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Der Horizontalstepptanz der Propellerraupe

Die Propellerraupe (lat. eruca zwockelensis) ist ein mit 94 Zentimeter relativ großer Vertreter der Gattung Raupe. Die Propellerraupe zeichnet sich durch großen Appetit, noch größeren Durst und ein geringes Schlafbedürfnis aus.

Kokonloser Schlaf

Im Gegensatz zur nah verwandten schläfrigen Schlafraupe (lat. eruca lockensis) benötigt diese Raupenart weniger Schlaf und kann auch gern die Nacht zum Tag machen.

Vom Verpuppen hält der kleine Kerl nicht viel, er schläft lieber ohne Kokon – verlangt aber in Abständen von zehn bis zwanzig Minuten nach einem solchen, nur um ihn dann flugs wieder abzustreifen.

Auch hat die kleine Raupe einen Eltern-Einschlaf-Sensor. Sobald Mama oder Papa sich der eigenen Schlafphase nähern, wird schnell nochmal gekreischt, denn nur so ist eine nächtliche Rundum-Betreuung der Raupe möglich.

Horizontal-Stepptanz

Die Propellerraupe hat ihren Namen von ihrer Eigenschaft, sich in der Nacht wie ein Propeller um sich selbst zu drehen und mal mit dem Kopf, mal mit den Füßen nach oben im sog. Familienbett (lat. lectus insomnis) zu liegen.

Mit größter Freude liegt diese Raupenart aber auch quer im Bett und vollführt mit den kleinen Füßen einen horizontalen Stepptanz, der nicht selten auf dem Rücken des Muttertiers (lat. mater voll fatigata) aufgeführt wird.

Das Vatertier kommt meist glimpflicher davon, weiß sich aber auch durch laute Abwehrgeräusche (auch Schnarchen genannt) einen gewissen Respekt zu verschaffen.

Gefährliches Schlafleben

Die kleine Propellerraupe lebt gefährlich. Sie läuft ständig Gefahr, bei der Ausführung ihres nächtlichen Tanzes aus dem Bett zu purzeln. Rechts und links durch die Elterntiere flankiert, wurde der kleine Kerl bereits dabei beobachtet, nach einer wilden propellerartigen Drehorgie am Fußende des Bettes herauszufallen.

Doch unsere Raupe ist hart im Nehmen: Nach kurzer Schreckphase, in der sie sich mit lautem Geschrei bemerkbar macht, schläft sie einfach weiter. Bis zur nächsten Rotationsaktion jedenfalls, die nicht lange auf sich warten lässt.

Mond, Propellerraupe

Der Mond beeinflusst die Propellerraupe nicht. (Photo by Fabian Oelkers on Unsplash)

Lebhafte Erlebnisverarbeitung?

Warum das so ist, können Forscher nur raten.

Die kleine Raupe ist höchstwahrscheinlich so lebensfroh und wissbegierig, das ihr kleiner Kopf auch nachts nicht abschalten kann und so verarbeitet das kleine Kerlchen seine Erlebnisse lebhafter, als beispielsweise die bereits erwähnte, mit ihm eng verwandte Schlafraupe.

Was sagt der Raupendoktor (aka Kinderarzt), Dr. Guido Hein, dazu?

„Ich finde pauschale Aussagen zum Thema Schlaf sehr schwierig. Ich glaube, die kindliche Schlafarchitektur ist genauso vielfältig und bunt wie die Kinder insgesamt.

Meine Beobachtung: Motorisch (hyper-)aktive Kinder drehen abends häufiger auf und schlafen motorisch unruhiger. Vermutlich liegt das ja an den Verteilungen von REM– und NREM-Schlafphasen.

Kinder sind eben motorisch aktive Jungtiere, und einige sind nachts sehr aktiv. Natürlich gibt es auch Kinder mit RLS (Restless legs syndrome) schon im Kindesalter, und einige dieser Hypermotoriker sind wohl auch spätere ADHS-Patienten.

Der Großteil der auch nachts so motorisch aktiven Kinder entwickelt sich aber ganz normal. Es wäre falsch, generell zu pathologisieren. Übrigens scheint es evolutionstheoretisch ein Überlebensvorteil gewesen zu sein, einen leichten Schlaf zu haben und auf kleinste äußere Impulse motorisch aktiv zu reagie-ren, sonst hätte früher der Säbelzahntiger zugeschnappt. Heute ist Hypermotorik eher ein negativer Selektionsdruck und – stört im Klassenraum wie auch im Schlafzimmer.

Schlaf ist in der Hirnforschung generell eine ziemlich spannende Geschichte.“

Was lernen wir also: Alles gut – da müssen wir wohl einfach durch, als Propellerraupeneltern.

 

Mehr dazu gibt es in unseren Schlafgeschichten und auch unsere Erfahrungen mit dem Beistellbett haben wir für euch verbloggt.

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Schokolade gegen Husten – 10 Fragen rund ums Röcheln

Es ist wieder Hustenzeit. Wir – und ich meine nicht nur Familie Chaos – leben derzeit quasi zwischen Rotz und Röcheln. Irgendwer hat hier immer was, die arme Herzi (meine Herz-Nichte) ist ganz besonders hustengeplagt, während Locke und Zwockel meist nur das übliche Erkältungspensum abarbeiten.

Erst kürzlich haben wir alle nächtelang mit dem Zwockel mitgelitten (wörtlich, denn er ließ uns nicht schlafen), als dieser einen gemeinen, quälenden Husten hatte. Erst nach drei schlaflosen Nächten bekamen wir das Problem in den Griff.

Wir haben mit Kinderarzt Dr. Guido Hein über das Thema Husten gesprochen – und Erstaunliches gelernt!

1. Was ist Husten?

Husten ist ein Mechanismus des Körpers, mit dem dieser Schleim, Staub und Sonstiges, das nicht in die Bronchien gehört, herausbefördert. Erstaunlich: Mit bis zu 480 km/h entledigt sich der Körper durch den Husten der Fremdkörper.

“Husten wird in 80 bis 90 Prozent der Fälle durch Viren ausgelöst. Antibiotika helfen also nicht. Es gibt eine ganze Reihe von hustenauslösenden Viren: Rhinoviren, Coronaviren, Influenzaviren, Adenoviren, sogar Rotaviren und noch einige mehr“, erklärt Guido Hein.

2. Darf das Kind mit Husten in den Kindergarten?

Mit normalem „Erkältungshusten“ darf ein Kind in den Kindergarten. Wer allerdings schonmal so richtig fiesen Husten hatte, weiß, dass man sich damit nicht besonders gut fühlt. Eltern sollten ihr Kind beobachten und in seinem Sinne entscheiden. Fühlt sich das Kind nach einer durchgehusteten Nacht ausgelaugt und schlecht, sollte es wenn möglich ein paar ruhige Tage zuhause verbringen.

Geht es dem Kind schlecht, hat es im Kindergarten nichts verloren“, sagt Dr. Hein.

Natürlich auch, wenn es sich um Keuchhusten, Bronchitis oder Grippe handelt oder Fieber auftritt. Dann gehört das Kind nach Hause.

3. Wann müssen wir zum Kinderarzt?

Wenn der Husten länger als drei Wochen ohne Besserung anhält sollte ein Arztbesuch auf dem Programm stehen.

„Besonders wenn sich der Zustand des Kindes nach einer längeren Hustenepisode verschlechtert, wenn Fieber oder Kurzatmigkeit auftreten – das Kind „hechelt“ – sollten Eltern damit auf jeden Fall zum Arzt. Generell gilt: Wenn das Bauchgefühl sagt, da stimmt was nicht – ab zum Kinderarzt“, erklärt Dr. Hein.

4. Welcher Hustensaft hilft am besten?

Das ist unterschiedlich. Der Markt bietet eine breite Palette an Hustensäften, von denen alle unterschiedlich wirken können – es kommt aufs Kind an. Man sollte tatsächlich ausprobieren, mit welchem man am besten klarkommt. Die Natur hält einiges bereit gegen Husten: Thymian-, Efeu- und Primel-Extrakte wirken sekretnormalisierend, antientzündliche und die beiden ersten sogar antimikrobiell.

Kräuter gegen Husten

Thymian, Salbei und Spitzwegerich – drei die stark sind gegen Husten.

5. Warum hilft der Saft nicht?

Wie bereits erwähnt, kann es sein, dass unterschiedliche Menschen einfach unterschiedlich auf Wirkstoffe ansprechen.

Ein Beispiel aus dem Hause Chaos: Während bei mir selbst Hustensäfte auf Efeu-Basis die beste Wirkung erzielen, bringen die unserem Locke überhaupt nichts. Bei ihm hilft eher Thymian. Wir haben uns im Laufe der Zeit durch die diversen Sorten probiert und sind nun bei einem Saft geblieben, den wir, neben dem selbstgemachten (s.u.), verabreichen.

Und manchmal hilft auch der nicht – es scheint nämlich auch vom jeweiligen Infekt abzuhängen.

6. Darf ich Hustenstiller geben?

Jein. Wir geben Hustenstiller nur in absoluten Ausnahmefällen. Wenn die Kinder extremen Reizhusten haben und das über mehrere Nächte, dann geben wir den mit dem Kinderarzt abgestimmten Hustenstiller. Denn wir haben beobachtet: Die kleinen Körper werden mit Schlaf schneller gesund.

Auf keinen Fall darf man Hustensaft (Löser) zeitgleich mit Hustenblockern geben. Das ist auch bei Erwachsenen so“, sagt der Kinderarzt. Auch wenn der Husten sich bereits löst („produktiv“ ist) und sehr feucht klingt, sollte darauf auf jeden Fall verzichtet werden. Eltern sollten dies unbedingt mit dem Kinderarzt abstimmen und seinen Empfehlungen, wie auch den Packungshinweisen, genau folgen.

„Ein sehr potenter Hustenstiller ist übrigens Honig. Studien haben gezeigt, dass er ähnlich wirkt, wie industrielle Hustenblocker“, erklärt Dr. Guido Hein. „Nur bitte nicht im ersten Lebensjahr geben.“

7. Hustensaft selbstgemacht – was muss ich beachten?

Generell spricht nichts dagegen, den Hustensaft selbst zu machen. Natürlich sollte man etwaige Allergien des Kindes berücksichtigen. Es gibt viele Pflanzen, die gegen Husten helfen. Thymian ist eine davon. Thymian wurde früher als das „Antibiotikum des kleinen Mannes“ bezeichnet. Tatsächlich hat das Kraut antibakterielle Eigenschaften und wirkt zudem schleimlösend. Ein Teelöffel Thymian mit heißem Wasser überbrühen, kurz ziehen lassen und dann als Tee trinken – wirkt fast schon Wunder.

Ein tolles Rezept für selbstgemachten Hustensaft haben wir HIERfür euch, Zwiebel– und Rettich sollen ebenfalls gut helfen. Auch Bienenwachs-Brustwickel oder Kissen mit Heilwolle helfen – leider stirbt dieses Wissen aus.

Nur eines sollten Eltern beachten, sagt Kinderarzt Dr. Guido Hein: „Keinen Honig im ersten Lebensjahr! Er kann Bakterien enthalten, mit denen der kleine Körper noch nicht klarkommt.“ Den Honig abzukochen bringt leider auch nicht viel, denn dadurch verliert dieser seine Wirkung.

8. Oh Schreck! Im Hustensaft ist Alkohol! Darf ich den trotzdem meinen Kindern geben?

Immer wieder ein beliebtes Thema in den Mama-Foren. Da ist Alkohol im Hustensaft! Ist das unbedenklich?

„Alkohol ist in fast allen Hustensäften enthalten. Den benötigt man, um die Wirkstoffe optimal aus den Pflanzen zu extrahieren. Nur einige wenige Hersteller machen sich die Mühe, den Alkohol danach wieder herauszuziehen“, erklärt der Kinderarzt. „Hält man sich an die empfohlenen Mengen, ist das jedoch nicht schädlich. Meist werden (je nach Alter) um die 2 Milliliter empfohlen, das ist sehr wenig, und darin ist sogar weniger Alkohol enthalten, als in einem Glas Apfelsaft.“

Bitte? Apfelsaft? Ja – am Rande: Apfelsaft kann durch leichte Gärung, die bereits einsetzt, wenn der Saft noch im Apfel ist, Alkohol enthalten. Wer also seinen Saft frisch presst, verabreicht den Kindern unter Umständen ein paar wenige Promille. Mehr dazu HIER.

Husten saft - so wenig sind 2,5 ml

So wenig sind 2,5 ml tatsächlich…

9. Schokolade gegen Husten – bitte was?

Honig wirkt als Hustenstiller, das haben wir gerade gelernt – doch es wird noch besser: „Auch das in Schokolade enthaltene Theobromin, ein Alkaloid, hilft gegen Husten“, überrascht uns der Kinderarzt. Und tatsächlich: Eine Studie* hat gezeigt, dass es ähnlich wie Codein gegen den Husten wirkt.

Je dunkler die Schokolade, desto mehr Theobromin ist enthalten.

Kakao gegen Husten – das ist doch mal was! „Also: Zuviel Süßes macht natürlich nach wie vor dick. Aber Kinder, esst mehr Schokolade – wenn`s geht die dunkle“, rät der Kinderarzt. Und versuchen kann man es ja mal!

10. Husten vorbeugen – geht das?

Ganz vermeiden lässt sich der Husten nicht. Das Wichtigste ist natürlich ein gesundes Immunsystem. Gesunde Ernährung, frische Luft und ausreichend Flüssigkeit, dazu – besonders in der Erkältungszeit – Vitamin C, können dem Körper helfen, sich von vornherein gegen Husten zu wehren.

Aber ein Patentrezept gibt es nicht. „Es gibt Familien, die eher zu Hustenerkrankungen neigen, als andere. Manche haben einfach eine lokale Immunschwäche in den Bronchien – das ist einfach so“, erklärt Dr. Hein.

Also in Zukunft: Den hustenden Kleinlingen öfter mal einen Löffel Honig vorm Schlafengehen verabreichen oder eine Tasse Kakao (das echte Zeug!) kredenzen. Dazu ein Schafwollkissen auf die Brust und ganz viel Liebe – dann geht’s vielleicht auch ohne Hustensaft.

Und wenn nicht, ist das auch kein Drama! Wie immer gilt: Wir sind keine Ärzte – bitte im Zweifelsfall IMMER mit dem (Kinder-)Arzt sprechen!

*Omar S. Usmani u. a.: Theobromine inhibits sensory nerve activation and cough. In: The FASEB Journal: Official Publication of the Federation of American Societies for Experimental Biology. Band 19, Nr. 2, Februar 2005, S. 231–233

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Krümels Rundblick (9)

Unsere Lese-Empfehlungen des Monats

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Rundblick auf die Bloggerkollegen und –kolleginnen und Andere. Eigentlich machen wir das ja viel zu selten – Sharing is caring! Wir geloben Besserung, wie immer!

Hier ist ein Artikel von Stadt Land Mama über das Petzen. Ich finde das Thema sehr wichtig und man sollte darüber tatsächlich einmal nachdenken. Denn auf der einen Seite wollen wir ja, dass unsere Kinder uns alles sagen – auf einmal ist das dann „Petzen“? Dazu werden ich bestimmt auch nochmal meine Gedanken in einem Blogbeitrag formulieren.

Petzen: Warum ich finde, dass einem Kind dafür niemals ein Vorwurf gemacht werden sollte

Auch der Artikel von Susanne Mierau Geborgen Wachsen hat mich sehr berührt, denn genau das leben und lieben wir in unserer Familie. Wenn die Kleinen nachts zu uns unter die Decke schlüpfen ist das in den meisten Fällen auch für uns Eltern schön – denn viel zu schnell werden sie groß werden. Wenn euch demnächst irgendwelche Leute dafür kritisieren möchten, hat Susanne hier für euch die perfekte Antwort!

Leuchtturm in der Nacht – Kinder, die ins Elternbett kommen

Doktor Hein, Kinderarzt, hat sich bereits 2012 in einem Essay Gedanken zur Einschulung gemacht – und wenn man sich durch die Eltern-Foren liest, hat er nichts an Aktualität verloren. Verunsicherte Eltern, verunsicherte und demotivierte Kinder – woran liegt das und muss man immer gleich in einen Förderwahn verfallen?

Gedanken zur Einschulung

„Ich lache heute noch über den Brustton der Überzeugung, mit dem ich einst die Weltgeschichte beschallt habe, wie ich das mit der Kindererziehung – und überhaupt mit meinem zukünftigen Leben – machen werde. Konnte nicht sooo schwierig werden, schließlich hatte ich mal einen Hund…“ beginnt Susanne von Hallo liebe Wolke ihren Text und bereits da konnten wir uns wiedererkennen. Über Zweifel und Verunsicherung.

„Gestatten? Frau Susanne Unsicher-Bohne.“ (Warum Mama andauernd zweifelt.)

Manchmal ist auch meine Erziehung für die Tonne…

An manchen Tagen ist Laura von Heute ist Musik pädagogisch wertlos. An manchen Tagen ist Laura wie wir alle – und es tut gut, das mal schwarz-auf-weiß zu lesen! Denn perfekt ist niemand, liebe Mamas! Und auch Mamas haben manchmal einfach keinen Bock und tun das, was gerade einfach und bequem ist. Auch wenn es pädagogisch gerade zweifelhaft ist!

An manchen Tagen… bin ich pädagogisch wertlos