,

Lasst uns alle Rabeneltern sein!

Ein Gastbeitrag von Inge

Ich möchte mit diesem Gastbeitrag Eltern Mut machen, gut auf sich zu achten und das zu tun was sie zufrieden macht. Ich erzähle von meinen persönlichen Erfahrungen und aus meiner Praxis.

Nach Wikipedia ist das Wort Rabeneltern eine deutsche Tiermetapher, die als Schmäh- oder Schimpfwort Eltern herabwürdigt, die ihre Kinder aus Sicht des Sprechers vernachlässigen. Der Begriff wird besonders für berufstätige Menschen verwendet, die sich angeblich ungenügend um ihre Kinder kümmern.

Wie so oft sieht die Realität anders aus: Junge Raben verlassen das Nest zwar aus eigenem Antrieb bevor sie fliegen können, werden aber weiterhin von ihren Eltern beschützt und gefüttert. Rabeneltern vernachlässigen ihre Jungen also keineswegs.

Wann werdet Ihr Rabeneltern genannt oder fühlt Euch so?

Meine Erfahrung ist, dass ich dann kritisiert werde, wenn ich selbst unsicher bin. Diese Unsicherheit strahle ich aus und lade damit sozusagen Kritik ein: Die Außenwelt spiegelt so meine innere Unsicherheit wider.

Ich ruhe dann nicht in mir selbst. Vielleicht bin ich müde und kaputt weil die Nacht schlecht war. Oder ich meine eine lange Liste an Aufgaben ausgerechnet heute abarbeiten zu müssen wo es mir nicht gut geht.

Trenne Dich von Idealbildern

Ich hatte früher sehr rigide Idealbilder vom Mutter sein, Ehefrau sein, berufstätig sein, Freundin sein, Tochter sein, etc.. Viele davon habe ich über Bord geworfen: Denn den Idealbildern und Werten zu entsprechen, die wir vielleicht schon unser ganzes Leben mit uns herumtragen und die uns nicht mehr entsprechen verursacht viel unnötigen Druck.

Seit ich diesen Idealbildern den Rücken gekehrt habe, gehe lockerer mit mir und meiner Familie um. Ich versuche im Alltag offener für neue Wege zu sein, die ich früher nicht wahrgenommen habe. Mir ist nach und nach bewusst geworden wie sehr ich mich selbst begrenzt habe.

So habe ich herausgefunden was mir entspricht. Das sind interessante Erkenntnisse: Es liegt mir mehrere Standbeine zu haben: Heilpraktikerin mit eigener Praxis zu sein, 3 Kinder und ein erfülltes Familienleben zu haben und mich auch noch freiwillig in unserer Erstaufnahmeeinrichtung als Deutschlehrerin zu engagieren. Mein persönliches Wellnessprogramm ist Isländisch lernen.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden und feststellen was ihm entspricht. Das macht es einfacher seinen Alltag nach seinen Vorlieben zu gestalten und stressfreier machen. Wie überall im Leben gilt es auch hier die Balance zu wahren und sich immer wieder neu zu kalibrieren. Meine Erfahrung zeigt: Ist mein Alltag gut auf mich zugeschnitten, bin ich in meinem Flow und damit sehr effizient. Das macht mich zufrieden.

Mach das was Dich glücklich macht

Kannst Du auch mit Kindern den Weg gehen, der Dich erfüllt und glücklich macht? Natürlich. Wir sagen unseren Kindern doch auch, dass sie alles werden können was sie wollen. Ich finde das Gleiche gilt genauso für uns selbst.

Um herauszubekommen was Dich wirklich glücklich und zufrieden macht, musst Du Dich gut kennen. Dann bekommst Du heraus, was Du wirklich willst.

Hilfreich ist es, eine Bestandsaufnahme Deiner jetzigen Situation zu machen. Wie viel von dem was Dich glücklich macht, hast Du jetzt schon in Deinem Leben? Die Kinder, der Partner, die Wohnung… Für uns ist das alles so selbstverständlich, dass wir es oft nicht genügend würdigen. Ich versuche mir jeden Tag klar zu machen, wie viel von dem was ich liebe ich bereits lebe und wie viele Menschen, die mir gut tun, um mich sind.

Auf die Frage: „Willst Du das?“ reagieren wir oft automatisch. Unser Verstand führt uns da gerne an der Nase herum. Um herauszufinden, was uns wirklich glücklich oder unglücklich macht, sind unsere Gefühle wichtige Hinweise.

Gebt Euch nicht mit der schnellen Antwort eurer Gedanken zufrieden sondern stellt Euch bewusst vor, etwas nicht mehr zu tun und achtet dabei auf Eure Gefühle. So kannst Du beliebige Teile Deines Alltags unter die Lupe nehmen. Um also herauszubekommen, ob Du mit etwas wirklich zufrieden bist, stell Dir vor, wie es wäre, ohne dieses etwas zu sein: Das kann Deine Arbeitsstelle, die Kinderbetreuung, diese oder jener Freund sein. Wenn Du negative Gefühle wahrnimmst, merke Dir genau wo diese auftauchen und gehe diesen nach.

Auf diese Weise kannst Du Dich bewusst für oder gegen etwas entscheiden und das dann auch authentisch und nachhaltig ausstrahlen.

Wenn Du weißt was Du willst strahlst Du das aus

Meine Kinder haben mir die wichtigsten Lektionen zum Thema Ausstrahlung beigebracht. Mein mittleres Kind wollte weder Brei noch anderes in ausreichendem Maße essen, so dass sich das Abstillen hinzog. Nach 15 Monaten konnte und wollte ich nicht mehr. Ich besprach mit meinem Mann, dass das Stillen nun endgültig vorbei war. Wir scheinen das sehr klar ausgestrahlt zu haben, denn innerhalb von 2 Wochen wollte dieses Kind nicht mehr gestillt werden! Ich war sehr überrascht, hatte ich doch mit viel mehr Problemen gerechnet.

Diese Erkenntnis lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Hier ein Beispiel aus meiner Praxis:

Eine Klientin war unglücklich damit, sich als Lehrerin von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Sie fragte mich, was sie tun sollte um einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Ich habe sie gefragt, ob sie wirklich liebt, was sie macht. Um da ganz sicher zu gehen sollte sie sich vor ihre Klasse stellen und sich ausmalen wie es für sie wäre nicht mehr zu unterrichten. Dabei sollte sie genau auf ihre Gefühle achten.

Nach diesem Test war sie ganz sicher, dass sie dort weiter unterrichten wollte. Ich riet ihr diese Sicherheit bewusst jeden Tag auszustrahlen: „Ich will hier bleiben“. Neun Monate danach bekam sie eine Festanstellung.

Du hast Priorität

Hast Du das gefunden was Du machen möchtest gilt es als nächstes die Art und Weise festzulegen, wie Du Deine Aufgabe ausfüllen möchtest. Spätestens wenn Chaos droht, bist Du gezwungen Prioritäten zu setzen.

Du solltest dabei immer die oberste Priorität haben! Ich möchte Die das sehr ans Herz legen. Nicht Deine Kinder oder Ehepartner sind die Hauptpersonen in Deinem Leben sondern Du. Du gibst Dir damit die Macht über Dein Leben. Du sitzt dann selbst am Steuer Deines Lebensautos und bist nicht nur Beifahrer.

Ich habe lange gebraucht bis ich gelernt habe, dass ich an erster Stelle stehen muss. Denn nur dann habe ich genug Kraft um auch meiner Familie gerecht zu werden. Wenn ich zu oft über meine Grenzen gehe, werde ich krank oder lande im Burn out und kann für niemanden mehr da sein.

Ich versuche daher immer weniger Kompromisse zu machen und gehe dafür Kooperationen ein. Das bedeutet keineswegs, dass ich egoistisch geworden bin. Ich bin mir nur bewusster warum ich etwas tue und was das für mich bedeutet. Ich engagiere mich immer noch freiwillig und tue viel für andere. Ich weiß aber genau, dass ich das tue weil es mich zufrieden macht. Ich versuche auch hier auf meine Grenzen zu achten und lerne immer wieder dazu.

Kurze individuelle Auszeiten von Familie und Beruf sollten Bestandteil jeden Alltags sein. Der Papa, der nach dem Fußballspiel locker und voller Energie ist, kann viel mehr Trotzgeheule und anstrengende Kunden ertragen als der gestresste. Das gilt natürlich genauso für die Mama, die sich eine halbe Stunde Auszeit mit einem Kaffee genehmigt hat.

Schaffe Dir ein positives unterstützendes Umfeld

Wir Eltern, egal ob berufstätig oder nicht brauchen ein gutes Umfeld. Wenn Ihr Euch jetzt in Eurem Alltag umseht, werdet Ihr hoffentlich schon viel Positives in dieser Hinsicht finden:

Die Tagesmütter, Kindergartenerzieher und Lehrer, die mit Euch an einem Strang ziehen und sich mit Euch über die Entwicklung Eurer Kinder freuen. Oder die Freunde, die auch mal kurzfristig für Euch da sind.

Das Umfeld ist das Netz das uns alle trägt und uns hilft, das zu machen was uns erfüllt. Hier erschaffen wir Kooperationen und keine faulen Kompromisse.

Die Kinderbetreuung hat sich in den letzten Jahren zum Glück in Deutschland sehr verbessert. In unserer Grundschule gibt es jetzt Mittagessen und Hortbetreuung. Mein Jüngster besucht an 3 Tagen in der Woche den Hort. Das genieße ich sehr. Ich würde meine Arbeit wahrscheinlich auch ohne Hortunterstützung schaffen. Das würde aber auf Kosten meiner Energie und meines persönlichen Freiraums gehen. Bin ich deswegen eine Rabenmutter? Gerne!

Mein Fazit

Wenn Du künftig mit dem Begriff Rabenmutter oder -vater belegt wirst, dann finde heraus welchen Anteil Du selbst in diesem Moment daran hast. Warst Du unsicher und wenn ja warum? Oder hattest Du das Pech gerade da zu sein als jemand Dampf ablassen wollte? Meine Erfahrung zeigt: Je mehr Du weißt was Du willst und dazu stehst, desto weniger wirst Du unaufgeforderte externe Kritik hören.

Wenn Du Dich sicher fühlst, dann nimmst Du auch vieles von außen nicht mehr so persönlich. Mir fällt es zum Glück leicht solche Erlebnisse zu vergessen. Sie tropfen an mir ab und damit verschwindet interessanterweise auch die Erinnerung. Ich empfehle Euch daher, Euch eine unsichtbare Haut mit einem Lotuseffekt zuzulegen: Lasst das Gesagte ohne Rückstände einfach abtropfen.

Ich finde wir brauchen viel mehr Rabeneltern die ihren Kindern vormachen, wie sie ein erfülltes zufriedenes Leben führen können. Lasst uns alle Rabeneltern sein!

Zur Person:

Ich bin 51 Jahre alt verheiratet, Mutter von drei Kindern (7, 12, und 16), habe BWL studiert und 9 Jahre im Controlling und in der Unternehmensberatung gearbeitet.

Durch die Asthmaerkrankung meiner ältesten Tochter habe ich mich mit alternativen Heilmethoden beschäftigt und eine Ausbildung zur Heilerin gemacht. Seit 2011 bin ich als Heilpraktikerin in meiner eigenen Praxis tätig.

Mein Schwerpunkt liegt im Bereich Hilfe zur Selbsthilfe. Ich helfe meinen Klienten ihren eigenen Weg zu gehen und das zu tun was sie lieben. Denn das macht nachhaltig zufrieden.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.