zu Hause werden ähnliche Regeln gelebt.

Erziehen? Nein. Beziehung? Ja.

Tja. Und nun kommen wir zu dem Thema des Artikels… denn eine Mutter, die ihr Kind auf eine Schule gehen lässt, an der es nicht automatisch einen Abschluss macht und bei der überhaupt nicht klar ist, was oder wieviel es jemals lernt… ich formuliere es mal vorsichtig: ich falle aus dem Rahmen.

Ich habe Vertrauen in mein Kind, ebenso wie in jedes andere Lebewesen, dass das, was es freiwillig macht, das Passende für es sein wird. Denn es entwickelt gar nicht erst das Gefühl, das seine eigene Meinung nichts wert sei. Es muss nicht anderen Lebensformen und Werten entsprechen. Es verliert nicht seine Integrität. Es kann jetzt und zukünftig authentisch handeln und selbst über seine Zeit und Aufmerksamkeit entscheiden.

Wäre ich eine Glucke, könnte ich mit meinem Kind keine lebendige Beziehung eingehen, denn ich sehe es nicht mal, wenn es unter mir verschwindet und in meiner begrenzenden Welt brütet.

Daher mag ich eine Rabenmutter sein und ich sage: ich bin es gern. Raben stehen für Klugheit und Weitsicht. Ich lasse mein Kind frei und schaue von weit oben, ob die Bedingungen stimmen, gebe Hinweise auf weit entfernte Gefahren, damit es bei Bedarf seinen Weg anpassen kann.

Ich bin ratgebende Begleiterin. Seinen Glücksweg findet mein Kind ganz allein.

Angelika Norden ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne (10 und 4 Jahre). Sie ist Glücks-Coach bei GLÜCKsLEBEN – Glücksinspirationen und ihren Blog findet ihr dort.