Bye, bye Nucki – Abschied vom Schnuller

Verschiedene Methoden und eine überraschende Erkenntnis

„Wenn er ihn sich nicht selbst abgewöhnt, dann erst, wenn der Kinderarzt sagt, dass es sein muss!“, sagte ich bestimmt zum Ehemann. Vorausgegangen war dem eine Diskussion bei Verwandten, warum denn Locke (damals erst anderthalb) unbedingt einen Schnuller haben müsse. Die seien schlecht und kein Kind brauche sowas.

Mein Kind – meine Entscheidung, thank you very much.

Gefahren von Schnullern

Natürlich haben Schnuller Nachteile. Sie können die Aussprache behindern und einenoffenen Biss verursachen. Außerdem wurde eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte wie Magen-Darm-Erkrankungen beobachtet – letzteres können wir absolut nicht bestätigen! In drei Jahren drei solche Infekte, nicht schön, aber damit lässt es sich leben.

Wir haben unsere „Nuckis“ niemals in etwas Süßes getaucht und immer regelmäßig ausgetauscht: Sobald das Silikon sich verfärbte oder unangenehm roch und sich dieses auch durch auskochen bzw. sterilisieren nicht änderte, wurde der Schnuller ausgetauscht.

Nuckis nur zum Schlafen

Mein Sohn brauchte seine Schnuller meist nur zum Schlafen und wenn er krank war. Und in Lebenskrisen. Ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass er nicht nonstop nur mit Schnuller herumläuft. Aber wenn ich merkte, dass er sich unwohl fühlte, durfte er ihn gerne haben.

Das war zum Beispiel der Fall, wenn wir irgendwo hin fuhren, wo es für ihn ungewohnt und neu war, oder wenn Besuch kam, den er nicht kannte. Auch die ersten Tage im Urlaub, wenn er sich erst eingewöhnen musste, waren für ihn aufregend und stressig.

Ja, mein Kind hatte dann Stress. Und ich bin der Meinung, dass ein Kind – besonders ein Kleinkind – noch keinen Stress haben muss, solange man es verhindern kann. Wenn der Schnuller dabei hilft, dann sei es so.

Schnuller-Rückfall bei Kindergartenbeginn

Der Schnuller half ihm, sich zu beruhigen und zu entspannen. Locke ist generell eigentlich ein entspanntes Kind, er ist nur nicht so scharf auf neue Situationen.

Als er in den Kindergarten kam, hatten wir beispielsweise einen kleinen Rückfall. Hatten wir ihm den „Nucki für zwischendurch“ abgewöhnt, musste er doch nach dem Kindergartenbesuch wieder schnell in den Mund. Er hatte mich jedoch überrascht, indem er seit seinem ersten Tag im Kindergarten seinen Schnuller in den Rucksack gepackt hatte, bevor er in die Gruppe ging. Der Sauger musste zwar mit, aber nur als Backup im Rucksack.

Aber wenn ich ihn dann abholte, musste er sofort her. Das war die ersten Wochen so und das habe ich ihm auch zugestanden. Locke geht gern in den Kindergarten und hat noch nie Abschieds-Theater gemacht, ganz business-like stiefelt er zu seinen Freunden, vom ersten Tag an. Aber danach, brauchte er dann wohl doch etwas zur Beruhigung. Und das war okay.

Methoden zur Schnullerentwöhnung

„Erst wenn der Kinderarzt sagt, der Schnuller muss weg, kommt er auch weg.“, hatten wir also beschlossen. Und dann war es soweit! Der Arzt stellte einen ganz leichten offenen Biss fest und riet dazu, den Schnuller bald abzuschaffen. Der Ehemann und ich diskutierten einige Abende lang über die für uns beste Methode zur Schnullerentwöhnung:

1.) Kalter Entzug. Schnuller weg, keine Diskussionen. Aus die Maus, weg ist das Ding.

2.) Ein Loch reinpieken. Dann kann man nicht mehr daran saugen, das Ganze macht keinen Spaß mehr und das Kind gibt irgendwann freiwillig auf.

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3.) Ein Datum setzen, an dem die Schnullerfee kommt, und ein Geschenk an seine Stelle legt. Oder an dem wir den Schnuller vergraben. Oder wir ihn, ganz wie ein echter Müllmann das so machen würde, in die gelbe Tonne werfen.

4.) Den Schnullerbaum besuchen. Eine tolle Erfindung aus Dänemark. Ein Schnullerbaum ist ein Baum, z.B. im Dortmunder Westfalenpark, der im Rahmen eines Familienfestes mit Schnullern behängt wird. Die Kinder tauschen den Schnuller bei der Zahnfee gegen ein kleines Geschenk ein. Diese Bäume gibt es auch in anderen Städten, z.B. Münster oder in Hamm, Bielefeld, Aachen und Gelsenkirchen.

5.) Dem Kind die Sachlage erklären, bis es versteht und einwilligt den Schnuller abzugeben.

6.) Warten, bis er von selbst aufgibt und schonmal eine gute Zahnzusatzversicherung suchen. Ähm, Scherz.

Und dann war alles ganz einfach

Wie es oft so ist, machen sich Eltern viele Gedanken und am Ende ist es dann ganz einfach. Meinen Cousinen wurde früher immer erzählt, die Vögel hätten die Schnuller geholt. Das fand ich ehrlich gesagt total blöd, denn ohne jegliche Erklärung wurde der schwarze Peter irgendwelchen „Dritten“ zugeschoben.

Wir entschieden uns für eine Variante von Nummer 3 gemischt mit Nummer 5. Der kleine Bruder wurde bei den Großeltern untergebracht, damit Mama und Sohn die Zeit für einen Vormittag bei Toys’R’Us hatten.

Die Schnuller geben wir dem Storch!

„Du darfst dir EIN Spielzeug aussuchen. Im Gegenzug gibst du alle deine Schnuller ab.“, schlug ich dem Kind vor und er willigte sofort ein. „Willst du die Schnuller in den Müll werfen?“

„Nein“, überraschte er mich abermals. „Die holt dann der Storch.“ Also doch wieder die Vögel…
Wer auch immer ihm das erzählt hat (ich habe da die Kindergarten-Community in Verdacht), es funktionierte. Ich willigte ein und wir fuhren ins Spielzeugparadies. Unsere Familie bekam Zuwachs in Form eines (irre nervigen) Feuerwehrmann-Sam-Feuerwehrautos. Wieder zuhause angekommen konnte er es kaum erwarten, dem Storch seine Dose mit den Schnullern rauszustellen. „Tschüss, Nuckis!“, rief er. Und das war’s. So einfach war das!

Natürlich ging ich noch einmal raus, entsorgte die Schnuller und legte einen kleinen Brief vom „Storch Georch“ (familieninternes Fabeltier) neben drei Bonbons in die Dose. Als wir nachschauten, ob der Storch schon da war, war die Freude groß! Keine Träne wurde den Nuckis nachgeweint, der Storch wurde für nen echt duften Typen befunden und das Kind war selig.

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Wem fiel der Abschied schwer? Der Mama!

Und dafür die langen Abende, die vielen Sorgen und Gedanken, die ich mir gemacht hatte.

Interessanterweise war MIR beim Entsorgen der Schnuller zum Heulen zumute. Warum? Keine Ahnung. Seit drei Jahren begleiteten uns diese kleinen, beruhigenden Freunde bereits und wenn er schlafend, am Nucki zuppelnd wie Maggi Simpson, neben mir lag, sah es doch immer so süß aus.

Ja, ich hatte wohl wahrhaftig den größeren Trennungsschmerz zu verkraften. Gerade habe ich gelesen, dass der Schnullerabschied den Übergang vom Kleinkind zum Kind markiert und vielleicht ist es ja das.

Ach, sie werden ja so schnell groß!

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  1. […] zum heutigen Tag geht Locke gern in den Kindergarten. Zu Beginn musste der Schnuller mit, der wurde aber in den Rucksack gepackt und erst beim Abholen wieder ausgepackt. Der Esel ist bis […]

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