Chaos auch bei… Mir!

Warum Cab?

Warum haben wir diese Rubrik „Chaos auch bei…“ ins Leben gerufen? Das kam so: Einmal im Monat treffe ich mich mit meiner Schwester zum Frühstück. Eigentlich nicht meine echte Schwester, aber da wir schon seit immer beste Freundinnen sind, haben wir irgendwann begonnen, uns als Schwestern zu sehen. Sie hat im letzten Jahr ihr erstes Kind bekommen, ich mein zweites. Wir kennen uns, seitdem sie 14 Tage alt ist und wissen so gut wie alles voneinander.


Krümel & Chaos

Immer, wenn sie kommt, wienere ich meine Wohnung auf Hochglanz. Warum? Weil es bei ihr auch immer super ordentlich ist, wenn ich zum Frühstück komme. Warum? Weil es bei mir immer so aufgeräumt ist, wenn sie kommt… Merkt ihr was? Wir auch.

Letztens ist uns aufgefallen, dass wir uns damit gegenseitig unter Druck setzen. Was wäre so schlimm daran, wenn mal Krümel und Chaos herrschen würden? Wir sind schließlich keine Fremden. Wir müssen uns nichts vormachen. Wenn wir schon bei der allerbesten Freundin nicht entspannt zu unserem Chaos stehen können und zugeben, dass auch unser Alltag von Krümeln bestimmt wird – bei wem denn dann?

Okay, ich gebe zu, dass ich mich bei Unordnung nicht wohl fühle. Das geht schon so weit, dass ich eine verrutschte Gardine als Unordnung empfinde. Seitdem ich Kinder habe, lerne ich nun, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen – oder die Gardine schief. Zur Zeit lernt das Baby essen und der Große den Umgang mit Besteck – die Krümel scheinen den Alltagskampf zu gewinnen. Und wisst ihr was? Warum eigentlich nicht. Es sind nur Krümel!

Vor kurzem kamen wir aus dem Urlaub zurück. Vor unserer Abfahrt hatte ich alles aufgeräumt, denn ich komme gern in eine aufgeräumte, ordentliche und saubere Wohnung zurück. Keine 10 Minuten, nachdem wir durch die Tür getreten waren, sahen Wohn- und Kinderzimmer aus wie zu besten Spiel- und Tobezeiten. Und wisst ihr was? Warum eigentlich nicht. Es ist nur Spielzeug!

Ich bin Tanja, 36 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern, Texterin und Mit-Verfasserin dieses Blogs. Foto: Julia Neubauer Fotografie

Das Ozelot ist unterwegs

Letztens war ich mit meinen beiden Jungs in der Stadt. Wir mussten zum Kinderarzt. Es war warm. Kleinling#1 an meiner Hand, Kleinling#2 in der Bauchtrage. Letzterer ist ein kleines Heizkraftwerk. Selbst an kalten Tagen ist es mit ihm vorm Bauch mehr als mollig warm. Nach dem Arztbesuch, der erstaunlich reibungslos verlaufen war, mussten wir noch einkaufen. Was gibt es Schöneres mit zwei übermüdeten Quengel-Kindern durch den Rewe zu laufen, zur Rush Hour? Anstrengend – acht Stunden im Büro auf der Großbaustelle sind nichts dagegen! Aber auch das bekam ich hin.

Als ich schließlich versuchte, den Großen aus dem Einkaufswagen zu heben, blieb sein Fuß hängen, er schrie, machte sich steif, war nicht aus dem Wagen zu bekommen. Mir lief der Schweiß den Rücken herunter. Meine mühsam geglätteten Haare wandelten sich bereits wieder zu einem welligen Chaos – ich sah aus wie Ozelot, fühlte mich so und roch leider auch entsprechend.

Zweiter Versuch, ich bekam das Kind aus dem Wagen gehoben, er verlor jedoch den Schuh. Erneutes Gekreische. Das auch noch! Ich bückte mich, immer noch mit 9 Kilo Baby vorm Bauch (ja, der isn Brummer!) und steckte dem brüllenden Mr. Aschenputtel den Schuh wieder an den Fuß.

Hinter mir stand eine elegante ältere Dame mit verkniffenem Mund.

„Jetzt muss ich Ihnen aber mal was sagen“, sprach sie mich an. Mir wurde heiß. „Ich beobachte Sie nun schon eine ganze Weile. Vorhin auch schon. Wie Sie das hier mit den beiden Kindern machen, das bewundere ich!“

Und mein Hirn so „WHAT?!“

„So entspannt und ruhig wie Sie sind – das find ich super“, erklärte sie weiter. „Ich hatte nur ein Kind, aber ich glaub, so ruhig war ich nie! Dabei muss das echt anstrengend sein. “

„Ja, und warm“, erwiderte ich verdutzt. „Äh, und danke!“

Sie lächelte mich aufmunternd an und wünschte mir einen schönen Abend. Wow.

Vielleicht sind die anderen Mütter ja gar nicht so entspannt

Da stand ich nun, innerlich alles andere als entspannt und ruhig, mit klopfendem Herzen und noch immer schwitzte ich wie zu besten Sauna-Zeiten. Auf der einen Seite war ich stolz auf mich. Obwohl ich mich ganz und gar nicht so fühlte, wirkte ich auf meine Umwelt, als wisse ich, was ich tue. Und offensichtlich wirkte ich auch noch entspannt dabei. Uff. Ich glaube, niemand war überraschter als ich.

Vielleicht, dämmerte es mir, sind die Mütter in der Stadt und im Kindergarten, beim Turnen, im Wartezimmer des Kinderarztes oder beim Babyschwimmen, die ich insgeheim immer so bewundere, ja auch gar nicht wirklich ruhig und entspannt. Vielleicht sind sie innerlich auch eher Ozelot, so wie ich.

Was wir brauchen, ist mehr Offenheit, mehr Ehrlichkeit und mehr Mut, auch mal zuzugeben, wenn es nicht rund läuft.

Also mache ich hier und jetzt den Anfang: Hallo! Mein Name ist Tanja und bei mir gibts Krümel und Chaos – what else… *George-Clooney-mäßig guck und am Nespresso nipp*

Seid ihr auch Mitglied im exklusiven Krümel-und-Chaos-Club? Ihr möchtet uns von eurem Alltag zwischen Krümeln und Chaos erzählen? Dann schreibt uns einfach eine E-Mail an knusper@kruemelundchaos.de! Wir freuen uns darauf, von euch zu hören!

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