„Kommt, wir gehen raus!“ Spaziergang am Arsch…

Wenn man den lieben Kleinen nichts recht machen kann…

Kennt ihr das? Die Kinder rennen wie irre durchs Haus? Wie Duracell-Hasen auf Speed flitzen sie auf und ab, rennen den Flur entlang. Kreischend, quietschend und juchzend. Sie hüpfen auf Couch und Bett und es scheint, als haben sie unendliche Kraft.

„Wow!“, denke ich immer fasziniert. „Einmal so viel Energie haben. Oder nur ein Drittel davon. Zehn Prozent würden auch reichen!“ Dann blicke ich auf meine Nacht zurück, in der der Zwockel mal wieder nicht schlafen wollte oder in der mein eigenes Gedankenkarussell verhindert hat, dass ich zur Ruhe komme. Einmal so viel Energie haben, dass ich auch so quietschig durch die Gegend renne und übersprudle vor lauter Motivation und Lebhaftigkeit.

„Lass uns doch raus gehen!“

Und dann, wenn die Kinder so herumwetzen wie die Wahnsinnigen, kommt einer von uns hier auf die Idee, einen Spaziergang zu machen. Mal raus. „Die müssen sich abreagieren.“ Soweit die Theorie. Wir erklären den Kindern, dass wir nach draußen gehen. 50/50 Chance, dass sie begeistert sind oder sofort in einen akuten Nöl-Zustand verfallen.

Kind will nicht raus

Wer kennt das noch? (mit freundlicher Genehmigung von Fowl Language Comics)

Kaum sind wir dann draußen, geht es los. Der Zwockel will auf den Arm. Er kann keinen Millimeter mehr laufen. Wir setzen ihn in den weise mitgenommenen Kinderwagen. Nach fünf Minuten kreischt es aus selbigem. Der Zwockel will laufen. Ungefähr fünf Meter weit. Dann will er wieder auf den Arm. AUF DEN ARM. Nicht in den Kinderwagen. Tragen! Gehorchen Mama und Papa nicht, wird gekreischt. Zum Steinerweichen. Neuerdings wirft sich Zwockelmann auch gern dazu auf die Erde. Und brüllt wie am Spieß. Passanten bleiben stehen, selbst Hunde gucken entsetzt. Wenn Zwockel kreischt hört man das bis ins Nachbardorf.

Locke mag auch nicht raus

Aber auch Locke steht ihm da in nichts nach. Nach einigen Metern fragt er „Wann sind wir da?“ und auch er will auf den Arm. Ist nicht, geht nicht, dafür ist er nun zu groß und zu schwer. Die Lock’sche Nöle-Folter beginnt: „Aber ich kann nicht mehr laufen – WÄÄÄÄÄÄH – meine Füße tun mir weh! WÄÄÄÄÄÄÄH! Spazierengehen ist doof! WUUUUÄÄÄÄÄÄÄÄH! Ich will nach Hause!“ Ködern kann man ihn mit der Aussicht, Steine in einen Fluss zu werfen. Bis zum Fluss.

Angekommen, eine Handvoll Steine später geht es wieder los. „Wann sind wir zuhause? WÄÄÄÄÄÄÄÄH! Ich will nicht mehr laufen! WÄÄÄÄÄÄÄÄH! Ich bin müde! WUUUUUÄÄÄÄÄÄÄH!“

Letztens sind wir mal nicht zum langweiligen Fluss gegangen, sondern zum GroWiAn* – ist doch bestimmt spannend für so einen kleinen Zwerg. Jepp. War es. Für genau fünf Sekunden. Er sah sich das Windrad an, nickte und fragte „Können wir jetzt wieder nach Hause fahren?“

Kind will nicht raus

Zwockel steht auf – das Auf-die-Erde-Werfen hat nicht den gewünschten Erfolg erzielt.

Oooooorrrrrrh! Leute. Ich liebe meine Jungs, aber dieses ständige Genöle! Auch ich brauche die Spaziergänge zum inneren Ausgleich. Nach stundenlangem Schreiben am Computer ist die Natur für mich wirklich wichtig. Rauskommen, sich den Wind um die Nase wehen lassen… Aber so macht es auch mir keinen Spaß.

Frustriert im Garten – ist denn nichts richtig?

Letztens hätte ich beinahe aufgegeben. Locke jammerte und bettelte, er wolle in den Garten. Wir mussten warten, bis Zwockel wach war – unser Garten ist nicht direkt von der Wohnung erreichbar und es ist etwas umständlich – und eine gute Stunde Zwockelschlaf nutzte Locke, um meine Nerven mürbe zu quengeln. „Wann ist Zwocki wach? Können wir ihn wecken? Ich will raus!“

Und dann war es endlich soweit. Trinkflaschen, Wickeltasche, mein Buch (als käme ich zum Lesen!), Kekse und einen Apfel in die Gartentasche gepackt und raus ging‘s. Ich öffnete den Sandkasten, holte BobbyCar und den restlichen Fuhrpark aus dem Gartenhaus. Setzte mich und… „Mama, ich will reingehen! Ich will nicht draußen sein. Ich hab genug vom Garten!“ kreischte Locke allen Ernstes. Als ich nicht nachgab, legte er einen Trotzanfall allererster Güte hin, der die Nachbarn an die Fenster trieb. Auch Zwockel ließ sich nicht lange bitten und stimmte ein. Sie brüllten sich in Rage, bis sie selbst nicht mehr wussten, warum. Ich stand daneben und meine Augen füllten sich mit Tränen der Frustration. Was ich auch tue – es ist immer verkehrt. Einer nörgelt immer…

Wir packten zusammen und gingen ins Haus. Ich kapitulierte. Zumindest für den Tag.

Und wenn sie dann mal mitspielen…

Gestern ging ich hinaus zum Brombeerpflücken. Die Kinder tollten draußen herum und – oh Wunder – keiner nölte, keiner jammerte, alle waren glücklich und zufrieden. Die Jungs liefen umher und jagten sich, lachten, tobten, tollten und purzelten…

…und der Zwockel geradewegs in einen Hundehaufen.

Seufz.

Irgendwas is‘ ja immer.

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*GroßWindAnlage = Windrad

3 Antworten
  1. SaDaLU
    SaDaLU says:

    hm… du weißt ich würde wenn du könntest….. aber wenn du nicht kannst werde ich nicht…. aber wenn du dann kannst dann werde ich! 🙂
    nicht weinen… du bist damit nicht allein!

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  2. Baustellenmädchen
    Baustellenmädchen says:

    Ich muss sehr lachen. Es tut mir leid für dich, aber es ist einfach zu lustig. Der Teil mit dem Garten ist am besten. Diese beiden… herrlich!

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