Mutternervenvernichtungs-Methoden: Wie man Mama in den Wahnsinn treibt

Mutternervenvernichtungs-Methoden

Erwähnte ich, dass ich gleich wahnsinnig werde?

Also, wahrscheinlich nicht wirklich. Aber es fühlt sich schon so an.

Natürlich liebe ich meine Söhne und es sind halt Kinder und noch klein und so. Aber manchmal… Ich schwöre euch, manchmal, liebe Krümler und Krümlerinnen, Chaotinnen und Chaoten, manchmal wünsche ich mich auf die Großbaustelle zurück.

Dort, zwischen Baggern und Lastwagen, zwischen Gehämmer, Gebohre und Geschrei, zwischen all den lauten Männern, den vielen wirklich lauten Baustellenfahrzeugen, den Presslufthämmern, den platzenden Reifen an der benachbarten LKW-Tankstelle (Jede Woche! Jede Woche wieder!), dort zwischen dem Gebimmel, Gehupe, Geklingel, Geklopfe und Gepiepe… Ja, dort war es, verglichen mit unserer derzeitigen Wohnsituation wie im f*cking Wellness-Retreat!

Ich schwöre, ich übertreibe nicht. Oder nur ein kleines Bisschen.

Die Situation: Lagerkoller

Locke war zu Beginn der Woche im Krankenhaus. Was nur ein ambulanter Routine-Eingriff werden sollte, bescherte uns einen zweitägigen Krankenhaus-Aufenthalt. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Er wurde am Bauch(nabel) operiert und soll sich nun schonen. Tobeverbot. Das kommt natürlich super an bei einem Vierjährigen, der noch dazu einen sehr quirligen kleinen Bruder hat. Tobeverbot kommt für Zwockel gar nicht in die Tüte. Nach seiner OP im letzten Jahr – da war er erst eins – mussten wir ihn in einen Laufstall sperren, den er uns dann zerlegt hat vor lauter Energie.

Nein, Tobeverbote sind hier wirklich schwer einzuhalten. Es ist ein wenig, als seien die Kinder kleine Wasserflaschen auf zwei Beinen, die man kräftig geschüttelt hat und die nun stark unter Druck stehen. Die Energie will raus! Nur wohin?

Sie. Machen. Mich. Wahnsinnig.

Mutternervenvernichtungs-Methoden und dann auch noch Regen

Tobeverbot – und dann regnets auch noch…

Nun habe ich also zwei kleine Männlein um mich herum. Ich arbeite im Homeoffice und eigentlich läuft das gut. Der eine ist eh schon aufgedreht und lebhaft, hat sich aber normalerweise damit arrangiert, dass die Mama vormittags zwar da ist, aber eben am Computer sitzt.

Normalerweise. Denn nun ist ja der Bruder, der sonst im Kindergarten weilt, zuhause. Also: Lebhaftigkeit auf Level 200 hochgedreht. Der kleine Mr. Tausendvolt flippt aus vor Freude! Und dreht so seinen Bruder mit auf. Dem ist eigentlich gar nicht so nach Ausgelassenheit zumute, denn er wurde operiert und ist noch nicht so ganz auf dem Damm. Aber auch er wird seine Energie nicht los und noch dazu vom kleinen Bruder an- und aufgestachelt, das ganz paart sich dann mit einer gewissen Nöligkeit.

Das Paradies. Ich sag’s euch!

Drei Mutternervenvernichtungs-Methoden

Mit nur drei ausgeklügelten Mutternervenvernichtungs-Methoden treiben sie mich in den Wahnsinn, oder versuchen es zumindest eifrig:

Erstens: Stete Wiederholung höhlt den Nerv

„Darf ich heute Abend ein Sänswisch (Sandwich) essen?“ – „Ja.“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Ja!“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Jahaaa.“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Ja doch!“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Jaaahaaa!“
„Darf ich heute Abend ein Sänswisch essen?“ – „Grmpffffssssmsss…“

Ist aber tageszeitunabhängig.

„Mama. Wann kommt Papa?“ – „Ungefähr in einer Stunde.“
„Wann kommt Papa?“ – „Ungefähr in einer Stunde.“
„WANN. KOMMT. PAPA?“ – „In ungefähr 59 Minuten.“
„Mammmaaaaaa? Wann kommt denn Papa?“ – „In 59 Minuten.“
„Du Mama? Wann kommt denn der Papa?“ – „In 59 Minuten!“
„Das hast du aber vorhin schon gesagt!“ – „Die Minute ist auch noch nicht vorbei!“
„Wann kommt Papa?“– „In 58 Minuten.“
„Ha!“

Die wiedergegebenen Dialoge sind natürlich gekürzt! Bitte ein beliebiges Thema einsetzen. „Wann gibt es Abendbrot?“ oder „Wann ist Freitag?“, zum Beispiel.

Stellt euch dazu den Zwockel im Hintergrund vor, der konstant wahlweise

  • schreisingt,
  • spaßkreischt,
  • Mama, Mama, Mama, Mama, Mama, Mama ruft oder
  • mit einem beliebigen Spielzeug auf ein beliebiges Möbel kloppt.
Zweitens: Hü-und-Hott, Hott-und-Hü

„Mama! Heute Abend möchte ich Nudeln.“ Freut sich über wenig Arbeit.
„Mama? Bekomm ich heute Abend Kartoffeln?“ – „Du wollteste doch Nudeln?“

„Nee, jetzt will ich Kartoffeln.“ Bittet den Mann, Kartoffeln auf dem Heimweg mitzubringen.
„Mama? Wann gibt’s die Nudeln?“ – „Du wolltest doch Kartoffeln?“
„Jetzt will ich Nudeln.“

Freut sich, fragt aber nochmal kurz vorm Essen nach.

„Wirklich Nudeln?“
„Jaaaaa! Nudeln! Nudeln!“
Kocht Nudeln, deckt den Tisch.
„ICH ESS DAS NICHT! ICH WOLLTE KARTOFFELN!!!!!!!! WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!“

Oder:

„Kann ich ein Hörspiel hören?“ – „Klar, Rabe Socke?“
Zwockel im Hintergrund mit 100 Dezibel: „Rabe! Rabe! Rabe! Rabe!“
„Ja!“

Macht Rabe Socke an. Geschrei, Gekreisch, Gebrüll, als würde das Kind lebendig gehäutet.

„Was ist los?“
„ICH WOLLTE NICHT RABE SOCKE HÖREN!!!!!“
– „Ich hab dich doch gefragt!“

„Ich will die Piratengeschichten!“
– „Okay!“
Zwockel im Hintergrund mit 100 Dezibel: „Rabe! Rabe! Rabe! Rabe!“

Nach zwei Minuten: Gebrüll, als würde das Kind mit glühendem Eisen gefoltert.

„WAS ist los?“
„ICH WILL DOCH RABE SOCKE HÖREN!!!!!“
Zwockel – brüllt jetzt auch – „Pirat! Pirat! Pirat! Pirat! Pirat! Pirat!“

Ich beschließe, dass die Herren nun erst die Piratengeschichten und dann Rabe Socke hören dürfen. Geschrei. Die Kinder rufen Amnesty International wegen Verletzung ihrer Menschenrechte an. Ich werde nominiert zur SMdU, der Schlechtesten Mutter des Universums.

Drittens: Der Spielzeug*-Wäsche*-Tsunami

Den Vormittag geschafft und wider Erwarten doch noch produktiv gewesen, geht es nun auf den Nachmittag zu. An dem habe ich mehr Zeit für die Jungs. Draußen regnet es, der geplante Spaziergang ist also abgesagt. Nun kommen wir zur Paradedisziplin der Mutternervenvernichtungs-Methoden.

Natürlich muss ich nun auch was im Haushalt tun. Die Spülmaschine räumt sich nicht von alleine aus, die Wäsche will zusammengelegt werden und die Staubmäuse und Krümel gejagt. Die Arbeitsplatte und der Tisch im Wohnzimmer kleben schon wieder, die Fenster sehen verboten aus. Das Bad muss dringend mal geputzt werden, die Windelbeutel weisen mit dezentem Geruch darauf hin, dass sie in die Mülltonne möchten und Abendessen will auch noch gekocht werden.

Klingt, als könnte mir zwischendurch langweilig werden? Aber nicht doch. Kaum ist der Tisch abgewischt, kramt Zwockel von irgendwoher einen Lutscher raus, den die Kinder sich teilen. Natürlich fassen sie ihn nicht am Stil an, ach woher! In Nullkommanix klebt wieder alles, jetzt auch im Flur.

Die Wäsche zusammengelegt. Nicht gerad mein Lieblings-Hobby… Alles liegt in ordentlichen Stapeln auf dem großen Bett. Der Postbote klingelt an der Tür. Ein Paket angenommen, ein kurzes Pläuschchen. Ich komme zurück ins Schlafzimmer. Auf dem Bett hüpfen die Kinder (trotz des Tobeverbots!) die Wäsche liegt in nicht mehr so ordentlichen Stapeln neben dem Bett.

Mutternervenvernichtungs-Methoden: Spielzeugtsunami

In Nullkommanix ist alles wieder chaotisch.

Eine halbe Stunde später ist die Wäsche – ich war diesmal schlauer – direkt einsortiert. Ich begebe mich ins Wohnzimmer und räume das Spielzeug vom Boden in die Kiste, denn hier soll der Lotte, der Saugroboter (God bless the Saugroboter!), sein Werk verrichten.

Im Kinderzimmer ist es verdächtig still. Ich gehe vorsichtshalber mal gucken: Die geliebten Söhne haben sämtliche Wäschestücke aus dem Schrank gekramt und sie in der Mitte des Zimmers in einen „tollen Tobeberg“ (Tobeverbot, herrgott nochmal!) verwandelt.

Nach einem klitzekleinen Wutanfall lege ich die Sachen zum dritten Mal zusammen und räume sie zum zweiten Mal in die Schränke. Als ich ins Wohnzimmer komme, ist der Inhalt der Spielzeugkiste bereits überall verteilt, der Saugroboter blinkt und hustet, weil er sich an einem kleinen Spielzeugteil verschluckt hat…

Ich weine leise und biete den Kindern an, ihnen etwas vorzulesen. Wir kommen genau eine Seite weit, da kreischt es „Dürfen wir fernsehen?“

Ich gebe auf.

Feuerwehrmann Sam ist unser Mann!

 

*bitte beliebige, soeben auf- oder weggeräumte Gegenstände einfügen
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