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„Alles Routine!?“ Locke im Krankenhaus

Was die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe damit zu tun hat.

Am Montag letzter Woche mussten wir mit unserem Locke in die Kinderklinik. Sein Nabelgranulom musste operiert werden, da es sich entgegen aller Voraussagen, nicht schließen wollte.

Es war eine Routine-Operation, der ich fast schon entgegenfieberte. Viereinhalb Jahre hatte uns das blöde kleine Granulom begleitet und ich hatte die Nase voll davon: Es verursachte dem Kind zwar keine Schmerzen, dafür blutete und nässte es regelmäßig und wo etwas rauskommt, kann auch etwas hineingeraten. Endlich eine – wenn auch recht kleine – Sorge weniger.

Alles nur ein Klacks!

„Solche OPs machen wir hier täglich mehrmals!“ beruhigten mich die Ärzte im Vorgespräch. Alles Routine, ein Mini-Eingriff. Nur eine Kleinigkeit! Die Ärzte sind super, sie wissen, was sie tun! beruhigte ich mein banges Mama-Herz.

Ich denke einerseits immer, dass es Familien gibt, die durchaus schlimmere Eingriffe überstehen müssen. Familien, die nicht sicher sind, ob alles gut geht, die mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Verglichen damit komme ich mir doof vor, wenn mir vor Routineoperationen angst und bange wird.

Aber Komplikationen kann es immer geben – jeder Eingriff birgt ein Risiko. Es sind schließlich meine Kinder.

Die Notfall-Übernachtungstasche kommt mit

Etwa eine Stunde war für die OP angesetzt, danach wieder heim – so war der Plan. Da ich aber meistens einen Plan B in der Tasche habe oder zumindest immer damit rechne, dass Plan A nicht klappt, hörte ich auf mein Bauchgefühl und packte eine Krankenhaus-Übernachtungstasche.

„Die Tasche bleibt im Kofferraum. Wenn wir aus irgendeinem Grunde da bleiben müssen, sind wir vorbereitet und müssen nicht erst hin- und herfahren. Wenn wir sie nicht brauchen, packen wir sie halt wieder aus“, erklärte ich dem Ehemann.

Oberarzt in Sorge

Und was soll ich sagen, das good old Bauchgefühl lag schon wieder richtig. Die OP dauerte etwas länger als geplant – nach exakt 60 Minuten wurde ich nervös, bekam schwitzige Hände und starrte nur noch auf das OP-Telefon, das wir mit uns herumtrugen.

Krankenhaus - wieder am Monitor

Locke wurde wieder an denMonitor angeschlossen.

Nach anderthalb Stunden klingelt es endlich. Im Aufwachraum lag unser kleiner, großer Junge und schlief tief und fest. Die OP war gut verlaufen, es war wider Erwarten nicht nur ein Granulom, sondern ein Urachus gewesen. Der Gang von Blase zu Nabenschnur hatte sich im Embryonalstadium nicht so zurückgebildet, wie es hätte ein sollen. Immer noch Routine.

Als Locke aufgewacht war, durfte er trinken und essen. Doch er klagte über Schmerzen. Das Bäuchlein war geschwollen und die Wunde blutete stark, der Verband war schnell durch.

Was wir für normal nach einer OP hielten, beunruhigte die Schwester so sehr, dass sie Locke wieder an den Monitor im Aufwachraum anschloss. Der Oberarzt wurde gerufen und Locke war in der Zwischenzeit weiß wie das Laken unter ihm geworden. Nun machten wir uns auch Sorgen. Mein Junge war schlapp, bleich und hatte Schmerzen. Der erfahrene Oberarzt war besorgt, das sah man ihm an.

Good, old Bauchgefühl

Locke bekam eine Extradosis Schmerzmittel und man holte ein Ultraschallgerät. In seinem Bauchraum hatte sich Blut angesammelt, das dort nicht hingehörte. Der Oberarzt hatte inzwischen den Chefarzt hinzugezogen, der auch nicht ganz so entspannt wirkte, wie wir ihn kennengelernt hatten. Wir mussten über Nacht bleiben, am Ende wurden sogar zwei Nächte daraus.

Unter normalen Umständen wäre ich, obwohl man ja beruhigend auf das Kind wirken soll, panisch gewesen – so wie damals, im Rettungswagen.

Doch ich war erstaunlich ruhig. Ich hörte auf mein Bauchgefühl. Es wird alles gut, sagte es. Hätte ich mein Kopfkino zugelassen und mich darin verlaufen, wäre ich sicherlich in Panik geraten. Doch vor kurzem beschloss ich, mehr auf meinen Bauch zu hören. Und das war gut.

Langeweile im Krankenhaus - wir puzzlen

Puzzle gegen die Langeweile.

Langeweile im Krankenhaus!

Locke war schon bald wieder fit – so fit, wie man nach einer Bauch-OP nunmal ist. Stand er auf, lief er die ersten Meter wie ein sehr kleiner, sehr alter Mann. Doch tapfer bahnte er sich seinen Weg und wollte sogar ganz allein zur Toilette. Das Schlimmste für mein quirliges Kerlchen war: Die Langeweile!

Wir spielten „Ich sehe was, was du nicht siehst“, wir spielten Memory, bauten mit Autos eine Rennstrecke in seinem Bett, wir puzzelten, wir lasen Piratengeschichten, Rittergeschichten, Feuerwehrgeschichten, wir hörten sein Lieblingshörspiel, wir gingen spazieren, wir kuschelten und telefonierten mit Oma und Opa, wir malten – auf Zaubertafel und mit Buntstiften.

Wir erfanden sogar ein neues Spiel: Locke malte etwas auf die Zaubertafel und Mama dachte sich dazu eine Geschichte aus. Stehgreif-Storytelling, quasi (auf dem Bild unten seht ihr, die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe, die im Meer lebt und den Meeresboden aufräumt).

Was sich nach tagesfüllenden Aktionen anhört, deckte nicht mal die Hälfte des Tages ab, nur wenige Stunden waren vergangen.

aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe im Krankenhaus

Die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe.

Es waren einmal Feuerwehrmann Sam und das Leben

So ein Tag im Krankenhaus ist verflucht lang. Mein Retter war schließlich das Tablet. Darauf waren einige kindgerechte Filme und Serien. Er schaute – na was wohl?! – Feuerwehrmann Sam in der Endlosschleife und „Es war einmal das Leben“.

Die Krankenschwestern kannten die Zeichentrickserie (von 1983) übrigens, so wie ich, noch von früher und waren ganz begeistert, dass es sie noch gibt. Locke fragte nach Fresszellen und Blutplättchen und erhielt versierte Antworten. Wir haben also auch noch was gelernt!

Ihr lieben Leser und Leserinnen. Unsere Erfahrung zeigt, dass auch die kleinste Routine-OP Risiken birgt. Es hätte schief gehen können – woran es lag, vermag ich nicht zu sagen. Aber es kann immer etwas passieren, das nicht sein sollte und schon ein kleiner Fehler kann fatale Auswirkungen haben. Wenn ihr mit euren Mäusen ins Krankenhaus müsst – und sei es nur ein minikleiner 08/15-Eingriff – dann ist es völlig okay, wenn ihr besorgt seid oder Angst habt. Dennoch: Vertraut den Ärzten, die wissen, was sie tun.

Alle Familien in allen Krankenhäusern – ob Routine- oder ganz spezielle OP, ob Kleinig- oder Großigkeit – fühlt euch gedrückt!

(Beistell-) Bettgeschichten

Sind wir gestört?

Das Baby im Schlafzimmer, ganz nah bei den Eltern, direkt griffbereit zum Stillen und Kuscheln. So soll es laut Experten im ersten Jahr sein. Na gut, zumindest im Elternschlafzimmer soll das Kind sein – es darf natürlich auch ein ganz normales Kinderbett, eine Wiege oder ein Stubenwagen sein. Das Beistellbett ist ein gemütlicher Luxus. Luxus? Ja, denn günstig sind die Betten nicht. Ich weiß das, wir hatten zwei.

Kein Kissen, keine Decke, kein Nestchen. Auf dem Rücken muss das Kind liegen, im Schlafsack. Soweit die Theorie. Doch wie so oft, kam es bei uns anders.

Mama liebt das Beistellbett

Ich habe das Beistellbett geliebt. Die ersten sechs Wochen kuschelte ich mit Locke zum Einschlafen, er schlief auf Mamas Brust im Wohnzimmer ein. Wenn ich ins Bett ging, nahm ich ihn mit ins Schlafzimmer, legte ihn ins Beistellbett und kuschelte mich auf seiner Augenhöhe in mein Kissen. Er fühlte sich wohl und schlief wie ein Weltmeister.

Bis er etwa sechs Monate alt war. Auf einmal war das Kind nachts sehr unruhig, wachte ständig auf, knütterte – man merkte, dass er nicht mehr ganz so glücklich war. Er holte den fehlenden Schlaf oft am Tage nach, aber man merkte, dass ihn irgendetwas störte – er war nicht mehr so ausgeglichen, wie wir ihn kannten. „Eine Phase“, sagten alle.

Gestört!

Eines Nachts lag ich wach. Links lag Locke im Beistellbett, rechts der Ehemann. Und dann fiel es mir auf: Jedes Mal, wenn der Mann sich umdrehte (mit der Grazie eines Blauwals), wurde das Kind wach. Hustete einer von uns – Locke wachte auf. Schon ein Schniefen reichte aus, um den kleinen Mann zu stören. Immer, wenn einer von uns ein Geräusch, und war es noch so leise, von sich gab, weckten wir das Baby damit auf. Wir störten unser Kind beim Schlafen!

Kein Wunder, dass er nicht mehr der entspannte Babymann war, den wir kennengelernt hatten.

Was tun? „Bringen wir ihn in sein eigenes Zimmer„, schlug der Mann vor. „Aaaaber…“, ich zählte alles auf, was ich gelesen hatte. Die Kinder sollen doch das ganze erste Jahr bei dem Eltern im Zimmer schlafen. „Probiert es doch einfach aus“, riet auch meine Hebamme.

Im eigenen Bett, im eigenen Zimmer

Und das taten wir. Wir steckten mächtig Kritik ein („Muss ja jeder selber wissen, wenn er das Leben seines Kindes gefährdet, ne?!“ ätzte beispielsweise die Frau, die den Rückbildungskurs leitete), aber wir versuchten es. In den ersten zwei Nächten hing ich am (neuen) Videofon. Man sah das Kind atmen und hörte jeden Pups. Ich schlief so gut wie gar nicht – im Gegensatz zu meinem Sohn: Locke war wieder ganz er selbst und schlief und schlief und schlief.

Friedlich und ungestört ratzte er die Nächte durch (bis auf eine Stillmalzeit um Punkt zwei Uhr nachts). Es funktionierte! Seitdem hat er – bis heute – nur noch selten Phasen, in denen er sich des Nachts stören lässt – normalerweise schläft Locke nämlich wie ein kleiner Stein.

Eigenes Bett statt Beistellbett.

Alles anders bei Zwockel

Für den Zwockel mussten wir uns ein neues Beistellbett kaufen, denn wir hatten uns in der Zwischenzeit ein Boxspringbett gekauft, das alte Beistellbett passte nicht mehr.

Als Zwockel nach Hause kam, wollte alles so machen, wie bei Locke. Denkste!

Auf Mamas Brust einschlafen? Nö! Vielleicht AN der Brust, aber nicht darauf. Die ersten Wochen stillte ich ununterbrochen. Mit Kind an der Brust war für mich an Schlaf nicht zu denken. Doch kaum lag der Kleine im Beistellbett, ging seine Sirene an.

Auf dem Rücken schlafen ging gar nicht, den größten Erfolg hatten wir, wenn er auf dem Bauch lag. „Das ist bei manchen Kindern so“, sagte die Hebamme. Doch das Einschlafen klappte auch so nicht wirklich.

Da man das Kind ja nicht schreien lassen soll, legten wir uns schichtweise zur Einschlafbegleitung daneben – und Zwockel schrie und schrie und schrie. Bis ich ihn eines Abends allein lassen musste, da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte. Kaum war ich aus dem Zimmer gegangen – keine 3 Minuten später – schlief das Kind. Dies wiederholte sich am nächsten Abend: Gingen wir aus dem Zimmer, schlief das Kind kurz darauf.

Andere Leute im Zimmer? Zwockels Paaartytime!

Wenn wir aber ins Bett kamen, wurde der kleine Mann aber wieder wach – egal, wie leise wir waren.

Im Beitrag „Schlafgeschichten“ erwähnte ich bereits, dass Zwockel in nächtlicher Gesellschaft eher so das Partytier ist. Er wachte alle 30 Minuten auf, schrie, wollte an die Brust – am liebsten die ganze Nacht.

Wir probierten alles: Osteopath (der Blockaden löste), Beistellbett-Seitenwechsel, neuer Schlafsack, gar kein Schlafsack, Pucksack – nur eines klappte: Eines Abends zog ich völlig erschöpft auf die Couch um und das Kind schlief ganze 90 Minuten am Stück.

„Vielleicht riecht er deine Milch“, vermutete die Hebamme.

Was auch immer, nach drei Monaten gingen der Mann und ich auf dem Zahnfleisch. Das sollte sich bei mir zwar nicht wirklich bessern, bis es beinahe zur Katastrophe kam, aber man merkte auch dem Kind an, dass ihm die unruhigen Nächte zusetzten.

Besser Couch als Beistellbett

Sind meine Kinder nicht gemacht fürs Beistellbett?

„Was ist, wenn unsere Kinder einfach nicht beistellbettkompatibel sind?“ fragte der Ehemann. „Oder elternzimmerinkompatibel? Was, wenn es Kinder gibt, für die das einfach nichts ist?“

Und so zog auch der Zwockel ins Kinderzimmer um. Mit bereits drei Monaten. Seine Schlafsituation besserte sich augenblicklich – vom 30-Minuten-Rhythmus erhöhte er nun dauerhaft auf 90-Minuten-Schläfchen – für ihn schien das ausreichend. Dass Locke auch in dem Zimmer schlief, störte ihn nicht und auch Locke schlief tief und fest durch jede Schreiattacke hindurch.

Rabenmamas schlechtes Gewissen

Mein schlechtes Gewissen, das mich jeweils bis zum ersten Lebensjahr begleitet hatte, weil ich mich nicht an die schlauen Ratgeber gehalten habe, werde ich allerdings nie vergessen. Ich fühlte mich wie eine Versagermama, weil meine Kinder nicht das tun wollten, was im Buch – in allen meinen Babyratgebern – stand.

Lag es am Kaiserschnitt? Hatten wir eine Bindungsstörung? War ich gestört? Waren meine Kinder gestört? Muss ich mich schon um einen guten Therapeuten kümmern? Wochenlang quälte ich mich mit Theorien, befragte Dr. Google und las in Elternforen, dass ich wohl die Schlimmste aller Rabenmütter sei… die, die ihre Babys im eigenen Zimmer schlafen lässt.

Habe ich es richtig gemacht? Ich denke ja. Man muss wohl einfach sehen, was für das Kind passt und sich dann einmal mehr aufs Bauchgefühl verlassen. Das, wohlgemerkt, war mit der Entscheidung für das eigene Bett der Kinder völlig d’accord. Nur mein Kopf, der machte sich Sorgen, denn in den Büchern und im Internet stand ja… ach.

Ein Beistellbett, die räumliche (!) Nähe zu den Eltern, ist vielleicht einfach nicht immer für jedes Kind das Beste.

Von Mamas Bauchgefühl und einem Bauchnabel

„Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

Hört ihr manchmal auf euren Bauch? Ich habe ja, bevor ich Kinder hatte, meist Kopfentscheidungen getroffen. Allerdings, wenn ich zurückblicke, kamen die wirklich wichtigen Entscheidungen aus dem Bauch.

Kopf gegen Bauch

Der Ehemann zum Beispiel. Wir waren schon lange befreundet gewesen, als unsere Beziehung begann. Als es dann mehr wurde, hätte jedes Gehirn, jeder Kopf sofort gesagt „Lass die Finger von ihm!“ Mein Bauch aber, der sagte beim ersten Kuss: „Der. Der ist es. Wenn ich mal heirate, dann den.“ Und so war es auch, es dauerte ein paar Jahre, es gab Aufs und Abs – wir trennten uns, ich zog sogar für einige Zeit nach Australien – nur um wieder zurückzukommen zu ihm, dem Einen, dem Einzigen.

Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich öfter auf meinen Bauch gehört hätte. Ich bin auf jeden Fall ein Bauchmensch. Wenn etwas passiert, merke ich das sofort im Bauch. Ich reagiere entweder mit Schmetterlingen oder Krämpfen im Bauch. Wenn etwas Schlimmes passiert, bin ich die erste, die sich übergibt. Mein Bauch ist für mich das absolute Gefühlszentrum. Dort sitzt meine Seele, mein Instinkt – und dass ich mich auf ihn verlassen kann, hat mein Bauch mehrfach bewiesen, seitdem ich Kinder habe.

Mein Bauchgefühl sagt „Da kommt noch was!“

Als Locke geboren wurde, war ich voller Hormone. Ich war ein völlig neuer Mensch – mit ganz neuer Software. Weicher, auch seelisch.

Als wir mit Baby nach Hause kamen und wir uns fanden und kennenlernten, spielte mein Bauch oft eine große Rolle. Ganz besonders aber in Bauchnabeldingen: Denn als Lockes Nabelrest abfiel, blieb eine kleine offene Stelle zurück. Ein kleiner, roher, rosiger Knubbel linste neben der Bauchnabelmitte hervor.

„Ist das ein Nabelbruch?“, fragte ich die Hebamme. „Ist das schlimm?“

„Quatsch! Ein Nabelbruch ist was ganz anderes! Das sieht man doch“, erwiderte die Hebamme recht unwirsch und verständnislos. „Das ist normal, Granulom heißt das und das wird von selbst wieder weggehen.“

Nein„, antwortete da mein Bauchgefühl. „Wird es nicht. Da kommt noch was. Vertrau mir.“

Nicht schlimm, sagt auch der Kinderarzt

Auch unser Kinderarzt winkte ab. Harmlos, geht von allein weg oder wir veröden es. Auf jeden Fall kein Grund zur Sorge.

Nana, freu dich mal nicht zu früh!„, murmelte mein Bauch.

Schlimm ist es wirklich nicht. Kein Grund zu großer Sorge! Aber mein Bauchgefühl sollte Recht behalten. Als Locke drei war, war das Granulom noch immer da. Inzwischen war es schon zwei oder dreimal verödet worden, aber es kam immer wieder. Es blutete immer wieder leicht, tat ihm aber nicht weh. Doch nun war auch der Kinderarzt der Meinung, dass die Chirurgen der Kinderklinik besser einmal draufsehen sollten, auch um auszuschließen, dass es eine Fistel sei und mit Blase oder Darm verbunden.

„Frau Chaos! Da ist ein Fehler auf Ihrer Überweisung. Da steht „Nabelgranulom“. Ihr Sohn ist aber schon drei!“, kam eine besorgte Arzthelferin zu mir ins Wartezimmer in der Chirurgie.

„Ähh, nee, das ist schon richtig, darum sind wir hier“, augenrollte ich.

„Nicht schlimm, vertrauen Sie uns!“ Von wegen.

Bauchgefühl lag richtig. Lockes Nabelgranulom.

Lockes Nabelgranulom.

Auch die Chirurgen waren nach Untersuchung und Ultraschall der Meinung, dass sich das Problem von selbst erledigen werde. Keine Verbindungsgänge nach irgendwo. Nur halt hartnäckiger als üblich. Man verödete noch einmal und alle waren guter Dinge, dass sich das Granulom nun ergeben würde – alle, bis auf mein Bauchgefühl.

Vergiss es! Das geht nicht weg!“ nagte es an mir.

Und es sollte Recht behalten. Nun ist unser Locke bereits viereinhalb Jahre alt – und kleine rosa Granulömchen ist noch immer da. Inzwischen zig Mal verödet, kommt die hartnäckige kleine Pocke immer wieder und wieder und wieder. Es blutet immer wieder leicht, verursacht aber keine Schmerzen – doch wenn etwas rauskommt, kann ja auch was reinkommen, beim Spielen im Sand und im Matsch, zum Beispiel. Die Infektionsgefahr ist immer präsent.

Wir waren nun in einer weiteren Klinik – und schau an: Mitte November wird Locke operiert.

Bauchgefühl reloaded – auch beim Zwockel

Auch beim Zwockel war mein Bauchgefühl stark und unbeugsam. Zwockel kam mit einem Hodenhochstand auf die Welt. Mein Bauchgefühl lag auch da richtig. Innerhalb eines Jahres sollte sich der kleine Hoden zeigen, ansonsten muss operiert werden. Und so war es, mit knapp einem Jahr musste der kleine Mann ins Krankenhaus.

Bauchgefühl lag richtig

Das kleine Ei war weder tast- noch sonstwie auffindbar. Eine gängige Therapie: Hormone. Die kleinen Kinder bekommen ein mit Hormonen angereichertes Nasenspray und ein bis zwei Spritzen, um den Hoden, der eventuell irgendwo auf seinen Einsatz wartet, schneller reifen zu lassen.

Ich hörte „Hormone“, erinnerte mich daran, welche Macht diese in der Schwangerschaft und nach der Geburt auf mich gehabt hatten und mein Bauchgefühl sagte deutlich „NEIN!“

Beleidigte Chirurgen, toller Kinderarzt

Die Chirurgen, die auch Lockes Granulom begutachtet hatten, reagierten verschnupft auf meine „Ansage“ und unterstellten mir, schlauer sein zu wollen als die Ärzte. Wer mich kennt, weiß, dass dem nicht so ist – ich akzeptiere sehr wohl, dass gut ausgebildete Mediziner mehr Ahnung haben, als ich oder Dr. Google. Aber in diesem Falle war es – wie bereits erwähnt – das Bauchgefühl. Und das war so stark, dass ich es einfach nicht ignorieren konnte.

Unser Kinderarzt reagierte ganz anders: Ich bat um ein Gespräch unter vier Augen, er nahm sich Zeit und hörte mir zu. Am Ende stimmte er mir zu. Er verstand mich und gab mir Rückendeckung.

Und dann – in der Klinik, in der Locke nun auch operiert werden wird – erfuhr mein Bauchgefühl seine Bestätigung: „Die Hormontherapie wurde jahrelang gemacht, ab nächstem Jahr ändern sich die Statuten und das gibt es für Kleinkinder nicht mehr. Wir raten Ihnen also davon ab“, so der untersuchende Chirurg.

Bauchgefühl? War richtig!

„DA! Was hab ich gesagt!“ triumphierte mein Bauchgefühl. Wieder einmal behielt es Recht. Und von nun an werde ich öfter darauf hören – der Kopf ist ja schön und gut, aber wie sagte mir ein schlauer Kinderarzt?

„Hören Sie auf ihren Bauch. Das Bauchgefühl einer Mutter ist etwas ganz Besonderes.“

Locke allein im Bad – und was die Feuerwehr damit zu tun hat.

Ein ganz normaler Donnerstagabend im Hause Chaos. Ein Feiertag.

Wir hatten auf dem Balkon gegrillt, die Kinder waren geduscht und fast bettfertig. Der Tag war – wie immer – anstrengend, aber gut gewesen. Müde, satte Kleinkinder drehten noch ein letztes Mal ihre Reserven auf, bevor es ins Bett ging.

Als ich im Bad war, fiel mein Blick auf den Schlüssel im Schloss der Badezimmertür. „Den müssten wir hochhängen. Bevor der Zwockel damit Unfug treibt!“, schoss es mir durch den Kopf.

Hätte ich doch bloß…

Wir tranken aus, die Kinder demontierten das Wohnzimmer – dem akustischen Vernehmen nach jedenfalls. Auf einmal wurde es ruhiger. Locke, seit kurzem windelfrei, war aufs Töpfchen geflitzt. Der Ehemann und ich räumten den Tisch ab. Als alles fertig war, setzte ich mich noch für ein paar Minuten auf den Balkon und genoss die draußige, feiertägliche Ruhe. Die sollte nicht mehr lange währen!

Auf einmal wurde es laut. Der Ehemann schrie „Dreh den Schlüssel! Mach die Tür auf!“ und mir wurde schlecht. Mein Bauchgefühl hatte es vorausgeahnt, hatte ich doch eben noch den Schlüssel weglegen wollen. Und nun war es passiert! Verdammter Mist!

Und er hört noch nichts!

Doch nicht der Zwockel, nein, es war Locke der sich eingesperrt hatte! Mein großer, vernünftiger Junge hatte ungestört und kleinbruderfrei aufs Töpfchen gehen wollen und hinter sich abgeschlossen. Hätte er den Schlüssel dabei nicht versehentlich herausgezogen, wäre alles kein Problem gewesen, aber so reichten seine feinmotorischen Fähigkeiten nicht aus, um den Schlüssel wieder ins Schloss zu fummeln – natürlich war er zudem noch völlig aufgelöst und ängstlich.

Erschwerend kam hinzu, dass er einen Paukenerguss auf beiden Ohren hatte, so gut wie nichts hörte und eh schon völlig neben sich stand.

Alles Schlüsselgefummel, alles Reden und Erklären nützte nichts. Das Kind war zu aufgelöst! Der Ehemann versuchte, die Tür aufzubrechen. Da wir hier kein Brecheisen herumliegen hatten, versuchte er es zuerst mit schierer Gewalt, dann mit einem Hammer… Meinen Vorschlag, wir könnten doch die Feuerwehr anrufen, verwarf er sofort. Die Tür hielt stand.

Er zerrte und prockelte, zog und riss an der Tür, die sich als die einzig massive erwies. Alle andere Türen könnte man hier wahrscheinlich ratzfatz eintreten – die nicht. Sobald er die Tür ein Stückchen aufgestemmt hatte, zwängten sich hilfesuchende Fingerchen durch die Öffnung. Wir schrien und brüllten – Mein Gott! Was müssen die Nachbarn gedacht haben! – Locke solle die Finger aus der Tür lassen, denn das Kind hörte ja nichts und war zudem in Panik.

Die Feuerwehr muss kommen!

Nach 15 erfolglosen Minuten – Einbrecher werden wir wohl nicht – gab der Ehemann frustriert auf. „Dann ruf halt die Feuerwehr!“ Was ich dann auch tat. Und nach nur 5 Minuten waren sie da: Unsere Retter. In 4 Einsatzwagen ausgerückt, obwohl ich eigentlich nur „einen starken Mann mit stabilem Brecheisen“ gewünscht hatte. Innerhalb von 20 Sekunden war die Tür offen. Zwei Leute waren nötig – es krachte und Locke war frei. „Öhm, ich glaub, die Tür können sie wegschmeißen“, unkte der Mann mit der Brechstange.

Weinend stürzte Locke sich in meine Arme. Von dem Einsatz seiner geliebten Feuerwehr, die sich zur Zeit den ersten Platz mit der Müllabfuhr teilt, hatte er nichts gehabt. Der Zwockel winkte und krähte fröhlich – Locke guckte nur beschämt und erschöpft.

Ich ließ ihn vorerst nicht mehr los. Der Papa musste den – ebenfalls erschöpften – Zwockel, der die Aufregung aufmerksam, aber ohne zu weinen verfolgt hatte, ins Bett bringen und ich wollte meinen Locke gar nicht mehr hergeben – völlig erschöpft war er in meinen Armen eingeschlafen.

Reden wir nicht mehr drüber!

Wir besänftigten die besorgten Nachbarn, die sich bei dem Feuerwehraufgebot Sorgen gemacht hatten. Am folgenden Tag kauften wir eine neue Badezimmertür, die alte hatten wir ehrlich gesagt nie gemocht.

Am nächsten Tag wachte Locke mit einer Bitte auf.

„Du, Mama?“

„Ja, mein Schatz?“

„Über die Tür reden wir nicht mehr, ja?“

„Alles klar, Locke!“

 

Übrigens: Nein, den Einsatz mussten wir nicht bezahlen. Der war schließlich nicht mutwillig verschuldet und der kleine Mann war in höchster Not. Ein dickes Danke an unsere Retter!

 

Geschwister – ein Bauch, zwei Charaktere

Jedes Kind ist anders – so weit, so klar. Doch selbst mich als Mama überraschen die Unterschiede immer wieder. 

Vom Gesicht her ähnlich, hat der eine Locken, der andere glatte Haare, der eine ist schlank, der andere eher kernig. Soviel zu den Äußerlichkeiten. Was mich jedoch am meisten beeindruckt, sind die charakterlichen Unterschiede. Immer wieder wundere ich mich „Mensch, die sind doch aus ein und demselben Bauch! Wie können die so unterschiedlich sein?“ Wüsste ich‘s nicht, ich würd nicht glauben, dass es Brüder sind!

Locke – der Beobachter

Unser Erstgeborener ist ein Beobachter. Das fiel schon im PEKiP auf: Er besah sich seine Umwelt genau und auch, was die anderen Babys so tun, bevor er selbst einen Versuch startete.

 

„Ein unbekannter O-Ball? Erstmal gucken, was das Ding so tut. Hm. Liegt rum. Okay. Was machen die anderen damit? Spielen. Na gut, scheint sicher, ich probier’s mal!“

 

Locke ist eher ängstlich. Ist er unsicher, knetet er seine Händchen und man sieht es förmlich in seinem Kopf arbeiten. Er evaluiert jede Situation und ist sehr nachdenklich. Oft überrascht er uns mit sehr ernsten Fragen, die ihn beschäftigen. Er ist noch keine vier Jahre alt, macht sich aber schon Gedanken über das Leben und den Tod.

 

„Wo war denn Zwockel, bevor er in deinem Bauch war?“

„Wenn man tot ist, wo ist man dann?“

„Wenn man tot ist, geht man dann dahin zurück, wo man war, bevor man geboren wurde?“

„Wenn ich mal nicht mehr lebe, kann ich dann zu dir zurückkommen?“ (Taschentuchalarm!!!!)

 

Doch nicht nur das. Er ist auch sehr unkompliziert und gehorsam. Ein Wut- oder Trotzanfall lässt sich in den meisten Fällen mit Verständnis und Ruhe auflösen. Selten steigert er sich so sehr hinein, dass er nicht mehr erreichbar ist – und dann muss man ihn einfach in Ruhe wüten lassen.

Sagt man einmal „Nein!“, akzeptiert er es (noch) ohne zu murren. Die Scheibe des Backofens anfassen? Nein! Das ist HEISS! Wirkt bis heute.

Ganz besonders unterscheidet er sich von seinem Bruder beim Schlafen. Locke hat das Thema Schlaf zu einer Kunstform erhoben. Auch wenn er unlängst selbst seinen Mittagsschlaf abgeschafft hat, hat er dennoch verstanden, dass ihm Schlaf gut tut. Es kommt sogar vor, dass er darum bittet, doch eher ins Bett zu dürfen.

Die Nächte, die ich mit ihm durchwachen musste, kann ich an einer Hand abzählen.

Locke, der Ruhige.

Zwockel – der Draufgänger

Eine andere Geschichte ist unser Kleiner. Inwieweit er ein Denker ist, kann ich noch nicht sagen, da er mit Anderthalb gerade erst zu sprechen beginnt. Klar ist aber: Ängstlich ist der nicht. Zwockel kann laufen, seitdem er 10 Monate alt ist und von Geburt an war eines klar: Das Kind hat einen Plan.

Er konnte bereits sehr früh sein Köpfchen halten und nutzte jede Möglichkeit zum üben. Entspannt irgendwo liegen? Fehlanzeige! Man hatte immer das Gefühl, dass er übte, übte und übte.

Zwockel beobachtet nicht lange – der macht einfach. Er klettert und läuft, um sein Ziel zu erreichen. Und er weiß, was er will. Und das will er dann auch – keine Kompromisse!

Ein „Nein“ interessiert einen Zwockel nicht. Will er die Scheibe des Backofens anfassen, tut er das auch (zum Glück wird DIESE nicht wirklich heiß – das ist nur nicht bei jedem Backofen so). Will er etwas haben, wird er sein Möglichstes tun, um es zu bekommen.

Schlafen? Zeitverschwendung! Schließlich gibt es noch sooo viel zu entdecken! Gegen den Schlaf wird immer gekämpft – mal mehr, mal weniger, aber gekämpft wird immer. Die Nächte, an denen er durchgeschlafen hat? Kann ich an einer Hand abzählen!

Der tennisspielende Rennfahrer.

Schon die Schwangerschaften waren unterschiedlich

Wenn ich es mir recht überlege, waren auch die Schwangerschaften sehr unterschiedlich. Bei Locke war es die erste, aufregende Schwangerschaft – da las ich jeden Tag in meinem Buch nach, welche Entwicklungsschritte mein Sohn machte. Eine App erinnerte mich zusätzlich täglich daran, was das Baby gerade schon konnte und was sich entwickelte. Jedes Ziehen, jedes Ziepen, jeder kleine Krampf – ein Anlass zur Sorge? Ein komisches Gefühl im Bauch? Was kann das sein?

Ich habe mir in meiner ersten Schwangerschaft, so überwältigend schön sie auch war, viele Sorgen gemacht, war oft ängstlich. Den kleinen Wurm zu verlieren wäre das Schlimmste gewesen – also überwachte ich akribisch jedes Blubbern, jede Bewegung im Bauch.

Auf der anderen Seite war ich dennoch entspannt. Ich hatte einen Job und war zuversichtlich, auch mit Kind wieder einen zu finden (darüber ich lache immer noch). Und wenn nicht – über die Brücke gehen wir, wenn wir da sind, erstmal ein Jahr Elternzeit genießen!

Überwältigend vs. unspektakulär

In der Schwangerschaft mit Zwockel war klar: Der Arbeitsmarkt mag keine Mütter. Von 80 Bewerbungen kamen 80 Absagen – die Unterlagen waren genau bis zu der Seite gelesen worden, auf der stand, dass ich ein Kind habe. Und nein, es lag nicht an der Qualität meiner Ausbildung oder der Bewerbungsunterlagen.

Also machte ich mich mit Sarah selbstständig. Die Gründerei war langwierig und schwierig und kompliziert. Mehr als eine Nacht lag ich wach – ich bin nämlich eigentlich gar nicht der Typ für’s Selbstständigsein. Ich brauche immer Netz und doppelten Boden, einen Arbeitsvertrag und zum Tag X das Gehalt auf dem Konto. Aber was konnte es schon schaden?

Die Schwangerschaft verlief ähnlich unkompliziert wie die erste. Zu Beginn machten mir extreme Müdigkeit und Übelkeit das Leben schwer, aber nach der 12. Woche ging das vorbei. Jedes Ziepen und Zwicken war mir nun schon bekannt und ich bekam keine Panikattacken mehr, wenn das Kind sich mal für einen Tag nicht bewegte.

Ich war diesbezüglich entspannter – aber auch enttäuscht. Die Schwangerschaft, auf die ich mich so gefreut hatte, verlief nicht so wundersam und überwältigend wie die erste. Es war unspektakulär. Ich kannte schon alles und war einfach nur ungeduldig – ich konnte den Geburtstermin gar nicht erwarten:

Schwangersein? Jaja, schön, hatte ich schon. Ich will jetzt endlich den Bauchzwerg kennenlernen! Noch WIEVIEL Wochen? Oooooorrr! Hoffentlich ist es bald soweit!

Das Huhn und das Ei

Und da erkenne ich zu 100% unseren Zwockel wieder.

Liegt es an den Schwangerschaften, die so unterschiedlich waren – also: An mir? Oder liegt es an den unterschiedlichen Charakteren, die vielleicht selbst schon früh die Schwangerschaft beeinflusst haben? Sind es die Gene? Gibt es tatsächlich ein Ungedulds-Gen (hab ich!), oder hat der Zwockel das nur von mir gelernt?

Ich werde es nie herausfinden – aber spannend ist es allemal! Ich beobachte weiter… und werde täglich aufs neue überrascht!