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Vier Taler für den Weihnachtsmarkt

Eine Idee für mehr kindliche Selbstbestimmung.

Am Wochenende waren die Paten meiner Kinder zu Besuch. Fast alle, Lockes Patenonkel ist vor ein paar Tagen selbst Vater geworden und war deshalb in eigener Familienzeit. Lockes Patentante ist Erzieherin, sie hat immer tolle Ideen und gibt mir oft interessante Impulse, ohne sich einzumischen. Vieles von ihr kann ich in meinen eigenen Erziehungsstil einbauen. So auch die Taler-Idee.

Was deines ist, musst du nicht teilen

Meine Söhne müssen beispielsweise nicht alles teilen. Es gibt eine große Menge „gemeinsamer Spielzeuge“ – unrechtmäßigerweise haben wir Locke bei vielem enteignet.

Die riesige Menge an Duplo zum Beispiel, die muss er mit seinem Bruder teilen, denn die Wohnung ist nicht so groß, dass wir die Bausteine containerweise horten können.

Aber Geschenke, die es nun, wo beide älter sind, gibt, müssen nicht mehr geteilt werden. Wenn einer der beiden entscheidet, dass der andere damit spielen darf, ist das natürlich schön und gern gesehen. Will aber einer sein Spielzeug nicht abgeben, ist das auch in Ordnung, auch wenn es regelmäßig zu kleinen Wut-Dramen führt. Denn eines ist klar: Kein Spielzeug ist interessanter als das, was der Bruder gerade in der Hand hat.

Die Sache klingt selbstverständlich, ich musste aber erst darauf gestoßen werden – vieles schleift sich einfach so ein. Ich überdenke meinen Erziehungsstil fast täglich und passe hier und da an, im Großen und Ganzen bleibe ich aber meiner Linie treu.

Weihnachtsmarkt & Co. mit Kindern

Nun erzählte mir Lockes Patentante, wie sie mit den Kindern ihres Mannes auf einem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt waren. Wunderschön, diese Events – aber auch wirklich teuer. Die Kinder sind Zwillinge – aber beide sehr unterschiedlich. Während der eine eher überlegt ist, ist der andere impulsiv. Der eine weiß, was er will – der andere will das, was der Bruder will, aber nur, weil der es gerade will. So weit, so normal für Geschwister.

Die Kinder sind so alt wie Locke und nun in einem Alter, in dem sie lernen müssen, dass sie nicht immer alles bekommen können, auf so einem Weihnachtsmarkt (gilt auch für Jahrmärkte, Kirmes oder sonstige Veranstaltungen). Bei zwei – oder mehr – Kindern ufert das ja gern mal aus – dieses Karussell, jenes Fahrgeschäft, diese Losbude, Entenangeln, Dosenwerfen und was es alles gibt.

Geld ist für die Kleinen noch eine zu abstrakte Idee. Das all dies nicht gratis ist, verstehen sie, aber dass sie dies dürfen und das andere nicht, weil es zu viel Geld kostet, ist noch schwierig.

Vier Taler für die Kleinen

Lockes Patentante und ihr Mann hatten nun eine tolle Idee: Vier goldene Taler. Die Kinder bekamen jeder vier Goldstücke (es waren 20 Cent-Münzen), die sie dem Papa geben mussten, wenn sie Süßigkeiten kaufen oder eine besondere Attraktion besuchen wollten. Das normale Essen und Trinken war davon natürlich ausgenommen.

Ich finde diesen Tipp grandios.

Natürlich kann jede Familie es der Situation und dem persönlichen Budget angleichen. Ob zwei, drei oder vier Taler pro Kind: Das Kind lernt, dass nicht alles geht und hat trotzdem Spaß – und eine eigene Verantwortung. Irgendwann gewöhnen sich die lieben Kleinen an das System und der Weihnachtsmarkt- oder Kirmesbesuch wird (hoffentlich) monetär erträglich und um die eine oder andere Diskussion ärmer, dazu lernt das Kind noch eine wertvolle Lektion. Win-win? Bestimmt!

Wie hat es geklappt?

Während einer der Zwillinge das System sofort verstanden und angewendet hatte, hatte der andere seine Taler „verpulvert“ und dann neidisch auf seinen Bruder geschaut. Das gab natürlich Wut und Drama – aber, da bin ich mir sicher, auf lange Sicht ist das System unschlagbar und nachhaltig.

„Da hieß es dann einfach konsequent bleiben“, lachte Lockes Patentante. „Das fiel uns natürlich schon schwer, aber musste ja sein, denn sonst wäre die Taler-Aktion ja überflüssig gewesen.“