Ein ganz normaler Tag im Chaos…

Zwei Kinder, ein Haushalt, ein Blog.

Der Frischkäse kippelte auf dem selbstgebauten Kühlschrank-Türmchen und PATSCH lag er mir auch schon zu Füßen. Nicht ohne vorher den Deckel verloren zu haben und Frischkäsemasse wie Wasser im, am und um den Kühlschrank herum verteilt zu haben. Ich müsste wirklich dringend mal wieder den Kühlschrank aufräumen.

Guten Morgen!

Die Sauerei beseitigt, machte ich mich ans Frühstück. Nachdem das Baby den Trinklernbecher geöffnet und umgestoßen hatte, natürlich musste er erst die zermatschte Banane in seinem Gesicht verteilen – endlich der erste Kaffee! Während das Baby die Kinderküche aus- und umräumt und findet, dass das Zusammenspiel von IKEA-Kinderkochtopf auf Boden auf der einen, und Kochlöffel auf der anderen Seite einen super Beat ergeben, versuche ich, mich an den Computer zu setzen und ein bisschen was zu schreiben.

Wickelakrobatik

Autsch! Das Kind hat mir in den nackten Zeh gebissen! Seitdem er auf der Welt ist, interessiert er sich sehr für Füße und seitdem er Zähne hat, beißt er gern in alles, was sich bewegt oder auch nicht. Während ich das Kind also wieder zurück auf seine Decke zurücksetze, steigt mir ein würziger Duft in die Nase. Meine Kinder haben eine sehr gute Verdauung. Windel schreit nach Wechsel! Also erstmal wieder eine Runde Wrestling auf der Wickelkommode. Junior hält nämlich rein gar nichts davon, still liegen zu bleiben – nein, er findet es viel lustiger, sich in dem Moment, in dem sich Windel von Po löst, blitzschnell herumzurollen – gern auch durch das in der Windel befindliche Produkt – was natürlich zur Folge hat, dass nicht nur Windel, sondern auch Wickelkommode, Kind und Mama schmutzig werden.

Kind also kurzerhand unter die Dusche setzen und abbrausen. Super, denkt er sich und entwendet mir in einem unbedachten Moment schnell mal den Duschkopf, richtet diesen auf mich und tadaaaa! Mama ist nicht nur schmutzig, sondern auch noch nass, wie auch der Rest des Badezimmers. Kind schrubben, in ein sauberes Handtuch wickeln und auf die mit einem frischen Handtuch bedeckte Wickelkommode legen. Mein Griff nach den Windeln führt ins Leere. Als ich mich herunterbücke, um das Regal oben mit ein paar neuen Windeln aufzufüllen, fühle ich, wie eine warme Flüssigkeit meinen Kopf trifft. Junior quietscht freudig und strullt weiter vor sich hin. Ich wollte ja eh gleich duschen.

Das Wäsche-Füllhorn

Inzwischen ist der Kleine Gott sei Dank schon so müde, dass er sich fast ohne Murren ins Bett legen lässt. Endlich Zeit zu schreiben! Ach, erst noch duschen! 10 Minuten später stehe ich vor dem Spiegel und föhne meine Haare. Nur noch schminken und Haare glätten und ich dann endlich ein bisschen was tun. Mein Blick fällt auf die Handtücher am Boden. Schnell mal eben eine Maschine Wäsche anstellen. Frisch gestylt trage ich den Wäschekorb – aka „Das Füllhorn“ – in den Keller. Dort wird die Wäsche sortiert (in dunkel und hell – die Buntwäsche besteht bei uns aus 50 Shades of Black) und eine Maschine angestellt. Huch! Im Trockner ist ja noch das Zeug von gestern. Ach, komm. Das nehmen wir auch mit raus und falten es eben weg.

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Habt ihr auch solche Wäscheberge?

 

Zurück in der Küche setze ich mich wieder vor das Laptop und nehme einen Schluck Kaffee, der inzwischen kalt geworden ist. Egal, runter damit! Die leere Tasse schnell noch in die Spülmaschine stellen – ach, Mist, die ist voll mit sauberem Geschirr. Also räume ich die eben aus, geht ja fix.

Danach setze ich mich wieder an meinen Text. Den ersten Satz hab ich schon mal. Nee. Der klingt doof. Löschen. Naja, ändern kann ich den immer noch. Also schreib ich den wieder hin. Vorläufig, bis mir was Besseres einfällt.

Die Krankenkasse

Das Telefon klingelt. Die Krankenkasse. Das angegebene Konto für die Rückerstattung ist irgendwie nicht vorhanden, sagt das System. Wir gleichen Kontonummern ab. Stimmt aber.

„Dann nehmen Sie doch das Konto meines Mannes, die Daten haben Sie doch.“

Das müsse man aber dann schriftlich haben, erklärt mir die Dame. Sie schickt mir ein Formular zu, das muss ich dann nur noch ausdrucken, ausfüllen und scannen und dann läuft alles.

Vom Telefonklingeln ist das Baby wach geworden. Die Windel ist voll (erwähnte ich, dass meine Kinder eine Bomben-Verdauung haben?) – also ins Bad, nen frischen Popo machen und dann das Formular drucken.

Die Druckerpatrone ist leer. Irgendwo hatte ich noch eine… Gesucht, gefunden. Patrone ausgewechselt und los geht’s. Ausgefüllt, gescannt, verschickt.

Fruchtzwerg-Gate

Jetzt klingelt das Handy mit der Erinnerung, dass ich den Großen vom Kindergarten abholen muss. Ist der Vormittag wirklich schon rum? Also Baby in den MaxiCosi und los zum Kindergarten.

Wieder zuhause wird ein kleines Mittagessen vorbereitet. Der Große will Nudeln, nein, Käsetoast, nein, Banane und Fruchtzwerg.

„Welchen Fruchtzwerg, gelb oder rot?“

„Grün!“

„Grün haben wir nicht.“

Kurzer Wutanfall mit Tränen, Amnesty International steht bereit, mich wegen Verstoßes gegen das Recht des Kindes auf grünen Fruchtzwerg zu verklagen. Die Wogen glätten sich, als ich standhaft erkläre, dass es entweder ein roter oder gelber Fruchtzwerg wird, oder gar keiner. Gelb ist auf einmal doch okay.

Das Baby bekommt Brei, selbstgekocht: Süßkartoffel mit Karotte und Rind. Den liebt er. Normalerweise. Heute nicht. Heute wird jeder Löffel, der in den Mund kommt, konsequent ausgespuckt. Ich gebe auf und hole ein Gläschen. Käsespätzle sind genehm. Dass das Kind satt ist, lässt es mich durch ein herzhaftes Prusten mit vollem Mund wissen.

Nachdem ich ihm und mir das Gesicht abgeputzt habe, soll nun der Große ins Bett – Mittagsschlaf! „Aber ich will noch pielen!“ „Du kannst gleich noch spielen. Jetzt ist Schlafenszeit!“

Nein, DIE Bürste ist NICHT für den Kopf!

Während ich seine Windel wechsle – Überraschung! Bis zum Rand gefüllt (erwähnte ich, dass meine Jungs eine tolle Verdauung haben?), putze und wische und angle ich gerade nach einer neuen Windel, als mein Blick auf das freudig quietschende Baby fällt, dass sich soeben die Klobürste geschnappt hat und erfreut damit herumwedelt. Ich stürze auf ihn zu, kann aber leider nicht mehr verhindern, dass er sich kurz damit übers Haupthaar bürstet.

Schnell habe ich notdürftig Händchen und Gesicht abgewaschen, dem Großen den Schlafanzug angezogen und ihn ins Bett verfrachtet, da dusche ich das Baby zum zweiten Mal heute. Frischer Body, frische Krabbelhose – und auf geht’s. Der Wäscheberg neben der Wickelkommode ist schon gewachsen – neues Futter fürs Füllhorn!

Das Baby zum Spielen auf die Decke gesetzt werde ich doch jetzt endlich zum Schreiben kommen. Und tatsächlich, eine Weile beschäftigt sich der kleine Mann mit den Spielzeugen seines Bruders. Eine Weile leider nur, dann ist Mama wieder gefragt. Nachdem wir gefühlte zehn Tonnen Schotter gefahren haben, ist auch der Kleine müde und wird ins Bett gelegt.

Irgendein Depp…!

Endlich. Beide Kinder schlafen!

Bis der Postbote klingelt. Nachdem der wieder weg ist, schnell ins Kinderzimmer rennen und dem Großen erklären, dass er noch nicht genug geschlafen hat, dem Kleinen die Spieluhr aufziehen und gnädigerweise schlafen beide Kinder wieder ein.

Draußen beginnt der von der Stadt beauftragte Gärtner, die Hecke mit einer neuen Motorsäge zu bearbeiten, während sein Azubi die wilde Wiese neben dem Haus mit dem Rasentraktor befährt. Dass irgendein Depp immer irgendwo mäht, wusste ja schon Reinhard Mey.

Die Kinder sind – oh Wunder! – wieder wach und nörgeln unausgeschlafen herum. Ich beschließe, spazieren zu gehen. Frische Luft wird uns allem guttun. Während der Große brüllt wie am Spieß und mich für den Preis als weltallerblödeste Pups-Mutter nominiert, schuckle ich das Baby durch die Felder und versuche, das Wetter zu genießen. Entspannt ist anders…

Alles voller Soße

Wieder zuhause sehe ich mit Schrecken, dass es schon Zeit ist, das Abendessen zu kochen. Heute gibt es Nudeln mit bereits gestern vorbereiteter Tomatensoße, in die ich heimlich ein paar Zucchini und Paprika hineinpüriert habe. So essen die Männer dann auch mal Gemüse.

Ich öffne den Kühlschrank und angle nach der Soße. Ich sollte den Kühlschrank echt mal wieder aufräumen, damit ich in den unteren Fächern mehr Platz habe. Da ich nicht die Größte bin, balanciere ich auf Zehenspitzen um an die Schüssel, deren Deckel nur lose aufgelegt ist, zu kommen. Besagte Schüssel bekomme ich mit den Fingerspitzen zu fassen und sie tut, was gemäß Murphy an einem solchen Tag jede gute Schüssel tun würde: Sie fällt herunter. Natürlich nicht, ohne noch zwei Mal im Kühlschrank anzuecken, um den Inhalt möglichst großflächig zu verteilen. Überall.

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Nachdem ich den Kühlschrank geputzt und aufgeräumt habe, gibt es Pizza.

 

4 Antworten
    • Tanja Chaos
      Tanja Chaos says:

      Haha! Ja, clean ist hier gar nix mehr – vielleicht mal für 5 Minuten. Dann kommt ein Rotznäslein oder ein Patschefinger vorbei…

      Antworten

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