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Von Mamas Bauchgefühl und einem Bauchnabel

„Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

Hört ihr manchmal auf euren Bauch? Ich habe ja, bevor ich Kinder hatte, meist Kopfentscheidungen getroffen. Allerdings, wenn ich zurückblicke, kamen die wirklich wichtigen Entscheidungen aus dem Bauch.

Kopf gegen Bauch

Der Ehemann zum Beispiel. Wir waren schon lange befreundet gewesen, als unsere Beziehung begann. Als es dann mehr wurde, hätte jedes Gehirn, jeder Kopf sofort gesagt „Lass die Finger von ihm!“ Mein Bauch aber, der sagte beim ersten Kuss: „Der. Der ist es. Wenn ich mal heirate, dann den.“ Und so war es auch, es dauerte ein paar Jahre, es gab Aufs und Abs – wir trennten uns, ich zog sogar für einige Zeit nach Australien – nur um wieder zurückzukommen zu ihm, dem Einen, dem Einzigen.

Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich öfter auf meinen Bauch gehört hätte. Ich bin auf jeden Fall ein Bauchmensch. Wenn etwas passiert, merke ich das sofort im Bauch. Ich reagiere entweder mit Schmetterlingen oder Krämpfen im Bauch. Wenn etwas Schlimmes passiert, bin ich die erste, die sich übergibt. Mein Bauch ist für mich das absolute Gefühlszentrum. Dort sitzt meine Seele, mein Instinkt – und dass ich mich auf ihn verlassen kann, hat mein Bauch mehrfach bewiesen, seitdem ich Kinder habe.

Mein Bauchgefühl sagt „Da kommt noch was!“

Als Locke geboren wurde, war ich voller Hormone. Ich war ein völlig neuer Mensch – mit ganz neuer Software. Weicher, auch seelisch.

Als wir mit Baby nach Hause kamen und wir uns fanden und kennenlernten, spielte mein Bauch oft eine große Rolle. Ganz besonders aber in Bauchnabeldingen: Denn als Lockes Nabelrest abfiel, blieb eine kleine offene Stelle zurück. Ein kleiner, roher, rosiger Knubbel linste neben der Bauchnabelmitte hervor.

„Ist das ein Nabelbruch?“, fragte ich die Hebamme. „Ist das schlimm?“

„Quatsch! Ein Nabelbruch ist was ganz anderes! Das sieht man doch“, erwiderte die Hebamme recht unwirsch und verständnislos. „Das ist normal, Granulom heißt das und das wird von selbst wieder weggehen.“

Nein„, antwortete da mein Bauchgefühl. „Wird es nicht. Da kommt noch was. Vertrau mir.“

Nicht schlimm, sagt auch der Kinderarzt

Auch unser Kinderarzt winkte ab. Harmlos, geht von allein weg oder wir veröden es. Auf jeden Fall kein Grund zur Sorge.

Nana, freu dich mal nicht zu früh!„, murmelte mein Bauch.

Schlimm ist es wirklich nicht. Kein Grund zu großer Sorge! Aber mein Bauchgefühl sollte Recht behalten. Als Locke drei war, war das Granulom noch immer da. Inzwischen war es schon zwei oder dreimal verödet worden, aber es kam immer wieder. Es blutete immer wieder leicht, tat ihm aber nicht weh. Doch nun war auch der Kinderarzt der Meinung, dass die Chirurgen der Kinderklinik besser einmal draufsehen sollten, auch um auszuschließen, dass es eine Fistel sei und mit Blase oder Darm verbunden.

„Frau Chaos! Da ist ein Fehler auf Ihrer Überweisung. Da steht „Nabelgranulom“. Ihr Sohn ist aber schon drei!“, kam eine besorgte Arzthelferin zu mir ins Wartezimmer in der Chirurgie.

„Ähh, nee, das ist schon richtig, darum sind wir hier“, augenrollte ich.

„Nicht schlimm, vertrauen Sie uns!“ Von wegen.

Bauchgefühl lag richtig. Lockes Nabelgranulom.

Lockes Nabelgranulom.

Auch die Chirurgen waren nach Untersuchung und Ultraschall der Meinung, dass sich das Problem von selbst erledigen werde. Keine Verbindungsgänge nach irgendwo. Nur halt hartnäckiger als üblich. Man verödete noch einmal und alle waren guter Dinge, dass sich das Granulom nun ergeben würde – alle, bis auf mein Bauchgefühl.

Vergiss es! Das geht nicht weg!“ nagte es an mir.

Und es sollte Recht behalten. Nun ist unser Locke bereits viereinhalb Jahre alt – und kleine rosa Granulömchen ist noch immer da. Inzwischen zig Mal verödet, kommt die hartnäckige kleine Pocke immer wieder und wieder und wieder. Es blutet immer wieder leicht, verursacht aber keine Schmerzen – doch wenn etwas rauskommt, kann ja auch was reinkommen, beim Spielen im Sand und im Matsch, zum Beispiel. Die Infektionsgefahr ist immer präsent.

Wir waren nun in einer weiteren Klinik – und schau an: Mitte November wird Locke operiert.

Bauchgefühl reloaded – auch beim Zwockel

Auch beim Zwockel war mein Bauchgefühl stark und unbeugsam. Zwockel kam mit einem Hodenhochstand auf die Welt. Mein Bauchgefühl lag auch da richtig. Innerhalb eines Jahres sollte sich der kleine Hoden zeigen, ansonsten muss operiert werden. Und so war es, mit knapp einem Jahr musste der kleine Mann ins Krankenhaus.

Bauchgefühl lag richtig

Das kleine Ei war weder tast- noch sonstwie auffindbar. Eine gängige Therapie: Hormone. Die kleinen Kinder bekommen ein mit Hormonen angereichertes Nasenspray und ein bis zwei Spritzen, um den Hoden, der eventuell irgendwo auf seinen Einsatz wartet, schneller reifen zu lassen.

Ich hörte „Hormone“, erinnerte mich daran, welche Macht diese in der Schwangerschaft und nach der Geburt auf mich gehabt hatten und mein Bauchgefühl sagte deutlich „NEIN!“

Beleidigte Chirurgen, toller Kinderarzt

Die Chirurgen, die auch Lockes Granulom begutachtet hatten, reagierten verschnupft auf meine „Ansage“ und unterstellten mir, schlauer sein zu wollen als die Ärzte. Wer mich kennt, weiß, dass dem nicht so ist – ich akzeptiere sehr wohl, dass gut ausgebildete Mediziner mehr Ahnung haben, als ich oder Dr. Google. Aber in diesem Falle war es – wie bereits erwähnt – das Bauchgefühl. Und das war so stark, dass ich es einfach nicht ignorieren konnte.

Unser Kinderarzt reagierte ganz anders: Ich bat um ein Gespräch unter vier Augen, er nahm sich Zeit und hörte mir zu. Am Ende stimmte er mir zu. Er verstand mich und gab mir Rückendeckung.

Und dann – in der Klinik, in der Locke nun auch operiert werden wird – erfuhr mein Bauchgefühl seine Bestätigung: „Die Hormontherapie wurde jahrelang gemacht, ab nächstem Jahr ändern sich die Statuten und das gibt es für Kleinkinder nicht mehr. Wir raten Ihnen also davon ab“, so der untersuchende Chirurg.

Bauchgefühl? War richtig!

„DA! Was hab ich gesagt!“ triumphierte mein Bauchgefühl. Wieder einmal behielt es Recht. Und von nun an werde ich öfter darauf hören – der Kopf ist ja schön und gut, aber wie sagte mir ein schlauer Kinderarzt?

„Hören Sie auf ihren Bauch. Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“