(Beistell-) Bettgeschichten

Titel Beistellbett geschichten

Sind wir gestört?

Das Baby im Schlafzimmer, ganz nah bei den Eltern, direkt griffbereit zum Stillen und Kuscheln. So soll es laut Experten im ersten Jahr sein. Na gut, zumindest im Elternschlafzimmer soll das Kind sein – es darf natürlich auch ein ganz normales Kinderbett, eine Wiege oder ein Stubenwagen sein. Das Beistellbett ist ein gemütlicher Luxus. Luxus? Ja, denn günstig sind die Betten nicht. Ich weiß das, wir hatten zwei.

Kein Kissen, keine Decke, kein Nestchen. Auf dem Rücken muss das Kind liegen, im Schlafsack. Soweit die Theorie. Doch wie so oft, kam es bei uns anders.

Mama liebt das Beistellbett

Ich habe das Beistellbett geliebt. Die ersten sechs Wochen kuschelte ich mit Locke zum Einschlafen, er schlief auf Mamas Brust im Wohnzimmer ein. Wenn ich ins Bett ging, nahm ich ihn mit ins Schlafzimmer, legte ihn ins Beistellbett und kuschelte mich auf seiner Augenhöhe in mein Kissen. Er fühlte sich wohl und schlief wie ein Weltmeister.

Bis er etwa sechs Monate alt war. Auf einmal war das Kind nachts sehr unruhig, wachte ständig auf, knütterte – man merkte, dass er nicht mehr ganz so glücklich war. Er holte den fehlenden Schlaf oft am Tage nach, aber man merkte, dass ihn irgendetwas störte – er war nicht mehr so ausgeglichen, wie wir ihn kannten. „Eine Phase“, sagten alle.

Gestört!

Eines Nachts lag ich wach. Links lag Locke im Beistellbett, rechts der Ehemann. Und dann fiel es mir auf: Jedes Mal, wenn der Mann sich umdrehte (mit der Grazie eines Blauwals), wurde das Kind wach. Hustete einer von uns – Locke wachte auf. Schon ein Schniefen reichte aus, um den kleinen Mann zu stören. Immer, wenn einer von uns ein Geräusch, und war es noch so leise, von sich gab, weckten wir das Baby damit auf. Wir störten unser Kind beim Schlafen!

Kein Wunder, dass er nicht mehr der entspannte Babymann war, den wir kennengelernt hatten.

Was tun? „Bringen wir ihn in sein eigenes Zimmer„, schlug der Mann vor. „Aaaaber…“, ich zählte alles auf, was ich gelesen hatte. Die Kinder sollen doch das ganze erste Jahr bei dem Eltern im Zimmer schlafen. „Probiert es doch einfach aus“, riet auch meine Hebamme.

Im eigenen Bett, im eigenen Zimmer

Und das taten wir. Wir steckten mächtig Kritik ein („Muss ja jeder selber wissen, wenn er das Leben seines Kindes gefährdet, ne?!“ ätzte beispielsweise die Frau, die den Rückbildungskurs leitete), aber wir versuchten es. In den ersten zwei Nächten hing ich am (neuen) Videofon. Man sah das Kind atmen und hörte jeden Pups. Ich schlief so gut wie gar nicht – im Gegensatz zu meinem Sohn: Locke war wieder ganz er selbst und schlief und schlief und schlief.

Friedlich und ungestört ratzte er die Nächte durch (bis auf eine Stillmalzeit um Punkt zwei Uhr nachts). Es funktionierte! Seitdem hat er – bis heute – nur noch selten Phasen, in denen er sich des Nachts stören lässt – normalerweise schläft Locke nämlich wie ein kleiner Stein.

Eigenes Bett statt Beistellbett.

Alles anders bei Zwockel

Für den Zwockel mussten wir uns ein neues Beistellbett kaufen, denn wir hatten uns in der Zwischenzeit ein Boxspringbett gekauft, das alte Beistellbett passte nicht mehr.

Als Zwockel nach Hause kam, wollte alles so machen, wie bei Locke. Denkste!

Auf Mamas Brust einschlafen? Nö! Vielleicht AN der Brust, aber nicht darauf. Die ersten Wochen stillte ich ununterbrochen. Mit Kind an der Brust war für mich an Schlaf nicht zu denken. Doch kaum lag der Kleine im Beistellbett, ging seine Sirene an.

Auf dem Rücken schlafen ging gar nicht, den größten Erfolg hatten wir, wenn er auf dem Bauch lag. „Das ist bei manchen Kindern so“, sagte die Hebamme. Doch das Einschlafen klappte auch so nicht wirklich.

Da man das Kind ja nicht schreien lassen soll, legten wir uns schichtweise zur Einschlafbegleitung daneben – und Zwockel schrie und schrie und schrie. Bis ich ihn eines Abends allein lassen musste, da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte. Kaum war ich aus dem Zimmer gegangen – keine 3 Minuten später – schlief das Kind. Dies wiederholte sich am nächsten Abend: Gingen wir aus dem Zimmer, schlief das Kind kurz darauf.

Andere Leute im Zimmer? Zwockels Paaartytime!

Wenn wir aber ins Bett kamen, wurde der kleine Mann aber wieder wach – egal, wie leise wir waren.

Im Beitrag „Schlafgeschichten“ erwähnte ich bereits, dass Zwockel in nächtlicher Gesellschaft eher so das Partytier ist. Er wachte alle 30 Minuten auf, schrie, wollte an die Brust – am liebsten die ganze Nacht.

Wir probierten alles: Osteopath (der Blockaden löste), Beistellbett-Seitenwechsel, neuer Schlafsack, gar kein Schlafsack, Pucksack – nur eines klappte: Eines Abends zog ich völlig erschöpft auf die Couch um und das Kind schlief ganze 90 Minuten am Stück.

„Vielleicht riecht er deine Milch“, vermutete die Hebamme.

Was auch immer, nach drei Monaten gingen der Mann und ich auf dem Zahnfleisch. Das sollte sich bei mir zwar nicht wirklich bessern, bis es beinahe zur Katastrophe kam, aber man merkte auch dem Kind an, dass ihm die unruhigen Nächte zusetzten.

Besser Couch als Beistellbett

Sind meine Kinder nicht gemacht fürs Beistellbett?

„Was ist, wenn unsere Kinder einfach nicht beistellbettkompatibel sind?“ fragte der Ehemann. „Oder elternzimmerinkompatibel? Was, wenn es Kinder gibt, für die das einfach nichts ist?“

Und so zog auch der Zwockel ins Kinderzimmer um. Mit bereits drei Monaten. Seine Schlafsituation besserte sich augenblicklich – vom 30-Minuten-Rhythmus erhöhte er nun dauerhaft auf 90-Minuten-Schläfchen – für ihn schien das ausreichend. Dass Locke auch in dem Zimmer schlief, störte ihn nicht und auch Locke schlief tief und fest durch jede Schreiattacke hindurch.

Rabenmamas schlechtes Gewissen

Mein schlechtes Gewissen, das mich jeweils bis zum ersten Lebensjahr begleitet hatte, weil ich mich nicht an die schlauen Ratgeber gehalten habe, werde ich allerdings nie vergessen. Ich fühlte mich wie eine Versagermama, weil meine Kinder nicht das tun wollten, was im Buch – in allen meinen Babyratgebern – stand.

Lag es am Kaiserschnitt? Hatten wir eine Bindungsstörung? War ich gestört? Waren meine Kinder gestört? Muss ich mich schon um einen guten Therapeuten kümmern? Wochenlang quälte ich mich mit Theorien, befragte Dr. Google und las in Elternforen, dass ich wohl die Schlimmste aller Rabenmütter sei… die, die ihre Babys im eigenen Zimmer schlafen lässt.

Habe ich es richtig gemacht? Ich denke ja. Man muss wohl einfach sehen, was für das Kind passt und sich dann einmal mehr aufs Bauchgefühl verlassen. Das, wohlgemerkt, war mit der Entscheidung für das eigene Bett der Kinder völlig d’accord. Nur mein Kopf, der machte sich Sorgen, denn in den Büchern und im Internet stand ja… ach.

Ein Beistellbett, die räumliche (!) Nähe zu den Eltern, ist vielleicht einfach nicht immer für jedes Kind das Beste.

2 Antworten
  1. SaDaLU
    SaDaLU says:

    Und was lernt uns die Geschichte`?

    Niemalsnienienienienienie Babyratgeber, Dr. Google und Elternforen lesen…. 🙂
    Sondern lieber auf das eigene MamaHerzBauchGefühl hören und lernen ihm zu vertrauen!
    Is schwierig aber garantiert gesünder!

    Und so von einer RabenMama zur anderen…. ich find dich toll!!!!!! Und lass dir bitte nix anderes einreden!

    Die Tante von der Rückbildung hätte ich übrigens direkt mit der YogaMatte gehauen! Sowas geht mal GAR NICHT!!!!!

    liebste Grüße von der WimmelbildFamilie

    Antworten

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