Es wird ein Junge!

Vom Bauchgefühl einer Mutter in der Schwangerschaft

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, war mir relativ früh klar, dass es ein Junge wird. Ich wusste es einfach. Gut, die Chance ist natürlich immer 50/50. Aber ich hatte ein ganz dolles „Jungs-Gefühl“. Ich hatte mir auch einen Jungen gewünscht und als der Arzt mir in der 20. Woche eröffnete, es werde ein Junge, war ich überglücklich. Freudentränen liefen mir die Wangen herunter, was der Arzt jedoch missverstand.

Zu diesem denkwürdigen Ultraschall-Termin hatte ich meinen Mann und unsere Mütter mitgebracht. Alle standen andächtig um den Ultraschallmonitor herum und bestaunten unseren Junior. Als der Arzt meine Tränen sah, versuchte er mich zu beruhigen: „Ach, Frau Chaos. Ich habe auch zwei Jungs. Das ist wirklich sehr schön!“

Im Hintergrund sog mein Mann entsetzt die Luft ein und japste „Was? Wieso AUCH ZWEI?!“ Der Arzt lachte und beruhigte uns: Ein Einling. Puuuh. Für den Anfang reichte das. Wir alle gingen danach auf den Weihnachtsmarkt und ich streichelte mir, immer noch mit Tränen in den Augen, über den Bauch. „Ein kleiner Junge!“ sendete ich per SMS an meinen Papa, Schwiegerpapa und alle, die es wissen wollten (oder auch nicht – egal).

Und so war es dann – ein gesunder, kleiner Junge wurde nach 38+5 Wochen geboren. Ein wahrer Hormon-Tsunami schwemmte mich weg. Die ersten drei Tage heulte ich ein Taschentuch nach dem nächsten mit Freudentränen nass.

Hauptsache gesund… Aber wenn ich wünschen dürfte: Ein Junge

Bei der zweiten Schwangerschaft war ich mir vom Schwangerschaftstest an sicher, es sei ein Mädchen. Das Gefühl war noch stärker als beim ersten Kind. Und das, obwohl ich mir eigentlich einen Jungen gewünscht hatte. Ein Spielkamerad für Kleinling#1 sollte es werden. Und sowieso und überhaupt war ich doch grad im Training mit Jungs. Und Mädchen sind doch so zickig. Gleichzeitig freute ich mich natürlich! Ein Mädchen! Ein Mini-Me!

Natürlich ist es unterm Strich egal, ob Junge oder Mädchen. Hauptsache gesund, und das ist nicht nur so dahin gesagt. Aber hätte ich wünschen dürfen, hätte ich mir halt einen kleinen Jungen gewünscht.

Ein Wau-wau!

Man solle die Geschwister fragen, riet mir die Freundin einer Freundin. Die wissen das einfach. Immer. Ich machte den Test und fragte Kleinling#1.

„Na, was wird das denn in Mamas Bauch? Was bekommst du? Ein Schwesterchen oder ein Brüderchen?“

Mein Sohn zögerte. Besah sich fachmännisch meinen Bauch und stellte nüchtern fest, dass ich einen „Wau-wau“ bekommen würde. Soviel dazu.

Immer wenn ich von „unserer Kleinen“ sprach, mahnte mich mein Mann, abzuwarten. Diese Schwangerschaft verlief ganz anders als die erste. Beim ersten Kind hätte ich bis zum sechsten Monat nicht einmal bemerkt, dass ich überhaupt schwanger war, hätte ich es nicht definitiv gewusst. Keine Übelkeit, keine Rückenschmerzen, nicht allzu heftige Gelüste (bis auf Tomaten und Rote Bete).

Beim Zweiten jedoch war mir die berühmten ersten drei Monate lang schrecklich übel. Nicht nur morgens, den ganzen Tag lang. Zähneputzen wurde zur Qual – ich hing bei jedem zweiten Mal über der Kloschüssel (sehr kontraproduktiv). Zudem war ich so müde und erschöpft – ich fühlte mich, als hätte mir jemand eine Bleidecke über die Schultern gelegt und damit solle ich nun Marathon laufen. Und Schokolade! Ich konnte bergeweise Schokolade essen, am liebsten Schokolade mit Salzkaramell und dazu eine mit Frischkäse gefüllte Peperoni. Echt jetzt!

Diese Unterschiede bestätigten mich in meiner Vermutung, dass ich ein Mädchen erwartete. Mein Vater hatte in der Zwischenzeit Geburtstag und wir überraschten meine Eltern an ihrem Urlaubsort. Nach der Bescherung gingen wir essen. Ich orderte heimlich Sekt für alle und ein Glas alkoholfreien für mich. Als der Sekt serviert wurde, zog ich ein weiteres Geschenk aus der Tasche und sagte „Ach, guck an! Eins hab ich ja noch für dich!“ Mein Vater packte es aus und hatte sofort stolze Opa-Tränen in den Augen: Ein Ultraschallbild, das allererste, unseres neuen Babys! „Ein Mädchen, ne?!“, stellte er sofort fest.

Willkommen auf der Hormon-Achterbahn

Ha! Also noch einer! Ich war mir meiner Sache sicherer denn je. Beim Ultraschalltermin in der 20. Woche fragte ich den Arzt „Und, können wir heute sehen, dass es ein Mädchen wird?“ Er lachte und gab sich alle Mühe. Und er guckte und guckte. Und sagte dann: „Frau Chaos – das wird ein Junge. Zu 80% ist das da ein Penis!“

Uff. Ich war sprachlos. Ich war mir doch so sicher gewesen! Natürlich freute ich mich. Mein Mann machte Luftsprünge und alle freuten sich. Nur ich war durcheinander.

Zum größten Teil mache ich für das Folgende die Hormone verantwortlich. Als ich nach Hause kam, hatte ich das Gefühl, auf einer emotionalen Achterbahn zu fahren. Schwarze Mamba. Mit extra Loopings! Ich legte mich aufs Bett und grinste breit. Ein kleiner Junge! Ein Bruder für Kleinling#1! Ein Spielkamerad! Und dann plötzlich, wie aus dem Nichts, begann ich zu schluchzen. Tränen kullerten über meine Wangen. Ich konnte nicht aufhören, zu weinen.

„Mach’s gut, meine Kleine!“ flüsterte ich. In diesem intensiven Moment, einem der intensivsten, die ich je erlebt hatte, trauerte ich um das kleine Mädchen, das nie existiert hatte ebenso, wie ich mich über den kleinen Jungen in meinem Bauch freute.

Hormone, ne?!

Ich brauchte ein wenig, um mich zu regenerieren. Als ich meinem Mann am Abend davon berichtete und bei der Erinnerung an diesen Moment wieder zu weinen begann, sah er mich verständnislos an. „Die Hormone, hm?!“ fragte er gönnerhaft.

Ja, die Hormone. Die Einbildungskraft. Was auch immer. Den Moment, hin- und hergerissen zwischen extremer Freude und unerklärlicher Trauer, werde ich nie vergessen, das hatte ich bis dahin noch niemals erlebt.

Natürlich bin ich heute glücklich mit meinen zwei Jungs und kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen – trotz gelegentlicher Brüderkämpfe überwiegen bei den Jungs doch die freundschaftlichen Momente. Und es gibt nichts Schöneres…

Ich möchte mit diesem Beitrag lediglich vom extremen Gefühls-Chaos berichten, in dem ich mich befand – ich möchte mein Erlebnis in keinster Weise mit dem Gefühl vergleichen, tatsächlich ein Kind zu verlieren. Diesen Schmerz kann und will ich mir nicht einmal vorstellen und würde mir niemals anmaßen, einen derartigen Vergleich zu ziehen!

Wie habt ihr den Moment empfunden, als ihr das Geschlecht eures Kindes erfahren habt? Habt ihr euch überraschen lassen? Oder habt ihr gar ein Mädchen erwartet und einen Jungen bekommen – oder anders herum?

2 Antworten
  1. Arijana
    Arijana says:

    Mir erging es fast genau wie Dir. Je weiter die Schwangerschaft voranschritt, umso sicherer war ich mir, dass ich ein Mädchen bekommen würde. Ich sprach mit ihr und freute mich genau wie Du auf ein Mini-Me. Und dann kam der Tag bei der Pränataldiagnostik, wo der Arzt mich fragte, ob wir schon wüssten, was es wird. Als wir verneinten, kam nur ein ernüchterndes „Sie bekommen einen kleinen Jungen“, woraufhin ich sagte „Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!“ Aber mein Traum vom Mini-Me blieb letztlich nur ein Traum. Und obwohl ich mich auf mein Wunderkind freute, so war ich dennoch unendlich traurig, dass es kein Mädchen wurde und nahm genau wie Du Abschied von meiner kleinen, nur in meiner Phantasie existierenden Tochter. Natürlich freue ich mich riesig über meinen Sohn und liebe ihn sehr, aber vielleicht klappts ja irgendwann doch noch mit einem Mädchen 😉

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