„Das mag ich leider nicht!“

Wenn mäkelige Esser euch den Nerv rauben.

„Was gibt’s denn, Mama?“

„Nudeln mit Tomatensoße!“

„Oh, das mag ich leider nicht!“

Welche Mutter kennt es nicht? Die allermeisten Kinder, seien sie noch so pflegeleicht, kommen irgendwann in die „Mag-ich-nicht!“-Phase. Das kann für die Eltern eine tägliche Nervenprobe werden, denn man hat ja in der Küche gestanden und das Essen gekocht, obwohl man viel lieber die Beine hochgelegt oder geduscht hätte. Vielleicht war das Essen auch gestern noch das allerliebste Lieblingsessen! Und nicht zuletzt ist das ewige Genöle bei Tisch einfach nicht schön und raubt den Eltern, bei allem aufgebrachten Verständnis, irgendwann den letzten Nerv.

Keine Kritik an Mamas Kochkunst

Es ist jedoch nicht böse gemeint und ganz bestimmt keine Kritik an den mütterlichen Kochkünsten. Aber warum machen unsere Kinder das? Es gibt Kinder, die von Beginn an schlecht essen und die die Nahrungsaufnahme eher als Qual denn als Quell der Freude betrachten. Dann gibt es aber auch Kinder, die ganz normal einfach alles essen und auf einmal – BÄM! – ist sie da, die Mag-ich-nicht-Phase.

Kinder sind nicht so experimentierfreudig, wie Erwachsene. „Kenn ich nicht.“ heißt in vielen Fällen „Mag ich nicht“. Auf einmal ist alles „Igitt!“ und „Bäh!“ – neue, wie auch bekannte Gerichte. Diese Phase kann sich schonmal über Monate, wenn nicht Jahre hinziehen! Daran ist allerdings, kann ich euch beruhigen, noch kein gesundes Kind verhungert und es droht auch kein Skorbut, wenn es mal tagelang nur Spaghetti mit Soße gibt.

Es schont aber nicht gerade die Nerven der Eltern – denn man selbst möchte natürlich nicht jeden Tag das gleiche essen und immer doppelt zu kochen, kann auch keine Lösung sein. Wichtig finde ich hier, dass man nicht alles auf das Kind abstimmt. Ihr könnt keine Nudeln mit Soße mehr sehen – dann gibt es heute auch mal keine!

Das Auge isst mit

Bei manchen Kindern kann es schon helfen, das Essen schön anzurichten, und beispielsweise aus dem Butterbrot einen Hasen mit Gurkenohren zu machen – bei mir war das leider früher kontraproduktiv: Ich fand die Hasen, die mein Papa gezaubert hatte, so niedlich, dass ich sie nicht essen wollte!

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Ähm. Es sollte eine Eule werden. Ich übe nochmal, okay?!

Isst euer Kind wirklich partout kein Gemüse, lässt sich das vielleicht pürierter Form in der Tomatensoße verstecken: Einfach Möhren, Paprika oder Zucchini daruntermischen – und pssssst! Wir verraten euch nicht!

Auch dieser Teller, aufgebaut wie ein Spielfeld, animiert wählerische Esser vielleicht zum Mitessen. Nicola Herrmann, Ernährungscoach, sieht diese Idee, die sicherlich gut gemeint ist, jedoch sehr kritisch: „Das Essen selbst soll Spaß machen, nicht irgendein Nachtisch, der zum Schluss am „Ziel“ wartet. Vielleicht ist das Kind ja schon vorher satt und futtert sich jetzt auf Teufel-komm-raus zum Nachtisch hin – und das Sättigungsgefühl wird ausgetrickst. So bekommt das Dessert einen viel zu hohen Stellenwert, denn es soll ja nicht nur darum gehen.“

Essensverweigerung als Machtkampf

Kinder sind schlau. Sie merken, dass Eltern großen Wert auf (gesundes) Essen legen. Im Alltagsleben haben Kinder noch nicht allzu viel zu sagen – aber was sie essen, das können sie selbst bestimmen: Das grüne Zeugs da kommt nicht in meinen Mund und schon gar nicht in meinen Bauch – nö, no way! Es ist also in den meisten Fällen nichts anderes als ein Machtkampf.

Ein paar Regeln gibt es, die euch helfen können:

  • Esst gemeinsam, alle zusammen – macht ein Ritual daraus.
  • Spiel- und Essenszeit ist klar zu trennen: Beim Essen wird nicht gespielt und auch der Fernseher sollte aus bleiben. Für die Eltern gilt das aber genauso: Smartphone, Tablet und auch die Tageszeitung bleiben jetzt erstmal liegen.
  • Füttert das Kind nicht zwischendurch mit zu vielen Sachen – auch Hirsekringel machen satt. Das Kind sollte schon hungrig sein.
  • Bleibt entspannt: Schreien oder Zwang nützen gar nichts. Auch Überredungsversuche „Ach, komm, probiere doch mal!“ sind meistens eher kontraproduktiv und werden euch nur frustrieren, denn wenn der kleine Dickkopf nicht will, dann will er nicht.
  • Keine Extrawürste! Das Kind wollte Nudeln und jetzt auf einmal Kartoffelbrei – und kaum ist der fertig, will es doch lieber Rührei? Spart euch die Arbeit! Bevor ihr drei Mal oder mehr kocht und am Ende doch auf allem sitzen bleibt.

Und hier kommt nun der Gold-Tipp, der uns den Abend bzw. das Abendessen gerettet hat:

  • Stellt immer ein oder zwei Dinge, die das Kind sicher mag, auf den Tisch. Das kann auch Obst oder Joghurt sein! Wenn ihr das von Beginn an einplant, ist es auch kaum Mehraufwand.
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Mini-Maiskolben, Rote-Bete-Kugeln und Apfelmus – geht bei uns immer!

Bei uns ist das zum Beispiel Rote Bete (ja, ich weiß, seltsam – aber der Kleinling liebt sie!) oder Apfelmus. Geht immer! Das stelle ich einfach mit auf den Tisch. An anderen Tagen sind es Kartoffelgesichter und kleine Tomaten, am nächsten Abend Birne und Joghurt. Wenn das Kind immer etwas Vertrautes, das es gerne isst, auf dem Tisch findet und keinerlei Zwang, doch bitte auch den Brokkoli zu essen, herrscht, entspannt sich die Atmosphäre.

Lieblingsspeisen für alle!

So können Eltern auch ihre eigenen Lieblingsgerichte kochen oder mal etwas völlig neues ausprobieren. Dann isst das Kind halt Baguette und Käse. In manchen Fällen, wie letztens bei der Linsensuppe, ertönte plötzlich ein „Darf ich mal probieren?“ von links und siehe da – es blieb nicht dabei, denn die Suppe schmeckte ihm!

Hier findet ihr ein paar Lieblings-Speisen unseres Kleinlings, die als Beilage Sinn machen und euch vielleicht inspirieren. Am Anfang ist es sicher nicht schlecht, eine solche Liste anzulegen – vielleicht macht ihr sogar einen richtigen Essensplan – und natürliche auch entsprechende Vorräte:

  • Rote Beete
  • Cocktail- oder Cherrytomaten
  • Äpfel, Birnen, Mango oder Weintrauben
  • Gurken, frisch oder eingelegt
  • Baguette (oder Brötchen, in Scheiben geschnitten)
  • Schupfnudeln, Nudeln oder Reis
  • Käse(würfel) oder Fleischwurst
  • Joghurt
  • Apfelmus (gibt es auch in leckeren Varianten, Apfel-Mango-Mark zum Beispiel)
  • Kartoffelgesichter – selbstgemacht oder TK-Ware
  • Pommes, Pizza, Fischstäbchen, Chicken-Nuggets (ist ja klar!)

Die fünf Zauberworte

Das, kombiniert mit den fünf Zauberworten, sollte euch ein entspannteres Essen ermöglichen. Der Schlüssel heißt hier, wie so oft: Entspannung. Nehmt – auch für euch – einfach mal den Druck raus. Kinder merken es, wenn ihr selbst angespannt seid und sie bei jedem Bissen beobachtet. Habt ihr schonmal gegessen, während euch jemand die ganze Zeit angeguckt hat? Das macht echt keinen Spaß!

Es ist leichter gesagt, als getan, aber auch ihr werdet euch daran gewöhnen. Die fünf Zauberworte lauten

DU MUSST DAS NICHT ESSEN.

Ihr habt ein fantastisches Blumenkohl-Curry gekocht? „Das mag ich nicht!!!“ kreischt es von den Rängen! „Du musst es nicht essen.“, ruhig vorgetragen, deeskaliert die Situation. Schiebt die Schale mit Brot in die entsprechende Richtung und genießt euer Essen. Wer weiß, vielleicht wird es ja doch auf einmal interessant.

Bitte sagt es ganz ruhig und wertfrei und nicht passiv-aggressiv oder schnippisch daher. Wenn das Gesagte und die Botschaft (die ihr mit der Art, wie ihr es sagt, vermittelt) nicht übereinstimmen, verwirrt es die Kinder nur. Die Kleinen haben noch keinen Sinn für Sarkasmus und können noch nicht „zwischen den Zeilen“ lesen.

„Genau das ist wichtig“, sagt auch Nicola Herrmann. „Kinder dürfen essen, sie müssen es nicht tun!“ Und wenn man genau darüber nachdenkt, hat sie Recht! Euer Kind muss das wirklich nicht essen. Alternativen sind ja da. Es kann sich das nehmen, was es mag. Und wenn es einen Abend lang nur Brot isst. Oder Tomaten. Denn mal ehrlich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Dass das Kind in der Nacht aufwacht und hungrig ist? Dann ist das eben so (es ist wider Erwarten bei uns allerdings noch nie passiert!). Und keine Panik: Das Kind wird nicht verhungern!

Wutanfälle wird es übrigens trotzdem geben, aber Kinder sind nun einmal Kinder und das gehört einfach mit dazu.

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Kartoffelgesichter, Würstchen, Gurken-Tomaten-Salat, Gurken und Tomaten pur – und als Nachtisch frische Ananas mit selbstgemachtem Zimtsirup.

Appetitschwankungen oder Füllstoffe

Dass ein Kind mal mehr oder mal weniger Hunger hat, ist auch normal. Es lernt noch und auch der Magen ist noch im Trainings-Modus. Man darf nicht vergessen, dass dieser noch recht klein und auch schnell gefüllt ist. Isst ein Super-Esser auf einmal weniger, kündigt sich vielleicht eine Erkältung an.

Hat das Kind vielleicht heute im Kindergarten zum Frühstück oder Mittag eine riesige Portion verdrückt? Klar, dass dann später kaum noch etwas reinpasst. Wenn ihr euch unsicher seid, beobachtet euer Kind mal ein oder zwei Tage ganz genau und schreibt auf, was es alles gegessen hat oder fragt im Kindergarten nach.

Bei Sorgen zum Arzt!

Macht ihr euch Sorgen oder verliert euer Kind drastisch an Gewicht, ist natürlich der Gang zum Kinderarzt notwendig. Auch wenn jegliche Nahrungsaufnahme komplett verweigert wird, ist das ein Grund zur Sorge – das wird aber in der Regel nicht vorkommen und hat meist ernsthafte Auslöser, die nichts mit dem Essen zu tun haben. In diesem Falle ist die Nahrungsverweigerung ein Symptom, das professioneller Hilfe bedarf.

Und nun: Guten Appetit!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Nicola Herrmann. Nicola ist gelernte Hebamme sowie Ernährungs- und Bewegungscoach. Sie gibt Webinare zum Thema Baby- und Kinderernährung und es lohnt sich wirklich, mal auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebook-Seite vorbeizuschauen. Hier findet ihr konkrete und familientaugliche Tipps, wie ihr vollwertige Ernährung, gesunde Gewichtsreduktion und einen relaxten Familientisch realisieren könnt.

Unser – völlig zuckerfreies – Bonbon für euch: Wir schenken euch Nicolas Mini-Kochbuch!

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Frühstück mal anders: Gegrilltes Toast mit Käse, Tomate-Mozzarella, Camenbert-Preiselbeer und Käse-Schinken-Salami gefüllt. Für jeden was dabei!

3 Antworten
  1. Baustellenmädchen
    Baustellenmädchen says:

    Das mag ich nicht Mama, leider. Wie oft ich das höre. Und selbst Kartoffelgesichter gehen bei uns nicht. Gestern wurde ein Erdnuss Flipp angeekelt in die Schale zurück geworfen. Vorgestern schaut das Kind mich mit riesen Augen an und sagt „Mama, IN der Pommes ist eine Kartoffel drin, deshalb mag ich die leider nicht…“
    Mein Kind ist der König des „ich mag das leider nicht“. Leider

    Antworten

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