Mein Kaiserschnitt und ich (1)

Kein schlechtes Gewissen nötig, liebe Mamas!

Ich habe beschlossen, euch hier bei Krümel und Chaos von meinen Kaiserschnittgeburten zu erzählen und auch andere Frauen zu Wort kommen zu lassen. Die Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt bekommen haben, sind ebenso vielfältig, wie die Gründe dafür. Am Ende muss jede Frau für sich entscheiden, ob sie einen Kaiserschnitt bekommt, oder natürlich entbindet – und niemand muss sich dafür schuldig fühlen oder gar schämen.

Mütter entscheiden am laufenden Band, was das Beste für ihre Kinder ist – und genauso meistens auch bei einer Sectio. Wir alle haben für unsere Kinder nur das Beste im Sinn. Ein Kaiserschnitt ist nicht der einfache Weg und auch nicht immer der beste – aber oft genug ist er der Einzige. Und manchmal gehen Mütter lieber auf Nummer sicher, wenn es Gründe zur Besorgnis gibt. So wie ich.

Ich habe mich für den Kaiserschnitt und gegen das Risiko für meine Kinder entschieden und auch wenn ich gern einen natürliche Geburt erlebt hätte, bin ich unterm Strich glücklich und zufrieden, denn ich habe zwei gesunde Kinder.

„Am Ende ist das was zählt, dass ihr euer Kind im Arm haltet – egal, aus welcher Körperöffnung es gekommen ist.“ Das ist ein Zitat von derGanz normalen Mama, die mir mit ihrem Artikel „Kaiserschnitt? Kein Grund für schlechtes Gewissen oder Selbstvorwürfe“ direkt aus der Seele gesprochen hat.

Tanja (36) – 2 Kinder, 2 Kaiserschnittgeburten

Mein erster Sohn hatte sich im Bauch nicht gedreht, obwohl ich gemerkt hatte, dass er es versuchte. Er schien einfach das Köpfchen nicht nach unten zu bekommen. Oft lag er quer und der Bauch hatte dann eine ganz seltsame Form. Das Ganze tat ziemlich weh. Er versuchte es, aber es ging wohl einfach nicht. Später stellte sich heraus, dass es mit der Nabelschnur zu tun hatte, die wohl zu kurz gewesen war. Alle Maßnahmen – indische Brücke, Globuli oder Moxibustion – halfen nicht.

Also hatte ich die Wahl zwischen einem Kaiserschnitt und einer Geburt in Beckenendlage. Steißgeburt? Nicht mit mir. Klar, „früher ging das auch“, bei wie vielen das aber nicht geklappt hat, ist nicht überliefert, denn früher war es auch nicht ungewöhnlich, dass eine Frau die Geburt nicht überlebte.

Mein Bauchgefühl riet zum Kaiserschnitt. Auch eine äußere Wendung kam für uns nicht in Frage – das entschied auch wieder ganz klar und deutlich das Bauchgefühl. Uns waren Sicherheit und Gesundheit unseres Sohnes wichtiger, obwohl ich schon enttäuscht war, dass ich nicht natürlich entbinden würde, hatte ich mich doch auf „das ganze Paket“ gefreut.

Angst, zu fallen

Am Tag der Geburt war ich so aufgeregt wie nie. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Nadel, die man mir in den Rücken pieksen würde, aber meine Hebamme hielt mich dabei die ganze Zeit fest im Arm und ich war froh, dass sie da war. Sie nahm der ganzen OP ein wenig den OP-Charakter, sodass es eine schöne Geburtserfahrung wurde.

Ich lag auf dem OP-Tisch und das Gefühl, dass da am Bauch herumgedrückt und gerissen wurde, war schon seltsam. Kurzfristig bekam ich durch die PDA starke Kreislaufprobleme, die die Ärzte jedoch schnell in den Griff bekamen. „Der Druck den du gleich spüren wirst, ist quasi der Geburtsvorgang“, erklärte mir die Hebamme.

Seltsamerweise hatte ich die ganze Zeit über die unerklärliche Angst, vom OP-Tisch zu fallen – schon als ich an der Schleuse aufs Transferband gelegt wurde, musste mir der Arzt drei Mal versichern, dass da ein OP-Tisch stand und ich nicht auf den Boden plumpsen würde.

Da ist er!

„Da ist er! Ihr Sohn!“, hörte ich. Leider war das ein paar Sekunden lang alles, was ich hörte, denn mein Junge schrie nicht.

Kurzzeitig erfasste mich Panik, was mir wie endlose Minuten vorkam, waren jedoch nur wenige Sekunden. Da hörte ich ihn schon kurz aufschreien – und dann wurde er mir auf die Brust gelegt. „Bist du aber schön!“, seufzte ich unter Tränen. Mein Mann, der hinter mir saß, nahm uns beide in den Arm. „Hallo, kleiner Kerl“, begrüßte er unseren Sohn mit Tränen in den Augen.

Mein Kaiserschnitt und ich_Bild 1

Locke ist da – noch lockenlos!

Alles, was folgte – das Zunähnen, das Gezupfe und Geziehe – war mir egal. Die Blutdruckmanschette quetschte mir fast den Arm ab, immer wieder ermahnte man mich, den Arm gerade zu lassen – ging nicht, da war mein Sohn, den ich unbedingt festhalten musste. Immer noch hatte ich Angst, wir könnten fallen.

Erst als wir zurück im Kreißsaal waren, hörte das auf und ich sah mein Kind verliebt an und tat die nächsten fünf Tage nichts anderes mehr. Ich konnte nicht aufhören zu weinen – vor Freude. Ich konnte zu der Zeit keine Karten mit Glückwünschen zur Geburt lesen – egal wie simpel der Spruch war, sofort liefen meine Augen über.

Hormon-Tsunami und überwältigendes Glück

Noch lange habe ich die Minuten im Kreißsaal, als man mir mein Kind auf die Brust legte, wieder und wieder durchlebt und es war der glücklichste Moment meines Lebens. Dass es die Hormonflut und diese wahnsinnige Mutterliebe nur bei natürlichen Geburten gibt, wie man mir vorher hatte weismachen wollen, stimmt nämlich nicht. Alles war da: Hormone, unbeschreibliches Glück und unfassbare Liebe.

Die Geburt in Steißlage wäre, aufgrund meines sehr engen Beckens, nicht möglich gewesen, darin waren sich Ärzte und Hebamme einig. Im schlimmsten Fall hätten wir wohl beide den Versuch nicht überlebt.

Das war der Grund, warum ich auch meinen zweiten Sohn per Kaiserschnitt zur Welt brachte. Ich hatte verschiedene Ärzte gefragt und nachdem mir alle zum Kaiserschnitt geraten hatten („Ihr Becken ist aber wirklich sehr eng!“) entschlossen wir uns beim Zwockel auch dazu, obwohl er brav mit dem Kopf nach unten lag. Hinzu kam, dass es bei den letzten Ultraschallbildern so aussah, als habe sich die Nabelschnur um seinen Hals gelegt und das beseitigte die letzten Zweifel.

Die Geburt – ganz ähnlich und doch ganz anders

Diese Geburt war vom Ablauf her ähnlich, emotional für mich aber ganz anders. Ich wusste bereits, was mich erwartet und das OP-Team war gut drauf und scherzte, alberte herum. Wir lachten viel und hatten Spaß. Obwohl mir das die kleine Angst, die noch da war, nahm, empfinde ich es im Nachhinein doch irgendwie als doof – als würde man während eines Gottesdienstes herumalbern. Irgendwie hat mir das die feierliche Stimmung versaut.

Als ich meinen zweiten Sohn im Arm hielt, blieb der überwältigende Hormon-Tsunami, den ich beim ersten Kind gespürt hatte, aus. Vielleicht lag es an der komischen Stimmung im OP, aber das Kind war da, es war gesund und das war gut so. Ganz matter-of-factly. Ich war froh und erleichtert, ihn endlich wohlbehalten auf der Welt begrüßen zu können, aber ohne die ganzen Tränen und die emotionalen Höhen und Tiefen.

Mein Kaiserschnitt und ich_Bild 2

Zwockel und Mama

 

So unterschiedlich, wie ihre Geburten

Ein bisschen schade fand ich das – aber ich hatte es ja beim ersten Kind erlebt und meiner Liebe zu beiden tut das bis heute keinen Abbruch. Ich habe zwei völlig normale, gesunde Söhne, die beide keinerlei Kaiserschnitt-Traumata aufweisen. Beide sind charakterlich so unterschiedlich, wie ihre Geburten.

Ich bin dankbar, dass es ihnen gut geht und bin nur noch ab und zu ein kleines Bisschen neidisch auf Frauen mit Wehen und natürlicher Geburt!

3 Antworten
  1. Nadine Hoppmann
    Nadine Hoppmann says:

    Dankeschön für diesen tollen Beitrag. Bei mir war es ähnlich. Ich hatte auch zwei Kaiserschnitte und ich könnte kein innigeres Verhältnis zu ihnen haben . Lg Nadine von nadinegluckymom.com

    Antworten
    • Tanja Chaos
      Tanja Chaos says:

      Ich denke, jede Geburt ist einzigartig und man hat immer Gründe für einen Kaiserschnitt. Aus Jux und Dollerei lässt sich keine den Bauch aufschneiden!

      Antworten
    • Tanja Chaos
      Tanja Chaos says:

      Und Kaiserschnittgeburten können halt auch schön sein. Dein Artikel ist auch ganz toll, freue mich, den zu teilen!

      Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.