Der Ganzjahres-Wunsch

Wünsche werden wahr Pusteblume

Von Wünschen, Weihnacht und einem Hund namens Bella.

Habt ihr Wünsche? So richtige Herzenswünsche? Dinge, die bei euch ganz, ganz tief im Herzen sind und die ihr vielleicht schon lange mit den vielen kleinen Alltagssorgen begraben habt?

Die Weihnachtszeit naht mit großen Schritten und ich denke viel nach. Über das Fest an sich, die Adventszeit und über Wünsche. Als Kind war Weihnachten die beste Zeit des Jahres! Da war so ein Gefühl in meinem Bauch, ein warmes und wohliges.

Wünsche hatte ich viele. Eine neue Barbie, ein Barbie-Pferd, Bücher, Bücher, Bücher. Mit generösen Eltern und Großeltern gesegnet, bekam ich meistens das, was der Wunschzettel hergab. Bis auf die Cherry-Merri-Muffin, die meine Mama für Quatsch hielt, aber das ist eine andere Geschichte. Aber es gab einen Wunsch, der hielt das ganze Jahr an.

Ich wünsche mir (k)ein Pony!

Wie jedes kleine Mädchen wünschte ich mir natürlich auch ein Pferd, aber das eher so halbherzig – ich konnte ja gar nicht reiten. Meine einzige „Schnupperreitstunde“ hatte zu meinem Entsetzen in einer Reithalle stattgefunden, in der sämtliche Eltern am Rand der Bahn standen und einige zusätzlich in einem Café oben drüber saßen und zusahen. Juhuu, Präsentierteller – voll meins. Nicht.

Natürlich kam ich – mit kurzen Beinen gesegnet – erstmal gar nicht auf das Tier hinauf und viel schneller wieder hinunter, als es mir lieb war: Ich rutschte nämlich direkt auf der anderen Seite wieder vom Sattel und landete mit der Nase im Streu. Zur Belustigung aller – und da ich seit jeher für niemanden den Clown in der Manege gebe, auch nicht mit neun Jahren, war das mein letzter Auftritt in der Halle.

Geritten bin ich halbherzig auf den Shetlandponies eines Bekannten, aber für ernsthaften Reitsport fehlte mir nach dem kleinen Trauma der Willen. Heute bereue ich das ein wenig, ich würde gerne reiten können.

Ein Kinderkönigreich für einen Hund!

Also, Pferd: Nice to have, muss aber nicht.

Was ich wirklich unbedingt wollte, in jeder Sekunde, mit jeder Faser, aus der Tiefe meines kleinen Herzens, war ein Hund. Das war mein Ganzjahres-Wunsch. Ich liebte den Hund des Nachbarn und träumte jede Nacht davon, selbst einen zu haben, denn so ein ausgeliehener Nachbarshund ist einfach nicht das Gleiche. Nach dem abendlichen „Müde bin ich, geh zur Ruh“ mit meiner Mama schickte ich an jedem Abend noch einmal den Wunsch nach einer Fellnase hinterher.

Und wenn man es sich ganz doll wünscht, wird es irgendwann wahr. Bestimmt. Und obwohl ein Hund nicht in die Tüte kam, weil mein Vater keine Hunde mochte, hatte das Universum eine Überraschung für mich auf Lager.

Hier liegt ein Hund

Wir waren im Urlaub in Neuharlingersiel, da rief meine Oma an: „Hier liegt ein Hund!“ sagte sie. Ein Bittewas?! Ein Hund!? Ein Hund! Mein Hund! Endlich!

Und nun, liebe Leser und Leserinnen, folgt eines der Mysterien meiner Kindheit: Ein Hund. Lag vor dem Schlafzimmerfenster meiner Großeltern. Eines Morgens, einfach so. Als hätte er schon immer dort hingehört. Der Garten war damals noch durch ein mannshohes Tor, eine Hecke und einen Maschendrahtzaun gesichert – wie der Hund dorthin gekommen war, ist und bleibt ein Rätsel.

ich wünsche mir einen Hund

Foto: Pixabay (Alexas_Fotos)

Es war auch kein kleiner Schoßhund: Es handelte sich um einen ausgewachsenen Bernhardiner. Den konnte also niemand mal eben über den Zaun geworfen haben und auch in der dornigen Hecke war nirgendwo ein Loch, das groß genug für so ein riesiges Tier war. Na gut, vielleicht war das Tier durch den Graben hinter dem Haus gekommen, doch auch dort war ein Zaun. Und warum lag dieser Bernhardiner ausgerechnet vor dem Schlafzimmerfenster meiner Großeltern? Was lag darüber? Mein Kinderzimmer!

Ganz klar: Weil es mein Hund war! Ich war glücklich! Ein Hund! Und nicht irgendeiner! Ein riesiger, kuscheliger Bernhardiner! Aber – Moment mal – liebes Universum, was ist denn das für ein Timing?! Ich bin doch im Urlaub!

Bella muss wieder weg

Der Urlaub war kurz darauf beendet und wir fuhren heim. Die Hündin – ja, ein Mädchen – war bei unseren Nachbarn untergebracht worden, die sie Bella getauft hatten. Bella war toll. Groß und massig und kuschelig! Riesig! Ja, genau so einen Hund hatte ich gewollt!

„Wir haben schon einen Anzeige geschaltet und Zettel aufgehängt“, erklärte meine Oma. „Wozu?“ fragte ich. „Na, der Hund muss zurück zu seiner Familie!“

Aber, sie ist doch mein Wunsch!“ Niemand hörte auf mich.

Mein kleines Herz zerbrach. Da hatte ich endlich meinen Hund bekommen – und musste ihn wieder abgeben. Bellas Familie meldete sich nicht, niemand vermisste das große Tier. Natürlich! Es war ja auch meins und nur für mich auf der Welt! Es war mein wahrgewordener Wunsch!

Am Ende adoptierte mir einer der Müllmänner, ein Mann, der toll pfeifen konnte und ein großes Herz hatte, meine Bella vor meiner Nase weg.

Wünsche können wahr werden

Was habe ich daraus gelernt? Wünsche können tatsächlich wahr werden. Wünscht man sich etwas richtig doll – und manchmal muss man auch selbst kräftig daran arbeiten – wird es irgendwann tatsächlich wahr.

Wo Bella herkam, ist bis heute Mysterium.

Meine Kinder wünschen sich ein größeres Haus mit mehr Platz zum spielen. Sie wünschen sich sämtliche Feuerwehrmann Sam-Spielzeuge und Bob, der Baumeister steht auch hoch im Kurs. Sie wünschen sich ein neues TipToi-Buch und viele lustige, bimmelnde, quietschende, blinkende Dinge.

Und der kleine Zwockel? Der wünscht sich einen Hund.

Und eines verrate ich euch: Bald, ganz bald – nicht in diesem und auch noch nicht im nächsten Jahr, aber bald. Da wird sein Wunsch wahr.

Und meiner.

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