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Waschen mit Efeu

Ein weiteres Waschmittel aus der Natur

Erinnert ihr euch an mein herbstliches Waschexperiment mit Kastanien? Ich war ja schon ziemlich begeistert davon. Jetzt, ein gutes halbes Jahr danach, wasche ich zwar noch immer nicht ausschließlich mit dem Kastanienpulver, aber ich nutze es regelmäßig. Besser, als zu 100% auf das chemische Waschmittel zurückzugreifen, oder?

Vorteile von Efeu als Waschmittel

Im Büchlein Naturwaschmittel aus Wald und Wiese von Gabriela Nedoma wird nun auch der Efeu als Waschmittel empfohlen. Das wollte ich natürlich ausprobieren!

Was sind die Vorteile von Efeu-Waschmittel? Vom Umwelt-Aspekt mal abgesehen, ist der Efeu, anders als die Rosskastanie, ganzjährig verfügbar, auch wenn die Blätter im Sommer die meisten Seifenstoffe enthalten. Efeu ist immergrün und wächst auch im Winter an Mauern und Wänden. Hedera helix, so der lateinische Name, gibt vielen Tierchen ein Zuhause und kann klimaneutral gesammelt: Natürlich sollt ihr nicht die ganze Mauer abernten. Am besten eignen sich die dunklen Blätter und die Beeren, denn sie sind reich an Saponinen.

Waschmittel aus Efeu sollte vornehmlich für dunkle Kleidung verwendet werden, da die Inhaltsstoffe die Farben vor dem verblassen schützen. Der geruchsneutrale Efeu eignet sich besonders für Menschen mit Allergien und sensibler Haut, denn er ist hautverträglich und hypoallergen.

Sammeln und trocknen

Das Sammeln der Efeublätter ist einfach, ihr könnt sie mit der Hand abpflücken oder mit einer Schere abschneiden – wer keine Spinnen und sonstiges Krabbelgetier mag, ist hier leider etwas im Nachteil, denn Efeuhecken sind ein wahres Insekten- und Krabbeltierparadies.

Danach sollten die Blätter abgewaschen werden, um Staub, Dreck und eventuelle Schadstoffe zu entfernen. Anschließend müssen die Blätter getrocknet werden – hört sich simpel an, ist aber nicht ganz so einfach: Die Blätter legt ihr am besten an ein sonniges Plätzchen – je sonniger, desto schneller sind sie trocken.

Die Blätter müssen ausgebreitet sein, fliegen aber schon beim kleinsten Windstoß davon, also solltet ihr sie mit einem Gitter, Netz o.ä. sichern, wofür ihr schon etwas Platz braucht. Bei mir hat es elend lange gedauert, bis die Blätter endlich richtig trocken waren.

Ist das geschafft, verarbeitet ihr die Blätter zu Pulver weiter, indem ihr sie im Mixer winzig klein häckseln lasst. Ihr werdet sehen: Aus einer riesigen Schüssel Efeublätter ist ein klitzekleines Häufchen Pulver geworden – aber da Efeu ja überall wächst wie Unkraut, könnt ihr schnell noch etwas nach machen.

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Efeupulver.

Waschen mit Efeu

Das Efeupulver hält sich in einem gut verschlossenen Glas mehrere Jahre. Zum Waschen füllt ihr den Efeu einfach in ein kleines Stoffsäckchen oder eine Socke. Gut zubinden und ab damit zur dunklen Wäsche. Das Pulver könnt ihr noch einmal wiederverwenden. Bei hartem Wasser wird empfohlen, noch 50 ml Naturessig ins Waschmittelfach zu geben.

Waschergebnis

Wie auch beim Kastanien-Waschmittel wasche ich lediglich leicht verschmutzte Kleidung mit dem Efeu-Pulver. Ein Joghurt-Fleck auf einem Pulli würde beispielsweise auch nur mit Wasser rausgehen, ich möchte aber natürlich schon eine antibakterielle bzw. antimikrobielle Wirkung haben, damit Bakterien keine Chance haben und die Wäsche nicht riecht.

Stark verschmutzte, hygienisch bedenkliche Kleidung (Stichwort: Windelunfall!) oder Unterwäsche wird bei mir generell separat und mit richtigem Waschmittel plus Hygienespüler gewaschen.

Die Wäsche (Bettwäsche und dunkle Kleidung) ist sauber geworden und riecht neutral. Die Wäsche ist angenehm zu tragen, im Vergleich zum Kastanienpulver aber weniger weich. Das Weichspüler-Gefühl, das die Wäsche nach dem Waschgang mit den Rosskastanien mitbrachte, fand ich schöner.

Ist denn Efeu nicht giftig?

Was genau heißt nun giftig? Giftig bedeutet, dass der Körper durch Kontakt oder Aufnahme des jeweiligen Stoffes Schaden nimmt.

Efeu ist ganz einfach keine Esspflanze. Blätter und besonders die Beeren sind ungenießbar, sie schmecken bitter und seifig – ein Frühwarnsystem der Natur, das sagt: Lass es bleiben! Iss mich nicht! Und klar, wer allergisch gegen Efeu – genauer: den Pflanzensaft – ist, wird der immergrünen Kletterpflanze auch lieber fern bleiben.

Unser gewöhnlicher Efeu ist eine Naturarznei, und war sogar Arzneipflanze des Jahres 2010. Wird er gegessen oder zu hoch dosiert, kann er jedoch Krämpfe, Koliken und Durchfall auslösen – daher sollte er nur von kundigen Personen als Arznei angewendet werden. Vom Waschpulver sollte aber, sofern keine Allergie vorliegt, keinerlei Gefahr ausgehen. Wenn ihr es nicht futtert…

Der hier heimische Efeu hat allerdings einen ordentlich giftigen Namensvetter: Den Eichenblättrigen Giftsumach (Toxicodendron pubescens) oder Giftefeu, der aber in Mitteleuropa so gut wie nicht zu finden ist. Der ist mit unserem Efeu aber nicht verwandt. Giftsumach ist in Nordamerika zuhause und löst bei Berührung durch ein Kontaktallergen starke Verbrennungen auf der Haut aus.

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