„Alles Routine!?“ Locke im Krankenhaus

Locke im Krankenhaus Monitor

Was die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe damit zu tun hat.

Am Montag letzter Woche mussten wir mit unserem Locke in die Kinderklinik. Sein Nabelgranulom musste operiert werden, da es sich entgegen aller Voraussagen, nicht schließen wollte.

Es war eine Routine-Operation, der ich fast schon entgegenfieberte. Viereinhalb Jahre hatte uns das blöde kleine Granulom begleitet und ich hatte die Nase voll davon: Es verursachte dem Kind zwar keine Schmerzen, dafür blutete und nässte es regelmäßig und wo etwas rauskommt, kann auch etwas hineingeraten. Endlich eine – wenn auch recht kleine – Sorge weniger.

Alles nur ein Klacks!

„Solche OPs machen wir hier täglich mehrmals!“ beruhigten mich die Ärzte im Vorgespräch. Alles Routine, ein Mini-Eingriff. Nur eine Kleinigkeit! Die Ärzte sind super, sie wissen, was sie tun! beruhigte ich mein banges Mama-Herz.

Ich denke einerseits immer, dass es Familien gibt, die durchaus schlimmere Eingriffe überstehen müssen. Familien, die nicht sicher sind, ob alles gut geht, die mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Verglichen damit komme ich mir doof vor, wenn mir vor Routineoperationen angst und bange wird.

Aber Komplikationen kann es immer geben – jeder Eingriff birgt ein Risiko. Es sind schließlich meine Kinder.

Die Notfall-Übernachtungstasche kommt mit

Etwa eine Stunde war für die OP angesetzt, danach wieder heim – so war der Plan. Da ich aber meistens einen Plan B in der Tasche habe oder zumindest immer damit rechne, dass Plan A nicht klappt, hörte ich auf mein Bauchgefühl und packte eine Krankenhaus-Übernachtungstasche.

„Die Tasche bleibt im Kofferraum. Wenn wir aus irgendeinem Grunde da bleiben müssen, sind wir vorbereitet und müssen nicht erst hin- und herfahren. Wenn wir sie nicht brauchen, packen wir sie halt wieder aus“, erklärte ich dem Ehemann.

Oberarzt in Sorge

Und was soll ich sagen, das good old Bauchgefühl lag schon wieder richtig. Die OP dauerte etwas länger als geplant – nach exakt 60 Minuten wurde ich nervös, bekam schwitzige Hände und starrte nur noch auf das OP-Telefon, das wir mit uns herumtrugen.

Krankenhaus - wieder am Monitor

Locke wurde wieder an denMonitor angeschlossen.

Nach anderthalb Stunden klingelt es endlich. Im Aufwachraum lag unser kleiner, großer Junge und schlief tief und fest. Die OP war gut verlaufen, es war wider Erwarten nicht nur ein Granulom, sondern ein Urachus gewesen. Der Gang von Blase zu Nabenschnur hatte sich im Embryonalstadium nicht so zurückgebildet, wie es hätte ein sollen. Immer noch Routine.

Als Locke aufgewacht war, durfte er trinken und essen. Doch er klagte über Schmerzen. Das Bäuchlein war geschwollen und die Wunde blutete stark, der Verband war schnell durch.

Was wir für normal nach einer OP hielten, beunruhigte die Schwester so sehr, dass sie Locke wieder an den Monitor im Aufwachraum anschloss. Der Oberarzt wurde gerufen und Locke war in der Zwischenzeit weiß wie das Laken unter ihm geworden. Nun machten wir uns auch Sorgen. Mein Junge war schlapp, bleich und hatte Schmerzen. Der erfahrene Oberarzt war besorgt, das sah man ihm an.

Good, old Bauchgefühl

Locke bekam eine Extradosis Schmerzmittel und man holte ein Ultraschallgerät. In seinem Bauchraum hatte sich Blut angesammelt, das dort nicht hingehörte. Der Oberarzt hatte inzwischen den Chefarzt hinzugezogen, der auch nicht ganz so entspannt wirkte, wie wir ihn kennengelernt hatten. Wir mussten über Nacht bleiben, am Ende wurden sogar zwei Nächte daraus.

Unter normalen Umständen wäre ich, obwohl man ja beruhigend auf das Kind wirken soll, panisch gewesen – so wie damals, im Rettungswagen.

Doch ich war erstaunlich ruhig. Ich hörte auf mein Bauchgefühl. Es wird alles gut, sagte es. Hätte ich mein Kopfkino zugelassen und mich darin verlaufen, wäre ich sicherlich in Panik geraten. Doch vor kurzem beschloss ich, mehr auf meinen Bauch zu hören. Und das war gut.

Langeweile im Krankenhaus - wir puzzlen

Puzzle gegen die Langeweile.

Langeweile im Krankenhaus!

Locke war schon bald wieder fit – so fit, wie man nach einer Bauch-OP nunmal ist. Stand er auf, lief er die ersten Meter wie ein sehr kleiner, sehr alter Mann. Doch tapfer bahnte er sich seinen Weg und wollte sogar ganz allein zur Toilette. Das Schlimmste für mein quirliges Kerlchen war: Die Langeweile!

Wir spielten „Ich sehe was, was du nicht siehst“, wir spielten Memory, bauten mit Autos eine Rennstrecke in seinem Bett, wir puzzelten, wir lasen Piratengeschichten, Rittergeschichten, Feuerwehrgeschichten, wir hörten sein Lieblingshörspiel, wir gingen spazieren, wir kuschelten und telefonierten mit Oma und Opa, wir malten – auf Zaubertafel und mit Buntstiften.

Wir erfanden sogar ein neues Spiel: Locke malte etwas auf die Zaubertafel und Mama dachte sich dazu eine Geschichte aus. Stehgreif-Storytelling, quasi (auf dem Bild unten seht ihr, die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe, die im Meer lebt und den Meeresboden aufräumt).

Was sich nach tagesfüllenden Aktionen anhört, deckte nicht mal die Hälfte des Tages ab, nur wenige Stunden waren vergangen.

aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe im Krankenhaus

Die aquarianische Unterwasser-Rüsselamöbe.

Es waren einmal Feuerwehrmann Sam und das Leben

So ein Tag im Krankenhaus ist verflucht lang. Mein Retter war schließlich das Tablet. Darauf waren einige kindgerechte Filme und Serien. Er schaute – na was wohl?! – Feuerwehrmann Sam in der Endlosschleife und „Es war einmal das Leben“.

Die Krankenschwestern kannten die Zeichentrickserie (von 1983) übrigens, so wie ich, noch von früher und waren ganz begeistert, dass es sie noch gibt. Locke fragte nach Fresszellen und Blutplättchen und erhielt versierte Antworten. Wir haben also auch noch was gelernt!

Ihr lieben Leser und Leserinnen. Unsere Erfahrung zeigt, dass auch die kleinste Routine-OP Risiken birgt. Es hätte schief gehen können – woran es lag, vermag ich nicht zu sagen. Aber es kann immer etwas passieren, das nicht sein sollte und schon ein kleiner Fehler kann fatale Auswirkungen haben. Wenn ihr mit euren Mäusen ins Krankenhaus müsst – und sei es nur ein minikleiner 08/15-Eingriff – dann ist es völlig okay, wenn ihr besorgt seid oder Angst habt. Dennoch: Vertraut den Ärzten, die wissen, was sie tun.

Alle Familien in allen Krankenhäusern – ob Routine- oder ganz spezielle OP, ob Kleinig- oder Großigkeit – fühlt euch gedrückt!

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