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Zweifel-Haft: Alles für die Kinder?!

#ZweifelimHerbst – eine Blogparade

Liebe Leser und Leserinnen, liebe Blogger und Bloggerinnen, liebe Mamas, Papas und generell Familien: Zweifelt ihr auch manchmal? Wenn ja, worüber? Vielleicht liegt’s an der Jahreszeit, obwohl ich den Herbst sehr mag. Aber ich zweifle gerade sehr. Ich stelle mal wieder alles in Frage, ich bin quasi in Zweifel-Haft.

Auch Susanne von Hallo liebe Wolke zweifelt – und darum möchten wir eine kleine Blogparade ins Leben rufen. Denn wir haben gemerkt: Zusammen lassen sich Zweifel viel leichter tragen!

Ohne Zweifel: Alles für die Kinder

Als ich mich damals selbstständig gemacht habe – und ich bin wahrlich nicht dafür geschaffen – habe ich das aus einem großen Grund getan: Die Kinder. Nicht etwa Geld, obwohl das natürlich Hand in Hand geht. Ich schreibe gern und es macht mir Spaß, füllt mich aus. Ich kann gut mit Worten umgehen und was für den einen das Workout im Fitness-Center ist, ist für mich die Komposition eines Textes. Komposition? Ja. Meistens steckt in meinen Texten mehr als nur Worte, mehr als ein paar aneinandergereihte Buchstaben. Es macht Spaß, aber es powert mich auch aus.

Doch zurück zum Thema: Für die Kinder. Ohne Zweifel, ich wünsche mir, dass sie einmal stolz sind, auf ihre Mama. Dass sie schreibt, dass sie vielleicht irgendwann endlich ihre Ideen in einem kleinen Shop umsetzen kann und eventuell sogar ein oder zwei Erfindungen verwirklichen kann. Dass sie vielleicht einmal etwas bewirkt. Teil eines guten, großen Ganzen ist.

Am liebsten mit Netz und doppeltem Boden

Aber das muss gar nicht sein, denn in erster Linie soll Mamas Arbeit Sicherheit geben. Der Papa verdient gut. Es geht uns gut, besser als so vielen anderen. Bald ziehen wir um, in ein Haus mit Garten. Mein Elternhaus, wo ich aufgewachsen bin. Da reicht aber ein Gehalt nicht mehr, denn die Kosten, die da dranhängen, sind nicht ohne. Selbst wenn wir in unserer Drei-Zimmer-Wohnung blieben – was, wenn dem Papa etwas passiert? Was, wenn er den Job verliert? Was, wenn er nicht mehr arbeiten kann? Was, wenn er auf einmal nicht mehr da ist?

Ich möchte nicht nur, dass meine Kinder eine arbeitende Mama zum Vorbild haben, dass sie sehen, dass man mit harter Arbeit viel erreichen kann (Haha!), sondern auch, dass wir im Notfall, wenn alles drunter und drüber geht, wenigstens finanziell nicht ins Bodenlose stürzen.

Aber… ich (ver)zweifle manchmal

Zweifel am Homeoffice

Arbeit im Homeoffice – mit Zwockel im Rücken.

Es ist so eine Sache, mit der Vereinbarkeit. Ich arbeite vormittags im Homeoffice – das ist bequem und hat viele Vorteile. Noch springt währenddessen der Zwockel um mich herum. Als alte Baustellenmieze macht mir das jedoch wenig, denn ich habe schon Schlimmeres erlebt: Gehupe, Gebagger, Gepiepe, Geschrei, Geklopfe und Gehämmer – was so eine Großbaustelle eben hergibt.

Bald geht er in den Kindergarten. Aber (da ist es wieder): Der Haushalt kommt nach dem Arbeiten. Einkaufen und Kochen. Ich habe schon, was die Ordnung meiner Wohnung angeht, immense Abstriche gemacht. Immer wieder türmen sich Dinge auf allen verfügbaren Ablageflächen – ich frage mich, wo kommen die her? Gerade das Sideboard, den Schuhschrank oder die Ablage in der Küche aufgeräumt – BÄM – Zettel, Ordner, Unterlagen, Spielzeug, Bücher, Werbepost, Kataloge, Kastanien, Steine, Nüsse, Brauch-ich-nochs und die ganzen Nichtwegschmeissens… liegt alles hier herum. Dazu Krümel, Staub und irgendwie klebt auch immer alles.

Da fühl ich mich nicht wohl, auch wenn sich vieles einfach „wegguckt“ – meine nicht vorhandenen Fußleisten, zum Beispiel.

Ich koche gern und versuche, möglichst gesund zu kochen. Aber das heißt eben auch: Gemüse schnibbeln und sich ums Essen kümmern. Am Wochenende unternehmen wir was mit den Kindern, gehen auf Feste, in den Wald, Waffeln oder ein Eis essen, spazieren… Was man eben so macht um den Kindern erlebnisreiche Tage zu bieten, an denen sie idealerweise auch noch was lernen. Zuhause ist nämlich langweilig.

Aber – da kommt es nochmal

Letztens legte sich Locke in seiner abendlichen Lockezeit (wenn Zwockel schon im Bett ist) zu mir aufs Sofa und seufzte: „Mama. Musst du denn immer arbeiten? Du hast nie Zeit für uns!“

Und da waren sie wieder, die Zweifel. Ich saß in meiner mäßig aufgeräumten, aber sauberen, Wohnung. Hatte den Vormittag über gearbeitet und unterm Strich nicht wirklich was verdient („Das kommt später! Alles ist im Aufbau! Am Anfang steht die Arbeit, dann irgendwann zahlt es sich aus!“). Hatte ein sattes Kind, dem ich soeben ein gesundes Mahl kredenzt hatte, nachdem ich noch schnell seine Kleidung mit Fleckenzeugs eingesprüht und in die Waschmaschine gesteckt hatte… und alles, was er möchte, ist Mama. Einfach nur meine Zeit.

Irgendwann wird er es hoffentlich verstehen. Da wird er zu mir kommen und sowas sagen wie „Mama, ich bin stolz auf dich. Du hast echt viel getan damals.“ Aber was wenn nicht? „Mama, gehst du bald in den Himmel?“ oder „Versprich mir, dass du noch nicht in den Himmel musst!“

Mein Sohn denkt in letzter Zeit oft über den Tod nach, seitdem die Oma seines seiner Freunde gestorben ist. Ja, und was, wenn meine Zeit wirklich bald schon abläuft? Was wäre, wenn alles, an das er sich erinnert, eine Mama ist, die nie Zeit für ihn hatte. Die immer alles FÜR IHN getan hat, aber nichts MIT IHM, weil es immer so viel anderes gab, das sie für wichtig hielt? Für ihn.

Von der Yacht zum Schlauchboot

Finanziell lohnt sich meine Arbeit für uns derzeit kaum. Ich arbeite effizient. Ich habe ein gutes Zeitmanagement und ich habe Prioritäten. Das Wichtigste sind meine Kinder. Genau darum veranstalte ich diesen ganzen Zauber – und stehe am Ende des Tages da mit meinen Zweifeln und merke, wie meine Kräfte immer weniger werden. Wie ich, nach dem vielen Geschreibe und dem ganzen Erwachsensein kaum noch Energie habe, mit meinen Kindern zu spielen. Für was? Für ein „irgendwann lohnt es sich“?

Susanne von „Hallo liebe Wolke“ und ich fantasieren immer spaßeshalber über unsere Karrieren. Susanne schreibt so toll, sie sollte Bestsellerautorin sein – und hat ähnliche Probleme. Immer wieder schreiben wir uns Durchhalteparolen. „Es wird schon!“, „Wir schaffen das, wir sind doch Powerfrauen!“ oder „Alles wird gut, ganz bestimmt!“.

Schampus gegen Zweifel

Schampus-Fantasien gegen Zweifel

Wir lachen scherzhaft, dass wir in 10 Jahren auf unserer Yacht in St. Tropez mit Schampus darauf trinken, dass wir nicht aufgegeben haben, immer weitergemacht und die Zweifel überwunden haben. Damals, im Herbst. War ne harte Zeit, aber booooah! Es hat sich ja so gelohnt!

Nun ja. Es wird wohl bestenfalls ein Schlauchboot auf der Möhne.

Was wir alle wollen

Aber wenn man uns fragt, was wir eigentlich wollen, dann ist das Zeit.

Zeit für unsere Kinder. Zeit für uns. Zeit, in der wir uns mal aus Erwachsenenland abholen lassen können und selbst ganz sorgenfrei spielen, springen, atmen, lachen und leben können – um die neu gewonnene Energie wieder nur in Eines zu stecken: Unsere Kinder.

Und wisst ihr was?

Das ist nicht so einfach, die Sache mit der Vereinbarkeit – alle Memes und Postkarten und Durchhaltesprüche können daran nichts ändern.

Weitere Artikel zu unserer Blogparade #ZweifelimHerbst:

Zweifelherbst. Herbstzweifel. – von Hallo liebe Wolke

Zweifelst du manchmal, Mama? Du bist nicht allein – von HAMMAmama

#ZweifelimHerbst: Herbstverzweifelt – von den Zweifeln einer (Adoptiv-)Mutter – von Charlotte’s Adoptionsblog

#ZweifelimHerbst: Mama von Baby und Kleinkind – und jetzt? – von Meine Eltern-Zeit

Das schlechte Gewissen und ich

Ich bin glücklich. Bin ich glücklich? Eigentlich gibt es kaum einen Grund zum unglücklich sein. Ich habe zwei wunderbare, gesunde Kinder, einen mich liebenden Ehemann, wir haben ein Dach über dem Kopf, ein Auto, eine wunderbare Familie und Freunde, die uns helfen, wenn wir Hilfe brauchen und immer für uns da sind.

 Trotzdem habe ich seit einiger Zeit ein konstant schlechtes Gewissen. Immer. Beim ins Bett gehen ist da immer dieser Knoten im Magen. Beim Aufwachen ist er auch wieder da. Nonstop.

Ach, Locke, ich hab ein schlechtes Gewissen

Das schlechte Gewissen – meinem großen Sohn gegenüber, weil der kleine Sohn so viel Aufmerksamkeit einfordert und mich oft an den Rande der Geduld bringt. Darunter leidet dann auch Locke, denn ich werde unwirsch und schimpfe mehr, als ich möchte.

Stand er früher voll im Mittelpunkt meines – unseres – Lebens, muss er nun öfter mal zurückstehen. Meistens klappt es gut und er versteht es, aber manchmal ist er traurig. Wenn er mir etwas ganz Wichtiges erzählen will, zum Beispiel, dass gerade ein Marienkäfer auf seinem Duplo-Auto gelandet ist, ich aber den schreienden Zwockel trösten muss, der mal wieder irgendwo vorgelaufen oder heruntergefallen ist, dann tut es mir schrecklich leid, dass ich gerad keine Zeit für ihn habe, um den Käfer zu betrachten.

Die einzige Unternehmung, die wir zusammen machen, ist das Kinderturnen – und selbst da ist der Zwockel dabei, mehr geht jedoch zur Zeit einfach nicht. Reine Mama-Sohn-Unternehmungen gibt es, aber leider viel zu selten, obwohl ich das so gern möchte.

Tu ich genug für dich, Zwockelchen?

Auch meinem kleinen Sohn gegenüber, fühle ich diesen unangenehmen Knoten im Bauch – weil ich mit ihm nur zum Kleinkinderturnen und Musikgarten gehe (plus Kinderturnen mit dem Großen) und nicht, wie damals mit dem Großen, auch noch zum Babyschwimmen. Der Zwockel war überhaupt noch nie schwimmen in seinen anderthalb Jahren. Ist das wohl schlimm?

Wenn er mal schläft am Tag, muss er oft geweckt werden, weil ich noch etwas erledigen muss. Locke gegenüber konnte ich so viel Rücksicht nehmen – sein Schlaf hatte Priorität. Wie oft muss ich den armen Zwockel wecken, weil ich den Großen vom Kindergarten abholen, dringend einkaufen oder zu einem wichtigen Termin muss?

Bin ich für meine Kinder da, wenn sie mich brauchen?

Beiden Kindern gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen, denn ich würde gern mehr mit ihnen machen. Spazierengehen (meine Kinder hassen Spazierengehen) oder in den kleinen Garten neben dem Haus – dort haut mir allerdings ständig der Zwockel ab, auf den ich nonstop ein Auge haben muss. Arbeiten oder spielen mit Locke? Unmöglich.

Dein Alltag ist ihre Kindheit!“ – schöner Spruch, aber besten Dank, der verstärkt auch nur mein schlechtes Gewissen… Gerne würde ich öfter mit ihnen in die Stadt gehen, den Tag auf dem Spielplatz vertrödeln oder mich zu Spieldates treffen – aber dann bleibt so viel Arbeit liegen.

Für Zwockels Freunde ist Locke zu groß, umgekehrt ist Zwockel für Lockes Freunde zu klein… Chaos und Stress sind vorprogrammiert!

Bin ich eine gute Haus- und Ehefrau?

Schlechtes Gewissen dann auch meinem Mann gegenüber, weil der Haushalt zu kurz kommt. Neben dem Schreiben für Blog, Online-Redaktion und den Kindern mache ich im Haushalt einfach nur das Nötigste. Hätten wir keinen Staubsaug-Roboter, würden wir wohl in Flusen und Wollmäusen versinken!

 

Auch das Kochen – oh, ich koche so gerne! – aber in letzter Zeit gibt es nur Gerichte, die schnell fertig sind. Mal wieder ne Lasagne? Ein leckeres Chilli? Ein gutes Gulasch oder seine heißgeliebten Schnitzel? Keine Zeit! Stattdessen gibt’s TK-Gemüse und Würstchen aus der Dose, Nudeln mit Tomatensoße oder Sandwiches.

Wie oft schlafe ich abends auf der Couch einfach ein, im gemütlichen Pyjama, schon abgeschminkt und mit Brille – nix mehr chic! Kaum noch Aufmerksamkeit für seine Erlebnisse am Tag. „Wie … gäääähn… war dein Tag, Schatz?“ Und schon fallen mir die Augen zu. Die Antwort höre ich bereits kaum noch – letztens bin ich doch wahrhaftig mitten im Satz eingeschlafen!

Ohne Geld kein Geld!

Selbst unserem Konto gegenüber, ist mein Gewissen ein schlechtes, denn obwohl ich viel arbeite und ständig am PC hocke um zu schreiben, Facebook-Posts plane oder News-Artikel schreibe, komme ich auf keinen grünen Zweig.

„Du bist jetzt Unternehmerin!“ hörte ich unlängst. Ja und nein, denn eigentlich will ich ja nur schreiben und gar nicht herumunternehmern. Ich müsste viel mehr Werbung machen, Marketing betreiben, Firmen und potentielle Kunden anschreiben, einiges mit der Krankenkasse klären. Geld verdienen und dem Traum vom Shop endlich zu verwirklichen. Da möchte auch ein Buch geschrieben werden.

Ich habe so viele Ideen! Aber beim Verwirklichen hängt’s einfach! Die meisten Ideen müssen ja finanziert werden. Ohne Geld kein Geld – welch Teufelskreis! Und ich bin jemand, der schnelle Erfolge sehen muss, sonst verlässt mich die Kraft. Ich bin ungeduldig, ich häng mich rein und gebe 100% – aber wenn ich nicht schnell was dabei rauskommt, ist die Energie auch schnell wieder verpufft.

Ich liebe euch, ich hab nur einfach keine Zeit, Freunde!

Und die Freunde! Den Freunden gegenüber, denen ich ständig absage, habe ich auch ein enorm schlechtes Gewissen. Weil ich einfach nicht noch mehr Freizeit habe – Kinder und Arbeit, Haushalt und Kochen. Und dann, am Wochenende, hab ich vielleicht mal ein Krümelchen Zeit, wenn sich der Mann um die Kinder kümmert – um in Ruhe zu schreiben. In Ruhe zu putzen. Oder Wäsche zu waschen! Hey, es ist doch Feiertag! Man sieht dich ja nie! Komm doch, morgen ist doch frei! Ist es?!

Wie gern würde ich mich mehr engagieren für irgendwas! Ein guter Mensch sein. Eine ehrenamtliche Tätigkeit? Mal eben Unkrautrupfen im Freibad oder Klar-Schiff-Machen im Kindergarten? Wann bloß?

Schlechtes Gewissen auch für mich

Und zu guter Letzt: Mir selbst gegenüber habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Ich trinke zu wenig, ich mache zu wenig Sport, ich schlafe zu wenig. Ich esse zu ungesund – schnell zwischendurch – trinke zu viel Kaffee und entspanne zu wenig. Ich bin gehetzt, wenn ich nur daran denke, was noch alles zu tun ist.

Zu viele Baustellen, zu laut, zu schnell, zu bunt… Liege ich mal gemütlich auf der Couch entgleist ein Zug in Dortmund und ich sitze wieder vorm Laptop und schreibe eine Meldung. Müsste ich nicht, aber da ist diese verdammte Pflichtbewusstsein, denn die Kollegin will ich ja auch nicht ständig hängen lassen. Zu oft falle ich einen halben oder ganzen Tag aus wegen der Kinder.

Nur eines bleibt jeden Tag konstant und verliert nicht an Intensität: Mein schlechtes Gewissen.

Das ist immer da.

 

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Rabenmutter @ work – Wenn das Kind krank ist

Ein Gastbeitrag von Ina

Heute ist wieder einer dieser Tage: auf der Arbeit ist viel zu tun und dann kränkelt auch noch mein Kind. Ich selbst war gerade erst krank und mein Arbeitgeber denkt sowieso schon, ich wäre immer nur krank. Nun ist mein Sohnemann 3 ½ und wird nicht gerne fremdbetreut. Und „nicht gerne“ ist eine Untertreibung. Das klappt nur in der KiTa. Oma und Opa haben keine Chance. Was mache ich jetzt bloß? Die ersten Rabenmutter-Gedanken wirbeln durch meinen Kopf.

Schicke ich ihn in den Kindergarten, oder bleiben wir zu Hause. Wenn ich zu Hause bleibe, falle ich negativ mit meiner Abwesenheit auf. Wenn es ihm in der Kita immer schlechter geht, werde ich aber sowieso angerufen. Vielleicht wird dann aber gesehen, dass ich wenigstens versucht habe, zu arbeiten. Wie ich es mache, es wird sowieso falsch sein. Oder?!

In die KiTa oder nicht?

Ich fühle noch einmal seine Stirn. Leicht warm. Er hustet. Ich mache noch schnell eine warme Milch mit Honig und gebe hinterher einen Hustensaft. Ich bringe ihn zur KiTa und hoffe, dass keiner seinen warmen Körper bemerkt. Er ist ja zum Glück gut drauf. „Wird schon gut gehen“, hoffe ich.

Auf dem Weg zur Arbeit quälen mich dann doch noch die Rabenmutter-Gedanken: „Was, wenn er hohes Fieber kriegt? Wenn er wirklich krank ist? Wenn die Erzieherinnen merken, dass ich ihn in diesem Zustand abgegeben habe?“ Ich fühle mich schlecht – mega schlecht. Am liebsten möchte ich losheulen. Mein armer, kleiner, hilfloser Sohn. Was tue ich ihm nur an? „Ich bin so eine schlechte Mutter“, sage ich zu mir. „Das mir die Arbeit wichtiger ist, als mein kleiner, süßer Schatz?!“

Ich fühle mich wie die schlimmste Rabenmutter der Welt. Leider kann ich das nicht ändern. Ich darf meinen Job nicht verlieren. Ich trage damit so viel Verantwortung! Schlecht gelaunt und nervös ziehe ich meinen Arbeitstag durch. Immer wieder schiele ich auf mein Handy, ob nicht doch noch ein Anruf aus dem Kindergarten kommt. Aber der befürchtete Anruf bleibt aus.

Alles gut gegangen, aber das schlechte Gewissen bleibt

Erleichtert fahre ich meinen Sonnenschein abholen. Es geht ihm gut. Seine Körpertemperatur ist auch wieder normal; und ein wenig Husten macht ja nichts aus. Weg sind diese Rabenmutter-Gefühle. Es geht uns gut und wir verbringen einen „ich mach alles, was du willst“-Tag; denn ein wenig schlechtes Gewissen ist dann doch noch da.

Im Bett wälze ich mich hin und her. Diese Rabenmutter-Gedanken zermürben mich noch eine Runde: „Was mache ich beim nächsten Mal? Muss ich mich wirklich wie eine Rabenmutter fühlen, weil ich zur Arbeit muss? Oder fühle ich mich so, weil die Gesellschaft das so will?“ Grübelnd schlafe ich ein.

Ich werde mich mit diesen Rabenmutter-Problemen unbedingt noch einmal auseinander setzen müssen…

Spätestens, wenn mein Sohnemann wieder kränkelt und mich zu einer Entscheidung zwingt.