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Too much Ordnungsliebe? Mein innerer Monk und ich.

Guten Tag. Mein Name ist Tanja und ich habe einen inneren Monk. Ein Teil von mir ist sehr strukturiert und giert nach Ordnung. Dabei ist es nicht so, dass von Natur aus so bin. Wer mich kennt – und ich meine wirklich kennt – weiß, dass es wohl keine größere Chaotin gibt, als mich. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es mir im Alltag hilft, ordentlich und strukturiert zu sein. Ich habe mir angewöhnt, immer alles, was ich nicht mehr brauche, wieder an seinen Platz zurückzulegen.

Ich mag keine Unordnung

Chaos mag ich eigentlich nicht – es macht mich unruhig und Unordnung verwirrt mich. Das hat bei mir konkrete Auswirkungen, auf meine Laune zum Beispiel. Ist es extrem unordentlich um mich herum, werde ich gereizt und bin angespannt. Entspannen und abschalten fällt mir schwer.

Also habe ich mir irgendwann angewöhnt, sehr ordentlich zu sein. Mein Sinn für Ordnung geht aber so weit, dass die Teller in der Spülmaschine richtig herum, mit dem Dekor zur Seite eingeräumt werden müssen. Die zweiteilige Gardine hängt nicht exakt gleich auf beiden Seiten? Dann zuppel und ziehe ich so lange daran herum, bis ich zufrieden bin. Anders lässt mir das keine Ruhe. Mein Mann nennt mich deshalb, in Anlehnung an The Big Bang Theorie, zärtlich seine kleine Sheldoline, denn in Sachen Pingeligkeit könnte ich Dr. Sheldon Cooper jederzeit das Wasser reichen.

Bällebad in Ordnung gebracht

Wenn man mich mit dem Bällchenbad spielen lässt…

Und dann kamen die Kinder…

Als ich schwanger mit Locke war, war mir bewusst, dass mich das Leben mit Kind in jeder Hinsicht, so auch in dieser, herausfordern würde. Locke war nun aber ein sehr ruhiges Kind, das selten wild das Spielzeug verstreute. Hinter ihm auszuräumen fiel mir leicht. Es wurden gewisse Regeln aufgestellt („Kein Spielzeug im Flur!“ oder „Kein Spielzeug in der Küche!“) und ich konnte mit seinem Kinder-Chaos leben. Mal mehr, mal weniger – aber immer moderat, die Unordnung. Zum Abend hin räumte ich alles auf und konnte so den entspannten Abend genießen.

Dann war im Kindergarten Elternsprechtag. Locke sei soweit altersgerecht entwickelt, bei der Deutlichkeit der Aussprache ist noch Luft nach oben, klar, war ja auch noch klein. Kein Grund zur Besorgnis!

Ein Mini-Sheldon?

„Aber sagen Sie mal“, sprach mich die Erzieherin an. „Ist Locke zuhause auch so pedantisch? Hier ist es oft so, dass bestimmtes Spielzeug in einer Reihe stehen muss und nicht durcheinander gebracht werden darf. Macht er das zuhause auch?“

Das wunderte mich, denn ein solches Verhalten hatte er zwar, bevor sein Bruder kam, ein paar Mal an den Tag gelegt, aber es hatte sich sehr gebessert. Zwangsweise – denn der kleine Bruder kümmert sich nicht um Ordnung und walzt durch den Spielzeugwald wie eine Mini-Planierraupe: Was im Weg ist, wird gnadenlos weggeschoben, aufgehoben oder zur Seite gekickt.

Der Ehemann und ich sind für extremes Verhalten bar jeder Normalität sensibilisiert, denn der Mann arbeitet beruflich mit autistischen Kindern. Da kennt er so manch fixiertes Verhalten und auch so mache Verhaltensweise, die sich nach extrem sheldonesquen Regeln richtet. Bei unserem Sohn hatten bisher noch keine Alarmglocken geklingelt, alles war im Rahmen.

„Ich glaube, das hat er von mir!“, dämmerte es mir und mir wurde nahe gelegt, zuhause etwas flexibler zu werden.

Ich und mein Monk

Nach dem Mittagessen dachte ich nach, während ich das Geschirr in den Geschirrspüler räumte. Schnell die Teller richtig herum gedreht während ich überlegte, ob ich Lockes Verhalten, das noch lange nicht besorgniserregend – aber auffällig war – irgendwie beeinflusst hatte. Als ich die Kinderküchen-Utensilien (beide Jungs sind begeisterte Köche) wieder einräumte, alles an seinen Platz, fiel mir auf, dass ich das vielleicht gar nicht tun müsste. Soooo schrecklich chaotisch war es doch vorher gar nicht gewesen, oder?

Kinderküche in Ordnung

Die Kinderküche – vorher und nachher.

Ich beschloss, den Ehemann abends darauf anzusprechen, ging ins Wohnzimmer und räumte die Duplosteine in die „Duplo-Tonne“, die Autos in die „Auto-Kiste“ und die übrigen Spielsachen in die „Kramkiste“. Fällt meinem Sohn das wirklich auf? Er ist seit jeher ein guter Beobachter und er bekommt viele Dinge mit, über die er dann viel nachdenkt. „Beobachtet er mich so gut, dass er mich nachahmt?“, überlegte ich, während ich die Gardine zurechtzupfte, die nicht wirklich mittig am Fenster hing.

Konnte es wirklich daran liegen? Oder war es für Locke eher so, dass er die Struktur, die er hier zuhause gewohnt war, und die Zwocki ihm völlig verpfuschte, im Kindergarten – seinem Lieblingsort – wieder aufbauen wollte? Hier zuhause war das nicht mehr möglich, vielleicht versuchte er, sein Stückchen Sicherheit und Ordnung in die Spielgruppe mit hineinzunehmen.

Sich selbst reflektieren

Vielleicht ist es ein Stück von beidem. Ich werde mich ab jetzt jedenfalls zusammenreißen und auch mal Fünfe gerade sein lassen. Die Gardine komisch hängen lassen. Vielleicht dreh ich sogar mal nen Teller in der Spülmaschine mit dem Dekor nach oben…

Ich finde es immer wieder wichtig innezuhalten und sich selbst zu beobachten. Sich selbst zu bewerten, Meinungen von außen zuzulassen und zu sehen, was man besser machen kann und was anders. Ich kann und werde meinem Kind nichts vorspielen und ich werde mich selbst nicht völlig umkrempeln – Mama ist eben Mama, ich bin ich – aber vielleicht rücke ich mich selbst mal ein bisschen zurecht.

Aber entschuldigt mich nun bitte, ich muss in die Küche, in der Spülmaschine steht ein Teller verkehrt herum.

Mein Monk rebelliert.

Die NOT* To-Do-Liste – Alles, was er NICHT tun soll

*englisch aussprechen bitte, not nicht Not!
Unser Zwockel. Mann, mann, mann. Ich sag euch. So manches graue Haar auf meinem Kopf stammt von diesem Kind. Ich liebe ihn und er kann sehr, sehr süß sein – keine Frage. Aber wie sagt man so schön? Ihm sitzt der Schalk im Nacken. Der junge Mann hat einen eisernen Willen, der mit beachtlicher Zielstrebigkeit gepaart wurde und er lässt sich so schnell von nichts abbringen, das er sich einmal vorgenommen hat.

Als Kerstin von Chaos hoch 2 vor kurzem ihren Sohn beschrieb, war es, als habe sie kurz bei uns vorbeigeschaut. Zwockel ist, ganz wie der Krümel, eine „Abrissbirne auf Speed“. Er ist ein Motoriker. Rennen, klettern, hüpfen – irgendwo gegenlaufen, runterfallen, aufstehen – von vorne. Das ist Zwockel. Der rennt voll Karacho gegen eine Tür, schüttelt sich kurz, wo andere Kleinkinder nach einem ganzen Lastwagen voller Arnika-Globuli, Coolpacks und lokalem Anästhetikum verlangen würden, und rennt weiter – gern auch gegen die nächste Tür/Schrank/Regal/Stuhl oder, besonders beliebt, die Tischkante.

Zwockel und die Tischkante

Unsere Küche ist klein. Winzig. Eine Tetris-Küche (man muss alles in die Schränke puzzeln, damit’s passt). Der Tisch steht, ob der nicht zur Verfügung stehenden Fläche, immer an einer Stelle. Er steht da. An jedem Tag. Seit immer, oder wenigstens seit 2008. Auf jeden Fall schon Zwockels ganzes Leben lang.

Und an jedem Tag – an.jedem.verdammten.Tag. – rennt das Kind vor die Tischkante.

Mehrfach. Immer vor dieselbe Ecke. Kommt rein, ballert vor den Tisch, weint kurz oder schimpft, rennt wieder raus. Repeat. Wir haben es mit Kantenschutz probiert (blöd, weil es ein Auszieh-Tisch ist und zum Essen die eine Seite ausgeklappt wird), hat aber nix gebracht.

Zwockel und der Couchtisch

Zwockel hat unseren Couchtisch mit seinem Hinterkopf zerstört. Er hat den Fernseher mit einer Lego-Bodenplatte und einem Feuerwehrauto kaputt gemacht. Er hat diverse Gläser (durch das gezielte Werfen von Spielzeug) auf dem Gewissen. Die Oberfläche des Couchtisches gleicht einer Kraterlandschaft, weil Zwocki dort alles – aber auch alles – draufwemst, was hart ist und Macken macht. Die Schublade neben seinem Bett? Vor Wut herausgerissen, weil die Mama es wagte, den soeben erwachten Herrn nicht sofort zu bespaßen.

Wir haben bereits überlegt, eine Namensänderung zu beantragen, konnten uns aber zwischen Hulk-Arnold und Chuck-Rambo nicht entscheiden.

Und sowieso und überhaupt: Das Kind hat einen Plan. Wenn er morgens aufsteht, fertigt er eine NOT-To-Do-Liste an. Eine Liste mit Dingen, die er auf keinen Fall tun darf. Und die hakt er dann gewissenhaft ab.

Der neueste Lieblings-Spielplatz

Seit der große Bruder aufs Töpfchen geht, ist das Badezimmer sehr interessant geworden. (*RUMS, Tischkante, grad hier so von links) Ob das lustige Spiel „Sachen-ins-Klo-werfen“ oder spaßiges Windeln verstecken, der Zwockel ist dabei.

Die frisch gewaschenen, frisch zusammengelegten, frisch in den Schrank sortierten Schlafanzüge fanden sich dann im Klo wieder.

Die Klobürste ist – sehr männeruntypisch – dabei sein bester Freund. Diese wird übrigens, zum Beispiel in Kombination mit Papas Bodylotion oder nassem Klopapier, zum Werkzeug des Teufels. Neuerdings kann das Kind nämlich die Türen selbst öffnen und da der Große sonst nicht zum Töpfchen kann, kann ich die Tür natürlich auch nicht abschließen.

Welch Freude, kommt man ins Bad und der Junior hat nicht nur das ganze Zimmer mit der nassen Klobürste besprengt – nein, er hat auch noch Creme damit verrieben! Der Teppich, gerad ob eines ähnlichen Streiches frisch gewaschen, wandert gleich wieder in den Keller um mit literweise Hygienespüler wieder keimfrei gemacht zu werden.

Und während ich noch die Kacheln abwische, schalmeit es schon aus dem Wohnzimmer „DER ZWOCKEL HAUT MIT DEM FEUERWEHRAUTO DEN FERNSEHER!!!“, oder so ähnlich.

Die Macken auf dem TV-Bildschirm wachsen beständig.

Im Garten – Zwockel lernt vom Chihuahua

Auch den Gartenaufenthalt macht so ein Zwockel zum Erlebnis. Der Garten ist klein, sehr klein, aber die Kinder haben einen Sandkasten, eine Rutsche und einen kleinen Kletterturm. Plus Spielzeug. Reicht nicht, findet Zwock-Man, der Garten ist nicht genug!

Nachdem wir versucht hatten, ihm sämtliche Fluchtwege zu verbauen und auch das Gartentor zusätzlich mit Kabelbinder gesichert hatten, tat er das, was Theo, der Chihuahua, ihm gezeigt hatte: Um zu entkommen, krabbelte er einfach ab durch die (frisch entbrennnesselte) Hecke und lief auf und davon.

Da wir erst einmal die andere Hecke umrunden und den Kabelbinder vom Törchen friemeln mussten (glorreiches Eigentor, das!), war der Pampers-Schuft bereits bis zum nahen Freibadparkplatz gejoggt, wo wir ihn schließlich stellen konnten. Er fand es super. Wir nicht so und überlegen nun, extra ein paar neue Brennnesseln zu pflanzen, als natürlichen Zwockel-Schutzwall.

Aber wie wir ihn kennen, rennt er auch da einfach durch, schüttelt sich kurz, und macht dann weiter mit seiner Liste mit Dingen, die er nicht darf…

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Ordnung ins Chaos – oder: Wie putzig, ein Putzplan!

Wie ich euch bereits öfter schon erzählt habe, fällt es mir nicht leicht, das tägliche Chaos mit den Kindern einfach so zu akzeptieren. Ich bin ein Mensch, der Ordnung und Sauberkeit über alles liebt, dann fühle ich mich richtig wohl. Mit zwei Kleinkindern leider eine Utopie!

Alles voller Fingertapsen

Kaum dreht man dem Nachwuchs den Rücken zu, wird die Duplo-Kiste ausgeleert, die Autos fliegen durch die Gegend, die Jacken werden von der Garderobe gezogen. Überall sind Kinderhände-Patscher: An der Balkon- und Küchentür, auf Tischen, Arbeitsflächen, Schränken…

Chaos, wohin man schaut: Hier: Zwockel fand den Wäschekorb.

Unsere Balkontür beispielsweise sieht aus, als habe ich sie schon seit Monaten nicht mehr geputzt. In Wahrheit habe ich das erst vor 3 Tagen getan – aber die Scheibe ist schon wieder über und über mit kleinen Fettfingern und Nasenabdrücken übersät. Nicht schlimm, aber auch nicht schön!

Nun werdet ihr eifrig nicken und sagen: „Das ist nunmal so. Das kommt mit den Kindern quasi im Paket dazu.“ Und ihr habt Recht. Schließlich heißt dieser Blog ja auch „Krümel und Chaos“ und nicht „Saubere Böden und Oberflächen“ oder „Zur ordentlichen Wohnung in 10 Tagen“ – und der Name ist Programm.

Ich habe ein kleines Staubmuseum

Ich habe da wirklich schon Abstriche gemacht.

Seitdem ich Kinder habe, freue ich mich nur noch bedingt, wenn die Sonne ins Zimmer scheint – was gestern Abend im Schummerlicht noch passabel aussah, ist heute Morgen im Sonnenlicht voller Fingerabdrücke, Staub (woher kommt nur dieser ganze Staub!) und wasweißichwas. Unter der Couch fand ich einen angebissenen Keks, am Stuhlbein klebte ein Leberwurst-Brotzipfel und ich habe echt keine Ahnung, wie die Kartoffel in meine Schuhschublade kommt.

Auch wenn wir hier alle sicher nicht zu Putzteufeln und den Hausmütterchen-Idealen der 50er Jahre zurückmutieren wollen, so muss doch ein gewisses Maß an Putzen und Aufräumen sein, denn bei allen Krümeln und allem Chaos – hygienisch bedenklich sollte es nicht sein.

Mutter, Hausfrau, Köchin plus zwei Jobs

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist – ich habe keine Putzfrau und neben meinen Jobs als Mutter, Hausfrau und Köchin noch zwei weitere: Diesen Blog und eine Tätigkeit als Online-Redakteurin bei einem lokalen News-Portal. Und nachdem wir ja alle von meiner Beinahe-Katastrophe gelesen haben, als ich vor lauter Müdigkeit beinahe mein eigenes Baby überfahren hätte, sind wir uns einig, dass putzen oder arbeiten bis in die Nachtstunden bei zusätzlicher Kinder-Nachtschicht einfach nicht gut für die Gesundheit sind.

Warum arbeite ich überhaupt, warum dieser Blog? Gute Frage. Denn wisst ihr, ich wäre als Hausfrau und Mutter – ganz nach dem 50er-Jahre-Frauenbild – völlig zufrieden. Aber ich bin auch sehr sicherheitsbedacht. Ich benötige, um entspannt zu sein, immer ein Netz und einen doppelten Boden. Was ist, wenn mein Mann einen Unfall hat? Wenn er nicht mehr für uns sorgen kann? Was ist, wenn er sich trotz aller Liebe und Freundschaft, die uns verbindet, in eine andere verliebt und mich verlässt? Was, wenn er seine Arbeit verliert? Was wenn… Alles kann passieren. Und in dem Fall werde ich genug mit der Neu-Strukturierung meines Lebens und des Lebens der Kinder zu tun haben – da möchte ich wenigstens eine berufliche Perspektive haben!

Und zweitens: Mein Denkarium. Das Schreiben ist mir ein Bedürfnis, es tut mir gut. Durch das Schreiben verarbeite ich Dinge und ordne Sachverhalte in meinem Kopf neu. Ich möchte darauf nicht mehr verzichten! Krümel und Chaos ist zu einem großen Teil meines Lebens geworden und mit der Unterstützung der Familie klappt bisher alles ganz gut.

Ein Putzplan hilft

Ich werde nun versuchen, meinen „alten“ Putzplan zu reaktivieren, den ich in der Zeit, als es nur Locke gab, erstellt habe. Er hat sich als wirklich sehr praktisch erwiesen und wurde leider durch die Schwangerschaft mit Zwockel außer Kraft gesetzt: Mit dem kleinen Energiefresser im Bauch war ich so müde, dass ich kein Putztuch schwingen konnte!

Wenn ihr jeden Tag ein bisschen macht, werdet ihr sehen, dass eine gewisse Grundordnung schnell herzustellen ist. Wenn man sich wirklich daran hält, ist es nicht schlimm, wenn mal ein Tag oder eine Woche wegen Terminen oder Krankheit ausfällt. Auch Spontanbesuch muss euch nicht mehr stressen.

Hier ist nun also mein Putzplan: Hübsch gestaltet in PowerPoint hängt er an der Pinnwand. Ihr seht, unsere Wohnung ist echt klein. Wie ihr euren Putzplan gestaltet, ist eure Sache, da werdet ihr auch viel ausprobieren müssen. Ich kann euch nur zu einem solchen Plan raten, denn wenn man eine festgelegte Routine hat und gewissen Regeln folgt, wird es viel einfacher.

Mit Struktur und Regeln geht es leichter

Eine gewisse Struktur in den Alltag – auch den privaten – zu bringen, ist nicht verkehrt und hilft bei der Organisation. Wenn ihr euch, wie ich, im Chaos nicht ganz so gut entspannen könnt oder ganz einfach nicht wisst, wo ihr anfangen sollt, kann ein Plan zumindest am Anfang sehr nützlich sein, besonders wenn ihr im Homeoffice arbeitet.

Wie macht ihr das? Gehört ihr zu den Glücklichen, die eine Putzfrau haben? Arbeitet ihr? Seid ihr Hausfrau und Mutter? Vereinbart ihr Job und Kinder? Habt ihr Tipps, wie der Alltag besser funktioniert? Habt ihr Putzpläne?

Voll das gute Leben – du willst ein neues?

Dann bekomm ein Kind…

„Wenn du in den Kreißsaal hineingehst, gibst du dein Leben – dein altes, gewohntes Leben – ab und kommst mit einem völlig neuen wieder heraus. Auch als Mann!“, sagte Tobias, ein Kindergarten-Papa, den ich unlängst auf einem Spaziergang traf.

Wie Recht er hat. Denn auch wenn das Leben natürlich nicht vorbei ist, ist es doch ein völlig anderes. Dieser Wandel besteht nicht nur darin, dass da nun ein weiteres kleines Menschlein (oder mehrere) bei uns wohnen, unsere Nächte kürzer sind und unsere Herzen voller – nein, eigentlich ist alles anders, denn wir sind völlig neue Menschen.

Das neue Leben ist voller neuer Gefühle, voller weggeworfener Vorsätze, voller Angst und auch voller Freude. Randvoll mit neuen Möglichkeiten und Chancen, die man erkennen und ergreifen muss. Bunter, krümeliger, chaotischer, lauter, wuseliger und tiefer. Neu.

Über meine Erfahrung, eine neugeborene Mutter zu sein, habe ich im letzten Jahr einen Gastartikel bei Ohfamoos geschrieben:

Die neugeborene Mutter

„Auch eine Mutter wird erst geboren…“ – neuerdings begegnet mir dieser Satz immer wieder im Alltag. Er springt mir im Internet bei der Textrecherche ins Auge, im Fernsehen, auf einem Flyer, im Büro – immer wieder stoße ich auf diese Aussage. Doch was bedeutet das eigentlich? Etwa, dass auch eine taffe Business-Frau neu denken lernen muss?

Am Anfang dachte ich „Was für ein Quatsch!“

Im Gegensatz zum Kind, das ja zumeist ungefragt auf die Welt befördert wird und dann mit der plötzlichen Helligkeit, der ungewohnten Kälte und den vielen ungedämpften Lauten klarkommen muss, hat die Mutter die Chance, sich auf vielfältige Art und Weise auf ihr Kind und das Dasein als Mutter vorzubereiten.

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Ein ganz normaler Tag im Chaos…

Zwei Kinder, ein Haushalt, ein Blog.

Der Frischkäse kippelte auf dem selbstgebauten Kühlschrank-Türmchen und PATSCH lag er mir auch schon zu Füßen. Nicht ohne vorher den Deckel verloren zu haben und Frischkäsemasse wie Wasser im, am und um den Kühlschrank herum verteilt zu haben. Ich müsste wirklich dringend mal wieder den Kühlschrank aufräumen.

Guten Morgen!

Die Sauerei beseitigt, machte ich mich ans Frühstück. Nachdem das Baby den Trinklernbecher geöffnet und umgestoßen hatte, natürlich musste er erst die zermatschte Banane in seinem Gesicht verteilen – endlich der erste Kaffee! Während das Baby die Kinderküche aus- und umräumt und findet, dass das Zusammenspiel von IKEA-Kinderkochtopf auf Boden auf der einen, und Kochlöffel auf der anderen Seite einen super Beat ergeben, versuche ich, mich an den Computer zu setzen und ein bisschen was zu schreiben.

Wickelakrobatik

Autsch! Das Kind hat mir in den nackten Zeh gebissen! Seitdem er auf der Welt ist, interessiert er sich sehr für Füße und seitdem er Zähne hat, beißt er gern in alles, was sich bewegt oder auch nicht. Während ich das Kind also wieder zurück auf seine Decke zurücksetze, steigt mir ein würziger Duft in die Nase. Meine Kinder haben eine sehr gute Verdauung. Windel schreit nach Wechsel! Also erstmal wieder eine Runde Wrestling auf der Wickelkommode. Junior hält nämlich rein gar nichts davon, still liegen zu bleiben – nein, er findet es viel lustiger, sich in dem Moment, in dem sich Windel von Po löst, blitzschnell herumzurollen – gern auch durch das in der Windel befindliche Produkt – was natürlich zur Folge hat, dass nicht nur Windel, sondern auch Wickelkommode, Kind und Mama schmutzig werden.

Kind also kurzerhand unter die Dusche setzen und abbrausen. Super, denkt er sich und entwendet mir in einem unbedachten Moment schnell mal den Duschkopf, richtet diesen auf mich und tadaaaa! Mama ist nicht nur schmutzig, sondern auch noch nass, wie auch der Rest des Badezimmers. Kind schrubben, in ein sauberes Handtuch wickeln und auf die mit einem frischen Handtuch bedeckte Wickelkommode legen. Mein Griff nach den Windeln führt ins Leere. Als ich mich herunterbücke, um das Regal oben mit ein paar neuen Windeln aufzufüllen, fühle ich, wie eine warme Flüssigkeit meinen Kopf trifft. Junior quietscht freudig und strullt weiter vor sich hin. Ich wollte ja eh gleich duschen.

Das Wäsche-Füllhorn

Inzwischen ist der Kleine Gott sei Dank schon so müde, dass er sich fast ohne Murren ins Bett legen lässt. Endlich Zeit zu schreiben! Ach, erst noch duschen! 10 Minuten später stehe ich vor dem Spiegel und föhne meine Haare. Nur noch schminken und Haare glätten und ich dann endlich ein bisschen was tun. Mein Blick fällt auf die Handtücher am Boden. Schnell mal eben eine Maschine Wäsche anstellen. Frisch gestylt trage ich den Wäschekorb – aka „Das Füllhorn“ – in den Keller. Dort wird die Wäsche sortiert (in dunkel und hell – die Buntwäsche besteht bei uns aus 50 Shades of Black) und eine Maschine angestellt. Huch! Im Trockner ist ja noch das Zeug von gestern. Ach, komm. Das nehmen wir auch mit raus und falten es eben weg.

12.01._Chaos3

Habt ihr auch solche Wäscheberge?

 

Zurück in der Küche setze ich mich wieder vor das Laptop und nehme einen Schluck Kaffee, der inzwischen kalt geworden ist. Egal, runter damit! Die leere Tasse schnell noch in die Spülmaschine stellen – ach, Mist, die ist voll mit sauberem Geschirr. Also räume ich die eben aus, geht ja fix.

Danach setze ich mich wieder an meinen Text. Den ersten Satz hab ich schon mal. Nee. Der klingt doof. Löschen. Naja, ändern kann ich den immer noch. Also schreib ich den wieder hin. Vorläufig, bis mir was Besseres einfällt.

Die Krankenkasse

Das Telefon klingelt. Die Krankenkasse. Das angegebene Konto für die Rückerstattung ist irgendwie nicht vorhanden, sagt das System. Wir gleichen Kontonummern ab. Stimmt aber.

„Dann nehmen Sie doch das Konto meines Mannes, die Daten haben Sie doch.“

Das müsse man aber dann schriftlich haben, erklärt mir die Dame. Sie schickt mir ein Formular zu, das muss ich dann nur noch ausdrucken, ausfüllen und scannen und dann läuft alles.

Vom Telefonklingeln ist das Baby wach geworden. Die Windel ist voll (erwähnte ich, dass meine Kinder eine Bomben-Verdauung haben?) – also ins Bad, nen frischen Popo machen und dann das Formular drucken.

Die Druckerpatrone ist leer. Irgendwo hatte ich noch eine… Gesucht, gefunden. Patrone ausgewechselt und los geht’s. Ausgefüllt, gescannt, verschickt.

Fruchtzwerg-Gate

Jetzt klingelt das Handy mit der Erinnerung, dass ich den Großen vom Kindergarten abholen muss. Ist der Vormittag wirklich schon rum? Also Baby in den MaxiCosi und los zum Kindergarten.

Wieder zuhause wird ein kleines Mittagessen vorbereitet. Der Große will Nudeln, nein, Käsetoast, nein, Banane und Fruchtzwerg.

„Welchen Fruchtzwerg, gelb oder rot?“

„Grün!“

„Grün haben wir nicht.“

Kurzer Wutanfall mit Tränen, Amnesty International steht bereit, mich wegen Verstoßes gegen das Recht des Kindes auf grünen Fruchtzwerg zu verklagen. Die Wogen glätten sich, als ich standhaft erkläre, dass es entweder ein roter oder gelber Fruchtzwerg wird, oder gar keiner. Gelb ist auf einmal doch okay.

Das Baby bekommt Brei, selbstgekocht: Süßkartoffel mit Karotte und Rind. Den liebt er. Normalerweise. Heute nicht. Heute wird jeder Löffel, der in den Mund kommt, konsequent ausgespuckt. Ich gebe auf und hole ein Gläschen. Käsespätzle sind genehm. Dass das Kind satt ist, lässt es mich durch ein herzhaftes Prusten mit vollem Mund wissen.

Nachdem ich ihm und mir das Gesicht abgeputzt habe, soll nun der Große ins Bett – Mittagsschlaf! „Aber ich will noch pielen!“ „Du kannst gleich noch spielen. Jetzt ist Schlafenszeit!“

Nein, DIE Bürste ist NICHT für den Kopf!

Während ich seine Windel wechsle – Überraschung! Bis zum Rand gefüllt (erwähnte ich, dass meine Jungs eine tolle Verdauung haben?), putze und wische und angle ich gerade nach einer neuen Windel, als mein Blick auf das freudig quietschende Baby fällt, dass sich soeben die Klobürste geschnappt hat und erfreut damit herumwedelt. Ich stürze auf ihn zu, kann aber leider nicht mehr verhindern, dass er sich kurz damit übers Haupthaar bürstet.

Schnell habe ich notdürftig Händchen und Gesicht abgewaschen, dem Großen den Schlafanzug angezogen und ihn ins Bett verfrachtet, da dusche ich das Baby zum zweiten Mal heute. Frischer Body, frische Krabbelhose – und auf geht’s. Der Wäscheberg neben der Wickelkommode ist schon gewachsen – neues Futter fürs Füllhorn!

Das Baby zum Spielen auf die Decke gesetzt werde ich doch jetzt endlich zum Schreiben kommen. Und tatsächlich, eine Weile beschäftigt sich der kleine Mann mit den Spielzeugen seines Bruders. Eine Weile leider nur, dann ist Mama wieder gefragt. Nachdem wir gefühlte zehn Tonnen Schotter gefahren haben, ist auch der Kleine müde und wird ins Bett gelegt.

Irgendein Depp…!

Endlich. Beide Kinder schlafen!

Bis der Postbote klingelt. Nachdem der wieder weg ist, schnell ins Kinderzimmer rennen und dem Großen erklären, dass er noch nicht genug geschlafen hat, dem Kleinen die Spieluhr aufziehen und gnädigerweise schlafen beide Kinder wieder ein.

Draußen beginnt der von der Stadt beauftragte Gärtner, die Hecke mit einer neuen Motorsäge zu bearbeiten, während sein Azubi die wilde Wiese neben dem Haus mit dem Rasentraktor befährt. Dass irgendein Depp immer irgendwo mäht, wusste ja schon Reinhard Mey.

Die Kinder sind – oh Wunder! – wieder wach und nörgeln unausgeschlafen herum. Ich beschließe, spazieren zu gehen. Frische Luft wird uns allem guttun. Während der Große brüllt wie am Spieß und mich für den Preis als weltallerblödeste Pups-Mutter nominiert, schuckle ich das Baby durch die Felder und versuche, das Wetter zu genießen. Entspannt ist anders…

Alles voller Soße

Wieder zuhause sehe ich mit Schrecken, dass es schon Zeit ist, das Abendessen zu kochen. Heute gibt es Nudeln mit bereits gestern vorbereiteter Tomatensoße, in die ich heimlich ein paar Zucchini und Paprika hineinpüriert habe. So essen die Männer dann auch mal Gemüse.

Ich öffne den Kühlschrank und angle nach der Soße. Ich sollte den Kühlschrank echt mal wieder aufräumen, damit ich in den unteren Fächern mehr Platz habe. Da ich nicht die Größte bin, balanciere ich auf Zehenspitzen um an die Schüssel, deren Deckel nur lose aufgelegt ist, zu kommen. Besagte Schüssel bekomme ich mit den Fingerspitzen zu fassen und sie tut, was gemäß Murphy an einem solchen Tag jede gute Schüssel tun würde: Sie fällt herunter. Natürlich nicht, ohne noch zwei Mal im Kühlschrank anzuecken, um den Inhalt möglichst großflächig zu verteilen. Überall.

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Nachdem ich den Kühlschrank geputzt und aufgeräumt habe, gibt es Pizza.