Zur echten Rabenmutter in 3 Schritten

Eine Anleitung

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Hallo! Schön, dass du dich für unseren Crash-Kurs „Zur echten Rabenmutter in 3 Schritten“ interessierst. Du möchtest eine Rabenmutter sein? Eine schlechte Mutter, die alles falsch macht und ihrem Kind mit ihrem rücksichtslosen Verhalten die Zukunft verbaut, es traumatisiert und seiner Gesundheit schadet? Nichts leichter als das! Im Folgenden lernst du, was du alles falsch machen kannst, wenn du ein Kind bekommst, damit du ein wahres Prachtexemplar von Rabenvieh wirst!

In drei einfachen Schritten zur Rabenmutter

Schritt 1: Werde schwanger.

Schritt 2: Bringe das Kind zur Welt.

Schritt 3: Versuche dein Bestes, dein Kind großzuziehen.

Die Geburt – wetten, du machst alles falsch?

Hast du dein Kind auf natürlichem Wege bekommen? Mit PDA? Was bist du denn für‘n Waschlappen. Eine wahre Mutter erduldet die Schmerzen. Weiß doch jeder, dass eine PDA dem Kind nur schadet. Ohne PDA? Oh, da will wohl jemand unbedingt was beweisen! Wie überflüssig, Schmerzen zu leiden, wenn man es nicht muss!

Oder gar per Kaiserschnitt? Puuuh – dann hoffe ich aber, dass der auch wirklich medizinisch notwendig war! Jeder weiß: Du bist gar keine richtige Mutter, wenn dein Kind nicht durch deine Vagina auf die Welt geflutscht ist! Und selbst, wenn dir drei Ärzte die medizinische Notwendigkeit bestätigt haben – bist du dir wirklich sicher, dass es nicht auch so geklappt hätte? Es weiß doch jeder, dass Ärzte an Kaiserschnitten nur Geld verdienen wollen.

Erste Babyernährung – falsch oder falsch?

Du möchtest stillen? Gute Entscheidung. Jeder weiß, das ist das Beste für dein Kind. Du stillst dein Kind nur 3 Monate? Viel zu kurz! Du stillst zwei Jahre lang? Viel zu lang! Das Stillen klappt nicht? Dann machst du es falsch. Hast wohl das falsche Buch gelesen, jeder weiß: Jede Frau kann stillen!

Du pumpst ab und gibst deinem Kind die Muttermilch per Flasche? Hast du keine Angst vor Saugverwirrung? Jeder weiß, dass das Kind, ist es erst an den Sauger gewöhnt, die Brust nicht mehr nimmt! Was das für Auswirkungen haben kann! Du gibt’s dem Kind ausschließlich die Brust? In. Der. Öffentlichkeit? Bist du denn des Wahnsinns? Jeder weiß, dass das total anstößig ist!

Du hast dich für Fläschchennahrung entschieden – oh, oh, oh. Dein Kind wird wahrscheinlich krank werden, infektanfällig, sich nie geliebt fühlen und sehr unglücklich werden. Glückwunsch! Du bist dem Prädikat „Rabenmutter“ schon einen Schritt näher!

Jetzt kommt es noch auf die Art der Flaschennahrung an, die natürlich möglichst von namhaften Herstellern und möglichst teuer sein sollte. Entscheide dich bloß nicht für eine günstige Variante – auch wenn dein Kind nur die Milch trinkt. Jeder weiß, dass das nur eine billige Ausrede ist!

Wickeln oder nicht wickeln – egal: FAAAALSCH.

Du wickelst mit Pampers? Tz, tz, tz. Also, ich will ja nichts sagen. Aber PAMPERS? Da ist Erdöl drin und diese ganze Chemie! Jeder weiß doch, dass das total schlecht für die Babyhaut ist. Und die Umweltbelastung erst! Du hast dich für eine günstige No-Name-Windel entschieden? Also, dass günstig nicht gut ist, weiß doch jeder. Willst du wirklich an einem Produkt sparen, dass so dicht an der Haut deines Babys ist?

Du möchtest es mit Stoffwindeln versuchen? Pruuuuust! Hast du zu viel Zeit, oder was?! Und das viele Waschen – weiß doch jeder, dass das unhygienisch ist und bestimmt riecht das! Und der Umwelt ist der ganze Wasserverbrauch auch nicht zuträglich.

Windelfrei? Bitte was? Ganz ohne Windeln? Du achtest auf die Zeichen, wann dein Baby mal muss und setzt es dann auf den Topf? Ja, du hast ja Zeit! Bitte, wenn du meinst! Aber es weiß ja jeder, dass verfrühte Sauberkeitserziehung dem Kind schadet!

Gekaufte Feuchttücher? Also, diese ganze Chemie! Aber das musst du ja wissen, was du deinem Kind antust. Du machst die Feuchttücher selbst? Mit Olivenöl??? Weiß doch jeder, dass das Kind dann nach Salat riecht!

Beikost? Rate mal… Faaaaaalsch!

Kommen wir zum Thema Beikost. Dein Kind bekommt ab dem vierten Monat bereits Beikost? Das ist doch viel zu früh! Beikoststart mit acht Monaten? Viel zu spät! Du verwöhnst das Kind, das wird doch nie was! Brei? Igitt! Würdest du Brei mögen? Versuch es mit Led Weaning. Fingerfood. Weiß doch jeder, dass das dem Baby guttut. Kein Brei? Ach, was Jahrzehnte – wenn nicht gar Jahrhunderte – praktiziert wurde, ist nun auf einmal schlecht? Das Kind soll sofort schon an fester Kost knabbern? Weiß doch jeder, dass das Kind dann erstickt!

Ich hoffe, du kochst den Brei selbst. Am besten im gebrauchtwagenteuren Thermomix. Das ist das gesündeste, das weiß doch jeder! Aber kauf bitte nur Bio. Und natürlich muss alles gluten- und laktosefrei sein.

Gluten- und laktosefrei? Schonmal was von Allergieprävention gehört?

Und nur Bio? Hast du zuviel Geld? Du geht’s auch noch auf dem Markt einkaufen? Na, du scheinst ja mit dem Kind nicht ausgelastet zu sein!

Oder kaufst du etwa Gläschenkost? Nicht dein Ernst! Zu faul zum selberkochen? Es weiß doch jeder, dass das Kind dann nierenkrank wird und nur noch industriegewürztes Fertigfutter mögen wird. Einen eigenen Geschmack wird es nie entwickeln! Rabenmutter!

Schlafen – na, kommst du drauf? Du. Machst. Es. Falsch.

Dein Kind schläft mit euch in einem Raum? Im Beistellbett? Ganz nah bei dir? Wie süß! Leider verwöhnst du dein Kind ja total damit! Es wird nie wieder allein schlafen können, bis es 30 ist. Das weiß ja jeder!

Das Kind schläft im Familienbett, direkt neben euch? Co-Sleeping? Seid ihr denn verrückt? Ihr werdet euch auf das Kind legen und es versehentlich ersticken. Und wusstest du, dass du es damit verwöhnst? Es wird niemals alleine Schlafen. Und Sex könnt ihr vergessen. Bestimmt für die nächsten 20 Jahre!

Dein Kind schläft im eigenen Zimmer? Willst du es umbringen? Der plötzliche Kindstod und so! Das Kind wird bestimmt sterben, wenn nicht wird es ein lebenslanges Trauma haben, weil ihr es allein habt schlafen lassen! Wart wohl zu egoistisch, euch nachts stören zu lassen. Ach sooo. Ihr hattet ein Babyfon! Ja dann!

Ein Babyfon???? Teufelsgerät! Die Strahlung! Dein Baby wird mindestens Krebs bekommen! Wir kannst du ihm nur sowas zumuten! Es weiß doch jeder, dass ein Babyfon durch Elektrosmog zu Schlafstörungen führt! Und Kopfschmerzen bekommt das Kind auch.

Ich hoffe ja nun, dass dein Kind im Schlafsack schläft. Das ist nämlich besser und verhindert den Erstickungstod. Eine Decke kann über seinen Kopf rutschen… Zu gefährlich, weiß doch jeder! Aber achte bloß darauf, dass der Schlafsack nicht zu warm ist, es könnte überhitzen. Und es muss natürlich Bio-Baumwolle sein.

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Dieses Bild wurde erstellt mit Wordle.

 

Ich könnte ewig so weiter machen…

Hast du es gemerkt, liebe Rabenmutter-Anwärterin? Egal, wie du es machst, es ist verkehrt! Das gab es früher alles noch nicht und sowieso und überhaupt ist da bisher auch noch keiner dran gestorben. Jeder weiß doch, dass es so, wie du es machst, nicht richtig sein kann. Man kann schier verzweifeln – immer, egal, wofür du dich entscheidest: Irgendwer weiß, dass es falsch ist!

Und damit bist auch du eine echte Rabenmutter!

Herzlichen Glückwunsch!

Willkommen im Club!

Ach, unter uns: Weißt du was? So schlimm bist du gar nicht… Vielleicht bist du, obwohl du alles falsch machst, doch eine ganz schön gute Mutter! Lass dich nicht verrückt machen!

 

Na, habt ihr die Ratschläge wiedererkannt, mit denen man als Mutter konfrontiert wird? Habt ihr vielleicht sogar euch selbst wiedererkannt? Denn ich muss sagen, ein paar der Vorurteile habe auch ich so und nicht anders geäußert. Warum fällt es uns so schwer, andere einfach machen zu lassen? Zum Wohle des Babys? Na, eine ständig verunsicherte Mutter wird bestimmt auch nicht das Beste sein

 

Mit diesem Beitrag nehmen wir am Scoyo-Eltern-Blog Award 2017 teil – und freuen uns, wenn ihr für uns votet!

21 Antworten
  1. Sabrina
    Sabrina says:

    Ich schrei mich weg!
    Ja ich oute mich auf diesem weg als tiefschwarze Rabenmutter! Danke für diesen Humorgetränkten Beitrag ! Ich feiere den noch ein bisken! Den druck ich mir aus und dann kriegt ihn die ganze popelige Verwandtschaft zum hinter die Ohren tätowieren!

    Antworten
  2. Nadine Hoppmann
    Nadine Hoppmann says:

    Hahaha. Ich lache immer noch Tränen. Ja, du hast es auf den Punkt gebracht. Und wenn ich es nicht vorher schon gewusst hätte, dann wüsste ich es jetzt: YEAH, ICH BIN EINE RABENMUTTER!!!!!
    LG Nadine

    Antworten
  3. Christin
    Christin says:

    Was für ein passender Artikel. Wir selbst sind (noch) keine Eltern, aber wenn ich mir anschaue, was bei uns im Freundes-/Bekanntenkreis diskutiert und teilweise auch gestritten wird, dann kann ich immer nur den Kopf schütteln. Ehrlich gesagt verunsichert sowas „Noch-Nicht-Eltern“ total. Laufend gibt es irgendwelche neuen Dinge, die natürlich gemacht werden müssen und ich frag mich immer: Himmel, was muß ich für ein verkorkster Mensch sein, denn meine Eltern haben das alles anders gemacht!
    Ich höre bei gewissen Eltern gar nicht mehr zu, wenn sie mir erzählen wollen, wie man das mit dem Kind „richtig“ macht. Ich fühle mich da wirklich unter Druck gesetzt und denke manchmal, wir sollten doch lieber auf Kinder verzichten, bevor ich mir dann am Ende nur dumme Kommentare anhören muß, was wir alles falsch machen. Aber dann denke ich mir wieder, dass jeder machen sollte was er will und auch wir werden unser Kind so erziehen und groß ziehen, wie wir das für richtig halten…man muß wohl einfach lernen dumme Kommentare zu ignorieren. 😉

    Antworten
    • Tanja Chaos
      Tanja Chaos says:

      Ja, das muss man! Ich war am Anfang auch total verunsichert. Auf den Bauch hören und sich dann darauf besinnen, was man selbst möchte. Und die Ohren auf Durchzug! 😉

      Antworten
  4. Tabea Laue
    Tabea Laue says:

    Wie wahr wie wahr…

    Wenn mich Mamas für die Beratung bei Stillproblemen kontaktieren ist eines meiner wichtigen Punkte sie nach ihrem Wunsch-Resultat zu fragen, das sie mit der Beratung erreichen wollen. Da sind manche Mamas ganz verdutzt… denn nach unseren eigenen Wünschen und Vorstellungen werden wir ja oft gar nicht mehr gefragt.

    Lieber „Funktionieren nach Schema F“ ….

    Danke für den aufrüttelnden Artikel – toll getextet 😀 ,
    ~Tabea

    Antworten
    • Tanja Chaos
      Tanja Chaos says:

      Dankeschön!! Ja, was ICH will, hab ich mich als ganz frische Mama auch nicht gefragt – nur „wie man es richtig macht“… Schade, denn das Bauchgefühl gibt einem ja ganz viel mit! 🙂

      Antworten
  5. Steffi
    Steffi says:

    Super Artikel! Auch ich bin eine 1a Rabenmutter! Bis dahin war es aber ein weiter Weg, am Anfang wollte ich es allen recht machen, jetzt höre ich nur noch auf mein Bauchgefühl – auch wenn das bekanntermaßen total faaaalsch ist 🙂

    Du hast es auf jeden Fall toll auf den Punkt gebracht, danke dafür!!!
    Steffi

    Antworten

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  1. […] wir für den Scoyo-Eltern-Blog-Award nominiert! Von 180 eingesendeten Beiträgen hat es unser Rabenmutter-Artikel unter die besten 13 geschafft und wir stehen somit im Finale! Dafür bedanken wir uns bei der Jury […]

  2. […] geht es zum Beitrag „In 3 einfachen Schritten zur Rabenmutter“ von Krümel und Chaos und hier könnt ihr für den Beitrag […]

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