Sandra: „Wir beide, wir sind glücklich zusammen.“

Schwanger mit 18, alleinerziehend – und doch alles richtig gemacht

Vater, Mutter, Kind – das ist die übliche Vorstellung von einer Familie. Doch natürlich gibt es immer mehr Ein-Eltern-Familien, meist Mütter, die alleinerziehend sind. Vor einiger Zeit las ich den Artikel „Ich schaffe das nicht, Frau Merkel“ von Mama arbeitet bei Facebook.

In den Kommentaren häuften sich die (gerechtfertigten) Klagen, wie schwer der Alltag für Alleinerziehende ist. Und dann war da eine, die viel positiver als die meisten klang: „Aber – trotz allem – gibt es auch so viel Schönes!“ Sandra stach damit so aus der Masse der Kommentare heraus, dass ich sie anschrieb und ein Interview mit ihr vereinbarte. Dass es hart ist, alleinerziehend zu sein, daraus macht Sandra keinen Hehl. Aber trotzdem ist sie glücklich:

Mein Name ist Sandra, ich bin 23 Jahre alt und alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Sohnes. Ich bin mit 18 schwanger geworden. Mit dem Vater war ich damals bereits fünf Jahre lang zusammen, aber es war keine glückliche Beziehung. Es gab Höhen und Tiefen – und die Tiefen waren leider in der Überzahl. Von dem Moment an, als ich wusste, dass ich schwanger bin, bis mein Kind ein Jahr alt war, musste ich um die Beziehung kämpfen – auf verlorenem Posten, denn ich war die Einzige die kämpfte.

Selbst bei der Geburt allein

Bereits in der Schwangerschaft musste ich mich allein um alles kümmern: Kinderwagen, Babyzimmer – alles war meine Baustelle. Selbst bei der Geburt war ich allein. Leider war ein Kaiserschnitt notwendig und ich war bereits in der Nacht vor dem Termin in der Klinik. Zum Glück, denn in der Nacht platzte die Fruchtblase. Als meine Beinahe-Schwiegermutter, die eigentlich dabei sein wollte, kam, lag ich bereits in Vollnarkose.

Als mein Sohn ungefähr ein Jahr alt war, trennte ich mich dann von meinem Freund. Ich zog zu meinen Eltern und nahm mir drei Jahre Erziehungsurlaub. Eine Auszeit, die ich dringend brauchte, um alles zu verarbeiten und mein Leben neu auf die Reihe zu bekommen.

Vor zwei Jahren dann sind wir bei meinen Eltern ausgezogen, in eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung. Ich begann meine Ausbildung zur Assistentin für Ernährung und Versorgung, die ich zur Vorbereitung auf den Beruf als Familienpflegerin, den ich irgendwann ergreifen möchte, brauche. Mein Sohn kam in den Kindergarten, was eine große Erleichterung war, denn so weiß ich, dass er gut betreut ist, während ich in der Schule bin.

Unser typischer Alltag

Wie bei uns ein typischer Tag aussieht? Ich stehe um 5:30 Uhr auf, mache mich fertig und bereite das Frühstück vor. Um 6:30 Uhr wecke ich meinen Sohn und um 7 Uhr gehen wir los. Ich bringe ihn zum Kindergarten und fahre zur Schule. Ich mache eine schulische Ausbildung, das heißt, ich bin vier Tage in der Woche in der Schule und einen Tag im Betrieb. Weil ich mein Kind abholen muss, darf ich immer ein bisschen eher gehen. Um 15 bzw. 17 Uhr hole ich mein Kind ab und zweimal in der Woche geht es dann noch zur Frühförderung: Jeweils eine Dreiviertelstunde Logopädie und Ergotherapie.

Danach geht es nach Hause, und wenn es noch nicht allzu spät ist, gehen wir noch zusammen eine gute Stunde nach draußen, auf den Spielplatz oder so. Anschließend wird gekocht und danach wird auch nochmal ein wenig gespielt, wenn ich nicht gerade lernen muss. Gegen 20 Uhr geht der Kleine ins Bett, dann bringe ich den Haushalt in Ordnung oder lerne.

Es hat eine Zeit gedauert bis ich das alles im Griff hatte. Sehr oft hatte ich das Bedürfnis die Ausbildung einfach hinzuwerfen weil es mit Schule, Lernen, Kind und Haushalt einfach zu viel war und ich völlig überfordert war. Aber ich habe durchgehalten – und manchmal muss der Haushalt einfach warten.

Ich spiele alleine und du kommst nach

Natürlich hätte ich lieber mehr Zeit für meinen Sohn und auch für ihn war es am Anfang sehr schwer zu verstehen, dass Mama nicht immer mit ihm spielen oder kuscheln konnte, obwohl sie ja dann abends zuhause war. „Ich muss lernen, damit ich einmal einen guten Job habe und es uns mal besser geht“, erklärte ich ihm wieder und wieder. Inzwischen hat er es verstanden, das ist für mich eine große Erleichterung. „Dann spiele ich alleine und du kommst nach“, hat der Kleine letztens ganz verständnisvoll gesagt. Da war ich sehr stolz auf ihn.

Die Schwester meines Ex-Freundes ist Patentante und kümmert sich auch zwischenzeitlich um den Kleinen, wenn ich Prüfungsvorbereitungen habe, zum Beispiel. Überhaupt habe ich zur Familie des Papas ein gutes Verhältnis. Das ist mir auch sehr wichtig, denn der Kleine hängt an ihnen und er hat ja auch ein Recht auf diesen Teil der Familie. Sie unterstützen mich viel. Nur, weil das mit seinem Vater nicht geklappt hat, sollen weder mein Sohn noch seine Eltern leiden. Seine Mutter findet, ich hätte mir in der Beziehung mehr Mühe geben sollen und mehr kämpfen sollen, das führt manchmal zu Spannungen zwischen uns. Aber wir versuchen, das Kind das nicht merken zu lassen. Auch auf Familienfeiern verstehen wir uns gut – in erster Linie für meinen Sohn. Aber von einem Kleinkrieg hat ja niemand etwas.

Mein Sohn vermisst seinen Papa sehr

Mein Ex-Freund hat inzwischen eine neue Partnerin und mit dieser ein gemeinsames Kind bekommen. Um unseren Sohn kümmert er sich so gut wie gar nicht. Er zahlt keinen Unterhalt und auch erziehungstechnisch bin ich auf mich allein gestellt. Wir haben noch Kontakt und er betont immer wieder, wie gern er sich um seinen Sohn kümmern würde, aber dann kommt nichts. Das kennen wohl viele Mütter. Ich versuche, mich davon nicht runterziehen zu lassen. Natürlich regt mich das auch mal auf und ich schimpfe wild und bunt bei meinen Freundinnen über ihn. Aber was soll ich machen? Es ist, wie es ist und ich kann ihn ja nicht zwingen, sich um sein Kind zu kümmern.

Das Einzige, was mir wirklich weh tut, ist, wie sehr mein Sohn noch an seinem Papa hängt. Er war schon immer ein Papa-Kind und hat sehr unter der Trennung gelitten. Immer, wenn er mal bei seinem Vater zu Besuch war und zurück nach Hause kommt, gibt es Tränen und Geschrei, weil das Kind seinen Papa will. Ich versuche dann, ihm zu erklären, dass sein Papa sehr beschäftigt ist und leider nicht so viel Zeit für ihn hat, aber welches Kind kann das schon verstehen? Diese Abende sind die Hölle. Zu sehen, wie sehr er trotz allem an seinem Vater hängt ist immer hart für mich – auch wenn ich weiß, dass das so ist, weil er ihn eben kaum sieht. Zu sehen, wie mein kleiner Spatz leidet, macht mich hilflos und das tut mir so weh. Aber da kann ich ihn nur auffangen, ändern kann ich die Situation nun mal nicht.

Was ich ändern würde, wenn ich könnte

Wenn ich in der Zeit zurück gehen könnte, würde ich genau eine Sache ändern: Ich würde mich schon in der Schwangerschaft vom Papa trennen. Ich bin ja nach der Geburt noch ein gutes Jahr mit ihm zusammengeblieben, für das Kind – und was hat es gebracht? Nichts als Tränen. Wir hätten uns so eine Menge Stress erspart. Natürlich hätte ich ihn trotzdem teilhaben lassen, er ist schließlich der Vater – aber so hätte das Kind nicht unter der Trennung gelitten.

Irgendwann werde ich einen guten Job haben, um besser für uns sorgen zu können. Irgendwann, da bin ich mir ganz sicher, werde ich auch einen Partner finden, der sich nicht daran stört, dass ich ein Kind habe. Einen, der auch mich mal auffängt, der mich unterstützt und der meinem Sohn ein richtiger Vater ist.

Aber im Moment geht es nur um uns Zwei: um meinen Sohn und mich, um unser beider Leben, die wir auf die Reihe bekommen müssen. Da ist für einen Dritten kein Platz.

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Nicht perfekt, aber auch richtig

Meinen Sohn würde ich für nichts auf der Welt eintauschen. Er ist meine Welt! Sicher, es ist hart, als Alleinerziehende. Wo andere Mütter abends oder am Wochenende mal den Papa einspannen können, bin ich auf mich gestellt. Ich muss halt einfach alles selbst machen und das ist schon manchmal sehr anstrengend. Aber ich weiß, dass es die Anstrengung wert ist. Ich bekomme ja alles doppelt von meinem Kleinen: Seine Nähe, seine Küsschen, seine Umarmungen und vor allem bekomme ich seine ganze Liebe.

„Mama, wir beide, wir sind glücklich zusammen!“, hat er letztens zu mir gesagt. Und das hat mir gezeigt, dass ich, wenn auch nicht alles perfekt ist, doch alles richtig gemacht habe.

Und was ist schon perfekt?

4 Antworten
  1. Pebbles
    Pebbles says:

    So jung und schon soviel am Bein. Hochachtung dafür, Schule, Alltag und Erziehung zu bewältigen. Die so klugen und verständigen Äusserungen des Jungen sind unbezahlbar. Zornig macht mich, dass der Vater sich nicht kümmert – aber versichert, dass er sich gern um seinen Sohn kümmern würde! Ja, was denn nun????? Schlimm, dass Sandra das so hinnehmen muss…aber wunderschön, dass der Junge glücklich mit seiner Mama ist.

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  2. Birgit
    Birgit says:

    Ein toller Bericht einer tollen Frau!
    Meine Hochachtung für den tollen Bericht.
    Manchmal fühlen sich jedoch verheiratete Mütter genauso, wie du es beschreibst – Alleinerziehend, weil der Vater so gar nicht mitzieht.
    Schön, dass die junge Frau den „Absprung“ vom Partner geschafft hat und zum größten Teil positiv und optimistisch in die Zukunft schaut!

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