Waschmittel selber machen – aus Rosskastanien

Ein Experiment

In diesem Herbst las ich auf einmal überall davon, dass man Waschmittel selbst herstellen könne. Gab es diese Tipp schon immer und ich hatte sie bisher nur überlesen? Hatte es etwas mit dem Ergebnis des Waschmitteltests der Stiftung Warentest zu tun? Oder lag es daran, dass sich meine Informationsblase stetig wandelt und mir deshalb nun umwelt- und familienfreundliche Wege, mein Leben zu leben aufgezeigt werden? Egal, denn mein Interesse war geweckt!

Waschen mit frischen Rosskastanien

Ich begann, Rosskastanien zu sammeln. Zuerst nur ein paar wenige, 10-15 Stück, um das Ganze einmal auszuprobieren:

Für Teil-Experiment Nr. 1 wurden die Kastanien abgewaschen und in kleine Stücke geschnitten. Dann kamen sie in einem Wäschebeutel (ich habe einen Fregie® benutzt, dazu später mehr). Nun habe ich das Beutelchen mit zur Wäsche in die idealerweise nur bis zu 2/3 gefüllte Waschtrommel gelegt und los ging’s. Ich habe einfach das normale Waschprogramm (Eco-Modus, nicht das Schnellprogramm) eingeschaltet und wie gewohnt gewaschen.

Und was soll ich sagen: Die Wäsche ist sauber geworden, riecht absolut neutral (wer jetzt total auf den Geruch von Waschmittel oder Weichspüler steht, hat leider Pech gehabt) und ist angenehm weich. Man kann den Waschbeutel mit ein und derselben Kastanienfüllung bis zu drei Mal wiederverwenden, das sollte man aber schnell tun – denn Kastanien schimmeln schon nach kurzer Zeit!

Das zweite Teil-Experiment habe ich mit flüssigem Kastanien-Waschmittel gemacht: Dazu einfach 10 – 15 Kastanien klein schneiden und mit einem Liter Wasser aufgießen. Ihr werdet sehen, dass sich das Wasser sofort verfärbt und eine Seifenlauge entsteht. Nun habe ich die Kastanienstücke mit einem starken Stabmixer püriert und das Ganze dann 1 Stunde stehen lassen. Die Seifenlauge sieben und dann filtern (durch ein Baumwolltuch oder einen sehr feines Teesieb gießen) und fertig ist das Flüssigwaschmittel! Einfach direkt in die Trommel zur Wäsche schütten (bitte nicht ins normale Waschmittelfach) und das Programm wie gewohnt einschalten. Die herausgefilterten Kastanienstücke kann man übrigens noch bis zu drei Mal wiederverwenden, so konzentriert sind die Seifenstoffe!

Kastanien-Waschpulver hält bis zu einem Jahr

Die oben beschriebenen Waschmöglichkeiten, die unsere Kastanie bietet, gehen schnell und einfach – sind aber nur möglich, wenn die Kastanien frisch von den Bäumen plumpsen. Denn schon nach wenigen Tagen werden sie schrumpelig und verlieren damit auch ihre natürliche Waschkraft. Es gilt also, die schlauen Baumfrüchte, eigentlich Samen, schnell zu verarbeiten.

Waschpulver herzustellen, das länger hält, ist etwas aufwändiger. Dazu werden die Kastanien, wie bereits oben beschrieben, klein geschnitten. Dann müssen sie in einen starken Mixer, um sie so fein wie möglich zu mahlen. Das habe ich mit dem kleinen WMF-Smoothie-Maker ganz gut hinbekommen, da dieser aber klein ist, muss man viele kleine Teilmengen hineinfüllen. Das ist natürlich etwas zeitintensiver – aber funktioniert, denn die Kastanien hat er sehr fein gehäckselt! In einem zweiten Durchlauf habe ich es mit dem Thermomix  einer Freundin (Danke Mareike!) versucht: Hier konnte man die ganze Menge, immerhin fast ein Kilo, direkt in 20 Sekunden kleinhacken lassen, jedoch blieben die Stücke recht grob – etwas länger und ich hätte Kastanienmus gehabt, was ich auch nicht unbedingt wollte. Beide Küchenmaschinen waren okay, es muss ja kein sprichwörtliches Pulver sein.

Die gehäckselten Kastanien müssen nun getrocknet werden. Wie oben erwähnt, sind Kastanien sehr schimmelanfällig und darum muss das Kastanienhack wirklich sehr trocken sein. Das kann, je nach Wärme- und Wetterlage, schonmal einige Tage dauern. Im Schnitt haben meine Kastanien, auf Blechen und Tüchern ausgebreitet, 2 volle Tage gebraucht.

Das getrocknete Kastanien-Waschpulver kann nun in (sterile!) Gläser gefüllt werden. Das hält sich ein gutes Jahr, wenn nicht länger. Nun gebt ihr einfach ca. 50 Gramm in eine Socke (und wenn wir etwas haben, dann sind es einzelne Socken!), knotet sie zu und legt sie zur Wäsche. Diese auch diese gefüllte Waschsocke könnt ihr bis zu drei Mal hintereinander benutzen. Nur bitte daran denken: Zügig! Sonst schimmelt der Inhalt!

Die asiatische Waschnuss

In Deutschland gibt es tatsächlich viele natürliche, heimische Waschpflanzen. Das Wissen darum scheint fast ausgestorben zu sein. Die hier beschriebene Rosskastanie ist nur eine davon – und wir werden in den nächsten Wochen noch weitere Natur-Waschmittel zum Selbermachen für euch testen.

Die in Asien beheimatete Waschnuss ist euch vielleicht eher ein Begriff. Als super-umweltfreundliche Alternative zum industriell hergestellten Waschmittel gab es vor einigen Jahren einen regelrechten Hype um das tolle Gewächs – mit einem großen Nachteil: Durch die große Nachfrage aus den westlichen Industrieländern verteuerte sich die Waschnuss in ihrer eigentlichen Heimat um ein vielfaches und die Menschen dort konnten sie sich nicht mehr leisten – und nutzten fortan industriell hergestelltes, billigeres Waschmittel. Somit hat die Waschnuss keine ökologischen Probleme lösen, sondern nur verlagern können. Auf sowas muss man erstmal kommen!

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Und vor allem: Direkt unterm Kastanienbaum? Die Rosskastanie enthält natürliche Seifenstoffe: Der Hauptwirkstoff Aescin ist eine Mischung aus gut 30 Seifenstoffen, den Saponinen. Diese müssen nur herausgelöst werden, dafür werden die Früchte wie oben beschrieben, so gut wie möglich verkleinert. Waschpflanzen machen den Stoff, ganz ohne Zugabe von künstlichem Weichspüler, angenehm weich. Besonders gut eignen sich diese Bio-Waschmittel  für Allergiker und Leute, die unter Hautkrankheiten, wie zum Beispiel Neurodermitis, leiden.

Das Waschmittel ist für leicht bis mittel verschmutzte Wäsche. Stark verschmutzte Wäsche kann eingeweicht werden, mit Gallseife vorbehandelt oder zusätzlich mit Waschsoda (empfohlen werden 2 Esslöffel) gewaschen werden. Am besten geeignet ist das Naturwaschmittel für Wäsche bei 30 – 50 Grad, höhere Temperaturen können die Saponine zerstören.

Ich bin echt kein Öko-Warrior – aber mich hat das Kastanien-Waschmittel überzeugt und ich halte es nun so: Stark verschmutzte Wäsche und „Windelunfall-Opfer“ werden nach wie vor mit herkömmlichem Waschmittel und Hygienespüler gewaschen. Handtücher und sonstige Kochwäsche werden auch gewaschen wie zuvor. Leicht und mittelmäßig verschmutzte Wäsche wasche ich jedoch ab jetzt mit meiner Kastanien-Socke. Ich finde, wenn ich nur einen Teil meines üblichen Waschmittels einsparen kann, ist das ja schonmal besser, als nichts.

Hier nochmal die Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Vorteile:

  • Sehr umweltfreundlich: Nur 1 Kilogramm Rosskastanienpulver kann bereits den Jahresbedarf einer Person an Waschmittel decken und ersetzt bis zu 8 Kilogramm herkömmliches Waschmittel.
  • Sehr hautfreundlich: Rosskastanien eignen sich auch zur Herstellung von Shampoo und Duschgels. Das in den Früchten enthaltene Allatoin wirkt beruhigend und regenerierend auf die Haut
  • Natürlicher Weichspüler: Weichspüler sind in den letzten Jahren zunehmend in der Kritik. Einmal enthalten sie Stoffe, die nicht biologisch abbaubar sind und belasten so die Umwelt. Die darin enthaltenen Weichmacher sollen außerdem für die Gesundheit nicht zuträglich sein: So stehen sie in Verdacht Allergien auszulösen. Auch haben bestimmte Substanzen sich in Tierversuchen als krebserregend herausgestellt – dazu habe ich aber keine verlässlichen Informationen finden können (wer welche hat, gerne nachreichen).
  • Kostenlos: Kastanien sammeln mit den Kinder, Kastanienmännchen basteln und dann einen Teil für Waschmittel abzweigen – das Sammeln kann man also zur Familienaktivität ausdehnen. Rosskastanien gibt es fast überall. Warum nicht das Ganze mit einem schönen Waldspaziergang verbinden?

Nachteile:

  • Sehr aufwändig! Nicht nur das Sammeln, aber auch schneiden, pulverisieren und trocknen der Kastanien nimmt schon einiges an Zeit in Anspruch. Zudem benötigt man einen starken Mixer, der die kleinen Scheisserchen auch wirklich gut zerkleinert.
  • Krümel! Überall liegen Kastanien-Krümel herum! Egal, wie man sich anstrengt, irgendwo cruncht immer ein Kastanien-Stückchen unterm Fuß. Wer eine Outdoor-Küche hat, ist hier ganz klar im Vorteil!
  • Saisonal abhängig: Kastanien sind im Herbst reif. Wenn ihr im Frühling Rosskastanien-Waschpulver braucht oder herstellen wollt, guckt ihr in die Röhre!
  • Geringe Haltbarkeit: Frische Kastanien (oder Kastanien-Pulver), die zum Waschen genutzt wurden, also feucht sind, sollten zügig wiederverwendet werden, denn Kastanien finden schimmeln offensichtlich schick und können es gar nicht erwarten, sich ein blau-grünes Pelzkleid überzuziehen. Auch das flüssige Waschmittel sollte noch am selben Tag verbraucht werden.

Buchtipp:
Wer es genauer wissen möchte, kann sich zum Nachlesen das Büchlein „Naturwaschmittel aus Wald und Wiese“ von Gabriela Nedoma bestellen, das hier, neben dem Internet, als Quelle hergehalten hat. Das gibt es für schmales Geld hier. Darin findet ihr alle Informationen und Rezepte (u.a. auch für Shampoos, Duschgels und sogar Geschirrspülmittel) rund um die Rosskastanie und andere Naturwaschmittel!

3 Antworten
  1. joyfulia.com
    joyfulia.com says:

    Lieben Dank für euren praktischen Beitrag.

    Ich stöbere schon länger auf eurem interessanten Weblog.
    Und heute musste mich mal ein kurzen Kommentar schreiben und ein „Danke“ hinterlassen.

    Macht genauso weiter, freue mich bereits jetzt schon auf den nächsten Beitrag

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] ihr euch an mein herbstliches Waschexperiment mit Kastanien? Ich war ja schon ziemlich begeistert davon. Jetzt, ein gutes halbes Jahr danach, wasche ich zwar […]

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