Too much Ordnungsliebe? Mein innerer Monk und ich.

Teller in der Spülmaschine - Ordnungsliebe

Guten Tag. Mein Name ist Tanja und ich habe einen inneren Monk. Ein Teil von mir ist sehr strukturiert und giert nach Ordnung. Dabei ist es nicht so, dass von Natur aus so bin. Wer mich kennt – und ich meine wirklich kennt – weiß, dass es wohl keine größere Chaotin gibt, als mich. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es mir im Alltag hilft, ordentlich und strukturiert zu sein. Ich habe mir angewöhnt, immer alles, was ich nicht mehr brauche, wieder an seinen Platz zurückzulegen.

Ich mag keine Unordnung

Chaos mag ich eigentlich nicht – es macht mich unruhig und Unordnung verwirrt mich. Das hat bei mir konkrete Auswirkungen, auf meine Laune zum Beispiel. Ist es extrem unordentlich um mich herum, werde ich gereizt und bin angespannt. Entspannen und abschalten fällt mir schwer.

Also habe ich mir irgendwann angewöhnt, sehr ordentlich zu sein. Mein Sinn für Ordnung geht aber so weit, dass die Teller in der Spülmaschine richtig herum, mit dem Dekor zur Seite eingeräumt werden müssen. Die zweiteilige Gardine hängt nicht exakt gleich auf beiden Seiten? Dann zuppel und ziehe ich so lange daran herum, bis ich zufrieden bin. Anders lässt mir das keine Ruhe. Mein Mann nennt mich deshalb, in Anlehnung an The Big Bang Theorie, zärtlich seine kleine Sheldoline, denn in Sachen Pingeligkeit könnte ich Dr. Sheldon Cooper jederzeit das Wasser reichen.

Bällebad in Ordnung gebracht

Wenn man mich mit dem Bällchenbad spielen lässt…

Und dann kamen die Kinder…

Als ich schwanger mit Locke war, war mir bewusst, dass mich das Leben mit Kind in jeder Hinsicht, so auch in dieser, herausfordern würde. Locke war nun aber ein sehr ruhiges Kind, das selten wild das Spielzeug verstreute. Hinter ihm auszuräumen fiel mir leicht. Es wurden gewisse Regeln aufgestellt („Kein Spielzeug im Flur!“ oder „Kein Spielzeug in der Küche!“) und ich konnte mit seinem Kinder-Chaos leben. Mal mehr, mal weniger – aber immer moderat, die Unordnung. Zum Abend hin räumte ich alles auf und konnte so den entspannten Abend genießen.

Dann war im Kindergarten Elternsprechtag. Locke sei soweit altersgerecht entwickelt, bei der Deutlichkeit der Aussprache ist noch Luft nach oben, klar, war ja auch noch klein. Kein Grund zur Besorgnis!

Ein Mini-Sheldon?

„Aber sagen Sie mal“, sprach mich die Erzieherin an. „Ist Locke zuhause auch so pedantisch? Hier ist es oft so, dass bestimmtes Spielzeug in einer Reihe stehen muss und nicht durcheinander gebracht werden darf. Macht er das zuhause auch?“

Das wunderte mich, denn ein solches Verhalten hatte er zwar, bevor sein Bruder kam, ein paar Mal an den Tag gelegt, aber es hatte sich sehr gebessert. Zwangsweise – denn der kleine Bruder kümmert sich nicht um Ordnung und walzt durch den Spielzeugwald wie eine Mini-Planierraupe: Was im Weg ist, wird gnadenlos weggeschoben, aufgehoben oder zur Seite gekickt.

Der Ehemann und ich sind für extremes Verhalten bar jeder Normalität sensibilisiert, denn der Mann arbeitet beruflich mit autistischen Kindern. Da kennt er so manch fixiertes Verhalten und auch so mache Verhaltensweise, die sich nach extrem sheldonesquen Regeln richtet. Bei unserem Sohn hatten bisher noch keine Alarmglocken geklingelt, alles war im Rahmen.

„Ich glaube, das hat er von mir!“, dämmerte es mir und mir wurde nahe gelegt, zuhause etwas flexibler zu werden.

Ich und mein Monk

Nach dem Mittagessen dachte ich nach, während ich das Geschirr in den Geschirrspüler räumte. Schnell die Teller richtig herum gedreht während ich überlegte, ob ich Lockes Verhalten, das noch lange nicht besorgniserregend – aber auffällig war – irgendwie beeinflusst hatte. Als ich die Kinderküchen-Utensilien (beide Jungs sind begeisterte Köche) wieder einräumte, alles an seinen Platz, fiel mir auf, dass ich das vielleicht gar nicht tun müsste. Soooo schrecklich chaotisch war es doch vorher gar nicht gewesen, oder?

Kinderküche in Ordnung

Die Kinderküche – vorher und nachher.

Ich beschloss, den Ehemann abends darauf anzusprechen, ging ins Wohnzimmer und räumte die Duplosteine in die „Duplo-Tonne“, die Autos in die „Auto-Kiste“ und die übrigen Spielsachen in die „Kramkiste“. Fällt meinem Sohn das wirklich auf? Er ist seit jeher ein guter Beobachter und er bekommt viele Dinge mit, über die er dann viel nachdenkt. „Beobachtet er mich so gut, dass er mich nachahmt?“, überlegte ich, während ich die Gardine zurechtzupfte, die nicht wirklich mittig am Fenster hing.

Konnte es wirklich daran liegen? Oder war es für Locke eher so, dass er die Struktur, die er hier zuhause gewohnt war, und die Zwocki ihm völlig verpfuschte, im Kindergarten – seinem Lieblingsort – wieder aufbauen wollte? Hier zuhause war das nicht mehr möglich, vielleicht versuchte er, sein Stückchen Sicherheit und Ordnung in die Spielgruppe mit hineinzunehmen.

Sich selbst reflektieren

Vielleicht ist es ein Stück von beidem. Ich werde mich ab jetzt jedenfalls zusammenreißen und auch mal Fünfe gerade sein lassen. Die Gardine komisch hängen lassen. Vielleicht dreh ich sogar mal nen Teller in der Spülmaschine mit dem Dekor nach oben…

Ich finde es immer wieder wichtig innezuhalten und sich selbst zu beobachten. Sich selbst zu bewerten, Meinungen von außen zuzulassen und zu sehen, was man besser machen kann und was anders. Ich kann und werde meinem Kind nichts vorspielen und ich werde mich selbst nicht völlig umkrempeln – Mama ist eben Mama, ich bin ich – aber vielleicht rücke ich mich selbst mal ein bisschen zurecht.

Aber entschuldigt mich nun bitte, ich muss in die Küche, in der Spülmaschine steht ein Teller verkehrt herum.

Mein Monk rebelliert.

2 Antworten
  1. Joyce
    Joyce says:

    Liebe Tanja,

    ich kann dir absolut nachfühlen. Mir geht es sehr ähnlich. Mich beruhigt Ordnung auch sehr und ich kann beim Aufräumen entspannend. Aber auch ich muss mich immer mehr daran gewöhnen, dass 24-Sunden-Ordnung auch ohne Kind anstrengend und utopisch ist. Und ja, unser Kleiner ist teilweise auch jetzt schon sehr auf Ordnung bedacht. Lass uns versuchen gemeinsam etwas entspannter zu sein 😉

    Antworten
    • Tanja Chaos
      Tanja Chaos says:

      Man gewöhnt sich dran – manchmal bin ich entsetzt, wie es hier aussieht! Aber ich lerne jeden Tag, ein Mittelding zu akzeptieren. 😉 Geht ja nicht anders!

      Antworten

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